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Die Wahrheit über Ursula A.

5 Dinge, die endlich einmal gesagt sein müssen über den einzigen Schweizer Hollywood-Star.

Von Michael Marti

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Ursula Andress, die derzeit weltweit die Huldigungen zu ihrem 75. Geburtstag entgegennehmen darf, beklagt sich immer wieder sehr schlecht gelaunt darüber, dass sie einzig auf ihre Rolle im ersten Bond-Film «Auf der Jagd nach Dr. No» (1962) reduziert werde. Wir tun das nicht, zumindest nicht ganz: Andress spielte in insgesamt 47 Filmen mit. Letztmals vor die Kamera trat sie für den Schweizer Regisseur Clemens Klopfenstein in dem schrulligen, aber durchaus sehenswerten Werk: Die Vogelpredigt oder Das Schreien der Mönche (2005).

Designerin, nicht Model

Es ist nicht so, dass Andress den mit «Dr. No» berühmt gewordenen Bikini bloss trug. Nein, sie schneiderte diesen auch. «Dr. No», der erste Kino-Bond überhaupt, war eine Billigproduktion; das Budget betrug eine Million Dollar. Kaum war Andress Ende Januar 1962 in Kingston, Jamaika, gelandet, musste sich selbst einen geeigneten Bikini beschaffen. Mit der Kostümbildnerin Tessa Prendergast entwarf sie den Zweiteiler, der zum berühmtesten Requisit der Filmgeschichte werden sollte. Erste Varianten gefielen ihr nicht, sie schneiderte neue. Und der Gürtel, an dem sie ihr Muschelmesser befestigte, stammte von einer alten Paradeuniform; ihn fixierte ihn mit ein paar Stichen am beigefarbenen Höschen. Andress war nicht das einfach das Bikini-Model, sie war die Bikini-Designerin. Auch dafür werden wir uns immer an sie erinnern.

Die Frau aus der Zukunft

Mit Ursula Andress wurde eine neue Spezies an Land geschwemmt. Das war die Sensation. In Andress’ Strand-Erscheinung kündigten sich genau jene Trends an, die in den kommenden Jahrzehnten glorifiziert werden sollten: Fitness und Sexualisierung des Körpers. Die Muskeln gespannt, die Haut glänzend, eine Haarsträhne nass über die Schulter geklatscht, sah Bond-Gefährtin Honey Rider aus wie nach einem Ringkampf. Nicht der Bikini war es, der die ungewohnte Wucht dieser Bilder ausmachte; der Zweiteiler war zu dieser Zeit weder neu noch besonders spektakulär. Es war dieser Körper. Andress’ Badezweiteiler war für die Karibikszene nur insofern von Bedeutung, als er den Blick auf eine neue weibliche Anatomie freigab: breite Schultern, definierter Brustkorb, flacher Bauch, kantiger Unterkiefer, ausgeprägte Becken- und Backenknochen. Mit «Dr. No» gelangte zum ersten Mal die Frau mit der scharf geschnittenen Linie auf die grosse Kinoleinwand, es war ein Epochenumbruch.

Zweimal, nicht einmal

Es ist übrigens auch nicht so, dass Andress bloss die erste Schweizerin war, die sich im «Playboy» ausziehen durfte. Vielmehr tat sie es bis heute als einzige Schweizerin gleich zweimal. Der helvetische Nationalkörper war in der Dezember-Nummer des Jahres 1965 zu sehen und 14 Jahre später, in der Januar-Ausgabe 1979.

Der Rest ist Schweigen

Die Bernerin Ursula Andress, die sich bis heute geweigert hat, ihre Biografie zu verfassen oder verfassen zu lassen, war nicht nur die schönste Frau der Welt, sondern ist bis heute auch die schweigsamste. Dabei hätte Andress so viel zu erzählen – zu erzählen von den Männern. Sie war die Geliebte von James Dean, von Marlon Brando, von Jean-Paul Belmondo, von John Derek, von Kirk Douglas… Und sie hat nie ein schlechtes Wort über diese Herren verlauten lassen. In einer Zeit, in der alle mit Tratsch über alle anderen sich ins Gespräch bringen und sich im Geschäft halten, ist gerade diese Schweigen das Bemerkenswerteste am bislang einzigen wirklichen Schweizer Hollywoodstar.

Michael Marti ist Autor des Buches «James Bond und die Schweiz», das selbstverständlich auch die Rolle von Ursula Andress in der 007-Sage profund ausleuchtet.

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Ursula Andress