Clack

Es kommt doch auf die Länge an!

Zumindest, wenn es um die mordsangesagten Maxiröcke geht. Die 164-Zentimeterlein-Frau und Clack-Autorin Daniela Dambach hat sich kurz mit der richtigen Länge und der Frage «Bin ich zu klein für einen Maxirock?» auseinandergesetzt. Ein aufgeknöpfter Brief an den Maxirock.

Von Daniela Dambach

Twittern

Offen gestanden: Zuerst wurde ich nicht ganz warm mit dir. Und das, obwohl du – im Gegensatz zu deinem zu kurz geratenen Bruder Minirock – je nach Phase, ehm Faser für wohlig warme Frauenbeine sorgst (dein Bruder ist ja, nebenbei erwähnt, eher für erhitzte Gemüter zuständig…). Familienkram beiseite!

Mir ist ein Hosenknopf vom Herzen gefallen, als ich wusste, dass wir uns jetzt nicht mehr in die Baumwolle kriegen! Weisst du, mich dünkte erst, du ziehst mich runter! Zum Boden hin, sodass ich neben den hühnerbeinigen Hünen gestutzt wirke wie abflauender «Bodesurri». Ich hegte gar den vagen Verdacht, du würdest mir ein, zwei Zentimeter stibitzen… jetzt ist es raus! Nun schaust du wohl ganz gebleicht und fusselig aus der Wäsche … Ja, ich bin ohne High Heels nur eins vierundsechzig!

Bis vor ein paar Tagen dachte ich echt du bist eine Nummer zu lang für mich. Kein Wunder, du hast mich pur peinlich stolpern lassen, nur weil du dein Tüll-Temperament nicht im Saum halten konntest! Wie ein Nadelstich durch eine sündhaft teure Seidenbluse fühlte es sich an,  als ich beobachtete, wie du die Endlosbeine einer 180-Zentimetre-Giraffengrazie umschmeichelt hast. Unsere Beziehung hing am seidenen Faden, schliesslich lasse ich nicht jeden Dahergenähten auf meine Haut!

Ich will ehrlich zu dir sein: Ich habe mit den Modedesignerinnen von PAMB über dich gesprochen. Sie kennen Typen von deinem Schnitt! Und wissen, nach welchen Mustern sie funktionieren! Ich habe Evy und Nicole (okay, Andrea hat auch mitgehört) gebeichtet, wie anziehend ich dich finde, aber mich nicht traue, dich hart am Bund anzufassen und dich einfach über meine Hüften hoch zu ziehen. Das sind ihre Beziehungstipps:

–      Ich soll dich nur mit hohen Schuhen tragen, damit du über dem Boden schwebst, die Schuhe aber noch verdeckst, wenn ich stehe.

–      Ich soll meine Taille betonen, damit du meinen Körper optisch nicht copperfieldmässig halbierst.

–      Ich soll dich auf Haptik und Nähte prüfen, weil nur guter Stoff flasht.

Meinst du, so klappt es mit uns? Länger als bloss einen Sommer lang? Wenn ich das nächste Mal in dein Zimmer komme, wo du ja meistens rumhängst und Mottenkugel naschst – ausser du chillst gerade auf einem Stapel Schmutzwäsche – musst du dich also vor Feigheit nicht in tiefe Falten legen. Ein paar Nettigkeiten gehören zur guten Etikette: Du bis ein gutmütiger Klamotterich, der mein Bäuchlein kaschiert, wenn ich wiedermal krawallartig über den Karamellkuchen hergefallen bin. Du bist offen (sogar an zwei Enden!) und amüsierst dich an Meetings mit der vielschichtigen Volantbluse genauso gut wie an Grillpartys mit dem smalltalkenden Tanktop.

Schuhe und Taillengürtel hin oder her: Am allerbesten kommst du zur Geltung, wenn ich dich mit Attitüde trage. Mit dir an meiner unteren Seite fühle ich mich weiblich, wie eine griechische Göttin, einer Mischung aus Daniela und Demeter. Bestimmt geben wir ein gutes Paar ab und die Leute in den Strassencafés rufen bewundernd «Boho!»

PS: Verzeih mir, wenn ich dich trotzdem mal über das raue Trottoir schmirgle. Meine Absätze müssten dann wohl etwas höher sein – ich gelobe Besserung.

Daniela Dambach ist freie Autorin und Chefredaktorin der Zeitschrift «Mis Magazin». Sie liebt Lifestyle und wird für Clack die schönen und die unschönen Dinge des Alltags mit spitzer Feder und rothaarigem Temperament beschreiben.

(Visited 48 times, 1 visits today)
Stil


Kommentare

  • Lichtblau

    Ich bin auch 164 cm gross, aber ich habe mich noch nie mit meinen Kleidern (die mir durchaus wichtig sind) unterhalten. Verpasse ich da was – so im Sinn “Mann, Pelzcape, letzten Winter hast du noch nicht gespannt?”

    By the way: Auch Marilyn Monroe (162 cm?) hat nicht auf Abendkleider verzichtet – im Gegenteil – und darin grossartig ausgesehen. Allerdings ist über Dialoge mit ihren Roben wenig überliefert.

    Aber Ihr Bild, Frau D., gefällt wink.

  • Tomas

    Alles eine Frage der Proportionen. Ein Lieblingsmodell von mir hat etwa gleiche Körpergrösse, bei extrem schmaler Taille und verhältnismässig ultralangen Beinen. Auf Fotos ist sie konkurrenzlos, egal was oder ob überhaupt sie zum Shooting anzieht, man merkt gar nicht dass sie klein ist. Sprich, eine kleine Frau mit langen Beinen sieht immer besser aus als eine grosse mit “kurzen”. (was mich zu einer von mir über Jahre festgestellten Beobachtung betreffend Länge der weiblichen Beine bei Bergvölkern bringt) Bei einem Kleid das bis zum Boden reicht kann man mit extra Heels die Proportion sowieso problemlos zusätzlich aufbessern.

  • Tomas

    eh, was ich aber eigentlich schreiben wollte: ein langes Kleid das man nicht zum heiraten oder einem sonstigen Abendanlass trägt ist irgendwie etwas, was die Welt nicht braucht, egal wie gut es aussieht. Ein kleines Schwarzes (oder sonstiges Cocktailkleid) schlägt es meistens in der Wirkung sowieso um Längen, weil die meisten Frauen mangels Übung sich darin tolpatschig bewegen. Aber irgendwie bezeichnend: vorgestern in der Oper waren nur einige wenige Frauen wirklich festlich angezogen, obwohl es der Anlass problemlos vertragen würde. Dafür wird hier allen Ernstes über tragen von einem bodenlangem Kleid zum Grillieren diskutiert. Na, wer’s mag.. wink

Lesen Sie auch: