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«Hat die Evolution Frauen zu Zicken gemacht?»

Die Wissenschaft untersucht neuerdings die Formen weiblicher Aggression. Und tappt prompt in die Fallen der Geschlechterstereotypen.

Von Clack-Team

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Man muss der Wissenschaft wirklich dankbar sein. Vor allem als Frau: Nimmt sie sich doch endlich dem weiblichen Konkurrenzverhalten an. Das ist ein Fortschritt. Bisher traute man den Frauen offenbar den nötigen Antrieb oder Ehrgeiz dafür gar nicht zu.

Frauen konkurrieren also auch. Und sei es nur im Cupcake-Backen. Aber sie tun es anders als Männer. Eher versteckt. Nicht so offensichtlich. Nicht so aggressiv und laut und deutlich und klar. Eher so hintendurch und fies. Zickig halt. Das war übrigens nicht die Erkenntnis der Studie mit dem Titel  «Evolutionary Significance of Female Competition» , sondern was die Presse daraus gemacht hat. In der Publikation der U.K. Royal Society stand bloss, dass Frauen «risikoarme Strategien» der Konkurrenz bevorzugen und eher selten die Tür im Büro zuschlagen oder in der Sitzung auf den Tisch hauen. (Lesen Sie auch: «Der Schönheitsneid»)

 Allianzen statt Macht

Sie tun das, etwas salopp gesagt, weil sie jahrhundertelang Kinder bekamen und aufzogen und es sich nicht leisten konnten, einen Arm zu verlieren oder ein Bein. Aber vielleicht ist die Erkenntnis der Studie sowieso weniger interessant als ihre Rezeption: Dass weibliche Konkurrenz sich evolutionär auf Ressourcen ausrichtete und männliche auf Dominanz ist nachvollziehbar. Dass es für Frauen deshalb strategisch besser war, Allianzen zu schmieden und nicht bloss Macht zu demonstrieren auch. Dass beide Geschlechter eine Vielfalt an Konkurrenzverhalten entwickelt hat, weiss jeder, der mit offenen Augen und Ohren durch die Welt läuft. Und dass Frauen seltener handgreiflich werden als Männer, zeigt jede Statistik. Studienleiterin Anne Campbell betonte aber, dass beide Geschlechter indirekte Aggression verwenden würden, um sich zu positioinieren. Am Arbeitsplatz etwa täten es Männer genau so häufig wie Frauen.

Zicken, Katzen oder Girls

Warum aber wird daraus sofort ein medialer Zickenkrieg angezettelt?  Der «Independent» griff die Studie letzten Dienstag mit dem Titel  «Mean Girls» auf. «LiveScience» titelte: «Hat die Evolution Frauen zu Zicken gemacht?» (Lesen Sie auch: «Der Sex im Kopf») Und das «Discover Magazin» erklärt: «Warum böse Mädchen mehr Jungs kriegen».

Alle drei reduzieren Frauen zu Girls und Mädchen oder aber zu Zicken und Katzen. Und dahinter steckt durchaus eine Strategie: Sie entschärfen damit weibliche Konkurrenz zum Pausenplatzgame. Ein Beweis dafür, dass sich die Studienautorinnen zu Recht fragen, ob Frauen aus sozialen Gründen sich weniger kompetitiv verhielten. Und ob das versteckte Aggressionsverhalten nicht so sehr evolutionsbedingt  als vielmehr angelernt sei.

Mädchenmütter können sich das gut vorstellen: Mutieren die kleinen Racker, die im Sandkasten der Konkurrenz noch schamlos eins mit der Schaufel übergezogen haben, im Kindergarten zu sozialverträglichen Mädels, die auf dem Pausenplatz lieber die Köpfe zusammenstecken und kommunizieren als rumzurennen und sich zu messen. Das ist Verhaltensadapiton unter sozialem Druck.

Man könnte es auch so sagen: Dass Konkurrenz und Aggression, zwei durch und durch menschliche Gefühlsregungen, in unserer Gesellschaft bei Männern toleriert, ja sogar erwünscht sind, bei Frauen aber zur Boshaftigkeit gestempelt werden, das ist nichts weniger als eine subtile Form versteckter Aggression gegen Frauen. Hintendurch halt und fies. Aber äusserst wirkungsvoll. (Lesen Sie auch: «Was Männer an Frauen nervt»)

Die Links zu den erwähnten Studien und Artikeln:

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Gender Psychologie


Kommentare

  • Katharina

    Das ist einmal mehr kein Männer-Frauen-Ding sondern die unterschiedlichen Strategien, die hier erwähnt werden, sieht man überall dort, wo eine Gruppe dominant (direkte Austragung von Konflikten) und die andere dominiert (indirekte Austragung von Konflikten) ist. Und mit Evolution hat es erst recht nichts zu tun, sonst wären die Verhaltensunterschiede innerhalb der Gruppen “Männer” bzw. “Frauen” nicht grösser, als zwischen den Gruppen.

  • marie

    wofür alles die evolution den kopf herhalten muss. ich hoffe sehr, dass in unseren breitengraden niemand mehr in der höhle lebt und ein mammut erlegen muss, um sich zu ernähren. nur zur info: mammuts sind ausgestorben.
    wink

  • Reto B.

    Ich bin auch der Meinung, dass der grössere Teil davon anerzogen ist und nicht angeboren.

  • Andreas M

    Leider war der Artikel kaum leserlich aufgrund dieses sehr unglügcklich gewählten, äusserst penetranten Werbehintergrunds. Bitte in Zukunft darauf verzichten.

  • Ihr Nameuuu

    Hä?

  • slived advocat

    Resourcen müssen erst erarbeitet werden. dann kann man diese verwalten.
    Diese Resourcen werden meist in einem hart umkämpften Umfeld erarbeitet: der schnellere ist der gschwindere.
    Nun aber daraus abzuleiten das Geschlecht sei für das Verhalten verantwortlich und nicht die Umstände, das ist ziemlich naiv.

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