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Der Style der Revolte

Sexy im Kopftuch: Ein Fashion-Blog dokumentiert den modischen Widerstand der Frauen in Teheran gegen die Kleidervorschriften der Mullahs.

Von Marie Dové

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Fashion-Blogs sind eines der erfolgreichsten Web-Genres überhaupt, sie boomen geradezu und befriedigen mit eleganten Bildern und schnellen Texten das Informations- und Orientierungsbedürfnis der Fashion-Vitiums dieser Welt. Angefangen hat alles mit Scott Schumans Style-Blog The Sartorialist, der Mann ist mittlerweile eine Berühmtheit und seine Site hat ihn reich gemacht. Heute gibt es tausende Modeblogs im Netz, die den authentischen Style authentischer Mode-Liebhaber von der Strasse präsentieren, und es ist kaum mehr möglich eine Übersicht zu gewinnen.

Dieser Style-Blog-Trend wird mitunter als Emanzipation der Konsumenten vom Diktat der Lifestyle-Industrie gefeiert, eben weil sich Frauen nicht mehr von Schauen, Designer oder Kampagnen ihren Stil vorschreiben liessen, sondern sich nun im Internet, auf Fashion-Blogs, in den sozialen Medien , vom Style anderer Konsumentinnen inspirieren liessen. Das klingt zwar gut, aber womöglich ist die eine Diktatur (die der Industrie) durch die andere (die der Szene und ihrer Blogs) abgelöst worden.

Wie anders aber die Ausgangslage beim Modeblog «The Theran Times», des ersten iranischen Street-Style-Blogs. Der Mann hinter dem Projekt, der Designer Fazaeli, zeichnet mit auf der Site das Bild von den Strassen Teherans: Mit Fotos von Iranerinnen, die der islamischen Kleiderordnung kreativ begegnen – wenn schon mit Kopftuch, dann bitte stylish – und so tatsächlich um mehr persönliche Freiheit kämpfen. Gegen die Moral-Diktatur des islamistischen Regimes. (Lesen Sie auch: «Musliminnen machen Mode»)

Grell ist unsittlich

Es ist der Stil der iranischen Mittelschicht, den wir auf diesen Bildern sehen. Von Frauen, aber auch Männer, die sich am Stil des Westens orientieren, dies aber zu vereinen suchen mit den Moralvorstellungen und konkreten Kleidervorschriften (Kopftuchzwang) des iranischen Regimes. Konkret: Auf Teherans Strassen müssen Frauen ihre Haare mit Tüchern und ihre Körpern mit langen Mänteln bedecken. Grelle Schminke und gilt als unsittlich. Fügt man sich nicht dieser Ordnung, besteht die Gefahr, von Sittenwächtern ermahnt und sogar bestraft zu werden. (Lesen Sie auch: «Die angeschwärzte Frau»)

Vor etwa einem Jahr hat der Designer, der mittlerweile in Paris lebt, aber in seine Heimat fliegt, «The Tehran Times» gegründet. Es sei seines Wissens der erste Blog, der sich der Mode auf den Strasse Irans widmet. Unterdessen hat er auf der zugehörigen Facebook-Seite fast 16’000 Follower und knapp 11’000 auf Instagram – Modebegeisterte aus aller Welt. Auch aus dem Iran, wo Soziale Netzwerke und Blogs zwar blockiert sind, aber über VPN-Verbindungen erreicht werden können.

Näher zur Strasse

Während Street-Style-Blogs in Paris, New York oder Berlin schon länger bekannt sind, ist das im Iran neu. Das habe die Suche nach Menschen erschwert, die sich für so ein Vorhaben fotografieren lassen, lässt sich Designer Fazaeli in der Online-Ausgabe der «Welt» zitieren.

So zeigt der Blog bisher vor allem teure Marken und edle Looks. Fazaeli möchte das Bild allerdings vielfältiger machen: «Das Ziel ist es, das Ganze zu erweitern und zu zeigen, wie Menschen in verschiedenen Teilen der Gesellschaft versuchen, einzigartig zu sein.» (Lesen Sie auch: «Der verlorene Chic von Kabul»)

 

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