Clack

Frauenjagd im Osten

Meret, die Clack-Teilzeitprinzessin, setzt sich der Qual aus, die Reality-Soap «Liebesglück im Osten» zu schauen. Und kann trotz Fremdschämen nicht wegzappen.

Von Meret Steiger

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Ich habe mir gestern «Liebesglück im Osten», eine weitere von 3+ vom deutschen TV geklaute unsägliche Reality-Soap reingezogen. Zum Inhalt: Hobby-DJ Hansi, Cowboy Erich und Bubi Beno suchen in dieser Sendung in Odessa, Ukraine, die grosse Liebe. Oder auch nicht. Beno lässt nämlich ziemlich deutlich durchblicken, dass er hauptsächlich «das Abenteuer» sucht. Als dann sein Date, Irina, auftaucht, ist er aber plötzlich ganz still.

Er ist nicht schüchtern, nein, sein Englisch ist schlicht genau so schlecht wie sein Ukrainisch oder sein Finnisch.  Frauen, die nicht Deutsch oder, noch besser, Schweizerdeutsch sprechen, die hätten es schwer bei ihm, sagt er. Ja, Beno, genau drum würd’ ich auch in der Ukraine nach Mädels suchen, du Dumpfbacke! Abends, etwa nach dem zehnten Vodka, kann Beno dann doch ein bisschen Englisch und grabbelt erfolglos irgendeine arme Ukrainerin an. Ich weiss übrigens auch, wieso Beno da mitmacht: Er sieht sich einfach gerne im TV, bei «Swiss Diner» war er nämlich auch schon. 

Stimmungs-DJ Hansi aus dem Aargau hat als Mitbringsel Zeug aus seinem eigenen Broki mitgebracht: Deutsche (!) Bücher und Betty-Boop-BHs. Das zieht bestimmt, weil er ja überzeugt ist, dass Ausländerinnen viel weniger aufs Geld schauen. Hansi steht total auf Schlagersängerinnen und vergleicht seine Dates ausnahmslos mit Dunja Reiter und Helene Fischer. Naja. Immerhin heisst die Partnervermittlerin Helen. Die Arme muss mit Hansi Souvenirs kaufen gehen, und im Touri-Laden spricht Hansi die Verkäuferin an, die zum allgemeinen Erstaunen der Zuschauer einem Date zusagt. Partnervermittlerin Helen erklärt nachher im Interview, dass die Verkäuferin auch Kundin bei ihr ist. Ehm. Das erklärt einiges. Beim Date sind Hansi und Verkäuferin Elena dann aber tatsächlich irgendwie herzig. Sie mögen sich offensichtlich, und wenn der kleine Hansi mit der grossen Elena engumschlungen tanzt, sieht das einfach unendlich putzig aus. Jöööh!

Cowboy Erich ist ebenfalls überzeugt, dass Ausländerinnen weniger auf Geld aus sind. Und er muss es ja wissen, er war immerhin schon vier Mal verheiratet. Mit einer Thailänderin, zwei Damen aus der Karibik und einer Nordamerikanerin. In der Schweiz hat sich Erich bisher nur Frauen gekauft, wie sonst wäre seine Bemerkung «Ukrainerinnen freuen sich über 100 Franken als Zückerli», nicht wie die Frauen in der Schweiz» zu verstehen? Erich, man kann und muss nicht jede Frau kaufen, ich schwör! Bei gekauften Damen ist seine Hauptpriorität aber wohl am einfachsten zu erfüllen: Die Frauen müssen untenrum behaart sein. Das ist Erich so wichtig, dass er es ihn jedem zweiten Satz betont. Gottseidank bremst ihn Partnervermittlerin Helen aus. 

Richtig hart wird’s dann aber, als die drei ohne Partnervermittlerin losziehen und in einem ukrainischen Club zum Gangnam Style abgehen. Das ist Fremdschämen auf einem ganz neuen Level. Ich bin wirklich versucht, abzuschalten, aber meiner Kolumne zuliebe halte ich bis zum bitteren Ende durch.

Was mich am meisten irritiert, sind die Motive der drei Herren. Sie sind sich darin einig, dass die Ausländerinnen (alle übrigens, nicht nur die Ukrainerinnen) feuriger, weniger aufs Geld aus und überhaupt an und für sich liebenswerter sind. Wie lächerlich und engstirnig ist es zu glauben, alle Frauen einer Nationalität seien gleich? Das grenzt an Rassismus. Aber ganz ehrlich? Irgendwie bin ich froh, wenn sich Exemplare dieser Sorte im Ausland umschauen. Dann muss ich mich wenigstens nicht mit ihnen herumschlagen. 

 
 

Meret Steiger, 21, Autorin, ist sowohl Mädchen als auch gestandene Frau und arbeitet zur Zeit bei Fernsehsender Tele Züri als Inputerin. Wenn sie nicht gerade in der Badewanne sitzt, ihre Schuhe zählt oder George Clooney anhimmelt, richtet sie ihren scharfen Blick und ihren Sinn für Humor auf die kleinen Alltäglichkeiten, mit denen sie sich her

Teilzeitprinzessin


Kommentare

  • T

    Hahaha geniale Kolumne!! Ich hab nach dem konstruierten Souvenir-Shopping abgestellt. Diese Landtrottel kommen aber ans Format der Typen in der RTLII Sendung “Traumfrau gesucht” nicht heran – ich sag nur “In jedem steckt doch ein bisschen Walter”! XD

  • Der Walter

    Walter und sein Walter-Spiel. I died.

  • Sohn des Mars

    Mäin Jott… und ich habe bisher in seliger Unkenntnis gelebt, dass es so eine Sendung überhaupt gibt. Und wenn ich diese Kolumne so lese, muss ich zugeben, es hätte eigentlich auch so bleiben können.
    Das Schlimme ist ja eigentlich, dass es diese Typen wirklich so gibt, und dass sie auch ehrlich überzeugt sind davon, dass das, was sie so erzählen, richtig ist. Und die Frauen dort ertragen diese Kerle, weil es für sie ein Ticket in den Westen bedeutet. Vielleicht aber auch, weil sie deren Gewäsch nicht unmittelbar verstehen.
    Doch die wahren Dummbeutel sitzen vor dem Fernseher und ziehen sich sowas Woche für Woche (oder in welchem Intervall auch immer es läuft) rein und warten gespannt auf die Fortsetzung. Das ist eigentlich nicht mal mehr bemitleidenswert. Dagegen hat “Bauer sucht Frau” direkt intellektuellen Anspruch.

  • mal wieder

    da gehe ich mit ihnen einig. nur dass ukrainerinnen keine rasse sind, drum wohl auch kein rassismus.

  • It’s the Damned, stupid!

    Proll-Porno, unterste Schublade. Da lacht man ganz gezielt über Unterschichtige, weil sie einem vorgeführt werden, wie Zirkusbären. Ein streitbarer, deutscher Soziologe spricht in diesem Zusammenhang von Klassismus. Irgendwie hat er recht. Und irgendwie finde ich das auch gefährlich…

  • Harry

    Und schon wieder jemand, der einem genialen TV-Format auf den Leim gegangen ist. Meckern aber den Scheiss trotzdem anschauen. Mir tun die vor der Kiste mehr Leid als die, dieses Affentheater durchziehen (inklusive Kolumnenschreiberinnen).

  • Réda Philippe El Arbi

    … und schon wieder jemand, der die Kolumne darüber gelesen und kommentiert (!) hat. Offenbar ein Thema, oder sogar ein Meta-Thema. 😀

  • Franziska Seiler

    Ich finde deine Beobachtungen sehr treffend, liebe Meret.  Diese Sendungen lassen einen immer wieder verdutzt zurück – und man weiss dann gar nicht, weshalb man sich das antut. Diese Art Männer ist bedauernswert, das sind die absoluten Looser.

  • Andreas Müller

    Sozialer Abwärtsvergleich, nicht? Ein Hauptmotiv für die Fernsehnutzung… Deshalb schau ich auch so gerne den Bachelor.

  • Ihr Name

    Ich seg ia scho siid em KV: d’Meret ghört in Bundesrat

  • Sohn des Mars

    “Klassismus” würde jetzt aber implizieren, dass die Konsumenten jener Show eine Klasse besser sind als die Zirkusbären. Ich denke, für die breite Mehrheit lässt sich das wohl ausschliessen.

  • Bettina

    Gut & lustig geschrieben! Weiter so smile

  • Glitzi

    haha herrlich, hansmer au sho iezoge, jedoch uf vox nd es isch iewie so unglaublich schrecklich und peinlich, dassmer nöd chan wegluege us neugierde, obs no schlimmer chönt werde 😀

  • Guschti

    kann es sein, dass es ihr muehe bereitet, dass “ihr” telezueri/ swissdinner beno vom naechsten junk sender erfolgreich rezykliert wird…?

  • Meret

    nö, eigentlich nicht.

  • Werni

    Die Sendung läuft immernoch. Ist offensichtlich Quotenmässig kein Ladenhüter. Und behämmert ist sie auch immernoch.
    Nun aber, bei um die 50% Scheidungen muss etwas nicht stimmen. Klar der erste Schuss gilt immer den Männern. Sie seien weder beziehungs-, noch familientauglich sowieso eh zu nichts zu gebrauchen und an allem schuld (Definition Schwarzer).
    Kann das so stimmen? Wohl kaum.
    Man muss nur die Augen und Ohren offenhalten. Und Mann stellt fest wieso die Idee, sich eine nicht CH sozialisierte Frau zu angeln, bei Männern jeden alters immer mehr um sich greift.
    Wenn Frau sich genau solange feminim attraktiv verhält und sich pflegt bis sie ein Kind hat und Mann nur noch die Wahl hat zwischen Resignation bis zum unkontrollierten Ausbruch oder Scheidung mit alimentärem Bankrott, dann wird die Suche nach einer Frau die vielleicht eben nicht so funktioniert lohnenswert.
    Und wenn sich dann die Berichte über Männer häufen, deren ausländische Frauen auch nach der Geburt öfters hohe Absätze tragen, sich feminim kleiden und nicht dauernd einen CH Lätsch machen so führt das halt dazu, dass Männer sich einen zukünftigen CH Frusthaufen einfach nicht mehr antun wollen.
    Und dass das alles scheinbar funktioniert, auch wenn die Frau einer gleichberechtigten Erwerbstätigkeit nachgeht, macht diesen Weg unwiderstehlich.
    Nun, die zukünftig frustrierte CH Frau muss einsehen, dass CH Mann sie nicht mehr nehmen muss.
    In der globalisierten Welt kann man nicht nur Waren rund um den Globus finden. Immer öfters finden CH Männer halt auch ihre Liebes- und Lebenspartnerin irgendwo ausserhalb der Schweiz.
    Das führt natürlich dazu, dass heute CH Mann der CH Frau nicht bloss die Liebe in der Beziehung entziehen kann, wie er es ja selbst zu erwarten hat, sondern gleich die ganze Beziehungszukunft.

  • SagsDirekt

    Fantastisch. Treffender kann man diese Vergewaltigung des Assi-TV’s kaum beschreiben. Schlechtes Fernsehen ist die eine Sache. Schlechtes schlechtes Fernsehen eine ganz andere. Und ergänzend zur berechtigten Freude sich nicht mit diesen Hinterwäldlern rumschlagen zu müssen, weil sie im Osten Körbe sammeln: Man(n) darf sich auch gerne etwas besser fühlen angsichts der schier unfassbaren Peinlichkeit dieser drei balzenden Taktlosigkeiten.

  • UACH

    Gratuliere Frau Steiger!

    Sie haben es geschafft, das Klischee “Europäer sucht Frau im Osten = alter, ungebildeter Vollidiot” und “Ukrainische Frau sucht Europäer = armes, geldhungriges Sexobjekt”, sogar auf einem intellektuell hohem Niveau noch auszuschlachten! Sie haben, wie diese verblödete Sendung, die Gunst der Stunde genutzt, um den Ruf von Leuten wie mich und meiner ukrainischen Verlobten durch den Dreck zu ziehen.

    Und ja man staune, sie (26) und ich (27) sind gebildet und sprechen mehrere Sprachen fliessend.

    Ich möchte nicht ihnen alleine die Schuld in die Schuhe schieben an der Verbreitung von diesen Klischee, ich hätte einfach von einer solch talentierten jungen Autorin wie ihnen ein bisschen mehr Weitsicht erhofft.

  • Ihr Name Eric Cerf

    Liebe Meret, hoi! Mein Bruder (59) lebt sechs Monate im Jahr in Thailand. Auch dort ist es so, dass Hinze, Kunze und Meier aus Europa härzige Thai-Wibli posten! Den Rekord aus meiner Sicht verbuchte ein 84-jähriger Walliser aus Sion mit Holzbein und Glasauge, der mit einer jungen Thai händlihaltend auf der Hauptstrasse in Chang-Rai daherkam. Machte blöde Sprüche wie: -der will es aber noch mal zwei Cm vor dem Grab wissen.. Aus meiner Sicht gibt es kaum Unterschiede zwischen Wibli/Männli, nur das gegenseitige Verhalten. Die Brieftasche zählte schon im Altertum als gute Mitgift, nicht wahr, liebe Meret? Ansonsten befeuern diese seichte Sendungen aus d-Landen zu vorgerückter Stunde bloss Wunschträume vieler verklemmter Männer, die sonst an keine Frau hierzulande kommen. Diese Voralpenbünzlis kann keine Frau mit etwas Pep und Verstand ernst nehmen. So weichen diese Schlaffis halt gerne in Dritte-Welt Länder oder den wilden Osten aus.

  • Jorge

    Wäre es nicht rassistisch zu behaupten, Frauen unterschiedlicher Länder seien unterschiedlich? wink

    Aber was ich eigentlich anmerken wollte: Diese Leute, vor allem der Sender, gehören verklagt, wegen Verleumdung und Vater-/Mutterlandsverrat! … und meinetwegen Sklaverei/Nötigung

    Denn wer EIN DERMASSEN übles Bild über Schweizer in der Welt verbreitet, gehört an die Limmatbrücke gebunden und mit faulen Eiern beworfen.

    Hopp Meret! *plakathochhalt*

  • Stefan

    schmunzeln las ich dein Text, bin Schweizer 35 J mit einer Russin als Partnerin, daher schaue ich diese Sendungen zum amüsieren,  leider muss ich dir bei vielem recht geben,  zum teil ist dies Mega peinlich was diese so rauslassen.  Ostfrauen haben genau so Ihre Vorstellungen, das einzige was sie vielleicht mehr ausleben ist de Familiensinn.
    Wie auch die deutsche Version hat jetzt die Schweizer Version sich natürlich Personen ausgesucht die für TV passend sind, und die Chancen sehr sehr gering sind das es klappen sollte.  Daher aber einfach kein Pauschal Urteil bilden

  • Jorge

    Sie rasieren sich täglich? :O

    Natürlich steht da ein L, was denn sonst?

  • Jorge

    Frauenjagd im Osten, Männerjagd in Afrika oder der Karibik – sehe nicht, dass hier ein Geschlecht als moralischer Sieger vom Platz geht.

    Es gibt halt Leute die einsam sind, und deswegen Geld ausgeben… denke nicht, dass die Autorin dies nachvollziehen kann – wie auch?

  • marie

    …und mittlerweile suchen wir auch noch ausserirdische im universum. für wen sind denn die?

  • Jorge

    Kommt drauf an, da müssen wir ja zuerst rausfinden ob sie männlich oder weiblich sind. Spannend wären auch eine Mischung aus beidem.

  • marie

    die übernehme ich dann – sie wissen, mir bleibt aufgrund meines alters ohnehin nur noch der ramsch. ich bin übrigens gut im flicken und umbauen, dann kann ich endlich basteln wie ich will grin

  • Jorge

    Wirklich? Ich hätte Sie jetzt eher so eingeschätzt, als ob Jungspunde noch eine Menge von Ihnen lernen und erwachsene Männer sich an ihrer unkomplizierten Genussauslebung erfreuen können. Wie sich das auf Aliens auswirken würde – keine Ahnung – aber wer will nicht eine Frau die gut im… oh… da steht ja flicken… ist?

    … ich merk grad… es ist Recht warm in meinem Büro ^^

  • marie

    #aufschrei!
    l; L wie LLLLLLLLudwig steht da!
    (ich musste aus dem büro, da ich tränen lachen musste, ja, es ist HEISS! ich liebe den sommer, es könnte so 365 tage im jahr bleiben, wenn das verdammte rasieren am morgen nur nicht wäre…)

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