Clack

Der Bikini-Krampf

Das Bikini ist ein Zweiteiler, der das Rentenalter erreicht hat und dennoch jeden Sommer für fette Schlagzeilen und verunsicherte Frauen sorgt. Trainieren, Diät halten oder absaugen - das ist die Frage.

Von Seraina Mohr

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Meteorologisch ist der Sommer erst einige Tage alt, gefühlt schon einige Wochen. So weit, so schön, wenn da nicht die eine Frage wäre, die so sicher kommt, wie der Sommer: Bin ich Bikini fit?

Diät halten, trainieren oder absaugen? Das ist die Frage, denn in keinem anderen Kleidungsstück werden die Unzulänglichkeiten, des eigenen Körpers deutlicher sichtbar: Haare am falschen Ort, Krampfadern, Cellulite oder Falten in der Bauchgegend- alles zu sehen. Und so stellt sich ab März so manche Frau die bange Frage: Bin ich überhaupt bereit für den Sommer? Ist mein Körper Bikini fit? Und was lässt sich in der kurzen Zeit noch tun? Ganz ehrlich – nicht allzu viel, am besten hilft da ein gesundes Selbstvertrauen und der Blick zurück auf die Geschichte eines Kleidungsstückes.

65 Jahre ist es her, dass das gute Teil erfunden wurde und seither jeden Sommer wieder für fette Schlagzeilen sorgt. Während sich heute jede Miss-Kandidatin oder Anwärterin auf einen Model-Titel selbstverständlich im Bikini zeigt und ablichten lässt, stand des knappe Teil lange in Verruf, unanständig zu sein. 1946 wurde der erste Bikini der Welt in Paris präsentiert – von Striptease-Tänzerinnen, da sich keine Models gefunden hatten, die sich in so unsittlicher Weise zeigen wollten. Der Name Bikini feht zurück auf das Bikiniatoll, ein Atomtestgebiet der Amerikaner. Das war damals in aller Munde und die Bezichnung für das Badekleid sollte vor allem eine explosive Wirkung haben. Das Ziel wurde erreicht.

Vor 65 Jahren wurde das Bikini also der Welt präsentiert, doch wehe eine Frau dieses Alters zeigt sich im Bikini. So erging es der Schauspielerin Helen Mirren, die sich vor 3 Jahren im roten Zweiteiler von einem Paparazzi erwischen liess und gar nicht amused war über die Publikation der Bilder. Sofort wurde angesichts ihrer Figur spekuliert, dass dies nur dank plastischer Chirurgie möglich sei.

Prominente verwünschen die omnipräsenten Kameras, denn längst gehören Schnappschüsse der von den Personal Trainer gestählten Körpern zu den beliebtsten Sujets in einschlägigen Magazinen. Besondere Aufmerksamkeit gilt all jenen, die gerade aus dem Mutterschaftsurlaub zurück sind und trotzdem makellos auftreten. Zu ihnen gehören etwa Miranda Kerr oder immer wieder Heidi Klum oder Gwyneth Paltrow. Sie gehören zur speziell beneidenswerten Sorte, der über 30jährigen, die sich vor keiner Paparazzi-Kamera fürchten müssen. Die kennen nämlich kein Pardon: Jede Delle wird registriert, jeder Bauchansatz genüsslich kommentiert. Spätestens, wenn das erste Bild von Michelle Hunziker im Bikini auftaucht, hat auch die Letzte begriffen, dass die Paparazzi-Jagdsaison eröffnet ist.

Begriffen haben sollten sie bis dann auch, dass sämtlich Vorkehrungen und auch der Ruf als Sex-Symbol kaum helfen, um den Bikini-Test bravourös zu bestehen. Beispiele gefällig: Michelle Hunziker hüpft Jahr für Jahr mit strahlendem Lächeln vor den Fotografen ins Meer, mal in weiss, mal in rot, mal in blau. Ihr Körper ist makellos, Schwangerschaften, Scheidungen und das Alter haben keine Spuren hinterlassen. Doch halt, etwas ist da doch, sonst gäbe es keine Schlagzeile. Dieses Jahr zeigte sie sich in lila, fürchterlich, wie der Blick fand, viel zu blass und viel zu wenig sexy.

Mehr Fleisch am Knochen zeigte die Mad Men Seriendarstellerin Christina Hendricks. Sie wurde am Comersee beim Sonnenbaden erwischt, in einem schwarzen Einteiler und in ungünstiger Pose. Zugegeben, sie sah darin bedeutend weniger sinnlich aus, als in den Roben der 60er Jahre, in denen sie den Männern reihenweise den Kopf verdreht. Zumindest wurden die Zweifel an der Echtheit ihrer Oberweite ausgeräumt und der Blick fragte keck, was die Frau sonst für Unterwäsche trägt, die sie angezogen so sexy aussehen lässt.

Optische Hilfsmittel gibt es beim Kampf um den perfekten Bikini-Auftritt kaum. Da helfen nur gute Gene und viel Disziplin oder gar ein Bikini-Boot-Camp, in dem das Tagesprogramm ganz auf das eine Zeil ausgerichtet ist. Was speziell abschreckend wirkt ist die Tatsache, dass auf den Bildern zu den Camps alle im Bikini am trainieren sind – und bereits jetzt toll aussehen..

In den 60er Jahren wurden der Bikini ganz unverkrampft in Szene gesetzt. Stoffe wurden nicht zu knapp gebraucht und verhüllten gnädig den einen oder anderen Bauchansatz. So stammen einige der legendären Bikini-Bilder aus den 50er Jahren. Marilyn Monroe begeisterte mit ihren Rundungen, Brigitte Bardot räkelte sich am Strand von Cannes – ein Ereignis, das sogar Eingang in Geschichtsbücher gefunden hat und von manchem Professor gerne zitiert wird. Aber eben, das ist definitiv Geschichte.

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Die Bikinisaison ist eröffnet

Seraina Mohr

Seraina Mohr ist Leiterin des Competence Center Onlinekommunikation am Institut für Kommunikation an der Hochschule Luzern Wirtschaft. Sie studierte Germanistik und Geschichte an der Universität Zürich und arbeitete anschliessend mehr als 10 Jahre in verschiedenen Funktionen in der Medienbranche.