Clack

Dr. Arbeit und Mr. Right

Sind Freelancer eher single? Und Manager privat automatisch die verantwortungsbewussten Macher? Clack hat nachgeforscht, was der Job über unsere Liebesfähigkeit verrät.

Von Clara Ott

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Neben dem Freundeskreis gilt bekanntlich der Arbeitsplatz als beliebteste Flirtarea. Doch hinter welchen Berufsgruppen lauert Mr. Right? Oder verleiten uns Assoziationen in die Irre, wenn Frauen von Kinderärzten wie George Clooney als Partner träumen? Laut einer aktuellen Parship-Studie stehen urbane Frauen vor allem auf diese zehn Berufsgruppen:

  1. Architekten / Juristen/Anwälte (25Prozent)
  2. Ingenieure (22)
  3. Ärzte (22)
  4. Handwerker (19)
  5. Künstler / Wissenschaftler (18)
  6. Werber/Marketingberater/Journalisten (17)
  7. Lehrer / Erzieher (14)
  8. Polizisten/Piloten (13)
  9. Unternehmensberater / Banker (10)
  10. Auto-Mechaniker (8).

Aber ehrlich: Sollten wir uns nicht ein bisschen schämen, wenn wir ganz klischeehaft vom beschützenden Polizisten oder vom schlagfertigen Journalisten träumen? Keinesfalls, beruhigt uns Eric Hegmann, der als Beziehungsexperte und Single-Coach in Hamburg lebt. «Klischees helfen uns, schnelle Entscheidungen zu treffen, denn in vielen steckt auch etwas Wahres.» Schliesslich ziehen wir ganz automatisch und unbewusst vom Beruf Rückschlüsse auf seinen Charakter. Doch Hegmann warnt vor zu oberflächlichem Schubladendenken. «Was davon nämlich zunächst unbenommen ist, ob diese Person dann zur eigenen Wunschvorstellung der Beziehung passt.» Dann ist der aufopfernde Arzt zuhause eben ständig müde und auch die engagierte Lehrerin möchte privat niemanden mehr etwas beibringen müssen. 

Nadine, 40 Jahre, ist seit acht Jahren Single. Seit sieben Jahren arbeitet sie als freie Journalistin in Berlin. Mit manchen Redaktionen würde sie zwar gern fester arbeiten, doch sie will sich nicht festlegen und einschränken. Obwohl sie sich insgeheim nach einem festem Einkommen sehnt, bleibt sie lieber ungebunden. Das geht ihr auch in der Liebe so, denn sie hat wechselnde Affären, aber an Familiengründung denkt sie nicht. Zufall oder Zusammenhang? 

Sind Singles die idealen Freelancer?

«Manche Psychologen sprechen von einem Beziehungs-Ich, das sich von dem Berufs-Ich unterscheiden kann», erklärt Eric Hegmann. Sind langjährige Single-Frauen wie Nadine etwa beispielhaft für die aktuelle Unverbindlichkeit im Liebes- und Arbeitsleben? «Freelancer, Selbstständige und Freiberufler sind häufig 24/7 in ihrem Job. Das findet nicht jeder Partner gut, vor allem, wenn er selbst um 18 Uhr seinen Beruf im Büro lassen kann», erklärt  Hegmann das simple Prinzip vom «Gleich und gleich gesellt sich gern.» Es sei schliesslich abzusehen, dass Beziehungen eher kriseln, wenn einer ständig Nachtschichten schieben muss und der andere Freelancer ist. 

Im Gegensatz zu Nadine ist Jan verheiratet und hat zwei Kinder. Der 38-Jährige arbeitet seit Jahren für eine Hamburger Medienberatung. Er ist ehrgeizig, eloquent, zielstrebig und erfolgreich. Doch privat lässt er lieber seine Frau entscheiden, ist im Freundeskreis eher zurückhaltend und lässt sich beispielsweise ungern fotografieren. Klingt unlogisch? Nicht wirklich, denn wer im Job unter großem Stress arbeite, der sehnt sich privat eher danach, dass der Partner die Führung übernimmt. Bei Jan hat das Berufs-Ich also eine höhere Priorität. In manchen Fällen kann das durchaus in einer unterschiedlichen Wertevorstellung des Paares begründet liegen. «Wer im Beruf Verantwortung übernehmen und die Richtung vorgeben soll, muss nicht zwingend auch in der Partnerschaft derjenige sein, der führt», erklärt Beziehungsexperte Eric Hegmann die Wichtigkeit des eigenen Rollenverständnisses.

Sind Angestellte treuere Partner?

Angeblich sind diese Menschen sogar auch in einer Liebesbeziehung verbindlicher und zuverlässiger, erläutert Hegmann weiter. «Wer Beständigkeit grundsätzlich für einen hohen Wert hält, nimmt seine Umgebung sowohl privat als auch beruflich entsprechend wahr.» Für Jan gilt das allerdings nicht unbedingt. Er gibt zu, manchmal von anderen Frauen zu träumen. Er würde seine Partnerin zwar nie betrügen, doch flirtet er viel und glaubt, dass er Fremdflirts für sein Ego braucht. Seine Beziehung ist für ihn zu gesichert und trotz der Kinder nach den Jahren etwas reizlos für ihn. Dabei hatte er seine grosse Liebe auch über den Job kennengelernt.

Bei allem Klischeedenken sollte man jedoch fair und geduldig bleiben. Nur, weil jemand im Job Durchsetzungskraft und Selbstbewusstsein besitzt, bedeutet das im Umkehrschluss eben nicht, dass die Person als Partner entscheidungsfreudig sei. «Der Arbeitsplatz ist auch deshalb so ein guter Beziehungsstifter, weil wir dort geduldiger sind und nicht auf die Liebe auf den ersten Blick warten», rät Hegmann. Gerade im Arbeitsalltag können wir in den unterschiedlichsten Situationen mitbekommen, wie unsere Mitmenschen reagieren.

Im Job zeigen wir unsere prägenden Charaktereigenschaften wie Egoismus, Ehrlichkeit und Teamfähigkeit, aber natürlich auch Altruismus oder Materialismus. Aber trotz allen Charaktereigenschaften, die tief in uns verwurzelt sind:  Menschen haben es natürlich in der Hand, uns zu entwickeln. «Positive Erfahrungen beispielsweise beim Umgang mit Kollegen können sicher in andere Lebensbereiche übertragen werden», sagt Hegmann.

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