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Romantik unter dem Hammer

Jung, schön sucht. Reich, hässlich bezahlt: Der jüngste Dating-Trend macht aus der Romantik ein Geschäft. Und aus dem Liebesmarkt ein Bordell.

Von Nicole Althaus

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Gleichstellung ist sexy! Was sich wie der Slogan einer Imagekampagne verzweifelter Feministinnen anhört, ist das Fazit der jüngten Studie des bekannten Sozialpsychologen Roy Baumeister von der Florida State University: Sie wurde im August von der Amerikanischen Psychologenvereinigung präsentiert, trug den Titel «Eine datenbasierte Theorie der sexuellen Interaktion oder Warum Männer das Essen bezahlen» und war alles andere als politisch korrekt: Die Daten aus 37 Staaten weltweit zeigten nämlich auf, dass Männer und Frauen in Ländern mit einem hohen Gleichstellungsgrad häufiger Sex haben als solche, in denen Frauen den Männern gegenüber benachteiligt sind.

Dies nicht etwa, weil Gleichberechtigung für erotisches Knistern zwischen den Geschlechtern sorgen würde, so Baumeister, sondern weil immer mehr gutausgebildete Frauen um immer weniger gutausgebildete Männer konkurrieren. Und deshalb Sex als harte Währung einsetzen. Kurz: Was rar ist, verkauft sich teuer. Was im Überfluss vorhanden ist, kommt nur mehr billig an den Mann.

Liebes-Handel statt Liebelei

Wer nun findet, dass Liebe doch mehr sei als ein simpler Kuhandel,  hat wahrscheinlich Recht. Der Liebesmarkt aber scheint im global village immer mehr zur Aktienbörse zu verkommen. Dating-Sites boomen,  Vermittlungs-Angebote, die nicht mehr Romantik versprechen, sondern Dates verkaufen, jagen sich: Auf der amerikanischen Site What’s your price.com etwa können schöne junge Single-Frauen sich ein Date vergolden lassen: Sie wählen aus den Angeboten von weniger schönen und jungen, dafür zahlungskräftigen Single-Männer das grosszügigste aus.

Oder vielleicht auch das Exemplar Mann, bei dem das Preis/Leistungsverhältnis (sprich Portemonnaie/Status/Look) stimmt. Ein Deal, bei dem das Dollarzeichen buchstäblich das Herz ersetzt hat. Ein Deal der übrigens auch umgekehrt funktioniert. Schliesslich haben in Amerika die Frauen Mitte Dreissig die gleichaltrigen Männer in Sachen Ausbildung bereits überholt und sind gerade daran, die Aufholjagd auch lohnmässig zu beenden.

Wer nun denkt, dass die Amerikaner wieder einmal spinnen, der wird auf der deutschen Kupplerseite millionaertreffen.de  jeglicher Illusionen beraubt.

Wie viel kostet Körbchengrösse 70D?

Roy Baumeister ist nicht der erste, der das Liebesleben in der Postemanzipation mit ökonomischer Nüchternheit angeht. Der spanische Ökonomie-Professor Jose-Manuel Rey etwa hat vor ein paar Monaten versucht, den Liebesfrust von gutausgebildeten Singlefrauen mit der Game-Theorie zu erklären (Lesen Sie auch: «Die Mathematik der Liebe»). Dass die Liebe blind macht, war schon immer nur ein schönes Bild: Für die Titel auf Visitenkarten oder die Körbchengrösse 70D hatten Frauen und Männer seit jeher ein gutes Auge. Oder anders gesagt: Die gute Partie ist keine Erfindung des neuen Jahrtausends. Steht aber offensichtlich heute wieder hoch im Kurs.

Zerplatzt ist jedenfalls die Illusion jedenfalls, dass der Zugang zu Ressourcen wie Bildung und Arbeit den Frauen die Chance bringt, statt eine gute die beste Partie zu machen. In Krisenzeiten regiert der Pragmatismus. Auch in der Liebe.

Und der sieht so aus: Männer, die eine Frau ausführen wollen, die zehn Jahre jünger ist als sie selbst, müssen 13 Prozent mehr für ein Date bieten als ihre jüngeren Konkurrenten. Das ergab die Auswertung der Date-Versteigerungen des letzten halben Jahres auf What’s your price. com. Wer übrigens sich im fortgeschrittenen Alter von  50 noch immer in die Zwanzigjährigen verguckt, der muss schon bereit sein für ein Treffen 4 Mal mehr zu bezahlen als ein Mann im Alter der digital Angebeteten. 

Solche Aussagen sind natürlich etwa so sexy wie Tante Dorlis Miederhöschen, aber das ist wohl der Preis, den eine Gesellschaft zahlt, in der die Marktgläubigkeit auch vor dem Schlafzimmer nicht mehr halt macht.

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Dating Liebe Sexualität Wirtschaft


Kommentare

  • Christoph

    Geld war und ist das grösste Aphrodisiakum. Nicht alle erliegen dem schnöden Mammon, aber letztendlich leben wir nicht von der Liebe, sondern aus dem Kühlschrank.

  • Elena

    In dem Artikel wird offensichtlich davon ausgegangen, dass es sich bei der Körbchengröße 70D um besonders große Brüste handelt. Das ist aber nicht der Fall, im Gegenteil. Eine große Körbchengröße wäre z. B. 85D. Schade, dass dieser Irrtum immer noch so weit verbreitet ist. Der Buchstabe sagt lediglich aus, ob ein großer Unterschied zwischen dem Brustumfang und Unterbrustanfang besteht. Ein D-Körbchen ist nicht automatisch groß, und 70D ist sogar ziemlich klein.

  • Daniel

    Interessant ist doch auch, dass offensichtlich attraktive und kostenlose Angebote wie z.B. http://www.casualx.ch von Frauen seltener genutzt werden. Der Bedarf an erotischen Dates ohne finanzielle Interessen scheint weitgehend von den Männern getrieben zu werden.

  • Nia

    Diese Menschen tun mir leid. Männer wie Frauen.

  • Claudia

    also ich hätt ein 80F, wer will mich …amüsanter artikel der vieles bestätigt…bei meinem mann stimmt das verhältnis von aussehen, alter, kontostand..es braucht haltung als gleichaltrige frau neben ihm bestehen zu können…soviele zweideutige angebote wie er bekomme ich auch mit 80F nicht…ok mein kontostand ist ja auch NULL…pech für mich.

  • Fabian

    Claudia 80F ist fantastisch. Schade sind Sie vergeben wink Melden Sie sich doch mal…

  • Peter

    Elena, ein 70D ist schon ziemlich gut, denn das D steht nicht für ein Verhältnis, sondern für eine absolute Differenz im Umfang. Da 70 klein ist (also schlanke Frau), ist das D ok. 85D hingegen ist klein, da die Frau nicht schlank ist, aber auch nur die gleichen 20 cm mehr Umfang hat.

  • Michael X

    …. jetzt rühre ich im heissen Topf herum … Sex ist nie gratis. Egal ob direkt oder indirekt, es muss immer dafür etwas geleistet werden.

    Aber, ich wundere mich, wieso haben wir Männer scheinbar gerne öfters Sex als die Frauen? Kann es sein das wir Männer dank Sex, eigentlich mehr “Glücksgefühlerfüllter” sind als das weibliche Geschlecht? Sonst hätten ja die Frauen gleich viel liebes Bedürfnis. Ohne erst wegen Geld und Status vom Kopf gesteuert zu sein.

    Ich erlebe das “zusammenschmelzen” in Liebe mit meine Freundin als eine vom dem absolut schönsten Gefühlen dass man auf diese Welt geniessen darf !
    Michael X.

  • Eremit

    Aus dem Text kann man die “Moral” entnehmen; viele Frauen von heute lieben Geld und Luxus, aber nicht den Mann.
    Ist solch eine Beziehung zwischen Geld- und Luxus-orientierter Frau und einem reichen Mann der quasi für Sex indirekt bezahlt eine gute Basis für Kinder? Vorbilder?
    Wie Mann reich wurde sei mal dahingestellt.

  • j. los

    70 d, 70 A, 85A, 85D… die Zahl ist die Unterbrustweite, also der Körperumfang unterhalb der Brust, der Buchstabe ist die eigentliche Körbchengrösse. A ist für kleine, D für grosse Brüste.

  • Karl Bolliger

    reiner Frust-Artikel. Frauen haben heute die Möglichkeit, sich zu holen, was ihnen Spass macht, m.a.W. intelligente Frauen müssen nicht mehr ins Kloster, um sich beruflich verwirklichen zu können. Gleichberechtigung bedeutet auch, dass sich eine Physik-Professorin an einem Mechaniker (gleiche wissenschaftl. Disziplin wink  ) erfreuen darf. Was ist schlecht daran?

  • Karl Bolliger

    @Daniel 23.09.11. 20:53 Frauen sind autoerotisch, Hetero-Männer {ich auch leider auch wink } sehr frauenbezogen, Männer erobern, Frauen erklären, ob sie damit einverstanden sind – logisch, dass auf diesen Plattformen ein Männerüberschuss herrscht.

  • Christoph Müller

    Meiner Meinung nach missachtet man das biologische Alter, wenn man nur aufs Alter achtet. Es gibt Frauen, die 10 Jahre älter als ich sind und mir besser gefallen als solche, die 10 Jahre jünger sind. Grund: Aussehen, Figur und Stil spielen für mich eine grössere Rolle als das Alter. Und gewisse Leute sehen eben schon mit 40 wie 60 aus wobei andere mit 40 wie 30 aussehen.

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