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«Daily Soap»: Die Botin

Ab sofort gibt Ihnen unser «Muttertier» einen täglichen kleinen Einblick in das Leben zwischen Job, Kindern und – da war doch noch was? Genau! – Partnerschaft.

Von Clack-Team

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Sonntag, 07.02.2014

Ich bin: Waschmaschine, Reiskocher und Sitzungsleiterin – ein Muttertier halt. Heute ist eine weitere Rolle dazugekommen. Wir stehen im Wahllokal und werfen unsere Couverts in die Urne. Dann der kleine Kurze: «Mama, bisch du jetzt en Pöschtler?»

Samstag, 06.02.2014

Die Tiere sind uns gar nicht so unähnlich. Die Mäuse zum Beispiel. Sie leben auch in einem Bau und dragen ein dichtes Fell mit sich herum, damit sie nicht frieren müssen. Diese und andere Gedanken mache ich mir jeweils, wenn ich mit den Kurzen im Zoo bin. Seit der erst kürzlich überstanden Lausplage bin ich jedoch strikte gegen Haustiere.

Freitag, 06.02.2014

Trinken und Arbeit: Nach einem Abend mit viel Alkohol am nächsten Tag an die Arbeit gehen zu müssen, ist das eine. Am Arbeitsplatz betrunken sein das andere. So oder so: Es beginnt immer mit einem Apéro am frühen Abend. Heute war ein strenger Tag, denn das eine wie das andere hat zugetroffen.

Donnerstag, 05.02.2014

Gestern als Hausfrau eingeschlafen, heute als Angestellte aufgewacht. Morgen ist dann Muttertag.

Mittwoch, 04.02.2014

Der kleine Halbe: Gell, die S-Bahn ist schneller als der ICE?
Der Lange: Nein, es ist umgekehrt.
Der grosse Halbe: Das ist nicht fair, die S-Bahn ist unser Lieblingszug.

Dienstag, 03.02.2014

Es wird höchste Zeit sich zu entscheiden, ob der Kleine in den Kindergarten soll oder nicht. Wir haben noch einen Brief bekommen in dem steht, dass «der Kindergarten ist in ihrem Kanton obligatorisch und unentgeltlich». Wegen des Deutschschwerizer Harmos Konkordats verschiebt sich der Stichtag für die Einschulung jedes Jahr um einen Monat bis 2019. Das bedeutet, dass die Kinder jedes Jahr jünger am ersten Tag im Kindergarten. Was der Grosse noch mit 5.3 Jahren können musste, wird vom Kleinen schon mit 4.3 Jahren erwartet. Auswege gibt es wenige, denn, so steht es im Schreiben «es herrscht in der Schweiz Schulzwang». Und keine freie Schulwahl.

Montag, 03.02.2014

Herr Fusi bei der Zeitsparkasse:

«Aber mein Bester», antwortete der Agent und zog die Augenbrauen hoch, «Sie werden doch wissen, wie man Zeit spart! Sie müssen zum Beispiel einfach schneller arbeiten und alles Überfüssige weglassen. Statt einer halben Stunde widmen Sie ihren Kunden nur noch eine Viertelstunde. Sie vermeiden Zeit raubende Unterhaltungen. Sie verkürzen die Stunde bei Ihrer alten Mutter auf eine halbe. Am besten geben Sie ssie in ein gutes, billiges Altersheim, wo für sie gesorgt wird, dann haben Sie bereits eine ganze Stunde täglich gewonnen.

Schaffen Sie den unützen Wellensittich ab! Besuchen Sie Fräulein Daria nur noch alle vierzehn Tage einmal, wenn es überhaupt sein muss. Lassen Sie die Viertelstunde Tagesrückschau ausfallen und vor allem, vertun Sie ihre kostbare Zeit nicht so oft mit Singen, Lesen oder ihren sogennanten Freunden. Ich empfehle Ihnen übrigens eine grosse Uhr im Laden aufzuhängen, damit Sie die Arbeit ihres Lehrjungen genau kontrollieren können.»

«Nun gut», meint Herr Fusi, «das alles kann ich tun, aber die Zeit, die mir auf diese Weise übrig bleibt – was soll ich mit ihr machen? Muss ich sie abliefern? Und wo?»

«Darüber», sagt der graue Herr und lächelte zum zweiten Mal dünn, «machen Sie sich nur keine Sorgen. Das überlassen Sie ruhig uns. Sie können sicher sein, dass uns nichts von Ihrer eingesparten Zeit entgeht. Sie werden schon merken, dass Ihnen nichts mehr übrig bleibt.»

«Also gut», entgegnete Herr Fusi verdattert, «ich verlasse mich also drauf».

Sonntag, 02.02.2014

Mama, könenn wir Schienen bauen? Ja, nachher, hab grad keine Zeit.

Wollen wir Tramfahren gehen heute? Ach, Spatz, würde so gerne aber muss arbeiten gehen.

Du bist doof du hast nie Zeit, schimpft der Grosse.

Aus diesem Grund lesen wir jetzt zusammen Momo und machen uns auf die Suche nach dem Grund, warum die Zeit verloren gegangen ist.

“Am allerwenigsten konnten sie die Still ertragen. Denn in der Stille überfiel sie Angst, weil sie ahnten, was in Wirklichkeit in ihrem Leben geschah. Darum machten sie mehr Lärm, wann immer die Stille drohte. Aber es war natürlich kein fröhlicher Lärm wie der auf einem Kinderspielplatz, sondern ein wütender und missmutiger, der die grosse Stadt von Tag zu Tag lauter erfüllte.”

Samstag, 02.02.2014

Unglaublich, nur ein Kind ist sogar weniger als die halbe Arbeit. Notiz an mich selbt: öfters trennen die zwei Halben.

Freitag, 31.01.2014

Heute bin ich Mombie. Das ist so etwas zwischen Mutter und Zombie und beschreibt den Zustand, wenn das eigene Bett voll uriniert wurde, man beim Wäschen der Decke merkt, dass die Waschmaschine kaputt ist, das Internet nicht funktioniert, man das letzte Glas Weisswein nach dem Fondue am Vorabend lieber hätte sein lassen und beim schreiben dieser Zeilen jedes zweite verdammt Wort zuerst googeln muss, weil das Internet-Hirn einem zur Legastenikerin macht.

Donnerstag, 30.01.2014

Der Grosse im Kies wühlend: Mama, gell Scherben sind gefährlich.

Ich: Ja. Pass auf, dass dich nicht schneidest.

Er: Aber eigentlich sind sie mega wertvoll.

Ich: Ah, ja?

Er: Weisst, Scherben bringen Glück. Ich hab schon einen ganzen Haufen dahinten gesammelt.

Sein Glück ruht nun in einem alten Schal in der Schatzkiste.

Mittwoch, 29.01.2014

Das Muttertier macht heute kein Home- sondern Bed Office. Das funktioniert. Wirklich. Vorausgesetzt es stehen genug Kissen und Decken zur Verfügung und eine schnelle Internetleitung. Da die Arbeit erstaunlich effizient erledigt wurde, blieb Zeit etwas durch das Netz zu flanieren. Dabei fiel mir diese Perle von Video mit der unglaublich Meryll Streep in die Hände. So charming. Eine Frau auf der Höhe ihres Könnens. Wer Kochrezepte mit 64 Jahren so sexy vorliest, MUSS einfach einen Oscar gewinnen. Wie das so ist im Internet, das eine gibt das andere und nach dem das Muttertier beim studieren der Filmografie bemerkt hat, dass es auch nicht mehr so ganz taufrisch ist, hat es sich zur Belohnung ein paar Streifen ausgeliehen. Die Taschentücher stehen bereit für die «Brücken am Fluss» und «Jenseits von Africa». Ja, wenn wir schon dabei sind, ich gebs zu: «Liebe in Zeiten von Cholera» musste auch noch mit (auch ohne Streep). Aber nie und nimmer, weil es so eine furchtbar kitschige Schnulze ist, nein schuld ist einzig und allein der junge Xavier Bardem. Schmelz.

Dienstag, 28.01.2014

Erinnern Sie sich noch an den Teebeutel? Mit verquollenen Augen fragte ich mich ob ich den Job an den Nagel hängen oder bleiben soll. Die Antwort darauf ist zu einer Fantasie geworden, die so verführerisch ist, wie am ersten Sommertag auf einer Wiese zuliegen, das Summen der Bienen in den Ohren, die wärmende Sonne auf der Haut. Raus aus allem. Alles anders machen. Endlich dem Garten mehr Salat abringen als die Schnecken, auch wenn das deren Todesurteil bedeuten würde. Naja, vielleicht kann man die auch wo abgeben. Die Nähmaschine aus dem Keller holen, nähen und den Schal fertig stricken, der schon seit drei Jahren in der Kiste wartet. Den Keller aufräumen und ENDLICH all das Zeugs entsorgen, tauschen und verschenken, welches mein Leben so schwer macht. Hab ich das marokanische Mosaik für die Küchenwand schon erwähnt. Ich meine, der Lange und ich brauchen ja nicht viel Geld und die Halben erst recht nicht. Lieber hab ich weniger davon und bin frei. Kann die Lösung so einfach sein?

Montag, 27.01.2014

Mit etwas Verspätung hat auch das Muttertier die Debatte um die «Mingle» mitgeschnitten. Also jene Menschen die offiziell «Single» sind, aber im Geheimen oder freundlicher gesagt, im Privaten, trotzdem so etwas wie eine Partnerschaft führen. Bereit jederzeit den anderen zu verlassen, wenn man dann doch noch über die ganz, ganz grosse Liebe stolpert. Ich meine, neu ist daran vorallem eines: der Name. Man nehme ein emotionales Thema. Möglichst eines, in das man dieses und jenes hineininterpretieren kann, jeder davon betroffen ist oder zumindest eine gute Freundin oder einen Kollegen kennt, der mal erzählt hat, dass… und fertig ist der Gassenhauer. Früher nannte man das einfach eine Affäre – eine lauwarme. Wortklaubereien.

Eigentlich finde ich etwas anders zum heulen. Dieser ewige naive Glaube an die Traumfrau, die ganz grosse Liebe. Hollywood vermantschte Teenager-Hirne sind hier ausgenommen. Nachdenklich stimmt, dass es mittlerweile die 40-jährigen sind – bei denen «das sich nicht so genau festlegen» zur Lebenseinstellung wird. Verwundert aber nicht, wenn man bedenkt, dass 30 das neue 20 ist und 20 das neue 10 und überhaupt viele Grosstädter irgendwo in den 20ern stehengeblieben sind. Okay, alles mündige erwachsene Menschen. Deren Problem und ja, ein bisschen Neid ist auch dabei: deren Freiheit. Sollen sie sich doch tagelang über die Vorteile und Nachteile von Beziehungen ohne Verantwortung unterhalten. Easy. Wenn es nur nicht auch noch die 50-jährigen gäbe, die sich nur noch in lol und omg geschwängerter Jungendsprache verständigen – im Chat natürlich.

Das Punkt ist ganz einfach: Wo sind die Erwachsenen? Solche die Verantwortung übernehmen, sich Gedanken machen. Nicht nur nach dem dritten Joint, sondern auch konkret im Leben. Vor der Gemüsetheke in der Migros, vor dem Kauf des neusten I-Phones oder bevor sie ins nächste Flugzeug für die jährlichen Alternativ-Ferien in Thailand steigen. Ja! Es sind die selben Leute, die über komplexe Themen wie Raumplanung oder Zuwanderung abstimmen dürfen, für die auch auf der Packung steht: Bitte Folien entfernen, bevor Sie die Pizza in den heissen Ofen geben.

(Ich danke an dieser Stelle noch der Sozialen Plattform Facebook für die freundliche Inspiration.)

Sonntag, 26.01.14

19.30 Badezimmer ist Land unter.

19.47 Weinen und jammern. Wollen nicht ins Bett.

20.01 Mama, Huuuunger. Schmerzen am Bein. Brauch ein Kinderpflästerli.

20.15 Eigentlich würde jetzt der Tatort beginnen.

20.22 Mit etwas Verspätung: Saarbrücken.

20.25 Ich brauch noch ein Kuscheltier. Durst. Ok, Tatort ist eh langweilig. Stolpere beim Fläschchen holen über die nassen Wäscheberge.

20.45 Endlich! Sie schlafen. Mist Internet weg, Tatort weg.

Und Sie so?

Samstag, 25.01.2014

30 000 Menschen wollen sich überwachen lassen. Freiwillig. Weil sie befürchten internetsüchtig zu sein, machen sie bei einem Pilotprojekt mit, dass ihr Handy-Nutzverhalten mit einer App überwacht und genau auswertet. Wie oft pro Tag schalte eigentlich ich mein Smartphone ein? Welche Apps brauche ich wie lange, wann surfe ich und wie viele Minuten telefoniere ich? Das würde ich eigentlich gerne wissen, oder nein, eigentlich doch nicht. Meine Befürchtung ist, dass vieles unbewusst passiert und man sich verzettelt. Kaum sieht man die Mails, beantwortet man sie doch. Facebook, Twitter. Immer und ständig. Magnetisch zieht es mich ins Netz. Daduch dreht sich die Welt immer schneller und ich habe immer weniger Zeit. Tick, tack. Tick, tack. Rauchten die grauen Herren im Kinderbuch «Momo» die Zeit noch in den Zigarren, sitzen sie heute in Smartphone und Computer. Tick, tack. Tick, tack. Verdammt nochmal, wie viel Lebenszeit habe ich eigentlich schon in diese Geräte gesteckt? Genau so wollte ich nie werden, so wie die Erwachsenen. Wo ist meine Kassiopeia?

Freitag, 24.01.2014

Das erste was ich heute morgen gespürt habe, war die fiebrig heisse Stirn vom Grossen. Oje. Das gibt wieder Diskussionen mit dem Langen. Wer hat den wichtigeren Tag? Wer kann eher Zuhause bleiben? Nach kurzem hin und her habe ich auf die Arbeit «verzichtet». Das Problem wird dann wohl nächste Woche kommen. Dann nämlich, wenn ich schon wieder zu spät bin am Morgen, weil ich die Kinder in die Kita bringen musste. Dann, wenn ich nicht mehr an der Qualität der verrichteten Arbeit, sondern an den Kranktagen meiner Kinder gemessen werde. Dabei könnte ich ja in dem Fall von Zuhause aus arbeiten. Aber das ist nicht vorgesehen, weil schlechter kontrollierbar. Als ob nur die Arbeit unter den Augen des Chefs zählt. Darum hetzte ich also von einem Termin zum nächsten und bin so zappelig wie ein Merrill-Lynch-Banker auf Speed. Aber hey, dafür hab ich eine Pensionskasse.

Donnerstag, 23.01.2014

Dunkle Wolken ziehen über dem Leben des Kleinen der Halben auf. Er schwebt mit dem Kinderwägeli, Krabambuli und neuer Freundin im siebten Himmel. Noch. Gerade erreichte mich folgende Nachricht: «Herzlich Willkommen im Kindergarten der Stadt Zürich, welcher im ganzen Kanton obligatorisch ist.» Hilfe! Ich meine, das kann doch noch nicht sein. Mein Kleiner, mein Süsser. Jetzt scho ins System? Wegen der Schulharmonisierung – kurz Harmons – werden die Kinder nun jedes Jahr etwas früher eingeschult, bis das Eintrittsalter von durchschnittlich vier Jahren erreicht ist. Kam der Grosse noch mit etwas über fünf Jahren (ich fand das schon früh!) in den Kindsgi, wird der kleine gerademal ein paar zerquetschte Tage über vier Jahre alt sein. Ihn erwarten dort «Sünnelistrahle», wenn er schön still sitzt und «Wülchli», wenn er nicht folgt. Nach jedem halben Schuljahr wird dann Kassensturz gemacht. Ich WILL NICHT, dass mein Kleiner mit vier Jahren schon bewertet wird. Und «Sünneli» gibts für ihn am Himmel und in Kinderliedern, aber sicher nicht als versteckte Vorschufe von Schulnoten.

Mittwoch, 22.01.2014

Das Muttertier ist heute offline.

Dienstag, 21.01.2014

Der Kleine von den Halben hat grad seine «Pinke-Phase». Freundinen beklagten sich schon länger bei mir über Prinzessin-Lilifee infizierte Töchter. Ich hatte immer nur ein müdes lächeln dafür übrig. Bislang. Jetzt diskutiere auch ich mit dem Langen darüber, ob der Kleine rosa Kleider tragen darf – oder nicht? Er hat sich sehnsüchtig ein Kinderwägeli zum spielen gewünscht. Dem Gotti sei dank, hat er das nun auch bekommen. Bei der letzten Ausmusterung hat der Lange das aber wieder klammheimlich verschwinden lassen («ich habe einen Sohn und kein Mädchen»). Was heute eine lauten Streit zur Folge hatte. Wir haben dann doch noch eine Lösung gefunden.

Der Kleine hat das Wägeli in der Kita deponiert. Die Entscheidung hatte weitreichende Folgen für sein weiteres Leben. Jetzt spaziert er dort stolz seine Runden mit einem Bäbi namens «Krabambuli» – den halben Tag lang. Und ist selig. Sie ahnen es. Ja. Er hat seit neuem eine Freundin. Die beiden haben eine eher klassische Rollenteilung: Sie arbeitet als Kinderärztin und er hütet das Kinderwägeli und den Nachwuchs.

Montag, 20. 01.2014

Auf der Autobahn stehen wir im Stau. Neben uns ein Transporter mit Schweinen drin. Die Halben brechen in wahre Begeisterungsstürme aus. «Gehen die Säuli auch zu Ikea, Mama?» Was soll man da sagen. «Nein, sie gehen auf den Schlachthof, werden mit Gas betäubt, dann schlafen sie ein, werden zerschnitten und kommen in die Migros.» Punkt. Kurze Stille im Auto. «Hm. Das ist aber traurig», sagt der Grosse. «Ja, traurig», macht nun auch der Kleine.» Weil sie die Säuli so gerne haben, versprechen die Halben ihnen, sie nun nicht mehr zu essen. Nie mehr! Im Möbelgeschäft stürmen sie dann schon vor der Kasse: «Wann gibt es endlich Hot-Dog?»

Sonntag, 19.01.2014

Kater. Am Sonntag. Ja. Das letzte Glas Wein wäre wohl nicht mehr nötig gewesen. Gut. Das Vorletzte auch nicht. Warum? Weils grad so eine schummrige Runde war. Der Alltag weit weg. Nur im Moment. Und ich dann zur Selbstüberschätzung neige. Morgen? Gibts nicht. Falsch gedacht. Haben die Halben eigenlich einen Sensor für Muttertiere mit Riesentigern im Kopf? Normalerweise nutzen sie es aus und versuchen alles zu bekommen, was sonst nicht geht. Heute nicht. Liebe Büsis.

Samstag, 18.01.2014

Schlafen kann ich wenn ich tot bin. Ich weiss danke! Aber Donnerwetternochmals! Ich – bin – MÜDE. Jetzt! Berechnen all diese Medienpsychologen mit ihrer Empfehlung, Kinder nicht mehr als eine halbe Stunde pro Tag fernsehen zu lassen, eigentlich auch die Mütter und Väter mitein, die irgendwann, vielleicht an einem Samstag, auch mal etwas länger schlafen müssen? Das sind Sadisten mit Doktortitel, die ein permanentes schlechtes Gewissen in unseren Köpfen kultivieren. Wisst ihr was? Montag bis Freitag je eine halbe Stunde gibt auch 2.5 Stunden am Samstag. Schlaft gut!

Freitag, 17.01.2014

In der Reihe vor mir im Bus sitzt ein indisches Pärchen mit seinem Baby. Vielleicht sieben Monate alt? Der Mann, sein Anzug ist von der Reise, die wohl schon länger dauert, zerknittert, trägt das schlafende Kind. Ein kleiner, nackter Fuss ragt in die Höhe. Dann zuckt er und das Kind beginnt zu schreien. Die Eltern versuchen es zu beruhigen. Doch der Junge oder das Mädchen (das ist nicht genau zu sagen) will nicht. Ich spühre wie mein Mutterherz vor Zuneigung zu dem kleinen, unbekannten Wesen schier überquillt. Und bin etwas schockiert.

Donnerstag, 16.01.2014

Der Teebeutel! Das erste was ich nach einem strengen Arbeitstag sehe, wenn ich in die heimische Küche komme. Nicht irgendeinen Teebeutel – NEIN – sondern den, der noch immer in meinem vollen Becher vom Morgen hängt. Schön aufgequollen. Weil ich natürlich keine Zeit hatte. Nicht einmal für ein einziges Heissgetränk vor der Arbeit. Vom Schminken und nett anziehen kann eh keine Rede mehr sein. Das geht nicht auch noch! Dann hab ich halt Augen, die morgens schon so verquollen sind, wie die Teebeutel am Abend. So geht das jeden verdammten Tag. Komm ich dann (nachdem ich die beiden Halben mit dem Fahrrad in ihren Institutionen abgeliefert habe) trotzdem 15 Minuten zuspät – wird die erste Stunde nicht mit mir gesprochen. Ich hätte mein Privatleben nicht im Griff. Ja dann danke. Schöne neue Arbeitswelt. Mal ganz ehrlich: In so Momenten will ich den ganzen Bürokram hinschmeissen. Was wohl der Lange dazu sagen würde?

Mittwoch, 15.01.2014

Bin ich erschrocken als die Teilzeitprinzessin vor einigen Tagen an dieser Stelle erzählte wie sie eine Mutter im Bus belauscht hat. Ist es so schlimm, wenn man die Weihnachtsgeschenke für die Kinder nicht selber kauft? Spieldate sagt man nicht? Ooops. Der Lange und ich arbeiten beide, unsere Smartphones sind zeitweise an unseren Händen festgewachsen und Spielplätze hassen wir. Sind wir den beiden Halben deswegen schlechte Eltern? 

Dienstag, 14.01.2014

Gestern war ich eine Stunde früher dran beim abholen in der Kita.
 
Ich so: Komm, wir gehen jetzt nachhause.
 
Er: Was, jetzt hab ich schon frei?
 
Ich: Ja, wir machen heute früher Feierabend.
 
Er zum Kitaleiter: Ätsch, ich hab schon frei und du nicht.
 
Kitaleiter: Morgen kommst du aber wieder.
 
Abgang.

 

Montag, 13.01.2014 

Geschirrspülmaschinen sind seltsame Wesen. Sie erleichtern das Leben ungemein. Unsere zum Beispiel läuft bis zu dreimal täglich. Das Ausräumen ist zu einem Ritual geworden – fast wie eine kurze Meditation, eine verlässliche Konstante. Am morgen vor der Arbeit schnell. Die noch warmen Tassen wärmen die steifen Hände. Abends, wenn die Augen fast zufallen, der letzte Kraftakt, nachdem die Kurzen endlich game over sind.
Aber sie ist auch böse. Wenn der Lange wiedermal meine Thermoskanne hinein stellt, die da laut Bedienungsanleitung nicht reindarf, dann fällt es mir schwer weiter freundlich zu ihm zu sein.

Wir sprechen nicht über zerbrochene Rössler-Kannen (in blau! Die sind etwa so selten wie ein Lächeln von Victoria Beckham) oder Gläser. Deshalb gibt es Wein bei uns nur noch im Wasserglas. Das wäre ja alles noch verzeihbar und ersetzbar, wenn er mir aber noch gutgemeinte Ratschläge gibt wie ich die Teller ordentlich einzuräumen habe, dann werde ich zur Furie. Wie gesagt, Geschirrspülmaschinen haben seltsame Kräfte. Missen möchte ich sie trotzdem nicht.

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Kommentare

  • Marlen

    Hm – und das war jetzt der Beitrag?????????????????? Hatte neugierig geklickt und mehr erwartet…

  • Reda El Arbi

    Kommt jeden Tag etwas dazu. Nur Geduld.

  • Nico

    ” Sind wir den beiden Kurzen deswegen schlechte Eltern?” Darf man diese Frage überhaupt mit “ja” beantworten? Irgendwie scheinen alle den Anspruch zu haben, a priori “gute Eltern” zu sein. Wenn aber Begriffe wie “gut” und “schlecht” überhaupt einen Sinn haben sollen, braucht es Kriterien, die halbwegs objektiv sind.
    Ein Mindestmass an Zeit, die exklusiv und ohne Vorbehalt für die Kinder zur Verfügung steht, wäre für mich so ein unabdingbares Kriterium. Wie dieses Mindestmass aussieht hat viel mit dem Alter der Kinder und ihren Bedürfnissen zu tun.  Wer 24/7 mit dem Heranschaffen von Kohle für den Lebensstandard beschäftigt ist, ist offenbar kein gutes “Elter”, ebensowenig wie jemand, der 24/7 die Kinder betüddelt und ihnen keine Luft zum Atmen lässt. Um mich mal festzulegen: wenn es nicht regelmässig Zeit gibt, in der Sie das Smartphone ausschalten um exklusiv für Ihre Kinder dazusein, dann würde ich in der Tat sagen, Sie sind nach meinen Massstäben keine guten Eltern.

  • Nico

    «ich habe einen Sohn und kein Mädchen»
    Wen soll man jetzt am meisten bedauern – die Frau, die eine Witzfigur geheiratet hat? Den Mann, der lesen muss, dass seine Frau ihm öffentlich so einen Schwachsinn zutraut und in den Mund legt? Die Kinder, die das irgendwann lesen und ihre Eltern nur peinlich finden? Oder doch uns Leser?

  • marie

    auch tatort, aber der war gut. und devid striesow ist ein klasse schauspieler, auf den lasse ich nichts kommen. die küche sieht chaotisch aus, aber ich habe heute den ganzen tag gearbeitet und mir tun die füsse weh. was soll’s.
    gute nacht, muss morgen um 5:30 aufstehen.

  • Katharina

    Wer lässt Wäsche nass auf einem Haufen liegen?

    TV sucks anyway. 500 Channels and nothing on expect sports, politics and grammy gaga.

  • Muttertier

    Die nasse Wäsche stand in einem direkten Zusammenhang mit dem überschwemmten Bad. Für mehr als den Berg hatte die Kraft gestern nicht mehr gereicht. Doch: Neue Woche, neus Wäscheglück.

    PS: TV sucks auch uns, deshalb gibt es nur Filme oder einen Stream, wie in diesem Fall den Tatort.

  • Muttertier

    Liebste Marie, das Muttertier wünscht gute Genesung für die Füsse.
    Und nicht vergessen: ebendiese auch immer wieder mal hochlagern.

  • Muttertier

    Lieber Herr Nico, zuerst einmal möchte ich mich sehr für Ihre schier grenzenlose Empathie für Witzfiguren, Kinder peinlicher Eltern und den Lesern bedanken. Ironie und Übertreibung sind beliebte Stilmittel – nicht nur im Blog, auch im Leben. Behalten Sie das doch das nächste mal im Auge, denn auf Emoticons wie diese wink würde ich dem Stil zuliebe auch in Zukunft verzichten. Wenn Sie aber weitere Fragen und Anregungen für mich haben, ich freue mich sehr drauf und hoffe Sie nehmen mir diese Worte nicht böse. Beste Grüsse von der Muttertierfront

  • Réda Philippe El Arbi

    Lieber Nico,

    es tut mir sehr leid, dass Ihre Familiensituation Sie so frustriert, dass Sie weder bei sich selbst noch bei anderen einen humorvollen Umgang mit den Themen Familie, Beruf und Partnerschaft etragen.

    Wenn Sie aber anfangen, hier die Lebenspartner der Autorinnen anzugreifen und abzuwerten, gehen Sie zu weit in Ihrem persönlichen Frust und werden als Kommentator gesperrt.

    Anzumerken ist, dass wir sehr selten, vielleicht einmal pro Jahr einen Kommentator sperren müssen. Sie bewegen sich aber darauf zu.

    Herzlichst
    Der Chefredaktor.

  • hugo

    500 Channels ist eben freedom, capitalist freedom. 4 Staatliche Sender wie in der Schweiz sind socialism, communism. So siehts aus.

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