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Gefährliche Frauen

Die weiblichen Rollen in Bond-Filmen sind immer wieder Anlass, Rückschlüsse auf den Stand der Emanzipation zu ziehen. Zu Recht?

Von Michael Marti

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Das Bond-Girl gehöre abgeschafft, so hiess es im Vorfeld des 23. Kinoabenteuers des britischen Geheimagenten 007 – zumindest terminologisch. Von Bond-Woman solle fortan die Rede sein, sagte die französische Schauspielerin Bérénice Marlohe in Interviews, da im neuen 007-Kinostück die Frauen durchaus erwachsene Rollen spielen würden. Die 33-jährige Marlohe muss es ja wissen, sie spielt Sévérine, eine der beiden Bond-Women in «Skyfall»; die andere, Eve mit Namen, wird durch die amerikanische Mimin Naomie Harris (einigermassen bekannt aus «Pirates of the Caribbean» und «Miami Vice») verkörpert. Die Bond-Women, so hiess es weiter, würden in ihrer neuen Komplexität nichts weniger als die Mehrdimensionalität der modernen Frau widerspiegeln.

Seit «Skyfall» der hiesigen Presse präsentiert worden ist, weiss man, was darunter zu verstehen ist. Die Bond-Girls, Pardon, Bond-Frauen, spielen auch dieses Mal keine tragende Rolle. Zwar darf Naomie Harris als MI6-Agentin Bond bei einer Aktion in Istanbul begleiten, das Resultat allerdings ist geradezu niederschmetternd: Eve schiesst im Ernsteinsatz daneben, trifft Bond und bringt ihn fast ums Leben. Zwar darf die Dame später mit Bond noch ins Bett, ihre Agentinnenlaufbahn allerdings ist beendet, Eve wechselt in den Innendienst, wird Sekretärin.

Typische Frauenberufe

Bérénice Marlohe, der Frau, die einen Part als Erwachsene beansprucht, geht es im neuen Bond nicht besser. Nach kurzen Auftritten als Kasino-Dame und Bond-Beischläferin verschwindet sie mit einem Knall aus dem Plot, als wäre sie von den Drehbuchautoren nach einer längeren Arbeitspause schlicht vergessen worden.

«Skyfall», das gilt festzuhalten, ist mithin kein feministisches Manifest geworden.

Die weiblichen Rollen in Bond-Filmen gaben immer wieder Anlass, Rückschlüsse auf das Rollenverständnis der entsprechenden Zeit und den Geschlechterdiskurs zu ziehen. Auf der einen Seite gibt es seit dem Start heftige Kritik, Frauen seien in den 007-Filmen bloss Eye-Candy, stets verfügbare Lustobjekte. Auf der anderen Seite gibt es auch Stimmen – und zwar von Frauen –, die meinen: Das Gegenteil sei wahr, weibliche Figuren in Bond-Filmen hätten immer wieder ein progressives Rollenverständnis an den Tag gelegt, seien gar «feministische Ikonen», wie es die Bond-Produzentin Barbara Broccoli formulierte. Broccoli meint damit die frühen Bond-Damen, die von Ursula Andress gespielte Rächerin Honey Rider («Dr. No», 1962) oder die von Honor Blackman gemimte Pilotin Pussy Galore. «Die progressiven Frauenfiguren waren einzigartig in ihrer Zeit», so Produzentin Broccoli. (Lesen Sie auch: «Die Wahrheit über Ursula A.»)

Frauen und Hunde

Die Bond-Saga und der Feminismus: Das ist auch Gegenstand einer akademischen Auseinandersetzung und zahlreicher literatur- und filmwissenschaftlicher Publikationen. Zuletzt versuchte sich Robert A. Caplen am Thema und kommt in seinem vor wenigen Tagen veröffentlichten Buch «Shaken & Stirred: The Feminism of James Bond» zum Schluss: Zwar gebe es durchaus einige starke Frauenfiguren in der langen Geschichte der Bond-Filme. Diese seien allerdings – etwa die erwähnte Pussy Galore oder die von Halle Berry gespielte Jinx in «Die Another Day» – die Ausnahmen. Die Regel, vor allem in den frühen Filmen, ist eine andere: «Das Frauenbild dient als reaktionäres Symbol gegen die fortschreitende Gleichberechtigung.» (Lesen Sie auch: «Die Feministin und die Stripperin»)

Vom Bond-Erfinder Ian Fleming ist übrigens folgendes Zitat zum Thema überliefert: «Frauen sind wie Hunde – gut zum Schmusen, aber eben keine richtigen Menschen.» Da sollte man von den Bond-Filmen, auch in der Zukunft, nicht zu viel erwarten.

Naomie Harris sagte einige Wochen vor der «Skyfall»-Premiere: «Ich ging vor der Schauspielkarriere an die Universität, weil ich ernst genommen werden will. Ich wollte nie als einfältige Schauspielerin gelten.» Ihr Auftritt in «Skyfall», ihr Einsatz als Bond-Frau, hat sie diesem Ziel kaum näher gebracht.

Michael Marti ist Autor des Buches «James Bond und die Schweiz», dass die Rolle der Schweiz, der Schweizer und natürlich auch der Schweizerinnen in der 007-Sage ausleuchtet.

Literaturhinweis: Robert A. Caplen, «Shaken & Stirred: The Feminism of James Bond». 2012.

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Kommentare

  • Quentin Hesse

    vielleicht wollen die Zuschauer nach 20 Jahren fantasy scf-fi wieder, wie in den 60er, realistischeren sci-fi.

  • The Damned again

    Vieleicht ist es auch etwas gar verwegen, ausgerechnet James Bond-Filme als soziokulturelle Chiffre zu betrachten, aus der sich ganz konkret etwas ableiten lässt: Wenn schon, dann muss doch das ganze Genre kritisch durchleuchtet werden. Diese ganze Chiffre-Deuterei mag vieleicht ein geisteswissenschaftliches Mödeli sein- aber letztendlich setzt sich die Lebenswirklichkeit bei den meisten Menschen zu einem weitaus grösseren Teil aus ganz alltäglichen Handlungen und Erfahrungen zusammen, in der 007-Filme nur einen verschwindend kleinen Teil ausmachen.

  • Michael Marti

    Hui! Das klingt nun aber auch ziemlich nach Geisteswissenschaftler…
    Aber das erwähnte Buch, das ist interessant. Und es geht in diesem Werk darum, wie das Kino auf die Realität, auf historische Prozesse reagiert. Und nicht das Umgekehrt, was es natürlich auch gibt.

  • Hannes

    Was soll das? Immerhin gibt es bei Bond eine Frauenquote wink

  • Playboy

    Frauen und ihr ewiger Minderwertigkeitskomplex..

  • Urs Stamm

    Dieser ganze feministische Schwachsinn den die Journis die ganze Zeit verbreiten nervt langsam. James Bond ist ein Stück Filmgeschichte und da hat es immer Bond Girls gehabt.
    Nur wegen diesen Gender Histerie sollte man sich nicht alles kapput machen lassen. Oder müssen wir Willhelm Tell auch zur Willhelmine umkastrieren?
    Habt Ihr keine anderen Sorgen. Setzt Euch doch einmal für unterdrückte Frauen in arabischen Ländern ein, das hätte Gehalt und verlangt Mut wie ein James Bond. Aber an Anlässen Champus schlürfen und diesen Femi Mist zu propagieren ist einacher Halt einfacher – enben Gender Girl mässig!

  • Sohn des Mars

    Also irgendwie ist dieser Denkansatz irrelevant. Denn die James Bond Filme spiegeln in keinster Weise die Wirklichkeit wieder. Sie mögen in der heutigen Zeit spielen, sind aber eindeutig verhaftet im Hintergrund der Zeit des kalten Krieges und befinden sich damit vom Gesellschaftsbild her noch immer in den 60er Jahren oder allenfalls in den 70ern. Und man bekommt das, was man davon auch erwarten kann.
    Ausserdem denke ich jetzt mal, dass die wenigsten diese Filme mit dem Gedanken anschauen, sich geistig mit der Realität auseinanderzusetzen. Hier geht’s nicht um den Spiegel gesellschaftlicher Entwicklung, sondern um Action; nicht um die politische Auseinandersetzung sondern um die möglichst effektvolle Vernichtung der “Böfei’s” und nichts anderes. Mit anderen Worten: es handelt sich hier um Unterhaltung für Jungs jeder Altersklasse. Also nichts bei dem man grösseren geistigen Gehalt hineininterpretieren sollte.
    Davon darauf zu schliessen, dass alle Männer, die sich von Zeit zu Zeit so einen Film zur Unterhaltung ansehen, dieses geistige Niveau selbst nicht übertreffen wäre genauso zu kurz gedacht, auch wenn es auf den einen oder anderen vielleicht durchaus zutrifft… wink

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