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Die Rabenmutter im Kopf

Der Rückgang der Geburtenrate erklärt sich in Deutschland unter anderem damit, dass Frauen befürchten, schlechte Mütter zu werden.

Von Nathalie Sassine-Hauptmann

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Kinder kriegen wird immer unattraktiver, zumindest in Deutschland. Eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung nennt die Gründe: Schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie, fehlende gesellschaftliche Anerkennung berufstätiger Mütter und die entsprechende Angst davor, als Rabenmutter zu gelten.

In Europa gibt es nur zehn Länder, deren Geburtenziffer noch niedriger als die deutsche (1.39) ist. Diese beträgt sogar in der Schweiz 1.52. Letzter dieser Rangliste ist Lettland mit 1.17. Die Bedeutung von Kindern scheint für viele Deutsche ganz allgemein zu sinken. Viel mehr haben berufliche Interessen, die Pflege von Freundschaften oder Hobbies in den letzten Jahren an Priorität gewonnen.

Am erstaunlichsten mutet jedoch die Motivation an, weshalb auf Kinder verzichtet wird. Denn deutsche Frauen sind nicht unbedingt unfreiwillig kinderlos: Ein Viertel der zwischen 1964 und 1968 geborenen verzichten bewusst auf Kinder. Dieser Entscheid wird darauf zurückgeführt, dass gerade in Westdeutschland die Erwerbstätigkeit mit kleinen Kindern «wenig toleriert» wird, wie Norbert Schneider, Direktor des Bundesinstitutes der «Süddeutschen Zeitung» erklärte.

Das Kind braucht eine «gute Mutter»

Das hat offenbar auch mit falsch verstandenem Perfektionismus zu tun, welches das kulturelle Leitbild der «guten Mutter» nach wie vor vermittelt. Aus Angst, das deutsche Rabenmutter-Klischee zu erfüllen, verzichten sie lieber ganz auf Kinder.

Weshalb das Betreuungsgeld wieder auf dem Politparkett landen dürfte. Und die Frage, ob die ein bis zwei Milliarden Euro nicht besser in die Kinderbetreuung ausser Haus investiert werden sollten.

Die niedrige Geburtenrate wird ausserdem von der OECD auch dahingehend erklärt, dass Deutschland «das einzige Steuer- und Abgabensystem (habe), in dem es sich für Eltern schulpflichtiger Kinder nicht lohnt, dass beide Elternteile arbeiten.» Deutschland schafft sich selber ab. Sozusagen.

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Kommentare

  • The Damned

    Und wenn Frauen endlich einmal damit aufhören würden, sich selbst nur im allerkritischsten Licht zu betrachten, worunter auch der Rabenmutterkomplex fällt, wären wir einer gleichberechtigten, freieren Gesellschaft schon viel näher!

  • Katharina

    So ne Seich.
    Wenn eine Mehrheit der Frauen sich tatsächlich so fremdbestimmen liesse, dass sie so wichtige Lebensentscheidungen davon abhängig machen, was andere Leute denken könnten, haben wir hier ein grösseres Problem! Huston! Huston!

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