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Die Mafiamorde von Montréal

Auf ihrer Reise in 12 Tagen um die Welt ist Lucienne in Montréal angekommen. «Laaangweilig» werden einige Leser denken. Nichts da! Drogenclans, Intrigen und Morde beherrschen die Stadt. Und da gibts noch den Crack-rauchenden Bürgermeister.

Von Clack-Team

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Ich war gerade im Begriff mich zu meinem Treffen mit Brandon Prust, einem der Angriffsspieler der Canadiens de Montréal, zu treffen, um mit ihm eine Runde Hockey zu spielen und meine Aufgabe zu erfüllen. Doch da kam ich vom Weg ab und landete in der Montrealer Unterwelt (nein, nicht in den unterirdischen Shoppingmalls, die vor dem Erfrieren retten).

Am letzten Sonntag wurde nämlich Moreno Gallo, seines Zeichen einer der führenden Mafia-Bosse Montreals, in seinem Exil in Acapulco umgebracht. Dorthin setzte er sich ab, nachdem er wegen Mordes zu lebenslänglich verurteilt worden war. Laut mexikanischen Polizeiangaben seien «zwei (möglicherweise aber auch vier) schlanke, schwarz gekleidete Männer zwischen 18 und 30 Jahren» in das Restaurant gekommen und hätten Gallo mit neun Schüssen getötet. Der kanadische Mafioso habe dort mit seinem Freund, dem Besitzer des Restaurants gespiesen, das Lokal sei bis auf die Angestellten leer gewesen.

Gallo kam exakt drei Jahre nach seinem Onkel Zio Cola ums Leben, der vor seinem Haus in Montreal erschossen wurde. «Wenn das ein Zufall ist, na dann aber was für einer», zitiert The Gazette eine anonyme Polizeiquelle. Gallo entstammte einer grossen Montrealer Mafia-Dynastie, dem Rizzuto-Clan, der die Cotronis in der Siebzigern vom Thron stiess. Doch seit 2010 geht es auch mit Rizzutis bergab: Moreno (68 Jahre) im Exil, Zio Cola (86 Jahre) 2010 getötet, sein Sohn Vito wegen Mordes in einem US-Knast, Di Maulo (70 Jahre), ein ehemaliger Verbündeter der sich dann aber gegen die Familie stellt, wird 2012 ebenfalls getötet. Zusätzlich setzte eine Verhaftungswelle 2011 dem Altherrenclub zu.

Das geht ja zu und her wie in einem Hollywoodstreifen. Wer hätte gedacht, dass Montreal das Chicago unserer Zeit ist? Bei einem investigativen Recherchegespräch, sgte die Informantin an der Bushaltestelle zum Mont Royale gegenüber clack.ch, dass sehr viele Pubs und Restaurant in den Händen des organisierten Verbrechens seien, die dort Geldwäscherei betrieben. Ob die neuen kanadischen Banknoten deshalb aus wasserabweisendem Plastik sind (aber Achtung, in der Sonne können die Scheine schmelzen, kein Witz)? Na, jedenfalls erzählt sie, dass sie vor vielen, vielen Jahren in einem Motel gearbeitet habe dass -wie sich dann herausstellte- ebenfalls von der Famiglia betrieben wurde. Aufgrund ihres breiten Québécois verstand ich leider nicht alles was sie sagte.

«Nicht nur die Italiener, auch die Iren sind dick im Geschäft. Immobilien, Geldwäscherei, Zuhälterei und natürlich Drogen», erklärte ein Branchenkenner das Montrealer Mafia-Portfolio in einem exklusiven clack.ch-Interview. James* (Name der Redaktion bekannt) sagt, der Norden der Stadt gehöre eher der italienischen Mafia, die irische Mafia habe auch im Centre Ville Bars, in denen der Kokainhandel floriere. Vielleicht hatte sich der Bürgermeister von Toronto, Rob Ford dort bereits eingedeckt. Der erzkonservative Politiker gestand während einer Ratsdebatte nach langen Dementi ein, dass er Crack geraucht habe (was videodokumentiert ist): «Ja ich habe Crack geraucht…Vermutlich während einer meiner Vollräusche.»

Zurücktreten will Ford nicht, für eine Wiederwahl dürfte es jedoch wirklich knapp werden. Die Kanadier schämen sich für den Skandalierer. «Aber Crack und Koks sind in der kanadischen Gesellschaft weit verbreitet», sagt James. Als ehemaliger Dealer muss er es wissen. Das Problem seien nicht die Händler, sondern die Konsumenten (Nachfrage und so). Trotzdem habe er seine Karriere aufgrund moralischer Bedenken aufgegeben. Das Zeugs sei einfach zu gestreckt, das tue den Leuten nicht gut. Auch seien die Arbeitsbedingungen schwierig gewesen: «Too much stress, immer nach der Polizei Ausschau halten». Nun versucht er sich als Bettler, aber dieses Geschäft ist nicht sehr einträglich: «Wenn ich von morgens bis sagen wir 19 Uhr arbeite, mache ich etwa 20 Dollar. Und es ist kalt!»

James erklärte dann auch noch seine früheren Arbeitsmethoden (präparierte Zigarettenpäckchen auf den Boden werfen), wo sich Alkohol und Drogen am gewinnbringendsten absetzen lassen (im Norden des Landes, bei den Inuit, die für eine Ladung das Vierfache bezahlen) und dass die Freundin nie auch die Geschäftspartnerin sein sollte (James Ex ist Inuit und hatte zwar die richtigen Kontakte, aber leider verspielte sie den ganzen Gewinn).

Was ich in Montreal sonst noch so gesehen habe kommt morgen.

Hier die vorherige Station: London

Das Round the World-Ticket mit dem Lucienne um den Globus jettet, sowie die schönen Hotels wurden freundlicherweise von Star Alliance zur Verfügung gestellt.

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