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Freie Liebe, aber subito!

Man hört den Freunden zu wie sie über die Liebe klagen, man bringt Verständnis auf, gibt Ratschläge und leidet mit. Michèle hat die ultimatve Antwort auf alle Beziehungsprobleme der Anderen: Freie Liebe!

Von Michèle Friedli

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Meine letzte Beziehung liegt bereits ein paar Jahre zurück. Und obwohl ich viele bereichernde Erfahrungen sammeln durfte, finde ich es heikel meinen Freunden als Beistand in Sachen Liebe zu dienen. Meist hilft es ihnen, wenn ich aufmerksam zuhöre und wir die Situation gemeinsam ausleuchten. Aber die gefolgerte Erkenntnis überlasse ich stets ihnen. Es ist nicht meine Aufgabe Ratschläge zu erteilen, wie jemand mit seinem Leben verfahren soll. Wer bin ich, dass ich mir ein Urteil anmassen dürfte? Ausserdem beinhaltet unser Dasein die Übernahme von Eigenverantwortung.

Soweit die Theorie…

Neulich sassen mein Kumpel und ich im Kaffee. Ich war eben dabei, ihm von meinem letzten One-Night –Stand zu berichten als er unversehens einen merkwürdigen Gesichtsausdruck bekommt. «Was ist los? Willst du mir etwas sagen?», frage ich ihn.

«Ich stecke in der Klemme und weiss nicht, was ich jetzt unternehmen soll. Ich hab dir doch von Julia erzählt. Wir sind noch nicht lange zusammen, trotzdem liebe ich sie innig. Mit ihr habe ich endlich jemanden gefunden, mit dem ich eine Beziehung aufbauen möchte. Aber du kennst mich, ich bin ein offener und zugeneigter Mensch. Ich kann meine Art zu fühlen und zu denken nicht grundlegend ändern. Sie erwartet von unserer Beziehung gegenseitige Treue. Doch ich spüre je länger je mehr, dass ich ihrem Wunsch nicht gerecht werden kann.»

«Hast du jemanden kennengelernt? Natürlich hast du… Ist etwas passiert zwischen euch?»

«Wir haben uns nur geküsst. Nichts weiter. Aber sie schreibt mir regelmässig und schickt Fotos von sich. Ich habe nun mal eine Schwäche für leicht verrückte Hippie-Frauen.»

Da ich Single bin, wurde ich schon lange nicht mehr mit einem derartigen Problem konfrontiert. Ich darf die Männer geniessen, die mir begegnen. Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, ob ich jemanden verletze.

Ich schlürfe meinen Kaffee und warte darauf, dass er weiterredet. Diesbezüglich kenne ich ihn unterdessen sehr genau. Und ich ahne, wie sich diese Geschichte weiterentwickeln könnte. Er ist ein charismatischer Typ, mit dunkeln Haaren und Augen. Seine ausnehmend charmante Art mit Frauen umzugehen wirkt anziehend und niemals aufgesetzt. Ich weiss das aus Erfahrung. Wir waren schon zusammen an Parties, während mindestens drei Interessentinnen ihn umkreist haben, wie die Bären den Honigtopf. Es ist schwer ihm zu widerstehen…

«Weiss diese Hippie-Frau, dass du eine Freundin hast?»

«Ja, ich bin ehrlich zu ihr.»

«Aber nicht zu Julia. Denkst du nicht, dass sie deine Ehrlichkeit und die Wahl verdient hat, wenn du sie aufrichtig liebst?»

«Ich will unsere Beziehung nicht riskieren, dafür liebe ich sie zu sehr. Aber ich kann mich dabei nicht verleugnen. Meine Liebe bleibt genau so intensiv, es ändert sich nichts, selbst, wenn ich Körperlichkeit mit einer anderen Frau austausche.»

«Aber eine Beziehung gründet auf Vertrauen. Es wäre in Ordnung, wenn Julia mit einer offenen Beziehung einverstanden wäre, aber auf diese Weise agierst du egoistisch.»

«Wäre es nicht ebenfalls egoistisch, wenn ich sie verletze, nur um mein Gewissen zu beruhigen? Es würde uns beide traurig machen. Und wofür? Ich möchte, dass sie glücklich ist und ich liebe sie wirklich. Warum verbindet ein Grossteil der Gesellschaft Liebe mit gezwungener Monogamie?»

Und an diesem Punkt hatte ich plötzlich Osho im Kopf. In seinem provokativen Buch «Liebe, Freiheit, Alleinsein» entwirft er ein Bild der Liebe gelöst von moralischen Zwängen. Er fordert Männer und Frauen dazu auf, sich aus der gegenseitigen Sklaverei zu lösen und einander Freiheit zu schenken. Man mag von Osho denken, was man will: Sektenführer, Sexguru, Kapitalist – what ever. Trotzdem war seine Vision eine grosse Inspiration für mich, meine konditionierte Vorstellung von Liebe zu überdenken. Eins meiner liebsten Zitate von ihm lautet: «Je liebevoller du bist, desto geringer die Möglichkeit einer Beziehung.»

Das klingt jetzt vielleicht esoterisch – aber Liebe bedeutet Freiheit. Es ist die Erkenntnis, dass dieses Gefühl letztlich aus dir selbst fliesst und du es nicht abhängig machen oder an Erwartungen in einen Menschen knüpfen solltest. Und weil ich diese Art zu fühlen und zu denken immer mehr verinnerliche, was manch eine Bekanntschaft nicht versteht, bin ich wohl immer noch Single.

Ich liebe mich und bin mir selbst genug – Ich mag das Gefühl der Innigkeit, von Nähe und Vertrautheit. Und ich geniesse Zärtlichkeiten mit einem Partner – aber ich hege keine Besitzansprüche. Liebe ist kein abgeschlossenes Gefäss, sondern vermehrt sich, je mehr ich liebe. Aber mit einer aufkommenden Beziehung gehen Erwartungen einher, über die man sprechen sollte. Ich halte das für fundamental, denn wir bleiben Individuen, die genügend Raum zur Selbstentfaltung brauchen. Andernfalls vergeht die Liebe irgendwann.

Somit fällt es mir nicht schwer, das Dilemma meines Kumpels nachzuempfinden. Ich glaube ihm, dass er Julia liebt und verstehe seinen Wunsch nach Körperlichkeit mit einer anderen Frau.

Ich konnte also weder für ihn, noch Julia Partei ergreifen. Letztlich bleibt es seine Entscheidung, ob er ehrlich sein will.

Michèle Friedli wurde im Februar 1981 in Bern geboren. Als Slam Poetin und adoptierter Wildfang der Redaktion legt wöchentlich ein buntes Ei über Ausrutscher und Fettnäpfchen ihres Alltags und nimmt sich dabei gern selbst aufs Korn. Hier gehts zu ihrer Homepage.

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Kommentare

  • Eremit

    Warum haben heute blos für so viele ihre Schwierigkeiten damit zwischen der mentalen und der köperlichen Liebe zu unerscheiden.

    Liebt er Julia wirklich und somit nicht blos das Umsorgtwerden und ihren attraktiven Körper (gehe grundsätzlich mal davon aus), dann lässt er Knutschereinen mit einer anderen Schönheit. Oder was findet er an Julia? Des weiteren ist man grundsätzlich ehrlich zu den Menschen die man liebt. Denn das Belogen und Manipuliert zu werden verletzt somanche Menschen, selbst dann wenn das Bewusst sein dies nicht realisiert, wohl aber das Unterbewusstsein realisiert es immer.

    Polygamie ist meines Erachtens gesellschaftlich betrachtet ein No-Go. Für jeden Mann der eine zweite Frau oder Freundin hat gibt es dann einen anderen Mann der gezwungener Massen Single ist. Und somancher Single-Mann stellt dann aus Langweile irgend welche “Dummheit” an. Oder will man das gerade?

    Des weiteren führt Polygamie zu Patch-Work-Kinder. Und nach wessen Anstandsregeln werden diese dann erzogen? Man sieht es bereits bei Kindern die eine Mutter und einen Vater haben wie diese gegeneinander ausgespielt werden. Und bei noch mehr Elternteilen geht das Ausspielen noch leichter.

  • Katharina

    Woodstock war ein big fail. (Ich erinnere an diverse kalifornische ‘Sex Cults’. Charles Manson ist genau dafür die ultimative Ikone.

    Und Polyamorie zerreisst die meisten innerlich.

    Ausgehend davon, dass die meisten Menschen einen Partner suchen, mit dem sie alt werden möchten, kann dann gesagt werden:

    Ab wann ist es Fremdgehen?

    Von da an, wo es das andere verletzt, bzw mich das andere verletzen würde.

    In dem Sinn glaube ich nicht an parallele Beziehungen (im Sinn von Polyamorie). Das gelegentliche geheim genossene Erlebnis dann etwas, wovon beide wissen, dass sie es nicht konkret wissen. Das gelegentliche geschieht seltener und seltener, so meine Erfahrung. Das Gras ist so grün wie überall.

    Das partnerschaftliche Vertrauen ist dann, dass, wenn mehr daraus wird, geredet wird.

    Du hast sicher recht betreffend Besitzansprüchen (und dass die Mehrheit ‘monogamer’ Moralsprüche nur kaschierte Besitzansprüche sind).

  • daniela p.

    hast du denn schonmal jemanden geliebt, und die person hat eben nicht nur dich geliebt sondern auch noch andere frauen neben dir gehabt, mit mehr oder weniger herz dabei? und wie lange hast du dich dabei gut gefühlt? oder kennst du wenigstens ein paar paare, die das gemacht haben, ohne dass etwas kaputt ging?
    ich finde polyamorie oder freie liebe oder was auch immer theoretisch auch eine feine sache, aber solange wir noch andere lebensinhalte haben als uns nur um die kompliziertheit unserer liebesbeziehungen zu kümmern sind die tage einfach nicht lang genug für sowas. mag sein, dass ich das irgendwann wieder anders sehe, aber den schluss musste ich ziehen.
    und heimlichkeiten klappen auf dauer eben so wenig wie freie liebe.
    die wahl zu haben ist eben auch so ein verdammtes dilemma wink

  • Michèle Friedli

    Ja, ich hatte eine solche Beziehung. Sechs Jahre lang. Gescheitert ist sie letztlich aus einem ganz anderen Grund. Ich war die erste Frau, mit der er Sex hatte und so konnte ich den Reiz, den andere Frauen auf ihn ausüben verstehen. Erst war ich eifersüchtig aber am Ende hat das Gefühl überwogen, dass es egoistisch von mir ist, seine Freiheit zu beschneiden. Ich habe für mich erkannt, dass die Liebe, die ich empfinde ein Gefühl ist, welches in mir entsteht und aus mir fliesst. Ich habe sie nicht abhängig davon gemacht, dass es seine Verantwortung ist mich glücklich zu machen. Kannst du sehen worauf ich hinaus will? Und mit dieser Erkenntnis konnte ich mich für ihn freuen. Ich denke mit ihm diese Erfahrung machen zu dürfen, hat mich bereichert. Ich habe dadurch ein anderes Verständnis von Liebe gewonnen. Freiheit in einer Beziehung, ist das grösste Geschenk.

  • Michèle Friedli

    Wir leben unter Menschen, denen ständig eingetrichtert wird in irgendeiner Weise unzulänglich zu sein. Ganze Industriezweige würden eingehen, wenn wir uns selbst lieben. Und darin besteht das Problem. Es gibt nichts zu verbessern oder zu optimieren. Aber diese fatale Konditionierung lenkt uns davon ab dies zu erkennen. Eine liebende Gesellschaft würde auch keine Grenzen ziehen. Weder in Köpfen noch territorial. Und, ja vielleicht findest du meinen gewählten Weg suspekt, dafür habe ich Verständnis. Ich will hier niemandem etwas aufdrängen oder Menschen bekehren – aber es freut mich, wenn mein Text gelesen wird und den einen oder die andere zum nachdenken anregt. wink

  • mira

    Wenn zwei eine offene Beziehung führen möchten und dabei glücklich sind, warum nicht? Ich kenne niemanden, bei dem dieses Modell längerfristig gut herausgekommen ist (inkl mir), aber theoretisch ist es schon denkbar. Anlügen finde ich aber unter aller Sau. Das hat nichts mit Liebe zu tun, sondern ist purer Egoismus.

    Wenn sich ein Paar zu einem Elternpaar weiterentwickelt, dann kann ich mir diese Form nicht mehr vorstellen. Denn anstelle der Selbstverwirklichung des Einzelnen tritt die Verantwortung des Einzelnen für die Gemeinschaft. Und Verantwortung übernehmen heisst, dass man eben nicht mehr alle Optionen frei hat, sondern dass man sich verpflichtet und sich hingibt. Das mag erstmal schlimm tönen, schafft aber eine Basis für eine tiefe Vertrautheit und Geborgenheit welche längerfristig viel mehr Wert ist, als der kurzzeitige Kick eines anderen Körpers.

  • marie

    michèle, er ist der edelmann und ritter hier, der gegen drachen kämpft und burgfröiläins rettet.
    …aber er kann sehr bissig sein… ich mag ihn trotzdem, sexist hin oder her.

    was dein text betrifft: erwartungen in einer beziehung sind (L E I D E R!) immer eine crux und dein letzter satz ist letztendlich ausschlaggebend.

  • Jorge

    Hier drin würde das einem Kampf gegen Windmühlen gleichkommen- da bin ich viel zu faul für…

    Mir tut nur Julia leid… während er gerne begehrt ist und das voll geil findet, bei seinen Kolleginnen mit seinen “Problemen” rumzuheulen/Aufmerksamkeit einzusammeln, liegt sie vielleicht zu Hause auf dem Bett und schreibt voller Liebe in ihr Tagebuch wie glücklich sie doch ist, endlich einen Mann kennen gelernt zu haben, der nicht wie alle anderen ist.

    Womit sie womöglich Recht hat… nur halt auf eine andere, unbeabsichtigte, Weise…

    Und das, liebe Michèle, ist nicht cool, urban oder trendy, oder wie auch immer du Deinen Kollegen findest… das ist einfach nur traurig und sehr, sehr schäbig.

    Da bleib ich doch lieber aufrichtiger Sexist und reite mit offenem Visier ins Drachenmaul…

    PS: natürlich kann auch Julia eine moderne Drecksau sein und neben Deinem Spezi noch andere Typen zappeln lassen… aber das wissen wir ja beide nicht… verdient hätte er es!

  • Ayosha

    Sehr geehrte Frau Friedli

    Gerne bediene ich mich wieder einmal der Trickkiste Kritik, und gesundem Austausch. Liebe ist für jeden etwas Anderes. <—- Offenheit anderen Gegenüber.

    Jedoch,  kann ich Ihren Freund verstehen und doch nicht verstehen. Es ist ein No-Go in einer Beziehung fremdzugehen. “Fünfer und`s Weggli my ass”. Man kann leider nicht alles haben.
    Und die es sich nehmen, sich dann in Unschuld waschen zu versuchen, alles auf Ihren Trieb schieben, gehören ordentlich geschüttelt. Wo sind die Gentle-Männer welche sich der Liebe immernoch hingeben, nicht der “Sex-is-everywhere-Gesellschaft” zum Opfer fallen. Der Geist ist willig, doch schwach ist das Fleisch? Ach bitte.

    Ich kann Verstehen dass der Jäger und Sammler (Auf One-night-Stands bezogen) immernoch in (fast) jedem Mann schlummert aber dann soll er gefälligst Single sein und nicht mit Herz und Fegefeuer spielen….alles kommt zurück….(ein wenig Esoterik muss sein)

    Um Ihrem Freund einen Tipp zu geben, Julia ist nicht die Richtige, sonst würde er nicht mit irgendwelchen Hippie-Frauen rumknutschen…

    Liebe die grenzeloseste und stärkste Macht…beherrschen tut sie doch nicht jeder…leider

    @Jorge
    Ich weiss nicht ob Sie sich in Sarkasmus üben (auf Anfänger Niveau natürlich) oder diese Worte ernst meinen. Sie stehen Ihnen zu, Sie sind ja ein freier Mensch, hoffe ich doch, allerdings sind Sie in meinen Augen ein kompletter Idi…(buchstabieren für Anfänger)

  • Pedro

    Ich denke, der Mensch ist nicht für Monogamie eingerichtet, sonst würde es dieses Begehren nach anderen sexuellen Erlebnissen spätestens nach 2 Jahren in einer Beziehung, nicht geben. Jene in der Beziehung beneiden manchmal die Singles wg. ihrer sexuellen Freiheit, die Singles beneiden diejenigen, welche schon lange eine stabile Beziehung vorweisen. Falls man einmal eine vorübergehende Affäre haben sollte, bringt es doch nur Schmerz, den Partner damit zu konfrontieren. Wichtig ist, dass die Affäre zeitlich begrenzt und nur eine Affäre bleibt. Ich selber bin seit vielen Jahren in einer Beziehung und beneide die Singles manchmal, aber unterm Strich möchte ich es nicht anders. Das Vertraute, die Zuneigung, die gemeinsamen Unternehmungen sind einfach zu wertvoll. Klar, die Verliebtheit ist vorbei, aber die LIEBE bleibt sehr lange, wenn es passt.

  • Michèle Friedli

    Lieber Jorge
    Auf dem wenig konstuktiven Niveau von Beleidigungen vergeht mir die Lust zu kommunizieren. Solche Worte sprechen nicht für dich. Bedenke bitte, dass niemand ohne Fehl und Tadel ist, selbst Sie nicht mein visierloser Ritter im Drachenmaul.

  • Katharina

    @Michèle: Hast Du Dir überlegt, dass Dein Text eigentlich in dieser Form mit ziemlich direkt rekonstruierbaren Bezügen zu Deinem Bekanntenkreis nicht hierher gehört? Immerhin bist Du als Privatperson hier sehr öffentlich und Dein Kreis von Freunden und Bekannten gut eruierbar. Wir reden ja von Dir als so etwas wie eine lokale Celebrity mit Bühnenauftritten, wohnhaft in einer recht kleinen Stadt.

    Hast Du Dir überlegt, was es für die Betroffenen heisst, das ganze hier mitzulesen und sehr wohl zu wissen, wer hier von wem spricht? Insbesondere, wer im Text als nicht wissende und hintergangene da steht.

    Ich selber enthalte mich von einem Urteil, wie die betroffenen drei die Situation handhaben wollen, oder sollen. Was ich im Allgemeinen von solchen Situationen halte, habe ich, aufgrund meiner Erfahrungen, schon gesagt. Nur das: Ich möchte jedenfalls niemals solches in einem anonymen öffentlichen Raum wie diesem hier von einer Vertrauten so ausgebreitet sehen.

    Hier, so denke ich, hast Du eine Grenze überschritten, die Du nicht überschreiten solltest, wenn Du authentisch und gleichzeitig vertrauenswürdig bleiben willst.

  • Michèle Friedli

    Liebe Katharina, woher willst du wissen, dass mein Text direkt rekonstuierbar ist?
    Ich kann deinen Kommentar verstehen. Trotzdem solltest du dir nicht meinen Kopf zerbrechen. Es wurden keine echten Namen genannt und mein Kumpel so beschrieben, dass er nicht nach Äusserlichkeiten identifiziert werden kann. Ausserdem habe ich sein Einverständnis.
    Meine Bekanntschaften und Freunde bewegen sich nicht alle imselben Freundeskreis, da sie über die Schweiz verteilt sind und kennen sich daher oftmals nicht. Wie ich z.B “Julia” nicht kenne, da sie nicht in meinem näheren Umfeld verkehrt.

  • Kurt

    Ich finde diese Pathologisierung des Mannes Mittelalter.
    Glaubst du tatsächlich, dass der Mann mehr fremdgeht als die Frau?

  • Katharina

    Denkst Du ich bin so blöd, das nicht rekonstruieren zu können? Geschweige denn die Leute in Deiner Stadt, bzw im Deinem direkteren Umfeld. Dass Dein Kumpel dazu sein Einverständnis gab, macht es umso schlimmer. A fucking sore Loser. You don’t peddle such stuff around into the global public. Erinnert mich an die ‘my Ex’s selfies’ auf 4chan.

    Ich bleibe dabei: Du hast hier eine Grenze überschritten, selbst wenn der Typ sein Einverständnis gab, was ich sowieso vermutete.

    Also spar Dir das “Trotzdem solltest du dir nicht meinen Kopf zerbrechen”. Das ist ganz einfach schrecklich naiv und trampelt schlicht über diejenige hinweg, die er hintergehen will. All das, wegen Deinem Pledge ‘for free Love’? Du kannst besser.

  • Katharina

    „Man mag von Osho denken, was man will: Sektenführer, Sexguru, Kapitalist – what ever. Trotzdem war seine Vision eine grosse Inspiration für mich, meine konditionierte Vorstellung von Liebe zu überdenken.“

    Und:

    „Ganze Industriezweige würden eingehen, wenn wir uns selbst lieben. Und darin besteht das Problem. Es gibt nichts zu verbessern oder zu optimieren. Aber diese fatale KONDITIONIERUNG lenkt uns davon ab dies zu erkennen. Eine liebende Gesellschaft würde auch KEINE GRENZEN ziehen. Weder in Köpfen noch territorial. Und, ja vielleicht findest du MEINEN GEWÄHLTEN WEG SUSPEKT, dafür habe ich Verständnis“

    Damit habe ich, betreffend Osho, ein grosses Problem, denn ich kann nicht einige Aspekte eines Preachers von der Person an sich trennen.

    Osho sagte Dinge wie:

    «Euthanasia and Eugenics

    Rajneesh favored euthanasia for children with a broad variety of birth defects, such as blindness, deafness, and dumbness: “if a child is born deaf, dumb, and we cannot do anything, and the parents are willing, the child should be put to eternal sleep.” He maintained that people at risk of conceiving children with birth defects “don’t have that permission from existence” to “take the risk of burdening the earth with a crippled, blind child”.»

    «Jewish “guilt”, the Holocaust and the gas chambers’ “holy smoke”

    Rajneesh claimed that Jews “are guilty people, and their guilt is very great” because they crucified Jesus; out of this guilt, they are “always in search of their Adolf Hitlers, someone who can kill them”. He asserted that only when Jews “reclaim Jesus”, “they will be healthy and whole, and then there will be no need for Adolf Hitlers”. and claimed that “Hitler’s violence was far more peaceful” than (for example) the violence which erupted in India after independence from the British Crown; Hitler “killed people in the most up-to-date gas chambers, where you don’t take much time. Thousands of people can be put in a gas chamber, and just a switch is pressed … Within a second, you evaporate. The chimneys of the factory start taking you, the smoke – you can call it holy smoke – and this seems to be a direct way towards God. »

    «Homosexuality as perversion; segregation and relocation of homosexuals

    During the years before his move to the United States, Rajneesh supported and encouraged homosexual sannyasins: “No condemnation, no judgement, no evaluation. If you are a homosexual, so what?! Enjoy it! God has made you that way.” However, during the early to mid-1980s he arrived at a more judgemental assessment of homosexuality and suggested that homosexuals should be isolated: “homosexuals, because they were perverted, created the disease AIDS.” “They can live in their own world, in their own way, and be happy, but they should not be allowed to move in the wider society, spreading all kinds of dangerous viruses.” When asked by gay sannyasins to explain his new view of homosexuality, he replied “AS A HOMOSEXUAL, YOU ARE NOT EVEN A HUMAN BEING … You have fallen from dignity.” He never changed or retracted these public pronouncements.»

    Da kommen ernsthafte Bedenken betreffend Deinem Weg auf, auch, was Konditionierung betrifft.

    Immerhin wurde Osho aus den USA deportiert, weil er seine Gemeindemitglieder zu Bioterrorismus anstiftete (konditionierte):

    «The Oregon commune collapsed in 1985 when Rajneesh revealed that the commune leadership had committed a number of serious crimes, including a bioterror attack (food contamination) on the citizens of The Dalles. He was arrested shortly afterward. Rajneesh was deported from the United States in accordance with a plea bargain. Twenty-one countries denied him entry»

    (Alle englischsprachigen Zitate von: http://en.wikipedia.org/wiki/Rajneeh )
    Es kann ja sein, dass Du meinen Hinweis zu Charles Manson nicht siehst, oder geflissentlichsts überliest. Aber solche vermeintliche Weisen gibt es überall. E.g. die AAO um Otto Muehl in your neck of the woods. Aber Osho, ein krimineller, und Sex Guru ähnlich eines Charles Manson als ‚Inspiration and Guidance‘?

    Ich denke, Du bist, jung wie Du bist, da etwas blind, oder wusstest nicht, WEN du da zitiertest. Oder es handelt sich um das simple „Elektro Party, Quay Ludes and Yellow Jackets“ Syndrom.

  • daniela p.

    quatsch, ich finde theoretisch hast du völlig recht. und ein beispiel von 6 jahren ist immerhin eins

  • Michèle Friedli

    Liebe Katharina, nicht nur das er hat unter anderem auch dafür gesorgt, dass seine engste Vertraute fast vier Jahre ins Gefängnis musste und er wollte den Rekord halten als Mann mit den meisten Rolls Royce. 93 davon besass er. Deine gegoogelten Informationen sind mir nicht neu. In meiner Kolumne steht: Man darf von Osho denken, was man will: Sektenführer, Sexguru, Kapitalist – what ever. Ich stehe ihm durchaus kritisch gegenüber und betreibe keinen Personenkult.
    TROTZDEM ist es ein lesenswertes Buch. Ich kann es dir wirklich empfehlen. Ich würde es dir sogar schenken – aus reiner Nächsten-LIEBE wink
    Vielleicht entspannt es dich ein bisschen, denn offenbar hat mein Text einen wunden Punkt getroffen. Ich wünsche dir trotz allem einen vergnüglichen Abend liebe Katharina.

  • Jorge

    “wenig konstuktiven Niveau”

    Über Niveau lässt sich streiten, aber wieso ist mein Beitrag nicht konstruktiv?

    Merkt man nicht, dass ich gegen Deinen Begriff der freien Liebe bin? Und auch, WESHALB ich das nicht so dolle finde?

    “Beleidigungen”

    Das ist nicht die Absicht. Hab hier einfach ein Bild vor Augen, was meinem (leidlich vorhandenen) Moralempfinden zutiefst widerspricht. Dagegen kann ich wenig bis gar nichts machen. Vielleicht sollte ich es mir nicht bildlich vorstellen, wie er in der Bar vor Dir sitzt, von seinen Eroberungen schwadroniert und nebenbei sicher noch die Bardame abcheckt.

    Klar, viel Kopfkino… aber mein Versuch, meine Empörung in Textform widerzugeben muss auch nicht jederfraus Sache sein ; )

  • Jorge

    There’s no business like showbusiness!

  • Jorge

    Genau – wir alle verdienen den Fünfer und das Weggli!

    Wer uns eine innige Beziehung und ein wildes Sexleben nebenher mit wechselnden Partnern schlechtreden will, ist ein bornierter Spiesser!

    Die Beziehung ist meine Burg und die Liebeleien Eroberungszüge, ohne das geplünderte Land in Besitz zu nehmen! Wir können das, weil wir die Guten sind!

    Wahrheit für die Menschen, die wir vorgeben zu lieben? Bah, die würden die Wahrheit doch gar nicht verstehen… ertragen… ! Ja, wir sind Menschenfreunde, indem wir es ihnen verheimlichen – wir ersparen ihnen Schmerz! Wo ist unsere Medaille!

    Und wenn sich der geile Hecht irgendwann mal dazu bequemt, die Geschichte mit Julia ernst werden zu lassen, ist es sicher super, wenn sie sich im Kollegenkreis bewegt und Michelle und wer weiss sonst noch im Bilde ist, dass die Neue eh schon hintergangen wurde.

    Wir sind ja so modern und aufgeschlossen ^^

    “Er liebt Julia… ” … genau… wir alle lieben Julia

  • Michèle Friedli

    Und ich hatte schon Bammel kein sarkastisches Statement von dir zu hören lieber Jorge

  • hans

    katharina, würden wir alle dinge konsequent ächten, die von menschen mit fehl und tadel gesagt wurden, hätten wir keine geschichte, keine kultur, nichts. könnten wir auch das ganze christentum, den feminismus und die aktuelle wirtschaftslehre ächten.
    ich folge da ganz michèles argumentation.

  • Jorge

    Es ist mir auch ein echtes Anliegen, Dein Vertrauen in meine Person nicht zu erschüttern, holde Maid…

    … dein Kollege ist trotzdem ein Arschloch.

    #savejuliasheart

  • Reto B.

    Soll jede/r tun, was er/sie will, um nach seiner oder ihrer Façon glücklich zu werden. Polyamorie wäre jedoch für mich der Tod meiner Ehe und meiner Liebe. Der Grund nicht fremdzugehen, es gar nicht zu wollen ist mein absolutes, völliges und vollständiges Aufgehen in meiner Beziehung. Ich teile mein Leben unbeschränkt mit ihr und sie ihres mit mir. Dies schafft das Vertrauen aus dem ich meine Ausgewogenheit, meine Gelassenheit und meine Zufriedenheit schöpfe. Ich ertappe mich immer wieder, mir mindestens genauso viele Gedanken zu machen, wie ich ihr helfen kann und sie glücklich machen kann – wie mich selbst. Ich bin kein Einzelkämpfer (mehr). Es ist für mich keine Einschränkung – nie ein Müssen. Es ist ein Geschenk, sie, ihre Sichtweise, ihre Zuneigung und ihre Hilfe zu haben. Kein Aufwand meinerseits ist zu gross, den ich nicht ebenso oder mehrfach zurückbekomme – ohne darum zu bitten. Und meine Befürchtung, dass ich diese funktionierende Einheit gefährden würde, wenn ich eigensinnig und unehrlich handle, verhindert ebendieses “Fremdgehen”. Nicht, weil sie es merken könnte, sondern, weil ich in Gedanken und Gefühlen schon eine Tür schliessen würde.

  • Michèle Friedli

    *Savejuliasheart*? versuchst du dein Sexisten Image abzulegen? wink

  • Irene

    Über freie Liebe spricht man nicht, man lebt sie….um dann sich mit 65 auf die einsame Insel zurück zuziehen…..smile (( viel Spaß beim kokos sammeln))

  • bengel

    friedli, sehr persönlich wärs, wenn du uns mitteilen würdest, wieviele partner du parallel hast grin

  • daniela p.

    michele, ich muss zugeben, dass ich dir auch nicht sagen kann, warum bei mir dein text aber vorallem deine reaktionen in den kommentaren einen schulmeisterlichen eindruck hinterlassen haben. und warum retos text nicht (diesmal jedenfalls nicht wink). retos text las ich persönlich, deine texte nicht. sorry!

  • daniela p.

    es ist eigentlich schade, dass michele darauf nicht auch etwas geantwortet hat. das ist doch die perfekte gegendarstellung zu ihrem text. du zeigst, warum es gute gründe gibt monogam zu sein. weil man das will, und nicht weil es einem gesellschaftlich aufgedrängt wird, oder man zu feige ist. oder dumm oder blind.
    an deinem text gefällt mir auch besser als an ihrem, dass du nicht schulmeisterlich schreibst, und alle anderen mit ihren vielleicht anderen für sie funktionierenden modellen nicht dumm aussehen

  • Reto B.

    Ach, das ist schon okay. Ich bin beim Lesen instinktiv getroffen worden, als das Beispiel von Julia kam. Aber das ist doch völlig logisch. Es widerspricht dem Plan, den ich im Kopf habe. Wenn nun aber jemand einen völlig anderen Plan hat? Ja dann muss er auch einen anderen Weg einschlagen. Während ich ein Häuschen im Grünen möchte, möchte er vielleicht ein Loft in der Stadt.

    In einem Kollegenkreis ist es durchaus möglich, dass jemand, der mal eine harte Zeit durchmacht, einfach “rausfault”. Man hat sich halt auseinandergelebt. Wenn ich mir das nun auf Beziehungen hochrechne – so sehe ich die positiven Aspekte, wenn alles gut läuft und alle zufrieden, gesund und glücklich sind. Der Hauptwert der Liebe, wie ich sie suche und pflege, ist für mich dann, wenn es eben schwierig ist. Ich erlaube mir 3 doors down zu zitieren:

    “So hold me when I’m here
    Love me when I’m wrong
    Hold me when I’m scared
    And love me when I’m gone”

    Ich habe eine Weile über diese Zeilen nachgedacht (und den Rest des Liedes) und wie schön ich sie finde. Ich habe meine Frau geheiratet, weil sie mich liebt um meiner Willen und nicht, weil ich eben grad da und verfügbar bin, wegen einiger meiner kürzlichen Taten und weil sie mich auch liebt und unterstützt, wenn ich im Unrecht bin oder Fehler mache (mich liebt, nicht was ich tue).

    Es gibt grosse Probleme, die man sich mit einem solchen Versprechen aufbürden kann. Und ich weiss, dass bei einigen der Moment kommt – ein Weilchen hinter dem Moment, an dem ein Mensch zerbricht – wo man dieses Versprechen nicht mehr einhalten kann. Es gibt Leute, die solch ein Zusammenleben gar nicht wollen, die solch ein Versprechen gar nicht geben können/wollen. Dies ist für mich ein Zusammensein, wenns schön/gut ist – wenn es hart auf hart kommt, muss jeder und jede selbst klarkommen. Ich masse mir nicht an, ein objektives Urteil abzugeben, was besser oder richtiger ist. Ich habe für mich und meine Situation entschieden, was ich will. Ich weiss ja noch nicht mal, ob meine Meinung mein ganzes Leben lang die gleiche bleiben wird. Ich weiss auch nicht, ob ich es noch einmal schaffen würde, einer anderen Partnerin das selbe Versprechen abzugeben, sollte etwas schieflaufen.

  • Markus

    “Warum verbindet ein Grossteil der Gesellschaft Liebe mit gezwungener Monogamie?”
    In der Tat ist diese Art von monogamer Liebe oder Ehe ein kulturelles Konstrukt. Haben wir schon vergessen, dass Fremdgehen bis vor ca 10 jahren vor dem Gesetz als Grund für die Trennung der Ehegemeinschaft (und Güter- und Wirtschaftsgemeinschaft) galt. Unsere Politik und unser Staat hat uns quasi vorgeschrieben, bloss monogam leben zu dürfen. Noch zwei Jahrzehnte früher war das Zusammenleben von Mann und Frau in einer Wohnung ohne Heirat (!) verboten….

  • Michèle Friedli

    Stimmt! Das lese ich grad im Buch von Iris von von Roten wink

  • Michèle Friedli

    @Daniela: Dir ist sicher aufgefallen, dass meine Kolumne einen sehr persönlichen Standpunkt einnimmt. Das ist aber nur meine Sicht auf dieses Thema. Ich will niemanden bekehren oder “schulmeistern”. Wie Reto es passend ausdrückt – jeder findet seinen Weg. Trotzdem bin ich, und andere offenbar auch, für diese Diskussion offen und akzeptiere weitere Meinungen.

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