Clack

Die Mathematik der Liebe

Glück im Beruf, Pech in der Liebe: Nach den Soziologen und Biologen bemühen sich nun die Mathematiker das Rätsel zu lösen, warum schöne, erfolgreiche Frauen keinen Partner finden.

Von Nicole Althaus

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Es ist ein Topos so alt wie die Emanzipation: Erfolgreiche und schöne Frauen haben es schwer auf dem Heiratsmarkt. Oder anders gesagt: Es gibt für gutausgebildete Frauen in den Dreissigern nicht genug ungebundene kluge und attraktive Männer. Seit die Newsweek  1985 eine Studie über das Heiratsverhalten von Uniabgängern in den USA mit der Schlagzeile verkaufte «Frauen um 40 haben die grössere Chance von einem Terroristen getötet als geheiratet  zu werden», ist das erfolglose Liebesleben von Karrierefrauen zum beliebten Thema geworden, an dem sich Statistiker, Filmemacher, Soziologen, Evolutionsbiologen und Partnerschaftsbörsen abarbeiten. Auch Clack hat im letzten Herbst, die Dating-Fehler von Frauen aufgelistet.

Einsam an der Spitze

Fakt ist: Der anektotische Eindruck vom Überschuss an klugen, attraktiven Single-Frauen lässt sich belegen. Auch wenn man die Wahrscheinlichekeitsrechnung von Newsweek nicht für bare Münzen nimmt, auch wenn sich seit den 80-iger-Jahren einiges zwischen den Geschlechtern verändert hat.  In der Schweiz etwa bleiben mehr Akademikerinnen single und kinderlos als Akademiker. Ausserdem beweisen neuere Studien, wie etwa die von Clack-Job-Coach Christina Künzle, dass es «eine eindeutig positive Korrelation gibt zwischen beruflichem Aufstieg von Frauen und privatem Misserfolg.»

Erklärungsmuster sind schnell parat: Am Stammtisch heisst es, dass die Frauen selber schuld sind, weil sie allesamt zuviel wollen: Kinder, Karriere und ein Clooney-Abbild, das die Toilette putzt. An Frauenabenden sind die Männer die doofen, weil ihnen der weibliche Hintern wichtiger ist als das brillante Hirn und sie trotz Glatze und Bauch eine Frau suchen, die aussieht wie Claudia Schiffer und kocht wie die Mama. Soziologen erklären den Miss-Match auf dem Heiratsmarkt mit der Bildungsexpansion von Frauen und Evolutionsbiologen sind überzeugt, dass in Liebesdingen der Mensch noch immer funktioniert wie ein Urtier: Der Mann bringt Status und Einkommen in die Ehe, die Frau Jugendlichkeit und gutes Aussehen.

Tatsächlich hat auch im virtuellen Raum, dem periodisch eine Fähigkeit zur Umkrempelung der Geschlechterverhältnisse angedichtet wird, das Beuteschema unserer Urgrosseltern die digitale Revolution der Liebe unbeschadet überstanden: Ob in Washington, USA, oder in Köln, Deutschland, die Zahlen von Datingplattformen sprechen eine deutliche Sprache: Frauen kontaktieren mit Vorliebe Männer mit höherem oder gleichem Bildungsniveau, Männer hingegen orientieren sich nach unten. Salopp gesagt: Der Arzt sucht die Krankenschwester, die Sekretärin den Abteilungsleiter.

Liebe als Game

Liebe macht ganz offensichtlich viel weniger  blind, als gern behauptet wird. Jedenfalls nicht für die Titel auf der Visitenkarte oder die Zahlen auf dem Bankkonto. In der Liebe wird vielleicht mehr gerechnet als uns lieb ist. Davon jedenfalls ist der spanische Ökonomie-Professor Jose-Manueal Rey überzeugt, der den Liebeskummer einsamer Single Frauen mit der Mathematik erklären will. Und zwar mit der Game-Theorie: Gilt eine Frau einhellig als sehr attraktiv, dann ist es gemäss dieser Theorie logisch, dass viele Männer, sich geringere Chancen zu Landen einräumen und nicht um diese Frau werben. Das würde erklären, warum die Dating-Sate OKCupid vor kurzem feststellte, dass nicht die Frauen, welche von Single-Männern einstimmig als besonders attraktiv eingestuft wurden, am meisten Mails und Blind-Dates erhielten, sondern eben gerade die Ladys, über deren Attraktivitätsgrad die Männer sich nicht einig waren.   

Mit der Game-Theorie erklären Mathematiker übrigens auch den Überschuss an gutausgebildeten Single-Frauen über Dreissig. Man stelle sich die Partnerschaftssuche als Auktion vor, in der die Männer unter den Hammer kommen und die Frauen bieten (denn letztlich, darüber sind sich alle Experten einig, wirbt der Mann während die Frau wählt). Je selbstbewusster die Frau – Bildung und Schönheit tragen im Normalfall dazu bei – desto eher gehört sie zu den sogenannten «strong bidders» und ist wählerisch.  An Auktionen aber machen die «weak bidders» meist das bessere Geschäft, das prophezeit die Game-Theorie und belegen Untersuchungen. Sie nämlich seien sich bewusst, dass sie überboten werden können, mischten deshalb aggressiver mit und gäben sich auch mal mit einem suboptimalen Fang zufrieden.

Tja, Ladys, was diese Gleichung über die eigene Partnerwahl aussagt, müssen Sie sich schon selbst fragen, beziehungsweise ausrechnen. Da ist frau letzten Endes noch dankbar, dass das weibliche Geschlecht nicht den Ruf hat, in Mathe besonders zu glänzen, oder?

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