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Die Tücken der Demokratie

Die Teilzeitprinzessin ist überzeugte Demokratin. Aber sie wundert sich über gewisse Inhalte, die nach Volkes Willen entschieden werden.

Von Meret Steiger

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Die Demokratie treibt manchmal seltsame Blüten. Beispielsweise dass eine Minderheit regelmässig an die Urne bzw. den Briefkasten geht und über mehr oder weniger wichtige Dinge abstimmt. Je nach Thematik wird dann das Abstimmungsergebnis in den Weltmedien breitgetreten und das Schweizer Volk per se verurteilt. Nach der Minarettabstimmung waren wir, laut ausländischen Medien, ein Volk von Rassisten. Jaja, die Schweizer mal wieder.

Jetzt aber zurück zur Demokratie bzw. zu den Abstimmungsthemen, die immer absurder werden. So wurde in der Schweiz gegen Kampfjetlärm in Tourismusgebieten abgestimmt (2008 abgelehnt). Dass die Flugzeuge aber seit 10 Jahren (!) vom Zürcher Flughafen über die dichtestbesiedelte Goldküste donnern, dagegen kämpfen die Betroffenen vergeblich an, da besteht keinerlei Chance, dass das zur Abstimmung kommt. Und nein, nicht alle  «wussten, worauf sie sich einlassen, wenn sie da hinziehen». Einige von uns waren schon vor der Südschneise da. Wir haben gegen kürzere Arbeitszeiten und gegen längere Ferien gestimmt, was uns zwar Kopfschütteln aus dem Ausland eingebracht hat, aber ein Beweis dafür war, wie sorgfältig wir mit unserem Stimmrecht umgehen können (oder wie sehr wir uns von den Drohungen betr. Arbeitsplatzverlust der Economiesuisse haben einschüchtern lassen).

Meine Lieblingsabstimmung ist die kommende zum Arbeitsgesetz. Das Bratwurstplakat hat mich neugierig gemacht, und darum habe ich mich in die Materie mal eingelesen. Also: Wenn ich das Ganze richtig verstanden habe, dann diskutieren wir gerade ERNSTHAFT darüber, ob eine – sowieso arbeitende – Verkäuferin in ihrem – sowieso geöffneten – Tankstellenshop eine – sowieso im Regal stehende – Bratwurst verkaufen darf oder eben nicht?! Das Beste: Es betrifft überhaupt nur gerade 24 (in Worten: vierundzwanzig) Shops. Und dann soll diese Abstimmung laut Umfragen auch noch das Volk spalten. DAS KANN DOCH NICHT EUER ERNST SEIN!

So zum Vergleich: Das ist, als würde die SBB nachts alle Kompositionen am Zug dran lassen, aber bei der Hälfte die Lichter ausmachen und Türen geschlossen halten: Klar kann man auch mit der anderen Hälfte heimfahren, komplett sinnlos ist es trotzdem. Der Lokführer fährt den Zug schliesslich, egal ob die Kompositionen jetzt in Betrieb oder doch einfach nur angehängt sind.

Natürlich muss man seinen Wocheneinkauf nicht morgens um ein Uhr machen. Aber ich sehe beim besten Willen nicht ein, warum es Mehrarbeit für die VerkäuferInnen sein soll. Mehrarbeit ist es, wenn das Verkaufspersonal die Hälfte ihres Sortiments abdecken muss. Und es ist bestimmt auch Mehrarbeit, jedem zweiten Kunden erklären zu müssen, warum er denn nun die Tiefkühlpizza kaufen darf, die Bratwurst aber nicht. Man darf gespannt sein, wie das Stimmvolk entscheidet – und über welche Absurdität wir als nächstes abstimmen dürfen.

Meret Steiger, 22, Autorin, ist sowohl Mädchen als auch neugieriger Mensch und arbeitet zur Zeit bei Fernsehsender Tele Züri als Inputerin. Wenn sie nicht gerade in der Badewanne sitzt, ihre Schuhe zählt oder George Clooney anhimmelt, richtet sie ihren scharfen Blick und ihren Sinn für Humor auf die kleinen Alltäglichkeiten, mit denen sie sich herumschlagen muss.

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Teilzeitprinzessin


Kommentare

  • marie

    der preis ist einfach zu hoch, da es mir um die menschen geht, die sich im niedriglohnsegment bewegen und auf diese jobs ANGEWIESEN sind, und zwar meistens bis zur rente – sie als studi sind da raus und verdienen jetzt gut (hoffentlich). für eine absehbare zeit sind schlechte löhne akzeptierbar (habe selbst während meiner matura, die ich nebenbei nachgeholt habe, UNTER dem betreibungsrechtlichen existenzminimum gelebt ca. 1500.—mtl!). aber ohne aussicht auf einen besseren lohn? geht nicht! und glauben sie mir, die wenigsten sind bereit 10% mehr für die produkte zu zahlen, nur damit die läden länger offen sind, da sind SIE eine ausnahme.

  • Tomas

    Darf ich da scheu fragen, warum jemand überhaupt im Verkauf arbeiten will wenn die Bedingungen so schlecht sind? Wenn die Geschäfte für die Löhne niemanden finden könnten, müssten sie mehr anbieten, also muss es genug solche geben die sich dafür anstellen lassen. Wer geht da schaffen? Ich meine, dass sind Jobs die praktisch keine Qualifikation erfordern. Wie kommt jemand dazu, sich für solche “Karriere” zu entscheiden? Und erst noch, wie marie behauptet, für ganzes Leben? Das ist doch das erste was man in Erfahrung bringt wenn man sich für einen Beruf interessiert: wie sind die Arbeitsbedingungen, wieviel verdient man, welchen Alltag man zu bewältigen hat. Und da erfährt so ein Teenager dass man Leben lang nichts verdienen wird und zu Unzeiten arbeiten muss und sagt sich: “super, hey, das mach ich!” Habe ich da etwas verpasst?

  • marie

    tomas! *staunundsoebenvomstuhlgefallen* …ich gehe mal eine rauchen. und versuche es dann gerne, ihnen näher zu erklären, wie das funktioniert hier in der schweiz – da haben sie offenbar in der tat etwas verpasst. aber zuerst muss ich mich fassen.
    o_O

  • Tomas

    bin gespannt grin
    Also im Kommunismus, da wurde alles geplant, aber sogar dann konnten die Kinder frei wählen welchen Beruf sie später ausüben. Falls man nicht als Kind eines Landesverräters galt wie ich, durfte man studieren was man wollte, vorausgesetzt man schaffte die Aufnahmeprüfungen. In der Schweiz zieht man Los und die Pechvogel der Klasse müssen Verkäufer werden? Oder gibt es andere Mechanismen?

  • marie

    verarschen sie mich tomas? falls ja, das besorgt mir zur zeit mein arbeitgeber und kann deshalb gut darauf verzichten.

  • Tomas

    marie, ich meine es ernst. Habe zwei Kinder und bisher gab es keine Anzeichen, dass sie ihr Beruf nicht frei wählen dürfen. Mein Zwölfjähriger kann sich nicht momentan zwischen Neurochirurgie und theoretischer Physik entscheiden (“aber nur wenn er beim CERN schaffen darf”) und die neunjährige Tochter würde am liebsten Pferde pflegen, was anscheinend in diesem Alter normal ist.

  • marie

    das duale ausbildungssystem der schweiz scheint bei ihnen nicht angekommen zu sein – vllt sollten sie sich da selbst mal schlau machen und was die vorteile davon sind. dann gibt es offenbar bemühungen ein triales ausbildungssystem auszuarbeiten.
    …dann erst könnten wir uns über die kehrseite dessen unterhalten, um die es letztendlich hier bei dieser diskussion geht.
    also eigentlich mag ich nicht bei adam und eva anfangen. echt jetzt, sie überfordern mich bei diesem thema, und zwar SIE überfordern mich, nicht das thema. ein thema, dass mich seit jeher beschäftigt, umtreibt und interessiert.
    bin perplex; in dem fall muss ich davon ausgehen, dass sie schlicht nicht daran interessiert sind, wie es dazu kommt, dass jemand detailhandelsangestellte/r LERNT. ja, ob sie es glauben oder nicht, die machen eine 3 jährige LEHRE, die nicht ganz ohne ist.
    ihre tochter kann, insofern das interesse bleibt, tierärztin mit spezgebiet equiden werden, oder aber eidg. dipl. pferdepflegerin. ich gehe davon aus, dass sie dafür sorgen werden, dass sie veterinärin wird – mit allen mitteln.

  • Tomas

    Marie, im Ernst? Da tut man also drei Jahre lernen, wie man Regale auffüllt und den Scanner bei der Kasse bedient? Und dann ist man eidg.dipl. Regalauffüller? Ich frage wie gewohnt etwas pointiert, aber die Frage meine ich ernst. Und da tut man am Anfang der Lehre also nicht fragen, wieviel man später verdienen wird?
    Ich würde mir von ihnen extrem gern das Bildungssystem erklären lassen, samt seinen Kehrseiten. Ich denke dass wir es aber auf einem anderen Weg machen als hier.
    Dennoch, das Wesentliche möchte ich gleich fragen: ich gehe davon aus, das bei entsprechenden Schulleistungen und Begabung man in der Tat jeden Beruf wählen kann. Und zwar auch auf ziemlichen Umwegen: ich kenne persönlich gleich zwei sehr gute Architekten, die beide zuerst Schreinerlehre gemacht haben, dann Tech in Burgdorf um schliesslich ein eigenes Büro zu führen. Können sie meinen Eindruck bestätigen?

    Falls ja, dann ist für mich die wichtigste Frage beantwortet, denn niemand wünscht sich vermutlich dass Menschen ohne entsprechende Fähigkeiten und Willen auf den Unis Steuergelder verbraten, oder noch besser später andere mit der eigenen Unfähigkeit gefährden. Immer noch einverstanden? Oder finden sie, dass es ausser Quoten für unfähige Frauen in Chefetagen auch noch Quoten für Dumme auf den Unis braucht? War das jetzt boshaft?

    Was meine Kinder betrifft, ich sage mal vorsichtig dass ich sie in dem, was sie sich wünschen, unterstützen möchte, und dass ich dafür sorgen möchte dass sie eben ein Gesamtbild des gewählten Berufes erfahren. Und auch allenfalls die Alternativen dazu.
    Ich wollte eine Zeit lang als etwa dreizehnjährig zum Beispiel Egyptologe werden – sie wissen ja, die Standardwerke habe ich als Kind gelesen und dachte, es kann nicht besseres geben. Da schickte mich meine Mutter zu einem Psychologen, und der machte es noch schlimmer, aber immerhin kamen da auch andere Möglichkeiten ins Spiel.

  • marie

    guten morgen meret!
    an und für sich teile ich deine meinung. aber: dir sollte bewusst sein, dass die bürgelichen kreise arbeitnehmerrechte am liebsten gestern abschaffen würden als heute und morgen – sie untergraben diese, wo sie können. dh, um bei diesem besipiel zu bleiben, dass diese arb-nehmerrechte z.t. schon untergraben werden. siehe öffnugszeiten im detailhandel (diese wollen nämlich längere öffnungszeiten, wurden z.t. schon eingeführt). dazu sollte man sich aber folgendes in erinnerung rufen: es sind nämlich genau die kreise, die gar keine familienpolitik machen, sich einen deut um allfällige änderungen in dieser angelegenheit kümmern. denke einfach immer daran: dem personal im detailhandel kommt man damit gar nicht entgegen; wenig lohn, hohe präsenzzeiten und längere öffnungszeiten am wochenende, am liebsten auch sonntags. das ist nicht gerade familien- und lebensfreundlich, aber total wirtschaftsfreundlich, damit der gestresste investmentbänker am sonntag seine pflicht erfüllen kann – mit den kindern shoppen gehen (dem geht nämlich das familienleben der verkäuferin total am arsch vorbei) wink …ich hoffe, du siehst den zynischen mechanismus darin.
    aber gegen bratwurst um 2 uhr morgens, hätte ich auch nichts. am liebsten mit grobkornsenf und warmem roggenbrot tongue laugh

  • marie

    habe vergessen anzufügen: die thematik (24h-shops) kann und darf nicht losgelöst vom detailhandel betrachtet werden. denn kommen sie durch, wird das als basis für den den detailhandel betrachtet werden, dam ider investmäntbänker am sonntag in zukunft seine vaterpflichten beim pouletkaufen in der migi im quartier bewerkstelligen kann.
    demokratie ist an und für sich ein aushandeln von rechten nd mittlerwele von privilegien auf dem rücken von vom “poulet” (=uns. ausser du gehörst dem einen prozent der ch-er haute-volet an) wink

  • Meret

    Die Sache mit den 24h-Öffnungszeiten ist eine andere und wenn zur Abstimmung käme, ob jeder Laden ständig geöffnet haben darf weiss ich nicht, ob ich das wirklich annehmen würde.

    Diese Shops aber, die HABEN sowieso schon geöffnet. Da macht es keinen Unterschied mehr.

  • marie

    lies mein zweiter post nochmal. die wirtschaftsfreunlichen parteien haben schon immer anhand eines beispiels ein exempel statuiert und danach ihre forderungen, die weiter gehen durchgesetzt. die funktionieren so! und das eine kann nicht losgelöst vom anderen betrachtet werden. einfach daran denken. und abstimmen kann jeder dann so wie er will. denn: sollte es angenommen werden, wird die als beweis genommen werden, dass das vouch eben längere öffnungszeiten will.

  • marie

    …übrugens: politik funktionier nur so, also nicht nur die bürgerlichen.

  • Tomas

    Das über aus deiner Sicht Belanglosem abgestimmt wird zeigt vor allem zwei Dinge auf: erstens finden es andere womöglich eben nicht belanglos, und zweitens ist es ein grosses Privileg dieses Landes, dass man nicht von oben herab, sondern durch ein Volksentscheid Probleme löst, die anderswo vielleicht ungelöst bleiben oder zu anderer Konfliktkultur führen würden.

    Das konkrete Wurstproblem, so absurd es auch sein mag, ist wie der Beitrag von Marie zeigt vor allem ideologisch befeuert. Marie selber muss nicht befürchten, dass sie dazu gezwungen wird nachts an einem Tankstellenshop Würste zu verkaufen, sie muss sie dort auch nicht selber zu Unzeit kaufen gehen. Sie findet aber, dass es Ausbeutung ist wenn sich jemand freiwillig dafür anstellen lässt und weil sie es eben besser zu wissen meint als die, die es betrifft, will sie es verhindern.

    Dass es jetzt nur um ein Paar Tankstellenshops geht spielt dabei keine Rolle, weil die Gegner am liebsten allen Menschen ihre eigene Weltsicht vorschreiben würden, und in der sind gar keine Geschäfte in den Nacht oder am Sonntag offen. Dass sie selber weder zum einkaufen, noch zum verkaufen gezwungen werden spielt dabei keine Rolle. Sie wollen eine bessere Welt für alle nach ihrem Gusto, nichts mehr und nichts weniger.

    In Tschechien, wo ich herkomme, ist übrigens der absolute Albtraum für alle Gewerkschafts- Gutmensch- und Religionsweltretter bereits seit Jahrzehnten installiert. Alle Geschäfte können rund um die Uhr geöffnet haben, am jeden Tag der Woche, sofern sie das wollen und Leute dafür finden. Tatsächlich offen haben nur wenige – eben die, bei denen es Sinn macht. Zum Beispiel die Do it yourself Märkte haben am Wochenende, wo die meisten Heimwerker es auch brauchen, offen. Manche Fastfood Ketten haben dort wo genug Kundschaft ist durchgehend offen. Es gibt viele Asiatisch betriebene Supermärkte die offen haben – und ich kenne viele Leute die genau aus dem Grund nur dort einkaufen. Was die Gegner, die das Wohl des Personals so rührend verteidigen nicht kapieren, ist die Tatsache, dass die Nachtschichtstellen anscheinend heiss begehrt sind. Meine Freunde, häufig junge Leute, studierende, Models etc. erzählen mir, dass es toll ist, doppelt zu verdienen und dann am Tag erst noch frei zu haben – für junge und für begrenzte Zeit, meistens an nur einem oder zwei Tagen in der Woche, macht es durchaus Sinn. Was auch nicht verstanden wird ist die Tatsache, dass niemand gezwungen werden kann mehr als gesetzlich erlaubt oder nachts zu arbeiten, dass also für einen längeren Betrieb mehr und zusätzliche Arbeitsplätze entstehen müssten. Aber eben, Religion und Ideologie – sobald man sich nicht um eigenen Leben kümmert und stattdessen versucht, das Leben der anderen zu bestimmen, kann man sich mit sachlichen Argumenten die Mühe sparen.

    Aber dessen ungeachtet, dass wir jetzt darüber abstimmen dürfen, das ist ein echtes Privileg. Für mich ist die direkte Demokratie das, was die Schweiz ausmacht, egal wie sinnlos die Abstimmungsvorlagen sind.

  • Reto B.

    Wenns nach mit ginge, dann gäbs auch keine Regelung, wann ein Arbeitnehmer arbeitet. Ich würde eher an der Lohnschraube drehen. Also die Angestellten die frühmorgens oder abends arbeiten (6-8, 19-22 Uhr) erhalten 25% mehr Lohn, wer nachts Schichtarbeit leistet, 50%.

    Selber bin ich nämlich sehr froh, wenn ich Erledigungen ausserhalb der Bürozeiten erledigen kann, weil wir nämlich beide während der Bürozeiten arbeiten.

  • marie

    tomas geht’s noch? schlechte laune?
    ich sehe und lese NIERGENDS von verbesserung der arbeitsbedingungen sowie lohnverhandlungen und zuschläge für verlängerte öffnungszeiten – vom wochenendzuschläge lese und sehe ich auch nichts.
    ihre bedepperte marie, die jahre an der migikasse gearbeitet hat. und ich hatte glück: muss nicht mehr dort, aber wenn es so weitergeht, dann wird mir wohl nichts mehr anderes übrig bleiben. soviel zu meinen zukunftsperspektiven.

  • marie

    unglaublich, ihre boshaftigkeit.

  • marie

    ja reto b., das täte not, aber da stossen sie auf beton. im gegenteil in einigen geschäften hier in bern drückt man den lohn sogar herunter, nicht direkt, aber indiriekt. indem man die mehrzeit (längere schichten von ca. 30 min) nicht per lohn begleicht, sondern mit “freizeit”. bei einem gehalt von ca. 3500.—BRUTTO!

  • Tomas

    Meine Laune ist gut, danke der Nachfrage.
    Ich habe ihren Beitrag so verstanden, dass sie die liberalen Öffnungszeiten gleich mit Verschlechterungen für das Verkaufspersonal zum befriedigen von unnötigen Kauflaunen von Investmentbänker setzen. Diese Meinung teile ich nicht, warum dem so ist habe ich versucht zu erklären. Ob das jetzt boshaft ist, erschliesst sich mir nicht. Wie sieht es mit ihrer Laune aus, marie?

    Die Leute die im Verkauf nachts arbeiten würden, würden weder länger als sonst, noch im Unterschied zu vielen anderen Branchen zum gleichen Tarif schaffen, und sie würden es auch nicht gegen ihrem Willen tun. Es würde zusätzliche Arbeitsplätze generieren, die erst noch besser bezahlt wären, und die weder sie noch jemand anderes annehmen müsste, wenn er es nicht wollte.
    Das Glas ist nicht halbleer, marie, sondern halbvoll.

    http://content.jobwinner.ch/b2c/ratgeber/2-arbeitswelt/5-arbeitsrecht/arbeitszeiten-so-werden-sie-im-gesetz-geregelt/

  • marie

    es ist halb leer tomas! seit der erwirtschaftete profit nur noch den aktionären ausbezahlt wird, oder im vermögen der direktors landet werden löhne der unteren “chargen” gedrückt (und nein, bleiben sie mir ja mit dem sozialneidvorwurf fern, das beleidigt meine intelligenz, die man mir gerne abspricht) – ich weiss wovon ich spreche. passiert mir im moment in der reorganisation, wo ich arbeite; ist zum kotzen, sparen tun sie “unten”, gopferdami! aber oben ist und bleibt alles im lot.
    was sie da beschreiben ist der traum eines jeden profitorientierten ökonomen. die realität der arbeitenden poulets wird dabei ausgeblendet. ich gehöre nicht zur mittelschicht im fall, wie die meisten, die im verkauf arbeiten auch nicht (ok ich arbeite teilzeit, mit dem nebenjob komme ich aber auf 80/90% – aber immer noch nicht mittelschicht). diese lohnrealität geht offenbar den meisten am arsch vorbei, so wie ihnen auch. und das IST boshaftigkeit.

  • Tomas

    Hmm. Offenbar verstehen wir unter dem Begriff “Boshaftigkeit” nicht dasselbe, aber item.

    Symptomatisch finde ich eher, dass die Tatsache dass im Detailhandel niedrige Löhne bezahlt werden als Argument ins Feld geführt wird, wenn über etwas ganz Anderes, nämlich die Öffnungszeiten diskutiert wird. Ich kenne die Verhältnisse in der Schweiz nicht, in Tschechien werden die Nachschichten mit ca. 50% mehr Lohn bezahlt – davon können viele “Mittelschichtler” nur träumen. Abgesehen davon, gerade weil es für solche Jobs keine Qualifikation braucht sind die besser entlöhnten Randzeitschichten besonders begehrt. Nun, die Gewerkschaften sperren sich gegen die Liberalisierung anstatt sie zum Beispiel mit einem besseren Nachttarif zu bedingen – eines Tages werden sie in einer Abstimmung trotzdem zu einer Öffnung gezwungen (weil nicht nur Investmentbanker das Bedürfnis haben) ohne die besseren Bedingungen dafür erhalten zu haben.

    Im Dorf wo ich wohne gab es früher eine Post. Früher fuhr ich sogar Mittags nach Hause essen, um meine Kinder auch tagsüber zu erleben, aber die Öffnungszeiten waren so bizarr, dass nicht einmal um die Mittagspause herum konnte ich die Poststelle brauchen. Eine zweieinhalbstunden lange Mittagspause und dann bereits um 17 Uhr wieder geschlossen, für mich konnte man solche Dienste auch gleich abschaffen. Das taten die dann auch, wegen “zu wenig Kundenbedürfnis”. Es gab Aufrufe zum Protest, ich fand den Schritt nur logisch.

    Das gleiche betraf unser Landi Supermarkt. Immer geschlossen, wenn man es braucht. Im letzten Moment haben sie die Verkaufszeiten normalisiert, seit dem kaufe ich dort hin und wieder ein.

    In der Stadt Bern haben die rotgrünen Planetenretter alle Parkplätze abgeschafft, stattdessen nur Einstellhallen gebaut die mit Monopolbewirtschaftung pro Tag Preise verlangen, von denen ein afrikanisches Dorf ein Monat leben könnte. Ich habe schon vor Jahren beschlossen, nicht mehr in die Stadt zu gehen, wenn ich nicht wirklich muss. Ich kaufe dort nichts ein, ich gehe dort nicht aus, kein Kino, nichts. Alle Geschäfte beklagen sich über Kundenschwund, ich bestelle alles was ich kann im Internet und lasse es mir auf meinen Arbeitsplatz liefern – weil ich sonst Ferien machen müsste um ein Paket abholen zu können.

    Mann, bin ich aber boshaft. Aber was soll’s, ich fand schon immer die bad guys interessanter.

  • Reto B.

    Hmmm, das mit Internetbestellungen ins Büro liefern lassen kenne ich auch. Geschäftsöffnungszeiten sind eben auch etwas, was vorallem gut funktioniert für die Mann arbeitet/Frau ist den ganzen Tag zuhause Fraktion.

    Für mich ist die Entwicklung auch ein Schritt Richtung emanzipierte Gesellschaft. Ich zahle auch gerne 10% Aufpreis auf alle Produkte, wenn ich sie nach 7 Uhr abends einkaufen kann.

  • marie

    schön wenn in tschechien 50% zuschlag für nacharbeit bezahalt wird, mag ich den tschechen von herzen gönnen.
    hier ist das GAV für die grundlage des arbeitsvertrages zuständig, dass jedes jahr mit den gewerkschafte ausgehandelt wederden muss. mann kann auch austreten, wie das der coiffeurverband zbsp. hin und wieder tut. heuer ist er mal wieder dabei und beschert den coiffeusen 2.50 pro stunde mehr…
    http://www.gav-service.ch/LohnrechnerSuchen.aspx#anchor_D
    und sollte sie “unia” abschrecken, hier der link, was gav ist (es sind nun mal die gewerkschaften die mit den unternehmerverbänden verhandelt – aber ein unternehmen muss nicht im verband sein, soviel ich weiss haben diese 24h shops eben kein gav):
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gesamtarbeitsvertrag
    und bei mir im quartier hat die post seit jeher samstags vormittag offen.

    50% im verkauf für nacharbeit? dream on!

  • marie

    reto b., ich habe bis vor kurzem als single 100% gearbeitet und ich hatte über jahre hinweg einen job an dem ich 80-90 std die woche gearbeitet habe (und das ist nicht übertrieben, war schliesslich kader und meine kohle wert) – ich habe alles geschafft, inkl. meine wohnung alleine putzen. hallo? frage der organisation? ein äs schiisst mii a liegt halt bei diesem pensum nicht drin. für mich war das kein problem! wieso für sie und ihre frau?

  • marie

    und nach wie vor, auch ich hätte nichts gegen eine bratwurst mit grobkornsenf, serviert mit warmem roggenbrot um 2 uhr an der tanke, die ich gerne aufsuchen würde, schon nur, um mir meine zigis zu kaufen. aber müssen, muss nicht sein. nice to have…

  • Reto B.

    marie… ich schlag mich durch. Ich hab ja auch in nem Restaurant gejobbt neben dem Studium, weil da die Arbeitszeiten so schön 1800-0030 waren. Das Problem ist, dass meine Zeiten, in denen sich Nichtarbeitzeit und Öffnungszeiten von diversen Stellen überschneiden, eher knapp sind und es da dann ziemlich viel zu tun gibt. Ich sehe arbeitswillige Personen (Angebot) und eine Nachfrage… Mir würde es ein bisschen Stress ersparen. Es geht schon auch anders. Aber ich bin bereit zu diesen Zeiten zu arbeiten und würde mich über ein Angebot freuen, ergo bin ich dafür. Meine Denke ist in meinen Augen konsistent.

    Ich könnte wohl auch in Saudiarabien überleben, trotzdem habe ich keine Lust, dort hinzuziehen.

  • marie

    wirtschaftsfreundlichen kreisen geht dieses thema und das thema niedriglohnsegment am hintern vorbei, im gegenteil, sie sind sogar dankbar dafür, dann kommen die löhne ins rutschen und es bleibt mehr profit, für sich und allenfalls aktionären bei börsennotierten unternehmen. ich denke diese diskussion würde niergends hinführen, ausser zu unterstellungen und, einmal mehr, missverständnissen.
    aber jede/r kann abstimmen wie er/sie will. aber über gehälter ist es dringend notwendig zu diskutieren, ob es einem passt oder nicht. es ist zeit.

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