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Die Beziehungslüge

Der Quotenmann fragt sich, wieso so viele Frauen wieder auf die hollywoodsche Beziehungslüge hereinfallen. Niemand heiratet und ist glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Unsere Erwartungen hindern uns, unsere Beziehungen zu leben, so gut es eben geht.

Von Réda Philippe El Arbi

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Es ist heiss, es ist Sommer. Und es ist wieder mal die Jahreszeit, in der romantische veranlagte Frauen ihre Libido mit Schicksal verwechseln. «Seelenpartner» oder «der Richtige» – das sind die Euphemismen, die Frauen um die 30 für einen Partner finden, der sie glücklich machen soll. Meist ist es so, dass die ersten zwei Beziehungen nicht den gewünschten Verlauf nahmen, und nun denken sie, mit einem neuen Partner und den alten, romantischen Wunschvorstellungen im Kopf müsste sich das Experiment doch zum erfolgreichen Abschluss bringen lassen.

Nun, nein. Und es liegt auch nicht am Partner. Es liegt an der Vorstellung, Glück und Zufriedenheit in der Partnerschaft zu finden. Das ist Quatsch. Man findet Zufriedenheit in sich selbst und kann das, wenn man Glück hat, mit einem Partner oder einer Partnerin teilen und vermehren. Die Sehnsucht nach der erfüllenden Partnerschaft birgt bereits Erwartungen – und damit ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Weil viele der Frauen, die ich in diese Kategorie einordne, lieber an ihren Vorstellungen (ihrem «Traum») festhalten, als am neuen Partner. Erfüllt der nicht die Vorstellung, heisst, bringt Komplikationen, die nach dem Abflauen des ersten Hormonschubs vielleicht etwas anstrengend sind, entspricht er nicht mehr dem Bild, dass frau sich von ihm gemacht hat.

Es gibt auch keine «Seelenverwandschaft», die sich gleich in den ersten zwei Jahren erkennen liesse. Seelenverwandschaft ist das Ergebnis eines Prozesses, eines gemeinsamen Weges, den man miteinander zurücklegt und in dessen Verlauf viele Beziehungen an den Rand des Zerbrechens kommen. Einige Paare schaffens, diese Krisen zu überstehen, um danach dankbar für den Partner zu sein, der absolut nicht perfekt ist – manchmal ist er oder sie sogar auf schmerzhafte Weise unzulänglich. Erst überstandene Krisen sind der Zement, aus dem langanhaltende Beziehungen entstehen. Das heisst nicht, dass man um jeden Preis zusammenbleiben muss. Das heisst nur, dass es für Beständigkeit die Bereitschaft braucht, über schwierige Zeiten zusammenzuhalten. Das ist ein Unterschied zu «mit einem Vollidioten lieert zu bleiben». Da kommt die Eigenverantwortung ins Spiel. Und komischerweise wählen Frauen, die Erfahrungen mit einem Vollidioten machten, als nächstes wieder den gleichen Typ Mann, mit dem sie wieder den gleichen unrealistischen Traum aufbauen wollen.

«Aber bei meinen Grosseltern und/oder Eltern hat es auch von Anfang an geklappt. Die waren immer verliebt und die sind es heute noch!» wird oft als Beispiel angeführt. Da würde ich mal behaupten: Kacke. Erstens lebten unsere Grosseltern in einer Generation, in der die Gesellschaft Paare einfach zwang, gemeinsam über Krisen hinweg zu kommen und zusammenzuwachsen. Scheidung ging nicht. Und zweitens: Ich glaube nicht, dass die Grosseltern oder die Eltern ihre Beziehungsprobleme mit ihren Enkeln oder Kindern besprochen hätten. Dass man Sachen wie Untreue, Geldprobleme, unterschiedliche Lebenspläne, nachlassende Libido vor den Kindern diskutiert, ist eine eher junge Erscheinung. Kurz: Die angeführten Beispiele romantischer Beziehungen fürs Leben sind nicht viel Wert, weil wir die ganze Arbeit nicht kennen, die dahintersteckt und den Dreck, den es zu überwinden galt. Und denkt nicht, diese Generation habe mehr Moral gehabt. Hatten sie nicht. Sie haben ihre Misstritte einfach besser versteckt.

Nun, viele Frauen sehen sich bereit, Beziehungsarbeit zu leisten. Nur, unter Beziehungsarbeit haben sie eine ganz konkrete Vorstellung, die mit viel Diskusionen und genauso viel Veränderung und Anpassung zu tun hat. Das hat leider nichts mit der Realität zu tun. Realität ist Toleranz und Akzeptanz. Der einzige Weg in eine lange dauerhafte Beziehung.

Und denkt nicht, ich sei ein Beziehungspessimist. Ich bin verheiratet. Mit der besten Frau, die es gibt. Und unser goldenes Konzept: Wir lieben einander so, wie wir sind, und nicht so, wie wir in unsere gegenseitigen Vorstellungen passen würden. Meine Frau bringt viel Toleranz auf, ich versuche mich in Hingabe. Und umgekehrt. Sie hat sich einen psychisch lädierten Streuner eingefangen und mir den Raum gelassen, mich auf ein Zuhause einzulassen. Dafür hat sie meine Liebe und meine Loyalität bekommen, bedingungslos. Es ist nicht immer einfach (vor allem für meine Frau nicht), aber es ist besser als alle Hollywood-Liebeskomödien, die ich mir gerne mal anschaue.

So, das musste mal gesagt werden.

Réda Philippe El Arbi ist Co-Chefredaktor bei clack.ch, Autor, Geschichtenerzähler, Stadt-Blogger bei Züritipp/newsnet.ch, Haustiersitter und Mann aus den üblichen Gründen. Er versucht, hier seine männliche Sicht der alltäglichen und der wichtigen Dinge zu vermitteln.

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Kommentare

  • Hans Muster

    Mir hat mal eine weise Person gesagt, dass “bedingungslos” sehr respektlos vor dem Gegenüber ist. Gerade wenn man keine Bedingungen stellt, setzt man den Wert des Gegenübers als nicht relevant an. Nur wer Bedingungen stellt, gibt sich und dem Gegenüber auch einen Wert. Ansonsten ist man gleichgültig oder zumindest selbst verachtend. Ich habe vorher das Wort bedingungslos in Beziehungen auch oft genutzt, da für mich die Liebe sowas war. Das hat sich aber nach dieser Erkenntnis – übrigens sehr zum guten – definitiv geändert. Ansonsten finde ich dein Text sehr sehr treffend!

  • Reda El Arbi

    Ich denke, Sie haben eine etwas komische Vorstellung von “bedingungslos”. Es hört sich für mich so an wie jemand, der “Eifersucht” als Beweis für “Liebe” nimmt. Etwas unreif also.

    Bedingungslose Liebe ist es dann, wenn man das Gegenüber liebt, wie es ist, nicht wie man es gerne hätte. Stellt die Liebe Bedingungen, ist bei jedem Ringen um einen Kompromiss auch die Liebe in Frage gestellt. Auseinandersetzung ist erst möglich, wenn das Gegenüber sich der Liebe sicher sein kann, auch wenn es nicht den gestellten Erwartungen entspricht und eigene Entscheidungen trifft.

  • Hans Muster

    Nein Eifersucht ist für mich kein Liebesbeweis und ich bewege mich auch sonst nicht auf dieser Ebene. Aber das mit dem bedingungslos, fand ich eine wirklich wertvolle Erkenntnis. Keine Erwartungen zu haben, finde ich jedoch auch Selbstbetrug, denn wer ausser ein total gleichgültiger Mensch hat keine Erwartungen. Die Frage ist wie bei allem das Mass und eine gewisse Fairness und Verhältnismässigkeit. Hier kann ich dein Eifersucht-Beispiel recyclen: Auch wenn man wirklich seine Energie miteinander anders verwenden sollte und das nicht Hauptinhalt einer Beziehung sein darf, gleichgültig sollte man auch in dieser Beziehung nicht sein, denn das kommt auf das gleiche hinaus wie “bedingungslos”.

  • susalou

    Der gesamte Inhalt ihres Artikels gilt übrigens auch für Männer.
    ich habe die Erfahrung gemacht, dass Männer oft viel romantischer veranlagt sind als Frauen, ihre wunschbilder auf frauen projizieren und Realitäten ausklammern, wenns das erste mal stressig wird, lieber gleich das weite suchen und nach zahlreichen überstandenen krisen dennoch denken, mit einer neuen partnerin wirds einfacher.

  • Reda El Arbi

    Klar darf man Erwartungen haben. Man darf nur nicht seine Liebe davon abhängig machen, ob die vom Gegenüber erfüllt werden. Und Erwartungen zeigen immer, dass man nicht den Menschen will, der vor einem steht, sondern einen, der eben ein wenig anders ist.

    Was Eifersucht und “bedingungslos angeht: Ich bin glücklich über Dinge, die meine Partnerin glücklich machen. Wenn ich das nicht kann,  bin ich mir und der Liebe nicht sicher. Ich bin mir aber der Liebe sicher, so kann ich meiner Partnerin alles gönnen, was sie glücklich macht. So einfach.

  • paola

    danke reda. genau so seh ich das auch!

  • Carolina

    Ich unterschreibe Ihren Text eigentlich, ReA, bis auf ein kleines Aber: ich habe schon soviele Paare gesehen, die mit derselben Prämisse eine Beziehung eingingen und am Anfang tatsächlich glücklich und erfolgreich damit waren.
    Oft scheint es aber so zu sein, dass, wenn sich mal der Alltag eingeschlichen hat oder die Beziehung sich verändert (sagen wir durch die Geburt eines Kindes) und Seiten am Partner sichtbar werden, die vielleicht unerwartet und nicht mehr ganz so liebenswert sind wie am Anfang, auch diese Prämisse plötzlich nicht mehr in Stein gemeisselt ist. Im Gegenteil: da erscheint das, was man am Anfang als Respekt für das Anderssein angesehen hat, plötzlich als Gleichgültigkeit, als Kälte, als Sich-Drücken-vor-neuen-Herausforderungen – habe ich schon oft genug erlebt.
    Auch an Prämissen muss man arbeiten, Toleranz und Akzeptanz als fortwährende Basis einer Beziehung müssen immer wieder neu ajustiert werden.
    Sonst geschieht genau das, was beide vermeiden wollten: es baut sich Groll auf.

    Gelingende Beziehungen, da haben Sie völlig Recht, versuchen nicht, am anderen herumzudoktern, ihn zu verändern, nur noch in Kompromissen zu leben. Aber sie verlangen ständige Kommunikation (das ist nicht nur Diskutieren und ‘Du, wir müssen reden’!) und Anpassung an neue Gegebenheiten – sonst gilt wieder der Satz, den Männer so gern sagen: Männer heiraten eine Frau und hoffen, dass sie sich nicht verändern; Frauen heiraten einen Mann und hoffen darauf, dass sie ihn schon ändern werden;-)

  • Hans Muster

    Dem stimme ich absolut zu und freue mich SEHR für dich dass du dein Glück gefunden hast und es für euch beide so gut passt.

    Ich wollte aber eher auf folgendes hinaus: In der Liebe macht man für den Partner oft Dinge, welche man rein für sich nicht machen muss. Manche bedürfen Anstrengung, andere wiederum fallen leicht. Ich finde halt genau auch solche Dinge (gerne) auf sich zu nehmen, ist eben Liebe. Hier zählt für mich ob jemand es versucht im Rahmen ihrer Möglichkeiten so zu denken und handeln, oder ob es gar nicht versucht wird. Das ist für mich ein himmelweiter Unterschied und genau in sowas, darf man meiner Meinung nach nicht bedingungslos sein, sonst ist es selbstzerstörerisch und wird einem irgend mal “auffressen”. Meine Bedingung ist also, das man die Motivation hat, sich gerne im Rahmen seiner Möglichkeiten anzustrengen und nicht was das Resultat ist.

    Du kannst nun nat. wieder argumentieren, dass dies selbstverständlich sein sollte. Aber genau dass ist es nicht. Es gibt viele Beziehungen (auch wenn du sie nicht als solche betrachten würdest, da du Liebe eben anders definierst), in welchen dies das Kernproblem ist. Genau darum war es mir extrem wichtig, auf das Bedingungslose bzw. eben nicht bedingungslose einzugehen.

  • mira

    Zu einer langfristigen Beziehung gehört nicht nur Toleranz und Akzeptanz, sondern auch die Arbeit an sich selber. Eine Beziehung ist ein dynamisches Gebilde, das sich an verschiedene Lebenssituationen anpassen muss. Dies ist nur möglich, wenn beide Partner offen bleiben, Veränderungen zulassen, sich (bis zu einem gewissen Grad) anpassen, aber Toleranz und Akzeptanz auch nicht in Ignoranz münden.
    Ich beneide den “romantischen” Typ nicht (der auch männlich sein kann…), er hat es in Beziehungen definitiv schwieriger…

  • Fluri

    schön geschrieben, danke!

  • Linda-Tabea Vehlen

    Zur Thematik, dass viele immer wieder auf den Typ Ex zurück gekommen (auch beim nächsten Mann, beim nächsten Neuanfang) passt, dass ein Singleportal jetz einen Ex-Algorithmus einführen möchte. So dass man beim nächsten Partner die Eigenschaften des Vorgängers auch gleich wieder inkludiert hat. Großer Quatsch, wie ich finde….Ansonsten teile ich einiges, was der Autor sagt, einiges sehe ich anders, alles in allem ein interessanter Artikel. Wer mehr über die Thematik wissen möchte, auch ich blogge, eher für Frauen unter http://www.männliche-untreue.de

  • marie

    die romantische vorstellung von liebe ist ja auch ein neueres phänomen. und wie es vorher zu und her ging, kann man in der klassischen literatur oder jedem guten geschichtsbuch nachlesen.
    ich vermute, dass aufgrund der in frage stellen der klassischen rollen und der sich stets verändernden gesellschaftlichen strukturen (inkl. vergrösserten auswahlmöglichkeiten durch technik), dieses festhalten am phänomen romantik nur ein versuch ist, sich an irgendetwas festzuhalten, dass es in dieser form eher selten real anzutreffen war/ist/sein wird – letztendlich manifestiert dies nur die sehnsucht nach sicherheit (ich spreche nicht zwingend die finanzielle an).
    und nebenbei: ich kenne mindestens genau so viele männer, die von seelenverwandtschaft sprechen. ich habe noch nie eine plausible antwort erhalten auf meine frage, was das denn genau bedeuten würde. …aber ich bin auch nicht romantisch wink

  • Sandra

    “es gibt keine seelenverwandtschaft, die sich in den ersten zwei jahren erkennen liesse” ?

    das schreibt auch nur jemand, der noch nicht erfahren hat was seelenverwandtschaft ist. den seelenverwandten den gibt es. und wenn gefunden genügen fünf minuten, um diesen menschen zu erkennen. und es ist nicht “sich verlieben” wenn ich davon spreche, seinen seelenverwandten zu finden. in echten fällen von seelenverwandtschaft muss sich das verlieben manchmal erst entwickeln. es ist unglaublich so einen menschen kennenzulernen und ich wünsche diese erfahrung jedem..

  • S.

    seelenverwandtschaft bedeutet sich bedingungslos und auf einer tiefen ebene auf diesen menschen einlassen. wirklich bedingungslos (auch mit allen menschlichen fehlern und schwächen) lieben. aber leider – selber erlebt – schützt auch seelenverwandtschaft vor versagen in der partnerschaft nicht. ich erlebe es noch immer, was es bedeutet einen solchen menschen zu lieben und verloren zu haben. eine solche liebe verschwindet nicht. egal was war. das ist eine schöne, tiefgreifende aber auch traurige erfahrung, sich von so einem menschen zu trennen.  das wünsche ich niemandem. es ist eine grosse qual, diese liebe vor augen zu haben und zu wissen, dass dieser mensch der perfekte mensch für einem gewesen ist und man es verspielt hat. das ist echt hart.

  • Jorge

    Aus Neugier mal auf Ihren Blog geklickt…

    … das “eher” für Frauen bloggen können Sie sich aber sparen. Davon ausgehend, dass Männer und Frauen gleichermassen ihre Abgründe vorzuweisen haben, muss Mann Sie als tunnelblicksichtige Fanatikerin bezeichnen.

    Männer Täter, Frauen Opfer, nicht wahr?

    Warum nicht gleich Pandas lieb, Haie böse?

    Tofuwürstchen lecker, Hammelkeule Sünde! … sie verstehen sich sicher noch als aufgeklärte Person, welche die (weibliche) Welt rettet, gell?

    Selten, nicht mal auf Clack, so etwas Einseitiges gelesen… traurig…

  • Tomas

    Ich war neugierig ob jemand reagieren wird oder ob nur mir der Witz auffiel. Unter einem Artikel über romantische Liebe und bedingungslosen Vertrauen postet jemand Eigenreklame auf Geschäft mit der Eifersucht. Das Leben schreibt schon seit immer die besten Storys grin
    Am liebsten würde ich mich unter einem weiblichen Pseudonym dort selber eintragen, damit ich jedes mal eine Meldung kriege wenn ein eifersüchtiges Huhn überprüfen will, ob ich vielleicht nicht noch eine andere Frau treffe. Schade wusste ich es nicht bevor ich meine Freundin kennenlernte, das wäre lustig grin

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