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Die feministische Welle

Flashmobs, Märsche, Massendemos. Der Grosserfolg der Aktion «One Billion Rising» gegen Gewalt an Frauen überrascht sogar die Initianten.

Von Nathalie Sassine-Hauptmann

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Zur Zeit feiern weibliche Proteste grosse Erfolge – zumindest in den Medien. Nach ≠Aufschrei kommt jetzt der Aufstand. Lokale Aktionen und globale Resonanz zeichnen den «One Billion Rising» aus: Um gegen Gewalt an Frauen zu protestieren, werden 190 Länder am «day to rise», dem 14. Februar 2013 an einem gigantischen Flashmob teilnehmen.  Niemand ist darüber mehr überrascht als Eve Ensler, Initiantin und Autorin der «Vagina-Monologe». Es geht über Klassen, soziale Gruppen und Religion hinaus. Es ist wie ein enormer feministischer Tsunami.» berichtete sie dem englischen «Guardian» gerührt. «

Ensler, die 1996 die Monologe schrieb, die seitdem jährlich auf der ganzen Welt aufgeführt werden, initiierte den «One Billion Rising», nachdem sie gelesen hatte, dass jede dritte Frau einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt werde. Also eine Milliarde (engl. Billion) Frauen weltweit. Nun hat Gewalt viele Gesichter. Deshalb erstaunt es wenig, dass jedes Land das «Rising» anders zelebriert.

«Nie wieder ein Randthema»
Lokale Proteste reichen vom ersten somalischen Flashmob der Weltgeschichte in Mogadishu, Protestmärsche auf der schottischen Insel Bute, und Grossdemos in Indien. Alleine in Italien haben 50 Städte zugesagt, am «day of rise» zu protestieren. Auch Organisationen und Institutionen bringen sich in die Aktion ein. Traurige Berühmtheit erlangte die Aktion dank der Ende Jahr massenvergewaltigten und verstorbenen Inderin Jyoti Singh in Delhi. «In Indien ist «One Billion Rising» der grösste Durchbruch betreffend sexueller Gewalt, den man je gesehen hat.» so Ensler weiter.

Das Datum fällt absichtlich auf den Valentinstag, an dem wieder Liebe statt Kommerz gefeiert werden soll. Hoffnungsvolle Worte. Aber Ensler ist sich sicher: «Gewalt an Frauen wird nie wieder ein Randthema sein.»

Verschwinden wird sie ebensowenig, doch wie Stefan Kuzmany gestern im «Spiegel» die #Aufschrei-Debatte kommentierte: «Aber wenn nur einer daraus lernt, dass sich die Frauen nichts mehr gefallen lassen, dass er damit rechnen muss, erwischt und angeprangert zu werden, wenn nur ein Chefredakteur künftig zweimal darüber nachdenkt, wie er den nächsten “Großen Gesundheitscheck” illustrieren lässt, wenn nur ein von der Sexismus-Debatte verunsicherter Vorgesetzter einfach mal die Klappe hält, wenn er im Flur der attraktiven Praktikantin begegnet: dann wäre schon viel gewonnen.»

«One Billion Rises» Events in der Schweiz.


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Kommentare

  • The Damned

    Gut, dass Sie die Frauenhäuser ansprechen: Damit können wir die Zielgruppe bzgl. Sexismus et al. hierzulande auch gleich näher definieren. Es sind überwiegend Frauen mit Migrationshintergrund, die unsere Frauenhäuser aufsuchen. Weiter führende Betrachtungen sind in diesem Zusammenhang durchaus erwünscht… Und wenn wir es jetzt noch schaffen, dem Begriff Sexismus den Stachel des Geschlechts zu ziehen, dann sind wir einen entscheidenden Schritt weiter.

  • Nathalie Sassine-Hauptmann

    In den Frauenhäusern sind wohl vor allem Ausländerinnen anzutreffen, weil einheimische Frauen eine Familie haben, die sie aufsuchen können, im Falle eines plötzlichen Auszugs.

    Das mit dem Stachel müssten Sie mir aber nochmal erklären. Heisst das, Frauen sind genauso sexistisch?  Weiterführende Erklärungen, sehr willkommen, weiterführende Betrachtungen in DIESEM Zusammenhang finde ich nämlich durchaus interessant.

  • The Damned

    Sobald man beim Begriff Sexismus die Komponente Geschlecht weg lässt, werden wir bemerken, dass es nicht nur im heterosexuellen Bereich entsprechendes Verhalten gibt, sondern auch ggü. Trans- Homo- und Intersexuellen. Und hier sind die gängigen Geschlechterkategorien ziemlich wage. Und dass es auch weiblichen Sexismus ggü. Männern gibt, wird wohl niemand ernsthaft bestreiten. Wobei sich hier v. a. der Vulgär- und Mainstreamfeminismus, so wie er z. B. von Silke Burmester (SPON) portiert wird, ganz besonders negativ hervor hebt. Mann kann natürlich auch vom Medienfeminismus sprechen, wenn man so will.

  • The Damned

    Was die Population in unseren Frauenhäusern anbelangt: Leider lässt sich über Frauenhäuser bis dato nicht viel in Erfahrung bringen. Das ist insofern bemerkenswert, als dass sämtliche Institutionen in unserer Demokratie, die staatliche Gelder erhalten, im Prinzip Rechenschaftspflichtig sind.

  • The Damned

    Vor diesem Hintergrund lässt sich Ihre Annahme mit dem familiaren Kontext nur schwer erhärten: Das ist eine Annahme, mehr nicht. Dass der Migrationshintergrund eine Rolle spielt, war übrigens kürzlich den Medien zu entnehmen. Mit welchen Daten damals die Pressemitteilung untefüttert worden ist- und wie aussagekräftig diese bei genauerer Betrachtung waren, nun, vielleicht wissen Sie ja mehr als ich?

  • The Damned

    Noch ein Beispiel für einen weiblichen, männerfeindlichen Mediensexismus, wie er real existiert:

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/silke-burmester-ueber-frauen-und-das-ende-der-zeit-des-weissen-mannes-a-867733.html

    Erklären kann ich mir diesen Hassaufruf eigentlich nur noch mit dem Auflagenschwund der Printmedien. Von Valerie Solanas SCUM-Manifesto sind solche Auswüchse eigentlich nicht mehr allzu weit enternt. Gut, andererseits: Wir leben ja auch im Retro-Zeitalter wink

  • The Damned

    Für Indien, China- eigentlich den Grossteil dieser Welt halte ich diesen (Medien)anlass für absolut gerechtfertigt. Doch bei uns im Westen sollte man- auch und vor allem nach der Brüderle-Debatte- aufpassen, dass es nicht zu einem Overkill (Reizüberflutung) kommt. In der Werbung gibt es dafür einen Ausdruck, den ich vergessen habe. Aber sobald zuviel Werbung geschaltet wird, erzielt sie bei der Zielgruppe den genau umgekehrten Effekt. Das kann nicht im Sinne der Opfer von Sexismus sein.

  • Lilly

    Da könnten Sie recht haben. Und trotzdem. Gewalt an Frauen ist auch hier ein Thema, bspw. innerhalb einer Beziehung. Ich glaube nicht, dass ein witziger und sehenswerter Falshmob kontraproduktiv sein wird. Uns geht es manchmal zu gut, da neigen wir dazu, zu denken, uns ginge das wenig an. Ein Trugschluss, wenn man die Frauenhäuser anschaut.