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Top-Frauen sorgen für Quoten

Wieder wird eine Initiative für die Förderung von Frauen in Unternehmen lanciert. Aber dieses Mal könnte es endlich klappen.

Von Seraina Mohr

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Letzte Woche wurde das neuste Programm für Frauen in Führungspositionen lanciert. Bei Advance engagieren sich einige der weiblichen Topshots der Schweizer Wirtschaft, um den Frauenanteil in Kaderpositionen zu erhöhen. Erklärtes Ziel der Initiantinnen: Die Steigerung des Frauenanteils in Executive Positionen von 4 auf 20 Prozent bis 2020.

Schon wieder eine Initiative zur Förderung von Frauen in Führungspositionen?

Hatten wir das nicht schon? Es ist natürlich bei weitem nicht die erste Initiative dieser Art. Im März 2011 hatte das Seco gemeinsam mit dem Arbeitgeber- und dem Gewerbeverband einen Appell zur Erhöhung des Frauenanteils lanciert. Die üblichen Begleiterscheinungen, eine Pressekonferenz, eine Broschüre und wenig konkret formulierte Ziele, gehörten dazu. Bereits 2004 hatte sich der Arbeitgeberverband gemeinsam mit Alliance F, dem Bund der Frauenorganisationen in einer Kampagne für dieses Ziel stark gemacht. Die Argumente wiederholen sich. Die Wichtigkeit von Frauen für den Erfolg von Firmen wird wie ein Mantra wiederholt und in unzähligen Studien bestätigt. Die Rezepte sind überall ähnlich: Vorbilder, Zugang zu Netzwerken, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Mentoring-Programme. Was die Kampagnen gebracht haben, ist schwierig zu beurteilen.

Bewusst ambitionierte Ziele

Die Ziele der neuen Initiative Advance sind dagegen bewusst ambitioniert, wie Mitinitiantin Petra Jantzer von McKinsey klar machte. Neu ist auch, dass sich die Frauen im Namen ihrer Unternehmen einsetzen. Das ist plötzlich salonfähig geworden. Das zeigt die IKEA Chefin Simona Scarpaleggia, die eine ähnliche Initiative bereits in Italien erfolgreich auf die Beine gestellt hat. Und natürlich ist hier auch die vielzitierte Sheryl Sandberg zu nennen, die das Thema mit ihren Auftritten und dem Buch gekonnt neu belebte. Sandberg, die sich nie gescheut hat, Stellung zu beziehen, Schwierigkeiten zu benennen, und auch den Frauen mächtig einzuheizen. Die Aushängeschilder der neuen Initiative sind prominent und gut vernetzt. Sich zu exponieren und dann auch noch für Frauenanliegen, das galt für Frauen in Topjobs lange als tabu.

Konkrete Vorgaben in den Unternehmen gefragt

Mitglieder des Vereins sind nicht die Frauen selbst, sondern die Firmen, die sie vertreten. Ein kleiner aber wichtiger Unterschied. Das tröstet auch etwas über die Tatsache hinweg, dass es bei der angestrebten Steigerung des Frauenanteils von 4 auf 20 Prozent, um keine verbindliche Verpflichtung, sondern ein Statement handle, das die Mitgliederfirmen mittragen. Die konkreten Ziele, die gilt es in den Unternehmen zu formulieren und zu verankern. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Ambitionierte strategische Ziele zu setzen und die auch zu erreichen, gehört zum Alltag der Managerinnen. Es ist auch eine Voraussetzung, um Diversity Themen vorwärts zu bringen, wie Emily Lawson, Co-Autorin der Studie Women Matter und Partnerin im Londoner Büro von McKinsey anmerkt: «Ein Gender-Diversity-Programm muss, so wie jedes andere grössere Change-Programm, auf allen Ebenen eines Unternehmens getragen werden. Man muss sich der Bedeutung des Ziels bewusst sein. Zudem muss die Kampagne zur Erreichung dieses Ziels minutiös geplant und durchgeführt werden.»

Einflussreiche Positionen nutzen

Die Initiantinnen haben die Position, um solche Anliegen durchzusetzen und planen offenbar, dies auch zu nutzen. Vorgemacht hat es Bundesrätin Calmy-Rey, die für den diplomatischen Dienst eine umstrittene Frauenquote bestimmte, die ihr Nachfolger allerdings flugs wieder abschaffte. Vormachen tut es auch Susanne Ruoff, die nicht ihr ganzes Leben 100 Prozent arbeitete und es dennoch an die Spitze der Post schaffte. Ein wichtiges Signal gegen die vorherrschende 24/7-Mentalität, die auch noch andere Risiken beinhaltet.

Es geht um Zahlen, weniger um Gerechtigkeit

Die Diskussion hat sich merklich beschleunigt, seit nicht mehr mit Gerechtigkeit, sondern mit Zahlen operiert wird. Da geht es darum, neue Zielgruppen zu erschliessen oder sich als attraktiver Arbeitgeber bei gutqualifizierten Frauen zu präsentieren. Augenfällig wird dies nicht nur bei Firmen sondern speziell auch bei Medienprodukten. Seit die Klickraten auf Online-Portalen das grosse Interesse an sogenannten «Frauen- oder Softthemen» eindrücklich bewiesen haben, wird kräftig in den Bereich investiert. Ein Blick in die neugestaltete «NZZ am Sonntag» zeigte das deutlich: Im Kulturbund ein Bericht über Ratgeber-Bücher für berufstätige Frauen und speziell Mütter. Im Gesellschaftsteil ein Artikel über die ewige Opferrolle der Frau und dazu die neue Kolumne 51 Prozent, die Genderthemen aufgreift. Eine geballte Ladung. Die zwei Schlüsse zulässt: Die nicht gerade brandaktuellen Themen sind auch an der Falkenstrasse angekommen oder eine Zielgruppenanalyse hat ergaben, dass damit eine weibliche Leserschaft erreicht werden kann. Da bekommt die Quotenfrage eine ganz andere und primär monetäre Dimension. Darüber zu lamentieren scheint nicht angebracht, denn schlussendlich für viele Wege und Initiativen in Richtung Ziel.

Vielleicht gelingt den Unternehmen eine Überraschung

Da kann die Politik den Unternehmen für einmal als Vorbild dienen. 1993 haben sich nach der Nichtwahl Christiane Brunners in den Bundesrat die Frauen verschiedener Parteien zusammengetan und eine Volksinitiative «Für eine gerechte Vertretung der Frauen in den Bundesbehörden», lanciert, später bekannt als «Quoten-Initiative». Das Anliegen scheiterte, in der Folge setzten aber viele Parteien auf Frauen auf den Wahllisten. Dass im Jahr 2010 zum ersten Mal in der Geschichte des Schweizerischen Bundesstaates drei höchsten Ämter gleichzeitig von Frauen besetzt waren und auch der Bundesrat für kurze Zeit eine Frauenmehrheit hatte, war 1993 nicht zu erwarten gewesen. Vielleicht gelingt es der Wirtschaft ja früher oder später auch noch einmal, mit ähnlichen Meldungen zu überraschen.

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Feminismus Frauenquote Managerinnen Vereinbarkeit

Seraina Mohr

Seraina Mohr ist Leiterin des Competence Center Onlinekommunikation am Institut für Kommunikation an der Hochschule Luzern Wirtschaft. Sie studierte Germanistik und Geschichte an der Universität Zürich und arbeitete anschliessend mehr als 10 Jahre in verschiedenen Funktionen in der Medienbranche.


Kommentare

  • The Damned

    30 Konzerne sollen in Zukunft 20 Prozent aller Führungspositionen mit Frauen besetzen. In der Schweiz gibt es gem. Handelsregister 550’000 Unternehmen, davon gut 200’000 Aktiengesellschaften, von denen wiederum nur gerade 245 an der schweizer Börse SIX (und anderen Börsenplätzen) gelistet sind- und um genau die geht es ja letztendlich. Jetzt hätte ich gerne einmal von einer Journalistin persönlich gehört, welche gesellschaftspolitische Signalwirkung von dieser Handvoll Frauen ausgehen soll: Wohlgemerkt, wir sprechen hier von bestenfalls 100 bis 200 Frauen, die dann ich die Chefetagen Einzug halten werden. Die Schweiz hat aber 4,5 Millionen erwerbstätige Männer und Frauen, Frau Mohr!

    Sie haben geschrieben, seit mit Zahlen operiert wird, sei die Quotendiskussion auch in der Schweiz ins Rollen gekommen. Ich habe jetzt absolut seriöse und jederzeit problemlos überprüfbare Zahlen geliefert: Ein Blick ins Handelsregister reicht, um zu wissen, wovon hier in Wirklichkeit die Rede ist. Ist die Situation bereits dermassen verzweifelt, dass man jeder Sau hinterher rennt, die gerade durchs Dorf getrieben wird? Oder funktionieren solche Diskussionen nach dem Prinzip der Lemminge? Ich habe noch nie eine/n Journalisten, politischen Aktivisten, eine Feministin oder Männerrechtler getroffen, der mir sagen konnte, was diese im Prinzip völlig lächerliche Scheindebatte gesellschaftspolitisch bewirken- bzw. auslösen soll! Entweder herrschte auf meine Einwände augenblicklich gespannte Ruhe oder ich wurde (u. a. von zwei namhaften Wissenschaftlern) geradezu feindselig angegriffen. Männerrechtler und Feministinnen ignorieren mich i.d.R. kategorisch. Ich wäre wirklich froh, wenn mir mal jemand auf die Sprünge helfen könnte, ganz ehrlich!

  • The Damned

    Und wie wird eigentlich der richtige / repräsentative / angemessene Prozentsatz für die Frauenquote ausgerechnet? Warum ausgerechnet 20 Prozent und nicht 10, 30 oder 50 Prozent?  Auf welchen (empirischen) Daten / Erkenntnissen oder Berechnungsformeln beruhen diese Prozentzahlen? Werden die amix ausgeknobelt? Oder wie die Lottozahlen nach dem Zufallsprinzip gezogen? Geht eine Gleichstellungskomission jeweils einmal jährlich zum Orakel von Delphi? Sind gar Hellseherinnen oder Tarot Kartenlegerinnen beteiligt? Oder Uriella? Fiat Lux vielleicht? Die Illuminaten..?!

  • The Damned

    Also sagt man sich, es sind zwar 550’000 Firmen, aber wir beginnen mal mit 30 und fordern dort zuerst 20 Prozent Frauenanteil in Führungspositionen, bevor wir später auf 50 hoch gehen- bei wievielen Firmen dann? Seien wir grosszügig: Bei 70 Firmen! Dann bleiben ja nur noch 550’430 Firmen übrig..! Jetzt mal im ernst: Wenn wir schon bei diesem Thema reine Symbol- bzw. Scheinpolitik betreiben, wie sieht es dann erst in anderen Bereichen aus..?  Lässt sich aus solchen Diskussionen eigentlich etwas über den gegenwärtigen Zustand unserer Denk- und Geisteskultur ableiten?

  • Reto B.

    Ganz einfach… man hätte gern 50, sagt aber momentan 20 und kommt mit weiteren Forderungsschritten, wenn das mal erreicht ist. Da sind sie wenigstens schlauer als die Juso, wenn die Globis eine 1:24 Initiative gemacht hätten statt einer 1:12, müsste ich noch Angst haben, dass sie durchkommt. Fang mit dem kleinen Finger an.

  • The Damned

    Noch ein Schmankerl für die Redaktion: Nach dem Willen der französischen Frauenministerin Najat Vallaud-Belkacem sollen sich künftig nur noch Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern an öffentlichen Ausschreibungen beteiligen dürfen, deren Leitungsebene gleichberechtigt besetzt ist. Paris hat bereits 2011 eine Quote von 40 Prozent in den Führungsetagen ihrer börsennotierten Unternehmen verabschiedet – noch unter Führung des Konservativen Nicolas Sarkozy. Das ist die genau gleiche Symbolpolitik, nur unter anderen Vorzeichen. Aber Frankreich will in Zukunft noch weiter gehen: Bis 2025 soll die Hälfte aller Firmen von Frauen geleitet werden. Was “die Hälfte aller Firmen” und “geleitet werden” genau heisst, darüber schweigt man sich wie üblich aus. Dafür will man sogar Sport- und andere Vereine in Zukunft paritätisch besetzen. Das trifft sich gut: In Deutschland ist kürzlich sogar der Angelsport in Verruf geraten: Die Abgeordnete Hannelore Monegel, SPD, verwies auf eine Studie zum Angelsport, nach der 94 Prozent der organisierten Angler männlich seien. Dabei hätten Erfahrungen aus der Arbeit mit Kindern ergeben, dass Jungen und Mädchen bis zu neun Jahren gleichermaßen Interesse am Angelsport hätten. Untaugliche Rollenbilder könne sich die Gesellschaft aber nicht leisten. Gut, das man die vielseitigen Privilegien, mit denen das Mannsein offenbar verbunden ist, endlich wirkungsvoll und konsequent angehen will..!

  • Tomas

    Haha, Damned, ich bewundere ihr Einsatz gegen die Windmühlen. Wissen sie, ich wuchs in einem totalitären Regime auf, und das hatte nicht nur Nachteile. Zum Beispiel hat das einen gelernt, dass gegen eine Ideologie kann man mit sachlichen Argumenten nichts ausrichten, ausser dass die Argumente oder die Person die sie bringt irgendwann verboten werden.
    Sie können getrost davon ausgehen, dass unabhängig von jeglicher Argumentation über Sinn oder Unsinn der Sache der nächste journalistische Klenoid über Frauenquoten bereits in der Pipeline ist, genauso wie ein scharf geschriebenes Artikel dass die Magersüchtigen Models aufs Korn nimmt.
    Dabei ist die Sache so einfach: es reicht jedesmal nur die Perspektive wechseln. Vor kurzem hat das unerschrockene Gendertamagotchi Frau Binswanger gefühlte zehn Beiträge darüber produziert, wie die Blick- Chefredaktorin ad interim in ihrer Funktion nicht bestätigt wurde und stattdessen ein Mann den Job bekam. Abgesehen von der Tatsache dass es wohl niemanden wirklich interessiert, wie eine Redaktion einer Boulevardzeitung zusammengesetzt ist, stellt sich die Frage, ob die liebenswerte Frau B. den gleichen Eifer an den Tag legen würde, wenn es eine umgekehrte Situation wäre. Wenn also ein Mann durch eine Frau ersetzt wäre, obwohl “die ganze Redaktion Protestbriefe schreiben würde”. Ich sehe die passenden Jubelartikel förmlich vor mir grin Dass die Frauenquoten eigentlich ein lupenreiner Beispiel von Sexismus und Diskriminierung nach Geschlecht sind, scheint niemanden zu kümmern, obwohl dies in unserer Gesetzgebung verboten ist.
    Lassen sie doch Kommentare unter solchen Beiträgen aus, Damned, es bringt eh nichts grin

    Aber ansonsten, ich hätte da einen Ansatz, wie man das Problem der Frauenquoten lösen könnte:

    http://thesocietypages.org/socimages/2012/08/06/half-drag-portraits-and-the-performance-of-gender/

  • The Damned

    Ich ziehe es vor, ein Buch zu schreiben, Tomas. Angepeilt sind 130 Seiten, davon sind 90 Seiten schon fertig geschrieben und 20 lose, noch ohne erzählerischen Kontext. Und ich habe sehr gute Beziehungen zu Verlagen. Und Sie können sicher sein, dass ich, im Gegensatz zu vielen ExponentInnen der schreibenden Zunft, ganz genau weiss, wovon ich spreche. Eine Umfrage von Transparency International hat kürzlich ergeben, dass 57 Prozent aller Deutschen die Medien für korrupt halten. Diese Zunft hat gewaltig an Ansehen verloren.

  • Tomas

    D: ich habe einmal eine Schulung absolviert bei der es darum ging, wie man als Führungskraft ein Pressekommunique verfassen sollte. Die Hauptaussage der Kommunikationsprofis (unter anderem waren Dozenten die Journalisten ausbilden dabei) lautete: “Journalisten sind eine Sorte von Menschen, die von nichts wirklich eine Ahnung haben, aber dennoch über alles so berichten müssen, wie wenn sie eine hätten. Wenn ihnen wichtig ist, dass nicht das exakte Gegenteil von dem kommuniziert wird, was sie wollen, schreiben sie in ihrer Pressemappe nur 3 (DREI) wichtigste Ideen auf, jede nur in einem einfachen Satz.”

    Das befolgen von diesem Grundsatz hat sich in der Praxis später als unumgänglich erwiesen grin

    Und dann kommt natürlich noch der Teil “wessen Brot du isst” dazu, was zum Beispiel einer den wenigen wirklich Guten dieser Zunft hier so schön beschreibt:

    http://blog.derbund.ch/deadline/index.php/32879/der-kolumnentest-werden-sie-durch-die-hoelle-gehen/

  • Christel

    Schauen wir mal, von den teilnehmenden Unternehmen sind ein paar, die Wasser predigen und Wein trinken.
    Die Zahlen in ein paar Jahren werden es zeigen, ich bin mal gespannt. Aber es scheint sich keiner zu stoeren, das 50% der Bevoelkerung nicht wirklich in hoehere Positionen kommen…
    Eine gute Idee und ich hoffe sehr, dass es nicht nur ein Lippenbekenntnis ist.

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