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Trennung für Fortgeschrittene

Der Quotenmann kommt mit (fast) allen seiner Ex-Partnerinnen hervorragend aus. Und er denkt, dass das etwas mit Respekt, Würde und Alter zu tun hat. Und mit dem Umstand, dass man in einer kleineren Stadt nicht ausweichen kann.

Von Réda Philippe El Arbi

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Gestern erzählte unsere Autorin Clara Ott von der Schwierigkeit, sich nach der Trennung wieder dem Ex zu begegnen und gibt Tipps, wie man dabei seine Würde behält. Nun, in einer kleineren Stadt wie Zürich gehört der Umgang mit Expartnern zum Einmaleins der Beziehungsfähigkeit. Ganz einfach darum, weil man in Zürich, im Gegensatz zu Claras Berlin, ganz sicher davon ausgehen kann, dass man dem oder der Ex innert einer Woche wieder über den Weg läuft.

Ich hab ein gutes Verhältnis zu fast allen meinen Expartnerinnen. Zum Beispiel meine fast acht Jahre dauernde Beziehung. Meine Ex ist jetzt nicht mehr meine Ex, sondern die Lebenspartnerin meines besten Freundes. Ich bin der Patenonkel eines ihrer Kinder.  Ich war auch schon in den Ferien mit einer anderen Ex, deren Mann extra Urlaub nahm, um während dieser Zeit auf ihre Kinder aufzupassen. Sie mögen jetzt denken, das sei vielleicht Charaktersache, aber nein, das ist ein Training, das in der kleinen Welt voller Patchworkfamilys in Zürich, Bern oder Basel unbedingt absolviert werden muss. Schliesslich begegnet man sich innerhalb der bevorzugten Szene immer wieder.

Mit meiner ehemaligen englischen Freundin, mit der ich kaum mehr Kontakt habe (bis auf die Hassmails, die mich mehrmals jährlich erreichen, immer auf die aktuellste Mailadresse), sind alle meine anderen Ex-Freundinnen noch in meinem Handy gespeichert und man ist sich in Freundschaft verbunden. Schliesslich hat man einen Teil des Lebens gemeinsam verbracht und die emotionale Verneinung dieser Zeit würde nur das eigene Leben abwerten.

Bei meiner Londonerin zeigte sich aber schon bei der Trennung der grosse Unterschied: Wo für Zürcher meistens drei Monate reichen, um sich danach wieder zum Kaffee zu treffen, sieht die Situation in einer Stadt mit 6 Millionen Einwohnern ganz anders aus. Nach der Trennung musste ich mich mit ihr zusammensetzen, um den Freundeskreis aufzuteilen. Ohne Scherz. Und in ihrem Umfeld schien es ganz klar zu sein, dass bei einer Trennung sowohl die Stadt («Das ist mein Lokal, das ist dein Lokal») wie auch die Freunde aufgeteilt wurden. Nun, da ich nicht vorhatte, in London zu bleiben, überliess ich ihr grossherzig alle Freunde (viele Anwälte, die ich auch geschenkt nicht haben möchte) und bat mir nur den Kontakt zu einer Patentochter aus. Natürlich ist das in einer Millionenstadt möglich, da man genug Ausweichmöglichkeiten hat. Aber für die menschliche Entwicklung und den emotionalen Prozess ist das Gift. Es findet keine Auseinandersetzung mehr statt, der Ex-Partner bleibt in dem Bild gefangen, das man bei der letzten Auseinandersetzung von ihm oder ihr hatte.

Um seiner Ex wieder ohne Groll und ohne falsche Hoffnung begegnen zu können, muss man sich von Beginn an klar sein, dass es zu Ende ist. Und man muss sich Zeit für Trauer und Bedauern nehmen. Aber, in erster Linie muss man die Zeit, die man zusammen verbrachte, schätzen. Und so auch dem Ex den Respekt entgegenbringen, den ein Mensch, mit dem man einen Teil des Lebensweges gegangen ist, verdient.

Und nun kommen wir zum eigentlichen Kern der Sache: In der Trennung kumulieren sich die Verhältnisse, die bereits in der Beziehung geherrscht haben. Wenn ein Partner die Beziehung schon lange auflösen will, aber den Mut nicht findet, oder wenn ein Partner klammert und den scheidenden Teil nicht gehen lassen will, spiegelt das das herrschende Machtgefälle in einer Beziehung. Und eine Beziehung, in der die Liebe nicht ausgeglichen ist, ist schwer zu führen.

Mit Sechzehn fand ich es verständlich, dass ich mit einem Mädchen zusammen sein wollte,  die das umgekehrt nicht wollte. Ich konnte jemanden anhimmeln, Liebeskummer haben und mir wünschen, dieser Jemand würde endlich vom Liebesblitz getroffen und alles würde eitel Sonnenschein und Geigenhimmel. Ich mochte wohl unbewusst auch die Tragik, die mir als unglücklich Liebendem inne wohnte.  Mit Dreissig war mir klar, dass ich nicht mit jemandem zusammensein wollte, der dies umgekehrt nicht auch wünscht. Das mag eine Sache der nachlassenden Leidenschaft sein, aber in erster Linie ist es eine Frage der Selbstachtung: Ich habe meinen Wert als Partner, genauso wie ich meine Nachteile hab. Und wenn ich mein Leben mit jemandem verbringen will, dann sollte das auf Gegenseitigkeit beruhen. Ansonsten ist die Beziehung von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Nun kommen die Romantiker, die finden, man müsse auch um jemanden kämpfen, jemanden erobern. Das ist Quatsch. Vielleicht muss ich jemanden von meinen Fähigkeiten und Vorzügen als Partner erst überzeugen, aber wenn ich jemanden «erobern» muss, dann birgt das von Beginn an das Machtgefälle zwischen Bittsteller und demjenigen, der gewährt. Die Romantiker werden anführen, dass man sich nicht aussuchen kann, in wen man sich verliebt. Das mag stimmen. Aber man kann sich aussuchen, wie man damit umgeht. Wenn man sich als tragische Figur stilisiert und jammernd und weinend vor dem Telefon oder sogar vor der Haustür der oder des Angebeteten herumsitzt, dient das nicht der Liebe, sondern der Selbstinszenierung und der Überhöhung der eigenen Verliebtheit als tragisches Opfer. Das ist erbärmlich. Die Liebe als unbezwingbare Gefühlsgewalt darzustellen, der man nichts entgegensetzen kann, ist eine Hollywoodschnulze sondergleichen und zeugt von einem pubertären Weltbild.

Man kann sich vielleicht nicht aussuchen, in wen man sich verliebt, aber man kann seine Würde behalten, indem man die Verantwortung für sein Handeln und sein Auftreten übernimmt. Und das am Anfang einer Beziehung, während einer Beziehung und, ganz wichtig, am Ende einer Beziehung.

Egal, wie mans dreht oder wendet: Man ist nicht nur für die Trennung verantwortlich, sondern auch für den Menschen von dem man sich trennt. Schliesslich hat man ihn ausgesucht.

Der absolute Trennungssong von Züri West:

Réda Philippe El Arbi ist Co-Chefredaktor bei clack.ch, Autor, Geschichtenerzähler, Stadt-Blogger bei Züritipp/newsnet.ch, Haustiersitter und Mann aus den üblichen Gründen. Er versucht, hier seine männliche Sicht der alltäglichen und der wichtigen Dinge zu vermitteln.

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Quotenmann


Kommentare

  • Reto B.

    Absolut! So isses!
    “Erobern” nein. “Kämpfen” kann ich auch anders verstehen. Was es auf jeden Fall braucht ist Investition in und Arbeit an der Beziehung, sonst stirbt sie, respektive es ist meist Ausdruck, dass einem alles andere wichtiger ist, als die Beziehung. Sollte aber nach sehr langer Beziehung sich irgendeine Rahmenbedingung ändern, sollte es einen Bruch geben wegen einem oder mehreren Fehltritten irgendwelcher Art oder ein Partner Krankheit/Sucht oder sonstwas verfallen, dann erwarte ich, dass man für seine Beziehung kämpft. Man schmeisst nicht einfach die Flinte ins Korn beim ersten grösseren Rumpler, was denken wir, wie unsere Grosseltern es schafften 50 Jahre verheiratet zu sein. Ist sicher kein Garant, dass es klappt, aber versuchen würde ich es…

  • Prisca

    Aua, das ist so schön realistisch!

  • marie

    réda, das sollte die norm sein. und ich hoffe, dass es halbwegs die norm ist.
    und ich kann nur bestätigen, dass wenn das gegenüber einem die würde abspricht, aus welchen gründen auch immer, mann/frau am besten die flucht ergreift und einen riesigen bogen um diese menschen macht (grosse staubwolke am horizont). die sind keine sekunde aufmerksamkeit wert.

  • mira

    Genau so erlebe ich das auch und so haben das auch schon meine (geschiedenen) Eltern gehandhabt. Mit Respekt vor sich und dem Anderen lebt es sich definitiv glücklicher. Heute bin ich mal 100% Deine Meinung smile

  • Ria

    Genau!

  • Jasi

    Word! (wobei ich mir den Abschnitt zum Thema “Selbstachtung behalten” noch ein wenig mehr zu Herzen nehmen könnte)

  • Jorge

    Mhm, viel Zustimmung, wie’s scheint…

    Frage aus reiner Neugier: Welche der Kommentatorinnen fände es akzeptabel, wenn ihr Ex mit der besten Freundin zusammenkäme?

  • Irene

    Jorge, wenn man tatsächlich mit etwas abgeschlossen hat, gibts da auch absolut kein Problem damit. Man BESITZT die Menschen ja nicht sondern, hat NUR das Privileg, die Zeit miteinander zu verbringen.

  • Reto B.

    Ging ja zwar an die Damen, aber da ich solches in einer gewissen Häufung schon erlebt habe, sag ich etwas dazu. Es geht zu einem grossen Teil darum, wie und in welchem Zeitraum so etwas passiert, und wie es kommuniziert wird. Mit Sprüchen muss man leben. Ohne Diskussion und in “fliegendem Wechsel” ist das sehr suspekt und wenig taktvoll. Wenn sich jemand in eine Person verliebt, die vor längerer Zeit mit dem besten Kumpel liiert war, dann ist das halt so. Ich würde den Kumpel aufn Bier einladen und ihm reinen Wein einschenken, respektive ihn fragen, wie er mittlerweile zu ihr steht. Ultima ratio ist aber keine “Erlaubnis” des Ex nötig.

  • Jorge

    Danke für Eure Antworten!

    Hätte mir gedacht, dass es mit der besten Freundin ein no-go wäre, aber anscheinend war das wohl eher ein Vorurteil.

    Das mit dem “nicht besitzen” kann ich unterschreiben, aber man hat sich diesem Menschen dennoch ein Stück weit geöffnet – im Normalfall aber auch der besten Freundin. Da sollte das Verhältnis zu beiden wohl tatsächlich hervorragend sein.

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