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Die perfekte Vagina (gibt es nicht)

Warum finden viele Frauen ihre Vagina so unansehnlich? Weil sie nicht wissen, wie es zwischen den Beinen der anderen aussieht.

Von Clack-Team

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Wenn Sie möchten, dass Ihr Kind eine erfolgreiche Karriere hat, schicken Sie es ins Medizinstudium und lenken Sie es in Richtung Schönheitschirurgie. Und dann soll der Schönheitsschnitzler, die Schönheitsschnitzlerin in einer Privatklinik tüchtig Geld verdienen. Wenig ist so einträglich wie der ständig wachsende Bereich der Vaginal-Korrekturen. Aus dem diesbezüglichen Angebot einer Schönheitsklinik:

«Bei einer Schamlippenkorrektur (auch Labioplastik oder Labienplastik genannt) können die zu langen inneren oder äußeren Schamlippen chirurgisch reduziert werden (Schamlippenverkleinerung). Es ist aber auch möglich, erschlaffte oder zu schwach ausgeprägte äußere Schamlippen aufzubauen. (Schamlippenvergrößerung/ Labienaugmentation). Auch rekonstruktive Eingriffe nach misslungenen Schamlippenkorrekturen sind möglich und werden von uns auch häufig durchgeführt.»

Wo gehobelt wird, da fallen Späne

Nur – wann sind Vaginas überhaupt so verkehrt, dass es einer Korrektur bedarf wie bei einem falsch geschriebenen Wort? Besonders der letzte Satz ist beunruhigend – wenn häufig nachgebessert wird, wird auch häufig geschlampt. Tja, wo gehobelt wird, fallen Späne.

Wie konnte es überhaupt soweit kommen? In der einstündigen Dokumentation «The Perfect Vagina» wirft Lisa Rogers einen Blick in die britische Operationsindustrie – und fragt, warum Frauen so häufig ein Problem mit ihrem Geschlechtsteil haben. Seltsamerweise äussern sie meist den Wunsch, aussehen zu wollen wie alle anderen. Obwohl sie oft nicht einmal wissen, wie die anderen eigentlich aussehen. Ihr Wissen haben sie aus Pornos, in denen kindlich haarlose Geschlechtsteile in Nahaufnahme gezeigt werden. Weil das Gebot der Rasur und des Wachsens gilt, wissen Frauen plötzlich Dinge über ihre Geschlechtsteile, die Generationen vorher unter Schamhaar verborgen hatten. Die nackte Selbstkritik greift um sich.

Und was meinen die Männer dazu?

Doch würden Männer, wenn sie eine Frau lieben, reissaus nehmen, weil ihnen der Zwischenraum ihrer Partnerin nicht gefällt? Die im Film befragten Männer verneinen. Sie scheinen entspannter mit den Variationen der Natur umzugehen als die Protagonistinnen.

Während es bei Brustoperationen in der Regel darum geht, mehr davon zu bekommen, heisst es im Vaginalbereich «verkleinern». Die inneren – manchmal auch die äusseren – Schamlippen sollen reduziert werden. Statistiken sind nur schwer erhältlich. Doch ein Düsseldorfer Chirurg gibt an, dass 63 Prozent seiner Patientinnen ihre Schamlippen aus medizinischen Grössen verkleinern lassen. Bleiben noch ganze 37 Prozent, die sich aus ästhetischen Gründen eine Betäubungsspritze in eines ihrer empfindlichsten Körperteile setzen lassen.

Weil unter anderem gezeigt wird, wie eine innere Schamlippe abgeschnitten wird wie eine Scheibe Brot, ist Lisa Rogers Film nichts für schwache Gemüter.

The perfect vagina from heather leach on Vimeo.

Lesen Sie auch: Männer und Schönheitschirurgie: Dieser Wunsch nach Grösse.

Frauen Plastische Chirurgie Schönheit Sexualität Vagina


Kommentare

  • thomas dreier

    ist ja beängstigend, was frauen mit sich machen lassen. wegen uns, den männern? glaub ich eigentlich nicht…

  • Moni

    also so ein Bullshit über Orgasmus und Vagina habe ich noch nie gehört – die Magazine und Zeitungen müssen ja die Blätter füllen und so ihnen nichts besseres einfällt haben sie ihren Spass über Orgasmus u Vagina zu schreiben…alles ein schmarren und zum tot lachen – orgasmus auf rezept – für wie blöd halten die ärzte die frauen… mein Motto; LUST statt FRUST – ich schau mir die Filme NICHT an!

  • Fred

    Venus nenn ich das was ihr Ladies “da unten” nennt. Lasst da die Messer gar nicht erst ran und denkt gar nicht erst an so nen Quatsch. Die Venus ist so individuell wie ihr seid. Mit dem Herumschneiden killt euer Dr. Mabuse nur die Nerven und das wirkt sich negativ auf…aber das wisst ihr hoffenltich. Es gibt keine hässliche Venus, es gibt nur eine falsche Einstellung dazu und ein Nichtwissen, wie die Venus funktioniert… Aber, warum eigentlich kommt jemand auf so eine abstruse Idee von einem perfekten “da unten”? Zzzz…

  • ika

    Ich fänd’s schon gut, wenn die weiblichen Geschlechtsteile mal korrekt bezeichnet würden. Meines Wissens heissen die äusseren weiblichen Geschlechtsteile Scheide oder Vulva. Die Vagina ist innen. Da wird zwar auch operiert (geweitet, verengt), aber bei den im Artikel beschriebenen Operationen handelt es sich um solche der äusseren Geschlechtsteile. Das am weiblichen Geschlechtsorgan aus rein kosmetischen Gründen herum operiert wird, passt zu unserem Zeitalter, in dem das Visuelle unser ganzes Sein dominiert.

  • Widerspenstige

    Ja mei, wer hat denn dieses Kuckuksei ins Hirn gepflanzt, dass eine Vagina nach einer (welcher?!) Schönheitsnorm aussehen müsse? Da kann ich nur noch den Kopf schütteln vor soviel Schwachsinn und reduziertem Selbstbewusstsein solcher Frauen. Ja wissen diese Frauen denn nicht, dass da gar nichts gemacht werden darf, weil sonst der wundervollste Orgasmus nur noch ein Hirngespinst bleiben könnte? Lieber ein Original im intimsten Paradies als ein verpfuschtes Duplikat verschlimmbessert durch eine sog. Schönheitsop..ächz! 🙁

  • lowlander

    der schönheitswahn macht sogar vor den schamlippen nicht halt. silikonbrüste finde ich schon bedenklich. und nachher sollen wir männer noch schuld sein weil wir das scheinbar so gewollt hätten. also ich streichle lieber einen kleinen aber echten busen als ein silikonkissen. genauso halte ich es mit den schamlippen. lieber das orginal, wie auch immer es aussieht, als etwas wo herumkorrigiert wurde.

  • marie

    Die Phantasie der Schönheitschirurgie
    Eines muss man ihnen lassen – wenn es um die Erweiterung der potentiellen Einkommen von Schönheitschirurgen geht, ist der Industriezweig kreativ.

    Der Wunsch nach grösseren Brüsten ist im Ansatz noch nachvollziehbar. Immerhin handelt es sich dabei um offensichtliche körperliche Attribute. Dennoch käme das für mich, Trägerin von zwei Exemplaren, welche in A- oder kleinen B-Körbchen genügend Platz zur Entfaltung finden, nicht in Frage. Im übrigen hat mich die Grösse (oder die „Kleine“?) meiner Brüste nie gestört, denn irgendwie passen die ja so ganz gut zu mir. Im Weiteren habe ich beim Sport kaum je Beschwerden und meine Brüste werden auch den Regeln der Schwerkraft länger trotzen als irgendwelche D-Modelle.

    Aber zurück zu der Erweiterung des Schönheitschirurgie-Marktes. Anscheinend reicht den Damen und Herren, welche sich an unserer Eitelkeit eine goldene Nase verdienen, das Absaugen von Fett, das Einbauen von Po-Implantaten und die Vergrösserung von Brüsten (oder sind derzeit Brustverkleinerungen im Trend?) nicht mehr zur Deckung ihres Lebensunterhaltes. Schwuppdiwupp wird den Frauen ein neues körperliches Manko auferlegt und wir können eine Woche unseres Lebens mit OP und Erholung in sozialer Isolation verbringen, anstatt beim Skifahren oder bei einem Sprachkurs. Ist die Investition ins Äussere in unserer Gesellschaft höher gewertet als in die Bildung? Lieber eine schöne Verpackung als ein qualitativ hochstehender Inhalt?

    Zurück aber zu dem neuen Manko. Die inneren Schamlippen. Sie sind zu gross. Bei fast allen Frauen, versteht sich. Denn umso mehr davon betroffen sind, desto zahlreicher die potentielle Kundschaft. Das war vor zwei Generationen natürlich noch nicht so und man fragt sich, ob all unsere weiblichen Vorfahren einfach das Glück hatten, zwischen den Beinen perfekt auszusehen. Oder ob das aufgrund der Schambehaarung, welche erst seit kurzer Zeit in unseren Breitengraden quer durch die demografischen Schichten entfernt oder wenigstens im Zaum gehalten wird, einfach nicht erkannt wurde. Oder ob es einfach niemanden interessierte. Dank den neuen Frisurentrends und den Anstrengungen der Schönheitsindustrie aber sind wir uns heute dieses Problems Gottseidank bewusst. Ohne diese Informationsflüsse wäre mir nie im Leben eingefallen, das was mit meinen Schamlippen nicht stimmen könnte. Habe ich mich doch bisher nach sportlicher Betätigung mit einem natürlichen Mass an Scham nackt mit andern Frauen unter die Dusche gestellt, bin ich mir nun nicht mehr sicher, ob ich aufgrund meiner Schamlippengrösse das auch weiterhin machen soll. Vielleicht sollte ich mich beraten lassen? Bevor ich verstossen und sozial geächtet werde? Bevor ich auf dem Partnermarkt vollkommen chancenlos bin?

    Nicht ganz klar ist mir in dem Zusammenhang, weshalb sich bisher noch keiner meiner Bettgefährten aufgrund meiner grossen Schamlippen – und das erst noch in Kombination mit kleinen Brüsten!! – fluchtartig nach der Entkleidung aus dem Staub gemacht hat… Hatte ich einfach Glück oder gibt es doch noch Attribute, welche höher zu Gewichten sind als das, was uns dubiose Quellen als perfekte Schamlippen inkl. Weg zum persönlichen Lebensglück zu verkaufen suchen?

  • marie
  • alex

    Viele Männer lieben ausgeprägte innere Schamlippen. Macht keine OP.

  • Bruno

    Ihr redet von Vagina und meint Vulva! Bitte verwendet korrekte Bezeichnungen. Kein Wunder fehlt den Frauen ein Wort für ihr “da unten”.

  • Julia

    Das beweist einmal mehr, dass –  in Angelegenheiten die äußere Optik betreffend- die größte Problemzone der Frau ihr Hirn ist. Entschuldigt, liebe Geschlechtsgenossinnen, aber reicht es nicht, sich mit Nebensächlichkeiten wie Oberschenkel- & Brustformat oder Bindegewebsbeschaffenheit regelmäßig selber fertig zu machen? Die meisten Selbstbenörglerinnen unter euch haben da schon keine optischen Fehler, ihr seid nur individuell schön und wer will schon einen Barbiepuppeneinheitslook! Also, benutzt eure Hirnmasse mal euch selber schön zu finden. Männer können dass auch, selbst die unterdurchschnittlich, charmanten, witzigen oder schönen Exemplare halten sich für unwiderstehlich. Da können wir echt noch was lernen grin

  • alias

    Marie, Du hast…? ZU VIEL INFORMATION…!

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