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Frau Professor und der Klempner

Wenn mehr Frauen als Männer eine gute Ausbildung geniessen, verändert das auch den Heiratsmarkt. Die gute Nachricht: Es gibt Hoffnung für gesellschaftlich mobile Single-Frauen.

Von Nathalie Sassine-Hauptmann

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Feminismus, Emanzipation und Gleichberechtigung mischen den Heiratsmarkt auf. Das zeigen die erfolgreichen Frauen in den Chefetagen, die ihre heimischen Trophäenmänner öffentlich wertschätzen, das zeigt sich aber auch beim gemeinen Volk. Mit einem Anteil von 50 Prozent Frauen an hiesigen Universitäten dürfte sich die Schweiz in die Reihe der 56 anderen Länder einreihen, in denen eine Akademikerin heute durchaus auch den Klempner heiratet. Die Ära der Bildungs-Hypergamie (die besagt, dass Frauen lieber höher gebildete Männer heiraten), geht zu Ende. Zu diesem Schluss kommt die Forscher des «Centre für Demographic Studies» der Universitat Autònoma de Barcelona.


Eigentlich wollten sie untersuchen, ob Frauen mit höherem Bildungsniveau tatsächlich vermehrt Single bleiben. Festgestellt haben sie aber etwas anderes. So neige man in Industrieländern wie den USA, Frankreich und Brasilien heute schon zur Hypogamie, das heisst, dass da wo Frauen eine gute Ausbildung geniessen, «runterschlafen» angesagt ist.

Entwarnung für gutgebildete Single-Frauen


Die Zeit des Ernährers scheinen also tatsächlich vorbei und zwar mit anderen Auswirkungen, als die Forscher vermuteten: «Man hätte davon ausgehen können, dass die bessere Bildung der Frauen die Partnersuche erschweren würde. Was wir aber beobachten, ist viel mehr die Anpassung der Beziehungen an die sich verändernden Strukturen, was wiederum auch Auswirkungen auf den Heiratsmarkt haben wird», erklärt Albert Esteve, Mitautor der Studie der «Population Development Review».

Wenig überraschend hingegen ist, dass dieses Phänomen zur Zeit noch vor allem entwickelte Länder betrifft, deren gesellschaftliche Zusammensetzung durchmischt ist. Länder mit einem grossen Traditionsbewusstsein wie beispielweise Indien, Japan und China – deren gut gebildete Frauen auch schon als «Restposten» bezeichnet wurden – hinken dieser Entwicklung noch hinterher, was in Asien wiederum mehr weibliche Singles «produziert».

Eine Frage der Fortpflanzung?


Noch vor einem Jahr schrieb die Autorin von «Man Up» Kay Hymowitz einen vielbeachteten und nicht minder kritisierten Artikel, in dem sie bezweifelte, dass Frauen in Zukunft trotz besserer Bildung runterheiraten würden. Ihre Begründung war so lapidar wie snobistisch, weshalb sie auch wenig goutiert wurde: «Der Grund, wieso wir in Zukunft nicht viel mehr College-gebildete Frauen mit ihrem Klempner liiert sehen werden? Weil sie schliesslich schlaue Kinder haben möchten.» Die Empörung war verständlicherweise gross, den Klempner als per se «dümmer» zu bezeichnen ist politisch mehr als unkorrekt. Die Frau als Erzeuger-Jägerin zu degradieren aber ebenso.

Doch die Frage war gestellt: Werden wirklich mehr Frauen runterheiraten und wenn ja, aus welchen Motiven? Aus Mangel an gut gebildeten Männern, wie die spanische Studie suggeriert? Oder weil Bildung an sich mit der Anziehung zu einem Menschen wenig zu tun hat, weshalb es nicht darauf ankommt, was der Partner für ein Diplom hat? Und wie gross darf der Bildungsunterschied sein, damit eine Beziehung Zukunft hat? 

Gleich und gleich


Der Kampf um Gleichberechtigung der letzten fünfzig Jahre hat viel verändert: In den Sechzigern lag es in der Natur der Sache, dass Frauen auf der sozialen Leiter weiter unten standen. Sie hatten keine Wahl, die Sekretärin war weiblich, der Boss war ein Mann. Wenn man also bedenkt, dass der Arbeitsplatz damals wie heute die grösste Datingplattform überhaupt ist, war die Zusammenstellung eines Paares schon fast gegeben. Die Stenotypistin heiratete den Chef. Den umgekehrten Fall gab es damals praktisch nicht.
Und heute? Heiratet die Verwaltungsratspräsidentin den Facility Manager? Nicht immer, aber immer öfter. Das zeigt auch eine britische Studie des «Institute for Public Policy Research», welches die weiblichen Heiratsbestrebungen der letzten 50 Jahre untersucht hat. So heiraten Frauen um die 30 eher «nach unten», woraus die Studie schliesst, dass die Partnerwahl beruflich und finanziell unabhängiger Frauen eher bei der Liebe als aus Gründen der «Be-Förderung» anzusiedeln ist.


Dennoch handelt es sich in beiden Studien um einen durchschnittlichen Prozentsatz, der die 25 nicht übersteigt, womit sicherlich von einem Trend, aber nicht von einer Umkehr auf dem Heiratsmarkt gesprochen werden kann. Denn raufheiraten tun gemäss der britischen Studie zwar nur noch 16 Prozent der rund Dreissigjährigen. Jemanden vom gleichen sozialen und beruflichen Niveau ehelichen aber immer noch mehr als die Hälfte.

Oder wie Will Wilkinson als Reaktion auf Hymowitz’ Artikel auf «Forbes» schrieb: «Wir mögen Menschen, die so sind wie wir.» Die meisten Heiratswilligen scheinen ihm Recht zu geben.

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Kommentare

  • Tomas

    Habe selber Uniabschluss, kenne viele Frauen die ebenfalls Akademikerinnen sind, wohl die meisten in meinem Bekanntenkreis. Mit einem Mann der eine tiefere Ausbildung hat ist keine davon zusammen, geschweige denn dass sie eine dauerhafte Verbindung dieser Art anstreben würden.  Schon als ich vor mehr als zwanzig Jahren studierte gab es in unserem Jahrgang zwei Drittel Frauen, das Phänomen müsste also bereits seit langem greifen. Zu sehen davon ist im realen Leben nichts – ausser dass verschiedene Blogautorinnen das Thema voneinander abschreiben.

    Oder kennt vielleicht die Autorin selber leibhaftig eine einzige Frau mit Uniabschluss, die mit einem Klempner verheiratet ist?

  • Nathalie Sassine-Hauptmann

    Journalisten schreiben selten nur über Phänomene, die sie selber betreffen.

    Ich kenne in der Tat ein paar Paare, die diesem Schema entsprechen, wenn auch nicht die überzeichnete Form der Professorin mit dem Klempner. Aber die Marketingdirektorin mit dem Versicherungsvertreter bspw.

    «Zu sehen ist davon im realen Leben nichts.» Dies betrifft auch nur ihr Umfeld und kann nicht verallgemeinert werden. Dass es sich bei der Hypogamie nicht um ein Massenphänomen handelt, ist vollkommen logisch.

  • Sohn des Mars

    Die beiden letzten Abschnitte widersprechen der Grundthese, die dieser Artikel postuliert, bereits selbst. Und wenn ich jetzt einfach mal voraussetze, dass solche Konstellationen als Einzelfälle existieren, so bleibt mir aus der eigenen Erfahrung heraus immer noch die Beobachtung, dass die gnädigen Damen Doktoren es den gnädigen Herren inzwischen gleichtun und auf ein “Guten Morgen” eines Arbeiters im Zweifelfall eher nicht antworten. Bis sich dieser Wandel also so einstellt, wie es der Artikel darstellt, wird sich da im Bewusstsein wohl noch einiges ändern müssen.
    Anhand von Einzelfällen einen Trend anzunehmen ist jedenfalls mindestens unseriös.

  • The Damned

    Der Mensch hat es schon immer verstanden, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Das wird auch dieses mal so sein. Da leider vermutet werden muss, dass in dieser Studie wieder einmal nur / vorwiegend tertiäre Bildungsabschlüsse untersucht worden sind- in der Schweiz verfügen knapp 15+ Prozent der Gesamtbevölkerung über einen solchen- muss davon ausgegangen werden, dass sich beim gesamten Rest der Gesellschaft (immerhin 75 Prozent!) voraussichtlich nicht viel oder nur wenig verändern wird. Und da ich nie Aussagen mache, ohne sie auch mit Zahlen unterlegen zu können, hier noch ein Auszug aus der schweizer ‘Bildungsszene’:
    http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/15/01/key/blank/03.html

  • Tomas

    @NSH: OK, Ihr Bekanntenkreis setzt sich womöglich anders zusammen als meins. Dennoch, für mich besteht zwischen einer Marketingdame und einem Versicherungsvertreter kein nennenswertes intellektuelles Gefälle. Beide wollen irgendetws verkaufen, verdienen tun sie damit wohl auch ähnlich viel.
    Ich war selber mehr als zwei Jahrzehnte mit einer Uniabsolventin zusammen und empfinde nach dieser Erfahrung meine jetzige Freundin, die keinen Uniabschluss hat, als eine Wohltat – und als Beispiel dafür, dass Intelligenz nicht unbedingt mit der Höhe der Ausbildung zusammenhängt.  Was ich – und nicht nur ich – als Mann für durchaus normal und lebbar erlebe, scheinen die Frauen aber nicht so zu sehen. Wie bereits erwähnt, in meinem bisherigen ganzen Leben sind mir nicht einmal in einer sehr weitgefassten Umgebung nie solche Paare begegnet. Wenn eine weibliche Intellektuelle kein entsprechendes männliches Pendant findet, endet sie am ehesten als eine einsame Katzenliebhaberin. Daran ändern auch die Paar Ausnahmen die es bestimmt gibt auch nicht viel.

  • jane

    In meinem Bekannten- und Familienkreis gibt es viele “solche” Paare: Sie Uni- oder zumindest Hochschulabschluss und er Handwerker. Die Handwerker sind allesamt intelligent und dazu noch gut gebaut, ausserdem sind sie, schon nur aus praktischen/finanziellen Überlegungen, bereit und motiviert, mindestens ihre Hälfte an Familienarbeit zu leisten. Umgekehrt (Er Uni, sie Lehre) kenne ich kein einziges Paar.

  • Carsten Müller

    Familie ist KEINE Arbeit, die ZU LEISTEN ist! Kein Wunder, dass die Gesellschaft überaltert. Manchmal frage ich mich, wie sich diese Einstellung langfristig in der Öffentlichkeit weiter aufrecht erhalten lässt, wenn man die Geburtenraten unserer Mitmenschen aus dem muslimischen Kulturkreis ansieht, und dem entsprechenden Rollenverständnis, das damit wächst.

  • Carsten Müller

    Wie auch in anderen Artikeln zu dem Thema vermisse ich hier klare Details zur Ausbildung. Akademiker ist nicht gleich Akademiker (Soziale Arbeit vs. Elektrotechnik), denn ein Meisterbrief in Mechatronik inkl. vorrausgegangene Ausbildung (Nicht-Akademiker) ist mindestens genauso anspruchsvoll wie ein Abschluss als Lehrer (Akademiker). Ich möchte bezweifeln, dass eine Physikerin (Theater/Oper) einen Versicherungsvertreter (Thermenabend in Budapest) heiratet, allein schon wegen der abfällige Blicke ihres Bekanntenkreises bei der nächsten Geburtstagparty.

  • Hans

    Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es einige Paare, bei denen die Frau eine höhere Ausbildung abgeschlossen hat und bessere Karriereaussichten hat als ihr Partner. Interessanterweise reduzieren diese Frauen spätestens nach der Geburt des ersten Kindes ihre Pensen, während die schlechter ausgebildeten Partner eine Weiterbildung absolvieren, um mit ihren Frauen mithalten zu können.

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