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Dieser Wunsch nach Grösse

Emanzipation im OP: Auch immer mehr Männer suchen beim plastischen Chirurgen neue Schönheit. Bei Eingriffen im Intimbereich lassen sie die Frauen jetzt sogar hinter sich.

Von Marie Dové

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Es gibt wohl keinen zweiten Ort, wo die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung der Geschlechter dermassen schnell vorankommt wie im OP des Schönheitschirurgen. Wenngleich etwas anders dahintersteckt, als man sich das vorgestellt hat, dafür ganz ohne Quotenregelung und Gleichstellungsbeauftragte.

Der Trend ist deutlich: Immer mehr Männer gehen zum Schönheitschirurgen. Das zeigen Studien aus allen Industrieländern, aktuell eine Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC), die Ende September publiziert worden ist. Demnach ist etwa jeder sechste Patient von Schönheitschirurgen heute männlich. Seit 2008 befragen die in der DGÄPC organisierten Ärzte ihre Patienten; damals, also vor drei Jahren, waren erst zehn Prozent ihrer Klientel Männer.

Während bei den Frauen die Brustvergrösserung noch immer als klassische Schönheits-OP gilt (23 Prozent aller Eingriffe), gehen 19 Prozent der operationswilligen deutschen Männer zum Schönheitschirurgen, um sich Fett absaugen zu lassen; 18 Prozent wollen sich die Lider straffen lassen. Immerhin mehr als 13 Prozent wollen ihrer Nase eine neue Form verleihen. (Ältere Studien aus der Schweiz zeigen praktisch dieselbe Beliebtheit der erwähnten Eingriffe bei den hiesigen Männern.)

Der Penis ist offenbar wichtiger als das Gesicht

Überraschend auch für Fachleute ist das folgende Teilresultat der deutschen Studie: In den Top-Ten der beliebtesten Schönheits-OP für Männer taucht erstmals auf – die Penisvergrösserung.

Wie die Umfrage ergab, scheint Männern dieser Bereich sogar noch wichtiger zu sein als ihr Gesicht: 2010 gaben so viele Deutsche an, wegen einer Vergrösserung ihres Glieds beim Schönheitschirurgen gewesen zu sein, dass der Eingriff gleich auf Platz sieben der Skala rückte – noch vor Hals-Stirn-Facelift, Lippen- oder Ohrenkorrektur. Der Penis ist dem deutschen Mann – und hierin wird er sich von seinen Geschlechtsgenossen in Europa und den USA kaum unterscheiden – wichtiger als sein Gesicht.

Bei der Penis-OPs geht es ausschliesslich um die optische Wirkung. Und der Mann will offenbar nicht nur im Bett, sondern auch in der Dusche seines Fitness-Studios durch mehr Länge und mehr Umfang beeindrucken. Beim Kampf um jeden Zentimeter wird der im Körper liegende Anteil des Penis weiter herausgeholt: 3 bis 6 Zentimeter Verlängerung lassen sich so erzielen. Die Penisverdickung erfolgt durch autologe Fettgewebstransplantation und erhöht den Umfang des Penis um rund 2 Zentimeter. Indes: Eine ästhetische Intim-OP könne keinesfalls die Funktion verbessern oder die Potenz erhöhen, sagt der Augsburger Schönheitschirurg Sven von Saldern in einem Artikel der «Süddeutschen» zum Thema. «Es handelt sich nicht um die Beseitigung von erektilen Störungen, sondern um eine Volumenvergrösserung oder darum, die Sichtbarkeit des Glieds zu erhöhen.» 

Die Frauen hingegen scheinen weniger aufs eigene Geschlechtsteil fixiert. Intimchirurgie am weiblichem Geschlechtsteil schafft es nicht in die Top-Ten, obwohl es – anders als bei den Männern – bei Frauen einen hohen Anteil von funktionellen Beschwerden gebe, die durch eine Operation behoben werden könnten. «Bei den Männern ist da nur der Wunsch nach mehr Volumen. Ein psychologisch besonders sensibles Thema, denn nicht immer können die hohen Erwartungen erfüllt werden», weiss Chirurg Saldern.

Einen neuen Namen für ein altes Mittelchen

Bei beiden Geschlechtern nach wie vor hoch im Trend: Injektionen mit Botox. «Insgesamt nimmt die Gesamtzahl der Eingriffe nach gewissen Schwankungen der vergangenen Jahre wieder zu», sagte von Saldern. Und damit diese Entwicklung möglichst lange anhält, will zumindest die deutsche Ärzteschaft ihr Wundermittel Botox (Kurzform für Botulinumtoxin)  umbenennen: in Botulinum, das, um das Suffix beraubt, viel weniger giftig klingt – und so die letzten Zweifel potenzieller Neukunden ausräumen soll.

Und schliesslich ein letzter Verkaufsrenner aus dem OP: Die Branche vermeldet, so berichteten unlängst englische Medien, eine grosse Nachfrage nach Pippa Butts, nach Hintern also in der Form des Derrière von Pippa Middleton. Die Schwester von Kate Middleton – nicht nur Royalisten erinnern sich – begeisterte im Frühjahr an der königlichen Hochzeit die Welt mit ihrem wohlgeformten, sportlichen Hinterteil.

Was sagt uns das? Während der Mann noch ganz mit seiner Vorderansicht beschäftigt ist, setzen die Frauen schon zum nächsten Schritt an und sorgen mit gütiger Mithilfe der plastischen Chirurgie dafür, dass auch hinten möglichst wenig hängt.

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