Clack

Erstes Urteil gegen Mädchen-Beschneidung

Während hier über die Legitimität operativer Beschneidungen von Knaben diskutiert wird, wurden erstmals afrikanische Mädchen-Beschneiderinnen verurteilt. Das Urteil bleibt jedoch nur ein Symbol.

Von Nathalie Sassine-Hauptmann

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In der Schweiz wird zur Zeit die Jungen-Beschneidung und deren Legitimität diskutiert, das Kinderspital gab sogar ein Operationsmoratorium für das Entfernen der Vorhaut bekannt. Mädchen-Beschneidungen sind schon verboten, die Verstümmelung der Genitalien junger Mädchen wird jedoch in vielen Afrikanischen Staaten praktiziert. Obschon auch dort seit 1998 gesetzeswidrig, wird diese weiterhin ungestraft vollzogen. Unter dem Mantel der Tradition werden beispielsweise im Norden der Elfenbeinküste nach wie vor etwa siebzig Prozent der Musliminnen beschnitten.

Zum erstenmal wurden nun 400 Kilometer nördlich von Abidjan neun Frauen für schuldig befunden, die Genitalien von mehr als dreissig jungen Mädchen verstümmelt zu haben. «Es gab bereits in der Vergangenheit Verhaftungen von Beschneiderinnen, aber diese beliefen sich meist auf kurze Aufenthalte im Komissariat mit gütlicher Einigung, ohne dass die Angelegenheit je vor Gericht gekommen wäre, dank Eingreifen der Eltern oder Gemeinden», wie Suzanne Maïga Konaté bestätigte, Vertreterin des «United Nations Populations Fund» (UNFPA).

Dennoch ist das Gerichtsurteil der neun Frauen eher symbolischer Natur: 75 Euros beträgt die monetäre Strafe. Das eine Jahr Gefängnis, das sie abzusitzen hätten, wird ihnen wegen ihres hohen Altern erlassen. Die UN erhofft sich trotzdem eine aussagekräftige Signalwirkung.

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