Clack

Der Tarnkappen-Chauvinist

Der Quotenmann sieht in seinem Umfeld alte Machos in hippem, neuen Kleid. Und fragt sich, wieso kluge Frauen auf diese Typen hereinfallen.

Von Réda Philippe El Arbi

Twittern

Sie sind meist gutverdienender Mittelstand, oft kreativ, urban, wählen häufig links oder wirtschaftsliberal. Sie verkünden wortreich Gleichberechtigung und geben vor, sich starke Partnerinnen zu wünschen. Der neue, urbande Macho ist auf den ersten Blick gar nicht so leicht zu erkennen. Er gibt sich einfühlsam, verständnisvoll und aufgeschlossen. Er zeigt Gefühle, oder das, was er dafür hält, hört zu und weint manchmal. Meist aber aus Selbstmitleid. Und er trägt mit Vorliebe längere Haare, um seine feminine Seite zu unterstreichen. (Lesen Sie auch: «Die Orgasmus-Verantwortung»)

Ich erkenne ihn, wenn er in Männerrunden sitzt, chauvnistischen Scheiss von sich gibt und seine Maske fallen lässt. Er will, dass seine Frau gebildet ist und eigene Projekte hat. Er will, dass sie einen guten Job hat, irgendwas, mit dem man vor Freunden angeben kann. Er gibt mit ihrer Ausbildung an, fährt ihr aber in Gesellschaft trotzdem über den Mund  (rein ironisch natürlich), wenn sie anderer Ansicht ist und auch Argumente dafür hat. Er liebt ihren guten Job, hasst es aber insgeheim, wenn sie erfolgreicher ist oder mehr verdient.

Er unterstützt ihre Karriere, bis dann Kinder kommen. Dann unterstützt er seine Liebste in der Sichtweise, dass nur eine Mutter in den ersten Jahren eine adäquate Betreuung für die Kleinen ist. So schiebt er ihr Mutterschaft als einen Ersatz für Selbstwertgefühl unter und muss in seinem Leben nichts ändern. Plötzlich ist die Familie eine so wichtige Entscheidung, dass man (sie) auch Opfer dafür bringen muss. Und überhaupt, er verdient ja genug. Sie muss ihre Projekte nicht für den Lebensunterhalt weiterführen. Sie kann das ja nebenbei weitermachen, als Hobby sozusagen …

Es sind die Typen, die weinen, wenn sie beim Fremdgehen erwischt werden. Die sich als Opfer ihrer Natur bemitleiden und schon mit der letzten Träne nach neuen Opfern schielen. Es sind die Typen, die Dalai Lama zitieren, während sie ihre eigenen Projekte in gehetzter Egomanie durchpeitschen und über die Bedürfnisse von Familie und Partnerin hinwegtrampeln.

Natürlich sind sie offen. Offen für alles. Sie träumen von einem Dreier mit ihrer Freundin. Solange die Dritte eine Frau ist, die sie selbst auswählen – und nicht etwa ein Mann. So offen sind sie dann doch nicht. (Lesen Sie auch: «Frauen suchen im Bett das Abenteuer»)

Und wenn sie selbst betrogen werden schlagen sie zu. Um dann wieder zu weinen.

Soweit, so bekannt. Warum nur präsentieren wirklich kluge, selbstständige Frauen solche Idioten voller Stolz ihrem Freundeskreis. Früher hiess es «Harte Schale, weicher Kern». Inzwischen ist die Mogelpackung wieder beim «weiche Schale, harter Kern» oder der Wolf im Schafspelz.  Was mich am meisten nervt an diesen Typen, ist, dass sie sich selbst WIRKLICH für emanzipiert und aufgeschlossen halten. Sie wissen nicht mal, dass sie die gleichen alten Machos sind, einfach in Hipsterklamotten und mit viel mehr Tränen. Früher hatte man einen Macho direkt erkannt, jetzt erkennen sie sich nicht mal selbst.

Aber in einem Detail verrät der neue Tarnkappen-Macho sich: Liebe Damen, wenn ein erfolgreicher Typ euch Paolo Coelho zitiert, haut ab! Oder noch besser: Haut zu!

Réda Philippe El Arbi ist Mitinhaber der Kommunikationsagentur SeinSchein, Autor, Geschichtenerzähler, Stadt-Blogger bei Züritipp/newsnet.ch, Haustiersitter und war kurze Zeit Herausgeber des Zürcher Satiremagazins «Hauptstadt».  Er schreibt, weil er nicht anders kann.

  

(Visited 148 times, 1 visits today)
Quotenmann


Kommentare

  • Ele

    kann Dir nur Zustimmen, finde die Tarnkappenmachos von der allerschlimmsten Sorte und gehen mir echt auf die nerven, (wie jede “falsche” Maske) mit ihrem möchtegern feminin-schmachtenden Blick! smile
    Warum Frauen darauf reinfallen kann ich Dir leider nicht beantworten…Liebe und Hoffnung macht ja bekanntlich Blind und das Gesicht unter der Maske zeigt sich oft erst nach längerem beisammen sein.

  • Lena

    Adrian ist so einer.

  • marie

    lieber réda! mit speck fängt man mäuse – nur darum geht’s. nur dumm, dass die wenigsten, sich schlecht im griff haben und meinen, dass diese strategie längerfristig zum erfolg führt. tut sie nicht, weil diese ihr ego masslos überschätzen wink
    und ja, ich mache grundsätzlich einen bogen um coelho und mir krausen sich die zehennägel, wenn jemand anfängt darüber zu diskutieren und dabei glänzende äuglein kriegt. da habe ich plötzlich etwas ganz dringendes zu tun…

  • Jorge

    Mh, also entweder ist Réda sauer, weil eine Angebetete sich nicht für ihn, sondern für einen Anderen (der bekanntlich dann gleich doof ist wink) entschieden hat, oder ich verstehe den Kontext dazu nicht.

  • Réda Philippe El Arbi

    Meine Angebetete hat mich letztes Jahr geheiratet. Trotz meiner Persönlichkeit smile Es geht um Kongruenz zwischen Handeln und Empfinden, und es geht um Authentizität.

  • Jorge

    Du meine Güte… eh… gratuliere ^^

    Dann schliess ich mich Marie an: Die Männer geben sich so, wie sie von den Frauen gewollt werden. Beide selber schuld – Cheerio!

  • marie

    (jetzt muss ich laut werden, sorry) jorge!!!!!!!!! genau DAS meinte ich eben nicht! ein copy paste leben, kopiert aus der vogue, gala oder men’s health, HQ etc pp verunmöglich authentizität! bei beiden geschlechtern. ich mache um BEIDE (männlein wie weiblein) einen bogen btw. das sind nur unnötige lasten.
    @réda
    ich gratuliere zur hochzeit nachträglich.

  • Roger

    ……. und ich verstehe nicht, warum Du ausgerechnet den treuen Bronson als Titelbild gewählt hast. Bronson hat seine Jill mit Krebs, bis zum Tod gepflegt und vergöttert. Sehr wahrscheinlich, hat er die Machorollen gespielt, um in eine andere Haut zu schlüpfen. Die wirklichen Machos, spielen dafür den Softie, bis sie ihr Opfer um den Finger gewickelt haben. Seagall ist ein perfektes Beispiel, der hat seine Frau Kelly LeBrock, (the lady in red) regelmässig geschlagen. In seinen Filmen spielt er den guten Cop oder Schiffskoch mit Kampfsporterfahrung, den Beschützer der Armen und den Frauen.  Männer die zitieren, haben keine eigenen Ideen, um eine Frau zu beeindrucken. Macho, Macho kannst net lernen. (Rainhard Fehndrich). ; ))

  • Réda Philippe El Arbi

    Eben, klassischer Macho: Aussen hart und innen butterweich. Seagal ist das Gegenteil: Zen-Sprüche und Prügel für die Frau.

  • marie

    …eben, copy paste. bronsons wird noch gerne auf seine rollen reduziert. aber da haben sie recht roger, privat war bronson ein hingebungsvoller mensch und mann. vorbildlich!

  • adrian

    glück gehabt, ich bin nicht erfolgreich, zitiere aber trotzdem gerne Paulo Coelho. smile

  • adrian

    liebe marie, ich verstehe echt nicht was daran schlimm ist jemanden zu zitieren. es gibt schlicht und einfach gewisse Zitate, welche etwas so perfekt ausdrücken dass ich es nie besser in Worte fassen könnte. Ich laufe nicht durch die Gegend und werfe jedem ein Zitat an den Kopf, aber es gibt die richtige Zeit und den richtigen Ort für ein schönes Zitat. Und trotzdem kann ich mich sehr gut selber Artikulieren.

  • Tomas

    Hm. Dank ihrem Artikel weiss ich nun, dass es Männer gibt, die Coelho lesen. Seltsame Vorstellung.

    Ansonsten verstehe ich überhaupt nicht, was das Problem sein sollte.
    Männer sind die anpassungsfähigsten Lebewesen auf dem Planet, wenn es darum geht, eine Frau rumzukriegen. Will sie Emanzenzeugs hören um mit dir ins Bett zu gehen? Was solls, her mit dem Zeugs. Fährt sie auf Baudelaire ab? Null Problemo, bei der Heilsarmee kriegt man sowas umsonst. Was auch unseren Coelho Problem wohl erklären könnte (hey, funktioniert das wirklich? Wobei, nei, das tue ich mir doch nicht an)

    Das ist nicht verlogen, Reda, das ist eben authentisch. So sind wir. Auf den Punkt gebracht. Das Leben ist weder eine Seifenoper, noch Ideologietraktat.
    Und die Frauen stehen uns in rein gar nichts nach, schon gemerkt? Willkommen auf dem Planet Erde.

  • Jorge

    Das ist ja der Witz an der Sache ^^

     

  • Eierschalensollbruchstellenverursacher

    Lol, auf den ersten Blick dachte ich, das auf dem Bild sei Ueli “verständnis für alles” Mäder.
    Aber jetzt mal ehrlich, Paulo Coelho?! Liest das überhaupt irgend ein Mann? Mir wird schon bei den Buchtiteln schlecht.
    Was sich eine Frauen so denkt, wenn sie im Bett Sätze sagt die mit “Du bist sicher so einer..” anfangen, dann frag ich mich schon, ob die wirklich glaubt, ihren Mr. Right nachts in einem Club anzutreffen. Brave Mädels haben schliesslich auch nichts dort verloren..

  • The Damned

    Ich habe neulich Houellebecq zitiert.

    Und Kafka: Die Verwandlung.

    Aber so, wie die Dinge stehen, will sie lieber etwas von Marquis de Sade hören.

    Weil sie einen starken Willen hat…

    Mann, und jetzt?!

  • Jacques Tati

    Nichts gegen Charles Bronson, und natürlich auch nichts gegen Claudia Cardinale;
    sogar die Musik finde ich sehr gut, in “Spiel mir das Lied – vom Tod” …
    Ist das jetzt Chauvinismus oder einfach mein persönlicher Gescmack ?

  • marie

    …nein, einfach guter geschmack. ich finde der film hat grosse klasse, genau wegen diesen darstellern. hätten andere diese rollen gehabt, wäre die wahrscheinlichkeit gross gewesen, genau diese klasse nicht zu haben. ich schaue ihn mir regelmässig auf dvd an – mit kopfhörer wink

  • Jimmy Plant

    Ich bin noch jung, trage meine Haare sehr lang und schreibe Software für harte Maschinen.
    Je grösser und schneller, desto besser.
    Ausserdem höre ich gerne harte Rock-Musik (Indie), sogar ab und zu Klassiker wie LedZep.
    Politisch bin ich nicht links – sondern eher liberal-libertär-progressiv.
    Aber meine Grossmutter sagte – ich sei eigentlich schon in Ordnung,
    denn Grossvater sei auch so gewesen (ein Beatnik-Technik-Freak).
    Grossmutter ist sehr nett – sie war früher ein Hippie-Girl.

  • adrian

    RISCHTIIIISCH, sie kennen mich ja persönlich, hab ich ganz vergessen… wink
    Ich finde Coelho schreibt ganz klar für ein weibliches Publikum. Aber es gibt tatsächlich auch hetero-männer welche auf schnulzige Weltanschauungen stehen. So einer bin ich ja. Ich finde “der Alchimist” sollt jeder Mensch mal gelesen haben, genau so wie “die prophezeiungen von celestine” (nicht von coelho)

  • NurMalSo

    Wenn IRGENDWER Paolo Coelho zitiert—> abhauen ;-D

  • PLUTO

    Ich glaube der Mann (so im allgemeinen) steckt in einer verzwickten Männlichkeitskrise.
    Denn Männlichkeit entsteht von aussen, das heisst: sie wird quasi erlernt. Vorbilder, Gesellschaftsstruktur, Tradition, Kultur geben den Buben die Richtung um die Transformation von Bub zum Mann zu machen – bei Naturvölkern ist das ein Männlichkeitsritual, das genau diesen Übergang definieren soll.

    In unserer Kultur haben sich die Strukturen aber weitgehend aufgelöst (mussten sich auch auflösen um die Frau zu befreien) und es gibt eigentlich keine kulturellen oder gesellschaftlichen Rituale, die diesen Auftrag erfüllen würden.
    Ich glaube das ist ein gefährlicher Zustand, denn der Männlichkeit wohnt eine Aggression inne, die kanalisiert werden muss (durch Struktur) und wenn das nicht passiert, dann tritt sie sehr unberechenbar zu Tage und kann grossen Schaden anrichten.

    Daher vermute ich, dass wenn wir Gesellschaftsprobleme der Gewalt und Verrohung in Griff bekommen wollen, wir der Männlichkeit wieder eine Richtung und Struktur geben müssen.
    Das wird gerade aus der Momentanen Situation heraus nicht einfach und ich habe leider auch noch keine konkrete Idee, wie man das anstellen kann, ich glaube aber, dass wir es dringend müssen. Damit meine ich übrigens keines Falls eine Rückkehr zu patriarchalischen Idealen der 50er Jahre oder so. Ich meine eine Entwicklung hin zu einer Genderstruktur, bei der man Yin & Yang mässig sich selbst und das Gegenüber erkennt und die Geschlechter gegenseitig ihre Stärken fördern und die Schwächen kompensieren.
    Wenn für die Männer die Männlichkeit wieder eine Form hat, werden die Männer für die Frauen auch wieder greifbarer.

    Um die Selbsterkenntnis aller Beteiligten anzukurbeln würde ich an dieser Stelle zwar nicht Paolo Coelho zitieren, aber doch immerhin sein Buch “der Alchimist” empfehlen, denn das ist für dieses Unterfangen ganz grosse Klasse.

  • t.

    Ich habe diese Kolumne zufällig gelesen (auf bluewin.ch, man höre und staune) und wollte nur kurz schreiben, dass ich mich sehr erfreut habe, besonders der letzte Satz.  (Und die Anmerkung zu der Ménage à trois – bitte nur mit zwei schönen Frauen – ja, so ist es – irgendwie) In diesem Sinne, dank für etwas Erheiterung im grauen Alltag des viel zu frühen Sonntags,
    t

  • adrian

    smile marie marie marie smile
    Ich hätte jetzt eher das Gegenteil behauptet, dass es eher tendenziell mehr männer gibt die sich gerne in der Rolle des Vaters sehen und sich damit auch auseinandersetzen… aber belegen kann ich dies nicht.

  • marie

    …könnte an der generation liegen. stimmt, bei den (viel) jüngeren stelle ich ihre beobachtung durchaus auch vermehrt fest. (liegt das an coelho?) also, dann bin ich zuversichtlich. mir reicht das! denn bei “meiner” generation erachte ich hopfen und malz als verloren wink

  • Adrian

    Ein sehr interessanter Ansatz. Fragt sich nur, wie man dies in der heutigen Zeit realisieren kann.

  • marie

    oh, da haben sich zwei gefunden! grin
    …mir fällt eines auf: was immer wie mehr verschwindet, ist die vaterschaft im selbstbewusstsein der männlichkeit als gegeben und selbstverständlich zu erachten mit all den konsequenzen sowie verantwortung gegenüber werdendem leben. (ok, soetwas hatten die männer in den 50ern auch, dies aber war von normen und konventionen diktiert – ich meine es eher im biologischen und geisigem sinn)

  • Donnerwetter

    @ marie….hören Sie mal von Trauffer den Song: z jung für mi….gefällt Ihnen bestimmt! Schönes Wochenende!:-)

  • Miriam Meier

    Réda Philippe,

    Du bist einfach so scharfsinnig und hast einen reizvollen Schreibstil.

    Ich fühle mich bestätigt in meinen Beobachtungen.

    Das tut gut.

    E ganz e liebe Gruess

    Miriam Meier

Lesen Sie auch: