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Freie Sicht, leichtes Leben

Weniger ist mehr. Nach der angesagten Theorie des schlanken Daseins haben wir uns entschieden: Auch Illusionen sind Ballast. Hier unsere Liste von Vorstellungen, die wir über Bord werfen sollten.

Von Clack-Team

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Wachstum mag gut sein, aber ist es auch eine Quelle des Glücks? Wer setzt heute nicht lieber auf Qualität statt Quantität? Bigger, better, faster, more hiess einst noch der Viervierteltakt des Fortschritts. Längst steht er unter Befragung. Nachhaltig, innerlich, massvoll sind die «Lohas», angesagter Lifestyle-Typ mit Fokus auf Gesundheit und (Umwelt-)Verträglichkeit.

Weniger wäre also mehr. Oder, um es im Sinn von David Bosshart, Chef des Gottlieb-Duttweiler-Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft (GDI), zu sagen: «Für die westliche Welt steht in Zukunft aus verschiedenen Gründen das Wirtschaftswachstum nicht mehr als Leitplanke der gesellschaftlichen Entwicklung zur Verfügung.» In seinem neuen Buch «The Age of Less» geht es denn auch um Genügsamkeit und sich bescheiden und was das bedeutet.

Auf der persönlichen Ebene schlägt Trendanalytiker Bosshart vor: «Sie verabschieden sich von ihrem persönlichen ‘Age of Stress’ – und starten glücklich in ihr ganz persönliches Age of Less». Wir nehmen ihn geradezu beim Wort und meinen: Selbst schönmalerische Illusionen sind Gewichte, die loszuwerden lohnen könnte.

So stellen wir eine Klartextliste vor, die nur auf den ersten Blick desillusioniert klingt, aber im Gegenteil meint, dass dank abgeworfenem Balast die Sicht wieder frei wird und das Leben leichter. Von diesen Illusionen trennen wir uns mitunter vielleicht ungern, und doch sind sie ein Gedanke wert:

  • Die Vorstellung vom friedlichen Ruhestand – wir werden uns das gar nicht mehr leisten können, gerade weil die Kids erst mit 40 kamen, deren Ausbildung dauert, bis wir 70 sind, die Renten schrumpfen und wir ein Leben lang vergessen haben zu sparen, weil wir nach dem Motto Carpe diem und konsumiere dabei gross geworden sind.
  • Die Illusion von den Freundschaften am Arbeitsplatz – wer nach oben will, wird seinen Weg nicht mit netten Freundschaften pflastern. Kaffee- und Lästerrunden sind dann vorbei. Denn plötzlich ist man für alles selber verantwortlich.
  • Das Lob der Genügsamkeit? Selbstbetrug. Verzicht macht dann Spass, wenn man ihn sich leisten kann. Also dann, wenn statt dem Velo bei Regen das Taxi drin liegt.
  • Unser Selbstbild, dass wir irgendwie unkonventionell und rebellisch sind. Der Mainstream erwischt uns alle früher oder später.
  • Die Rechnung, dass die Betreuungsphase mit dem Auszug der Kinder abgeschlossen ist. Da warten schon die Eltern auf eingehende Betreuung und fordern nach dem grosselterlichen Grosseinsatz auch wieder Aufmerksamkeit.
  • Die Illusion, dass man nur keine rechte Karriere macht, weil man Mutter ist. Es lohnt sich, mal ganz aufrichtig darüber nachzudenken, was aus einem denn geworden wäre, hätte man keine Kinder bekommen.
  • Die Vorstellung, dass man dereinst alles anders macht – als Mutter, als Chefin, als Nachbarin. Nicht alles, was man tut, hat nur mit Charakter zu tun, manches eben auch mit den Strukturen.
  • Der Traum vom gerechten Lohn, vor allem in Kulturberufen. Lohn ist ungerecht und wird es bleiben. Die Hoffnung auf einen gerechten Lohn stirbt spätestens mit dem Branchenwechsel. Warum der Stundenlohn eines Schreibtischjobs in der Pharmaindustrie höher ist als der einer Theaterschauspielerin? Kein Schimmer.
  • Die Rede von der einen grossen Liebe im Leben. Das klingt romantisch, ist aber unwahr. Es gibt so viele tolle Männer und Frauen, dass die eine oder andere Gruppierung zu glücklichen Jahren führen würde. Wäre schade, Zeit damit zu verplempern, nur auf den Einen zu warten.
  • Der Plan, es dann einmal zu tun. Haben Sie auch Listen mit Büchern, die Sie noch lesen, und Filmen, die Sie noch anschauen wollen? Wenn Sie einen spannenden Link sehen, denken Sie dann: Oh, das will ich später noch genau ansehen? Vergessen Sie’s. Manchmal gilt einfach: Jetzt oder nie. Wenn Sie in Betracht ziehen, was Sie noch alles tun wollen oder müssen, erkennen Sie die Unmöglichkeit. Statt sich mit solch halbwegs unbedeutenden Vorhaben unter Druck zu setzen – weg mit dem «Später».
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