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Der Quotenmann geht fremd

Der Quotenmann nimmt eine Casual-Dating-Site unter die Lupe. Seine Abenteuer erzählt er in drei Kolumnen: Heute lesen Sie etwas über die ersten Schritte.

Von Réda Philippe El Arbi

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Ein James Bond-Typ in einer Bar, eine Frau im Abendkleid flüstert ihm etwas ins Ohr. Dann Szenenwechsel und man sieht die beiden im Bett. Natürlich mit soviel Weichzeichner, dass man nicht genau weiss, was die da machen. So sieht eine der vielen Werbungen für Casual Dating-Sites aus.

Natürlich wurde ich neugierig und wollte wissen, ob das wirklich funktioniert und wer da was sucht. Nachdem ich meine Frau um Erlaubnis gefragt hab, eröffnete ich also ein Profil. Und ehrlich gesagt, schon dieser Vorgang war ganz witzig. Da gabs virtuelle Schieberegler, mit denen ich den Grad meiner sexuellen Vorlieben angeben konnte: 61 Prozent Oralsex, 38 Prozent Lack und Leder, etc. Und  natürlich die Möglichkeit, mein Profilbild unkenntlich zu machen (man will ja nicht von der Nachbarin erkannt werden) und meine Person – über die sexuellen Vorlieben hinaus – zu beschreiben. Ich versuchte, möglichst ehrlich zu sein. Ich gab meinen Zivilstand erstmal als «verheiratet» an. Dafür machte ich mich einen Zentimeter grösser als ich bin. (Lesen Sie auch: «Ich shoppe mir einen Mann»)

Danach schnupperte ich mich durch das Angebot an möglichen Geliebten. «Kuschelsex» und «Küssen» waren die meistgenannten sexuellen Vorlieben. Hm, das hörte sich für mich eher nach einer Schülerparty als nach einem Sündenpfuhl an. Doch sah man da und dort, dass einige der Damen wohl «50 Shades of Grey» gelesen hatten. «Devot sein», «Dominant sein», «Fesselspiele» kamen gleich nach den Küssen.

Nun, ich kontaktierte schon am ersten Abend rund dreissig Damen im Alter zwischen 28 und 48 aus der näheren Umgebung. Und bekam auch sofort Antworten. Die Ausbeute belief sich auf ca 50 Prozent. Vielleicht hatte das damit zu tun, dass ich als Profilbild eines meiner «anständiger Geschäftsmann»-Fotos benutzt hab. Der Grossteil der Antworten waren wenig überraschend. Eigentlich kann man die Damen in drei Kategorien aufteilen: Die Geilen, die Weichen und die Harten. 

Die «Geilen» nenn ich die Damen, die entweder keinen Sex mehr in der Beziehung haben, oder die schon seit längerem sexlose Singles sind. Die Angebote, die ich von solchen Damen bekam, waren meistens direkt und körperbezogen: «Wie gross bist du? Wie lange hälst du durch?» Mit der Grösse meinten sie meistens meine Körpergrösse. Direkt, einfach, klar. Das hätten Männer sein können. Wenn ich denn mal fremdgehen wollte, würde ich mich wohl am Ehesten auf eine dieser Frauen einlassen. (Lesen Sie auch: «Wie viele Männer hatten Sie?»)

Die «Harten» schienen bereits Erfahrung zu haben. Sie suchten ganz spezifisch Rollenspiele, SM, Bondage und Fetischsex. Auch hier war der Ton eher direkt. Oft fast schon kühl. Und manchmal irritierend: «Willst du mein Sklave sein?» Naja, eigentlich eher nicht. «Sei mein Herr!» Uh, ähm, nein. Ich hab früher schon mal versucht Rollenspiele mitzumachen, aber irgendwie kam da keine Erotik auf, weil ich mich meist vor Lachen auf dem Boden gewälzt hab. Also, hier war nichts für mich zu finden.

Nun blieb die letzte und am zahlreichsten vertretene Gruppe der «Weichen». Teilweise kann man sie schon an den Profilbildern erkennen: Dessous, Kerzenlicht und Rotwein scheinen in ihren Fantasien eine grosse Rolle zu spielen. Offenbar suchte diese Kategorie Frauen genau die James Bond-Kulisse, die in der Werbung zu sehen war. Und irgendwie war das traurig. Es wird nicht viele James Bonds geben auf diesen Casual Dating-Plattformen. Und die Treffen werden nicht in Grand Casino-Umgebung stattfinden. Es wird eher auf einen «Heinz Müller» in einem Dreistern-Hotel hinauslaufen. Ich konnte hinter den Hollywood-Fantasien förmlich die Einsamkeit riechen, die Hoffnung auf ein bisschen Romantik, wie man sie doch dauernd im Kino sieht. Den Frust, dass die bisherigen Versuche immer irgendwie schäbig real waren und nicht die quirlige Energie von Champagner versprühten. (Lesen Sie auch: «5 Flirt-Tipps für Männer»)

Nun, ich habe mich mit je einer Frau aus meinen drei Kategorien verabredet. Begleiten Sie mich nächste Woche in dieser Kolumne zu den Treffen!

Réda Philippe El Arbi ist Co-Chefredaktor bei clack.ch, Autor, Geschichtenerzähler, Stadt-Blogger bei Züritipp/newsnet.ch, Haustiersitter und war kurze Zeit Herausgeber des Zürcher Satiremagazins «Hauptstadt». Er versucht, hier seine männliche Sicht der alltäglichen Dinge zu vermitteln.

  

Quotenmann


Kommentare

  • adrian

    hahaha, genau. und wir wollen davon fotos sehen reda! smile vor allem wie sie sich selber als frau verkleidet erobern.

    @ marie
    ich check deine aussage nicht wirklich… ich hab es so gemeint, dass ich denke, gutaussehende frauen werden sicher extrem überschwemmt mit anfragen auf dating-seiten. erwiesenermassen gibt es meist viel mehr männer auf solchen seiten.
    eine gute bekannte hat sich nach einer langen beziehung auch mit solchen dating-seiten die zeit versüsst und erhielt hunderte nachrichten. dies hat sie sehr schnell zur löschung ihres accounts bewogen…

  • Philipp

    Laut Aussagen übrigens von vielen Freundinnen gibt es für einen passenden Erotikmarkt grosses Potential. Es gibt so viele Frauen, die einfach mal unkompliziert direkt Sex haben wollen, ohne die besoffenen halblustigen Gestalten in den Bars sortieren zu müssen. Und diese Frauen sind durchaus attraktiv, meist ab 30, völlig unausgelastet in ihren langjährigen und erotisch langweiligen Beziehungen. Wir überlegen, ob das nicht ein passender Nebenjob oder Hobby wäre… grin

  • marie

    …mist und ausgerechnet heute ist im büro der teufel los! bin aber echt gespannt. wäre ein nachfolgebericht “die erfahrung meiner ehefrau” nicht auch was? grin

  • adrian

    ja das würd mich auch wundernehmen. könnt mir vorstellen, dass es ziemlich anstrengend sein kann für eine frau auf solchen seiten.

  • Réda Philippe El Arbi

    Dann werd ich mich eben auch noch als Frau anmelden smile Dann kann ich mich mit mir treffen. Der Hauptgewinn!

  • marie

    …aber dann in stilettos und deluxe-lingerie wink …den lancôme lippenstift könnte ich liefern.
    frage: wie werden sie bei den treffenvorgehen – werden sie sich als journi outen?

    @adrian
    …virtuelle dates und reale treffen bedeuten in der regel eher negatives.

  • Ele

    Vor allem tun mir die Frauen leid die sich dann mit dem Journi treffen…
    spannend!

  • The Damned

    Habe ich mir zuerst auch gedacht. Aber ich denke, der Autor wird das gut hinkriegen, so dass am Ende keine Tränen die Backen herunter kullern.

  • b_teresa

    Die ehrliche Ansage der Profileröffnung gegenüber der Ehefrau, unterstreicht den Titel Quotenmann, weil er sich somit wohltuend von der Mehrheit der Heinz Müller unterscheidet.
    Damit die Joy tatsächlich ne Freude ist, erwarten wir Leserinnen natürlich auch, dass der Mann sich auch als Journalist der Offenheit verpflichtet fühlt…?!

  • marie

    …da wäre ich mir nicht so sicher wink

  • Andreas Meier

    Das ist ja der Hammer…entlich übernimmt einer, was ich schon lange mal ausprobieren wollte. Im übrigen: ich bin 29 Jahre (Jung) und männlich. In meinem Umfeld gibt es diverse gutaussehnde typen, die solche dating plattformen nutzen. Die machen auch mal den James Bond, so abwägig ist das gar nicht.

  • Philipp

    Für 500 Franken pro Stunde für guten Sex mit attraktiven Frauen würden mir mal ernsthaft drüber nachdenken… grin

  • adrian

    Prostituiert euch!!! 😀

  • Lucia Luce

    Spannend!

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