Clack

Das Prostitutionsverbot

Der Quotenmann hält das Prostitutionsverbot für gefährlich, in erster Linie für die Prostituierten. Idealisten träumen von einer Welt ohne Prostitution und schaffen dabei eine Welt ohne Schutz für diese Frauen. Ein Gespräch mit einer Nutte.

Von Réda Philippe El Arbi

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Wieder mal ist das Prostitutionsverbot ein Thema. In Deutschland sammelt die Zeitschrift Emma Unterschriften, um die Prostitution in Europa zu verbieten, in der Schweiz formulierte eine EVP-Nationalrätin eine Anfrage zur Prüfung des Prostitutionsverbots. Im Magazin und in den Sonntagszeitungen ist das Verbot gerade chic für Leute, die sich auf Kosten der Betroffenen ein frauenfreundliches Image zulegen wollen. Zu Heuchelei und Prostitution hab ich wohl schon genug gesagt. Aber wer bin ich denn, dass ich die Leute vom Schaden eines Prostitutionsverbots überzeugen will? Lassen wir doch ein alte Freundin von mir zu Wort kommen:

Sabrina* ist 34 und schafft an. Sie hat einen etwas bewegten Lebenslauf. Mit 14 kam sie mit ihrer Mutter aus Lettland in die Schweiz. Sie konnte sich nicht richtig eingewöhnen, nahm Drogen und rutschte ins Millieu ab. In guten Zeiten arbeitete sie in einem Club als Prostituierte, in schlechten Zeiten machte sie den Strassenstrich. Sie konnte nie eine Berufsausbildung machen, hielt sich immer gerade so über Wasser. Jetzt hat sie zwei Kinder im Alter von sechs und vier Jahren. Sie hat einen Deal mit einem Stundenhotel und bedient zehn bis fünfzehn Freier pro Woche, fünf davon sind Stammfreier. Ihre Lebenspartnerin weiss von ihrem Job und kann gut damit leben.

«Wenn Prostitution in der Schweiz verboten wär, ich wäre jetzt wahrscheinlich tot», sagt Sabrina. Wieso? «Natürlich hätte ich trotzdem anschaffen müssen, nur hätte ich dann versteckt angeschafft, wär mehr Druck und der Willkür der Freier ausgesetzt gewesen. Ich hätte eher in Sex ohne Gummi einwilligen müssen, um an das notwendige Geld zu kommen. Damals, als es mir am Schlechtesten ging, war ich froh um den Floradora-Bus (Gassenarbeit mit Prostitiuierten) und auch um die Polizeistreifen, die ab und zu nach uns schauten.»

Und jetzt? «Jetzt wäre es das wirtschaftliche Aus, ich wär beim Sozialamt, wüsste nicht, wie ich meine Kinder durchbringen sollte. Ich wüsste nicht, wo jemand wie ich einen Job bekommt. Ich habe in meinem Lebenslauf nichts vorzuweisen. Natürlich würde ich weiter anschaffen, einfach ohne die jetzige Sicherheit. Wenns illegal wär, würde mir niemand ein sicheres Zimmer vermieten, ich könnte die Freier nicht nach Hause nehmen. Also müsste ich mich in irgendwelchen Absteigen von Zuhältern oder in dreckigen Ecken prostituieren. Es ist so schon schwer genug, da ich keine richtige Alterversorgung hab und so wie jetzt wahrscheinlich nur noch ein paar Jahre arbeiten kann. Wäre nicht meine Lebenspartnerin, ich hätte keine Zukunftsperspektive. Ich habe mein Leben lang gearbeitet, aber die Gesellschaft sieht meinen Job nicht als echte Arbeit an.»

Nun, ich könnte noch Dutzende solcher Aussagen von Dutzenden von Prostituierten anführen. Die Hauptaussage: Zuhälterei verbieten, Prostitution rechtlich auf stabile Füsse stellen, so dass zum Beispiel Freier, die nicht bezahlen, eingeklagt werden können. Das ist nämlich bisher nicht möglich, da der mündliche Vertrag zischen Prostituierten und Freier als sittenwidrig gilt. Der ganze Beruf der Sexworkerinnen ist rechtlich so schlecht abgesichert, wie sonst kein Beruf. Zur Zeit üben die Frauen nicht nur einen der härtesten Berufe überhaupt aus, sie kriegen dafür nicht mal ein Mindestmass an Respekt, gesellschaftlicher Anerkennung oder nur schon rechtliche Absicherung.

Klar, in einer idealen Gesellschaft gibt es keine Prostitution. Da gibt es auch keine Drogensüchtigen. Wenn wir dann eine ideale Welt haben, werde ich mich zurücklehnen und mein regenbogenfarbenes Einhorn mit Marshmellows füttern. Bis dahin aber bemühe ich mich darum, dass die Idealisten nicht mit ihrem Wunsch nach der besten Lösung die BESTMÖGLICHE Lösung verhindern und noch mehr Schaden anrichten.

Die Befürworter hauen mir immer wieder das schwedische Modell um die Ohren. Da sei die Prostitution durch das Verbot zurückgegangen. Nur, verlässliche Daten fehlen, die vorhandenen Daten wurden von Stellen ermittelt, die mit der Umsetzung des Gesetzes betraut sind. Und es ist einfach schwer, Daten darüber zu evaluieren, was im illegalen Untergrund passiert. Und die Prostituierten gehen in den Untergrund. Wenn ein Freier keine Prostituierte findet, geht er eben wieder nach Hause. Wenn eine Prostituierte keinen Freier findet, steht sie länger draussen, geht höhere Risiken ein, bietet ausgefallerene Sachen (Sex ohne Gummi z.B.) an, weil sie sonst ihre Miete nicht bezahlen, ihre Kindern nicht kleiden und nichts zu Essen auf den Tisch stellen kann. Dass viele Prostituierte sich anonymen Freiern auf dem Internet anbieten, und so noch grössere Risiken eingehen, weil sie diese in ihre eigenen Wohnungen einladen müssen, sollte ich eigentlich gar nicht speziell hervorheben müssen.

Liebe Verbotsbefürworter, nehmt euch doch mal einen Abend Zeit, geht raus, sprecht mit den Betroffenen. Macht euch ein Bild und steigt von eurem moralischen Ross herunter. Die Zuhälter werden euch für ein Verbot eine Kerze anzünden und ein Liedchen singen. Wenn die Frauen den Freiern in den Untergrund folgen, sind sie für soziale und medizinische Ansprechpartner nicht mehr erreichbar, und so leichter zu missbrauchen und zu kontrollieren.

*Name geändert

Réda Philippe El Arbi ist Co-Chefredaktor bei clack.ch, Autor, Geschichtenerzähler, Stadt-Blogger bei Züritipp/newsnet.ch, Haustiersitter und Mann aus den üblichen Gründen. Er versucht, hier seine männliche Sicht der alltäglichen und der wichtigen Dinge zu vermitteln.

  

Quotenmann


Kommentare

  • Katharina

    Ich schäme mich ja fast, dass ich Reda hier bedingungslos Recht gebe. Soviel ich weiss kennen Sie die etwas dunkleren Seiten Zürichs gut und dass Sie einer direkt betroffenen hier das Wort geben, beleuchtet das Thema eindrücklich.

    Ich sehe nicht ein, dass jener Beruf nicht als Beruf wie jeder andere, der etwas jenseits der Moral steht (e.g. Steueroptimierer oder eine andere Form der Prostitution, die sich externe Berater nennt wink ) als Beruf eingetragen werden kann. Damit dann auch die Steuer und Vorsorgeabgaben ordnungsgemäss gemacht werden und, da es sich dann um ein Dienstleistungsangebot handelt, mit der Zonenverordnung und einigen medizinischen und anderen Auflagen versehen ausgeübt werden kann. Sprich, durch die Legalisierung können die Gefahren und Schattenseiten unbürokratisch durch technische Verordnungen eingedämmt werden, wie dies bei jedem anderen Business getan wird. (oder sollte….)

    Hier eine für mich eindrückliche Wortmeldung aus Deutschland zum Thema:

    http://www.zeit.de/gesellschaft/2013-11/prostitution-debatte-erfahrung

    Was mich an der heuchlerischen Debatte stört: Niemand redet wirklich über die Drahtzieher dahinter, die Zuhälter, die Wucherzinsen und die daran gut verdienenden (oft sehr bekannten) Liegenschaftsbesitzer, die Schlepper usw. Alles Aspekte, die kriminell sind und gegen die Gesetze bestehen. Diese werden aber nicht durchgesetzt.

    Stattdessen wird wie immer das schwächste Glied dieser Wertschöpfungskette stigmatisiert. Und durch die Kriminalisierung entstehen noch mehr Profite, und da illegal, vermehrt auch an der Abgabepflicht vorbei. Oder kurz: Die ach so moralisch rechtschaffenen, die von Prostitutionsverbot reden, bewirken das pure Gegenteil, nämlich ein Wandel des Berufs von Sexworker zu Sexsklave.  Ein Journi mit Flair für advocatus diaboli könnte nun ja der Frage nachgehen, wo jene Protagonisten Liegenschaften besitzen.

    Frage: Wäre es möglich, dass Sie auch ein anonymisiertes Votum von Hilfsorganisationen, die sich um jene Frauen kümmern, hier reinstellen? Mich interessiert deren Sicht.

  • Martin

    was ist am Immobilienbesitz und betrieb eines Bordelles genau illegal?

  • The Damned

    Noch etwas sollte sich ändern: Prostituierte zu sein, darf nicht mehr mit einem gesellschaftlichen Stigma verbunden sein. Und das geht so: Szene an einem Esstisch, die Gäste sind zufrieden, mal lehnt sich zufrieden zuruck, der Smalltalk kommt wieder in die Gänge und man will mehr voneinander wissen. “Ach ja, was arbeitest du wieder, hast du gesagt?” “Ich arbeite im Globe als Prostituierte.” Bislang würde die Reaktion wohl so ausfallen: *Einmal leer schlucken* kurze Stille, irritierter Blick. *räusper* “Ah ja, äh… findest du nicht auch, dass es in letzter Zeit so kalt geworden ist?” In Zukunft vielleicht so: “Im Globe? Ist das nicht ein bisschen ein versnobter Laden! Gefällt es dir dort?” … Ein paar Stichworte: Doppelmoral, gesellschaftliche Isolation, Deklassierung.

  • Thomas

    Wieder einmal bin ich schockiert, wie weit es der Staat treibt. Immer mehr mischt er sich im Namen der Sicherheit im unser Leben ein! Dabei wissen wir, wer Freiheit für Sicherheit aufgibt, verliert beides! Etliche aktuelle Beispiele beweisen das (NSA).

    Liebe Poliker: lasst uns Bürger in Ruhe mit eurer Verbotswut! Es wird euch den Kopf kosten! Ich kann mir nicht lànger vorstellen, diese überregulierung durch den Staat zu akzeptieren! Liebe Bürger: Wehrt euch, seit Wütend! Lasst euch nicht alles nehmen!! Mehr Freiheit, weniger Staat! Ein liberaler

  • Réda Philippe El Arbi

    Naja, in diesem Fall wünsche ich mir schon mehr Gesetze. Aber solche, die diese Frauen schützen, und nicht solche, die diesen Frauen noch mehr schaden.

    Was den ominösen “Staat” angeht: den gibts in der Schweiz nicht. Der “Staat” sind wir, entweder in direkter Demokratie, oder über unsere gewählten Volksvertreter, die dann nichts entscheiden können, ohne dass wir ein Vetorecht hätten.

    “Der Staat” als undefinierbare, kontrollierende, böse Macht ist etwas für US-Amerikaner und Verschwörungstheoretiker. Schweizer müssen leider weiterhin die Verantwortung übernehmen, ohne anderen die Schuld zuschieben zu können. wink

  • marie

    die hauptprobleme, die endlich anzugehen sind:
    zuhälterei
    bger-entscheid in sachen verstoss gegen die sittlichkeit (muss aufgehoben werden)
    appell an die verantwortung der freier
    die prostituierten selbst sollten ebenso in pflicht genommen werden, auch sozialabgaben zu leisten

    damit wäre schon mal einiges erreicht. das verbot, würde die angelegenheit nur noch drastisch verschlimmern.

  • Thomas

    Du überschätzt auf eine naive Art und Weise unsere Demokratie…offenbar bist auch du ihr auf den Leim gegangen.

    Zu meinem Votum: Einerseits appeliere ich an den Bürger, sich zu wehren, gegen den Staat und die Regeluriungswut (also wie du argumentierst, wir haben es in der Hand). Der Staat heute ist mir tatsächlich sehr unangenehm. Ich persönlich fühle mich eingeschränkt auf eine kafkaeske Art und weise…Nichts mehr geht ohne tausenfach abgesegnete Bewilligung. das Gewerbe wird eingeschränkt wo es nur geht, auf der anderen seite werden Banken gestützt und Euros gekauft, dass sich die Balken biegen. Und nie hat nur auch ein Bürger ja gesagt. Wollte das schweizer Volk, dass die SNB zum 3. Rettungsschirm des Euros wird? Da gehts um abermilliarden von Franken von dir und von mir!!! Doch es gibt keine Aufregungung…

    Die verfilzung von Politik und Wirtschaft sowie Politik und Verwaltung ist in der Schweiz grösser als in den USA. Eine grosse Anzahl an Personen hat das noch immer nicht begriffen …Der Staat wächst und wächst und schafft sich selber neue Aufgaben, indem er dies und das kontrollieren will. Die Freiheit stirbt scheibchenweise…und wie der Frosch im Kochtopf, merkst du es erst, wenn es zu spät ist.

    Zum Abschluss noch eine Frage: glaubst du wirklich, dass der Schweizer Geheimdienst keine Fichen mehr führt?

  • Réda Philippe El Arbi

    Öhm, eigentlich hat die SNB an der Euro-Obergrenze jede Menge verdient.

    Und was den Staat angeht: Wir haben noch immer das beste aller fehlerhaften Systeme. Zeig mir eine Gemeinschaft, egal wo auf der Welt, die besser ist als unsere direkte Demokratie, und ich werde sofort auswandern.

    Und wie gesagt, der “Staat” besteht aus Leuten, die wir gewählt haben. Wo wir sie nicht direkt gewählt haben, sind die von uns Gewählten für die Personalpolitik verantwortlich.

    Und natürlich werden noch Fichen geführt. Dazu ist ein Inlandgeheimdienst da. Nur werden nicht mehr Leute überwacht, nur weil sie im reformhaus einkaufen oder lange Haare haben. Aber auch das kann wieder vorkommen, und auch das wird dann wieder vom Volk korrigiert.

    Kein Grund für Paranoia. Nimm einfach deine staatsrechtlichen Pflichten wahr. smile

  • mira

    Es gibt noch eine lange Reihe von anderen Berufen, die moralisch durchaus integer sind, aber auf die auch so reagiert wird. Je nach Kreis kann das der Banker, die Putzfrau, oder auch die Physikerin sein… Man kann die Leute nicht zwingen etwas gut/normal zu finden, nur weil man das selber tut.

  • Tomas

    Hohoho, das erinnert mich an etwas… da habe ich einmal, während sie vor einem Fotoshooting geschminkt wurde, eine alte Bekannte gefragt was sie denn sonst so alles macht. Sie meinte, sie schreibt Drehbücher. Da fragte ich begeistert, was hat sie denn so alles geschrieben, und sie meinte dass sie hauptsächlich Drehbücher für sadomasochistische Pornos schreibt. Die Visagistin ist fast in Ohnmacht gefallen 😀

    Damned, ich denke, da verlangen sie zuviel. Die Frauen am Tisch werden eine Prostituierte mit dem gleichen Blick betrachten wie ein Quartierladenbesitzer den Einzug eines Discounters. Er weisst, dass die Stammkundschaft die Qualität bei ihm schätzt, aber trotzdem wird der Discounter auf seine Kosten einen Umsatz machen grin

  • Tomas

    mira: Physikerin? echt jetzt?

    Ich war letzte Woche am Zukunftstag mit meinem Sohn in CERN, und die Frauen die ich da sah wirkten irgendwie ziemlich normal smile

  • Thomas

    Ich bin nicht paranoid. ich sehe einfach genauer hin. bestimmt hast du recht, dass wir weiter sind als viele Staaten. Doch sollten das nicht unsere Vorbilder sein. Die haben ihr system bereits an die wand gefahren (Griechenland) oder werden es noch tun (frankreich).

    Und nein die SNB hat keine Gewinne mit der Euro UNTERgrenze gemacht, zumidest nicht bis zum letzen quartalsbericht. Ich weiss nicht woher du das hast. Gewinne wurden auf dem Gold und auf den UBS Papieren gemacht. Nun ist es mir eigentlich egal ob gewinn oder Verlust. Das Risiko ist entscheidend. Die schweizerische Nationalbank hat ihre Bilanzsumme relativ weiter aufgeblasen als die amerikansiche. Das ist keine Verschwörung, sondern realität. Es ist auch realität, dass alle die noch etwas geld auf dem Konto haben, kalt enteignet werden.

    Und weisst du eigentlich was die SNB mit den EUR kauft? Deutsche Staatsschulden…
    http://www.welt.de/finanzen/article113119137/Die-Schweiz-wird-Europas-groesster-Hedgefonds.html

    Aber zurück zum Prostitutionsverbot: eine Schweinerei gegen die ich mich wehre…Gruss

  • Tomas

    Naja, mich erstaunt es jedesmal, dass man irgendetwas was von der Schwarzer kommt überhaupt ernsthaft diskutiert.
    Die Frau, die jegliche Penetration zur Vergewaltigung erklärt hat und selbst nie in einer heterosexuellen Beziehung gelebt hat soll allen normalen Menschen Vorschriften machen, was rechtens ist?
    Man sollte die alte verwirrte Schachtel endlich sich selbst überlassen und auf ihre “Ideen” gar nicht reagieren.
    Falls es nicht klar ersichtlich ist: was sie schreiben ist so selbstverständlich wie einmaleins, beschämend ist eher dass es notwendig ist solche Beiträge zu publizieren.

  • The Damned

    Genau so ist es! Und ich weiss sehr genau, von was ich spreche. „Ich halte Prostituierte für egoistisch. Sie erwecken den Eindruck, dass jede Frau käuflich ist“, sagte kürzlich eine Vertreterin der deutschen Femem, Klara Martens. Diese Aussage ist verräterisch: Es geht also im Kern gar nicht um Prostituierte oder gar um den Schutz der Prostituierten, sondern um eine Ideologie.

  • The Damned

    Hm, also der Vergleich mit dem Discounter ist irgendwie saugut, stimmt: Konkurrenz sieht man / frau nicht so gerne :o) Und weibliche Revierkämpfe sind nicht ganz ohne. Gut, wir Männer sind da nicht unbedingt sehr viel besser. Mann sollte sich vielleicht einmal überlegen, das eigene Revier analog zur Tierwelt abzubrünzeln… Was Prostituierte in die Isolation treibt, ist aber genau das: Das Doppelbödige. Und genau so entsteht so etwas wie ein Milieu: Das Milieu ist nämlich nicht nur eine, oh, Verzeihung für den veralteten Begriff: Subkultur, sondern auch ein menschlicher Bezugsrahmen für alle Beteiligten. Es ist deren Normalität, man ist unter sich, weil es ‘draussen’ niemanden gibt, der einem normal und vorurteilsfrei begegnet. Und genau so etwas waren früher auch die Zuhälter: Eine Vertrauensperson. Zumindest die einen von ihnen. Aber das ist lange her. Als man noch unter sich war. Und die Hells Angels ihr Headquarter an der Langstrasse hatten. Und der Pontiac Trans Am (bis Bj. 1978) das Mass der Dinge war… Kein Vergleich zu all dem Gesocks, das heute unterwegs ist, Romazuhälter und dergleichen mehr. Saupack!

  • andreas

    die gruende sind vielseitig und es gibt so gut wie KEINE gesellschaft OHNE prostitution, nach der geschichte hat sich auch die ehe aus der prostitution entwickelt. sex gegen einen vorteil, essen, schutz, einen platz, nicht alleine sein usw, die vorteile sind vielseitig. und seit es geld gibt eben gegen geld wo man sich die vorteile besser aussuchen kann. und nicht zu ueberheblich sein, pinguine haben sex gegen steine, und affen sex gegen futter.

  • marie

    die ehe hat sich definitiv NICHT aus der prostitution entwickelt andreas. aber unter gew. umständen lassen sich parallelen manchmal nicht leugen.

  • mira

    @Tomas
    Hahaha, die frauen wirken nicht nur normal, sondern die SIND normal smile

  • Ihr NMatame

    Was an der fiktiven Unterhaltung noch fehlt, ist die Antwort eines Mannes am Tisch, der sagt, dass ihm das Globe nicht gefalle, er viel lieber ins New Life gehe, da die Atmosphäre ihm dort besser gefalle und auch die Frauen!

  • Daniel

    So seh ich das auch.

  • ursi

    und warum gibt es prostituierte…..
    weil die ganze Gesellschaft einfach nur krank ist….

  • marie

    wie sieht denn eine gesunde gesellschaft aus?

  • The Damned

    Stimmt, Ihr NMatame: Den Mann habe ich vorsichtshalber einmal ausgespart. Also da würde doch recht viel Stimmung aufkommen, wenn alle plötzlich so offen wären! Vielleicht würde die Ehefrau ja noch darauf hinweisen, dass es in Kenia, der DomRep oder in Brasilien noch ganz andere Sehenswürdigkeiten gäbe, als die bereits hinlänglich bekannten… wink

  • Tomas

    marie, es geht nicht darum, unter welchen Aspekt man etwas stellt. Stellen sie es doch wie sie wollen. Das die Beziehungen immer einer Art Ökonomie unterliegen ist dennoch einfach eine Tatsache – oder glauben sie vielleicht auch noch, dass wenn jemand einen Rabatt gewährt, dass er ihnen etwas schenkt? grin
    Dabei ist es natürlich im Idealfall so, dass alle Beteiligten das Gefühl einer einigermassen ausgeglichener Bilanz haben, dass sie für ihre Inputs auch genügend zurückbekommen. Das ich damit auf beiden Seiten nicht notwendigerweise Geld meine, haben sie hoffentlich verstanden.
    Wer in einer Beziehung lebt, in der er oder sie gefühlsmässig auf die Dauer immer draufzahlt, ist entweder permanent unglücklich, oder bleibt nicht lange. Und ja, typischerweise empfinden Frauen bei Trennungen vor allem seelische Defizite, die sie den Männern auf pekuniere Art und Weise in Rechnung stellen – sofern sie dies dank unseren vorsintflutlichen Gesetzen können. (Du hast mich ja sooo verletzt, also wirst du jetzt bluten du Schweinehund) An diesem Mechanismus bemerkenswert ist nur die Tatsache, dass es nur in einer Richtung funktioniert. Verletzte Gefühle eines Mannes, sofern vorhanden, gehen à Fonds perdu – unsere Gesetzgebung sieht kein Mechanismus vor, sie entsprechend vergolden zu lassen wie es bei Frauen der Fall ist. Als Verlierer fühlen sich dann dennoch sowieso beide.

  • marie

    wäre ich ein mann mit ihrer einstellung, würde ich mir einen hund zulegen und keine freundin. und würde regelmässig zu prostituierten gehen.
    aber das ist ja egal, weil bei ihnen ja ökonomie über alles geht.

  • Tomas

    Hmm, marie. Überlegen sie lieber, was wohl für sie als Frau in ihrem Leben vielleicht anders wäre mit solcher Einstellung.
    Bei mir führte sie komischerweise zum genauen Gegenteil ihrer Vision: zusammengezählt war ich kaum ein paar Monate im Leben ohne eine Frau oder Freundin – auch dann, als ich es überhaupt nicht angestrebt habe.
    Aber sie haben Recht: das Konzept Hund und Prostituierte ist sicher für viele Männer gar nicht so schlechte Lösung. Man zahlt alles direkt und transparent in dem Moment, wenn es gebraucht wird, muss sich nicht den Kopf mit Dingen zerbrechen wie “tue ich meiner Freundin mindestens so gut, wie sie mir?”. Man muss nicht rätseln, was man für sie tun kann, wenn es ihr nicht so gut geht, weil sowas bei den Nutten nie ein Thema ist: die sind immer nett, was übrigens auch für die Hunde gilt.
    Ist es aber ein Zufall, dass gerade einsame Frauen sich so häufig mit Katzen / Hunden umgeben? Eines der schönsten Models die ich kenne hat nach drei Ehen und drei abgezockten Ehemännern schliesslich eine Station für streunende Hunde in Spanien aufgebaut, als der Kandidat für die Rolle des Ehemannes Nummer vier irgendwie ausgeblieben ist…

  • The Damned

    “Wie kann das sein, dass alle so eine klare Meinung zum Thema Prostitution haben? Ist es nicht eher menschenunwürdig, an der Supermarktkasse für nichts zu arbeiten? Muss man nicht erst mal alles ändern, bevor man die Prostitution abschafft?”

    FAZ: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/prostitution-tun-sexarbeiterinnen-ihre-arbeit-gern-12667719.html

    Sehr lesenswert, sehr denkwürdig, sehr richtig. Ausser man befürwortet Billig(st)arbeiter. Und die soziale Ausweglosigkeit. Weil sie dann alles ist, was zurückblebt, wenn die Prostitution verboten wird. Gut möglich, dass das moralisierend durch die Lande ziehende Empörungsbürger anders sehen. Wie zum Beipiel eine Frau namens Alice Schwarzer. Ach ja, die hat neulich gründlich aufs Dach bekommen. Von Huren. Und von Sozialarbeiterinnen. Dabei wollte sie nur ihr neues Buch vorstellen:

    http://www.n-tv.de/panorama/Halt-die-Klappe-Alice-article11736506.html

  • Fuzzy

    Ja warum gibt es seit Menschengedenken Konkubinen und Prostituierte? Weil Frauen in einer festen Beziehung nach kurzer Zeit, wenn sie ihr Ziel erreicht haben, keine Lust mehr haben und ihr Geschlechtsteil als Waffe und Druckmittel einsetzen um ihre kleinen Vorteile zu erreichen. Deswegen heucheln sie auch meist den Orgasmus vor. – Männer sind leider mehr von Ihrem Sexualtrieb gesteuert. Von der Natur zur Fortpflanzung und Erhaltung der Art so vorgesehen. – Nur deshalb kauft man(n) sich Sex oder MUSS es tun!

  • Tomas

    mira: eine falsche Wortwahl meinerseits, mea culpa – für mich sind auch die Prostituierten normal, zumindest alle die ich kenne.
    Ich wollte wohl eher mein Erstaunen darüber zum Ausdruck bringen, dass eine Physikerin ähnlich gesellschaftlich stigmatisiert sein könnte wie ein Freudenmädchen.
    Meinen sie so etwas wie bei der Amy Farrah Fowler? grin
    Ich würde bei ihr aber andere als berufliche Gründe suchen – sollte die Frau zufälligerweise wirklich attraktiv sein, würde ihr Beruf und Intelligenz bei ihrer Wahrnehmung keine Rolle mehr spielen, behaupte ich mal wild drauf los grin

    Man könnte eine interessante Versuchsanordnung überprüfen, nämlich den Stigmatisierungsgrad einer sich prostituierenden Physikstudentin untersuchen.

    Damned, ich denke dass wir Männer kein Problem mit dem zugeben einer Kundenbeziehung zu einer Prostituierten haben, solange wir unter uns sind. Sobald eine Frau dabei ist, ändert die Situation weil wir wohl vermuten, dass eine potentielle Partnerin mit der Tatsache Mühe haben könnte und wir sie nicht unnötig abschrecken wollen.

  • Tomas

    marie, Ehe und Prostitution sind zwei Seiten der gleichen Münze. Es ist derselbe Business, nur die Tarife unterscheiden sich leicht. Und da die Ehe wie wir sie kennen wohl erst später entstanden ist, kann ich die Sichtweise von Andreas nachvollziehen. Hingegen halte ich alle Aussagen die die verbindung “kranke Gesellschaft” beinhalten für inhaltslos.

  • Nadine Gautschi

    Was mich an der ganzen Diskussion stört, ist dass sich die Einstellung in der Gesellschaft wandelt. 20% der männlichen Bevölkerung benutzen Prostituierte und es scheint so, dass mit Sexboxen und desgleichen ein “ganz sauberes Gewerbe” geschaffen wird.
    Dem ist aber nicht so: Frauen werden unterdrückt, ausgebeutet und gehandelt… kaum eine wäre Prostituierte hätte sie die Wahl.
    Es ist und bleibt NICHT OK für Sex zu bezahlen. Prostitution ist keine Dienstleistung und Frauen keine Waren!

  • The Damned

    Ja, Frau Gautschi: Glaueb Sie denn, Frauen hätten per se ein Anrecht auf eine ‘freie Wahl’ in beruflichen Dingen? Wenn sie nicht müssten, dann würden sie… ja was würden sie denn? Deren Männer und Söhne müssen sich ja auch prostituieren hier in der Schweiz- und zwar zu Tiefstlöhnen auf dem Bau oder im Bereich der Unternehmensdienstleistungen (Facility Management u. dergl. mehr)! Ja aber, höre ich sie jetzt sagen: Den eigenen Körper an tausende von Männer verkaufen… das ist keiner vernünftigen Fraue, ja, eigentlich gar keiner Frau zuzumuten: Dabei wird man depressiv und nicht selten entwickelt man dabei auch eine grosse Affinität zu Suchtmitteln aller Arten. Das stimmt sogar! So. Und jetzt empfehle ich Ihnen einmal auf die erw. Männer zu schauen, da im Tiefbau (beim HB ist neulich ein Lohnskandal aufgefallen: Polen zu Hungerlöhnen unterbieten als Contract-Worker die hiesigen Löhne!). Die gehen sehr häufig mit einem kaputten Rücken oder kaputten Gelenken in Frühpension, werden invalid oder werden aus preislichen Gründen sonstwie abgeschoben. Ein Blick auf die SUVA-Statistiken wirkt in diesem Zusammenhang geradezu heilend, was das Schicksal vieler Frauen im Milieu anbelangt. Ach ja, und was ich noch sagen wollte: Die Frauen und Töchter dieser Männer warten zuhause auf die allmonatliche Banküberweisung. Er ist ja schliesslich im Ausland. Zum schaffen sind sie da. Die Männer, meine ich. Nicht wahr? Ich weiss beim besten Willen nicht, wie man in der Prostitutionsdebatte davon ausgehen kann, dass viele Frauen es nicht freiwillig tun. Niemand arbeitet freiwillig, denke ich. Ich finde es auch nicht OK, nein: NICHT! OK!, dass Männer weit unter GAV-üblichen Bedingungen und Löhnen ihren Körper verschleissen müssen, wirklich nicht, nein..!

  • marie

    wer seine beziehung(en) unter dem aspekt der ökonomie stellt, wird sich am ende bei beziehungsversagen immer ausgenommen wie eine weihnachtsgans fühlen. was entsprechende posts (hauptsächlich von männern) auch immer wieder beweisen.
    und auffassungen, die von ihrer abweichen, sind ohnehin egal, oder habe ich sie letzthin falsch verstanden?

  • marie

    ich hätte sex mit einem indifferenten mann. das wäre das einzige, was anders wäre. darauf kann ich aber mittlerweile sehr gut verzichten, da zu oft erlebt. und meine einstellung kennen sie gar nicht.
    da ich prostitution als arbeit erachte und ich darauf wert lege, arbeit und privat möglichst zu trennen, was übrigens professionelle prositutierte konsequent praktizieren (alles andere wäre unprofessionel), liegt es wohl in der natur der sache, dass man bei diesem thema diesen aspekt in einer gelebten beziehung möglichst draussen haben will.

  • Tomas

    Marie, es ist für mich bei ihrer Intelligenz immer wieder erstaunlich, dass sie in diesem Thema so hoffnungslos falsch liegen. Wie schon unzählige male hier also nochmals: Geld ist nur eines der vielen Währungen, mit denen die Ökonomie der Beziehung läuft. Man kann es tatsächlich nur aufs Geld reduzieren, dann bleiben andere Bereiche auf der Strecke, und die Konsequenz ist meistens tatsächlich ein Singledasein mit Zufallsbekanntschaften ohne Dauer. Das geht sogar ganz ohne Geld: wenn man attraktiv ist, findet sowas wie ein Attraktivitätstauschhandel statt. Nur, solches Setting funktioniert naturgemäss nicht ewig, wie sie wissen. Man kann also gewiss meinen, solange ich in der Migros für die Ware zahlen muss, kaufe ich nichts ein und bleibe single, aber sogar dann müssen sie sich dem System unterordnen.
    Es ist völlig irrelevant, ob sie damit jetzt einverstanden sind oder nicht – wenn sie meinen, die Gesetze der Beziehungsökonomie betreffen sie nicht, tönt es wie wenn sie versuchen sich der Gravitation zu entziehen in dem sie sie nicht anerkennen smile
    Lustig smile

  • The Damned

    Natürlich macht die Ökonomie vor Beziehungen nicht halt, wie das Thema ‘Gratisarbeit’ beweist, eine immer wieder gerne wiederholte, feministische Legende, die sich offenbar nur auf Paarbeziehungen anwenden lässt- aber nicht auf Singlehaushalte, in denen genau genommen ja auch jeden Tag ‘Gratisarbeit’ geleistet wird, wenn nach einem harten Arbeitstag zuhause noch gekocht, abgewaschen und geputzt werden muss. Die Feministinnen sind also mitverantwortlich, wenn aus Beziehungen ökonomische Modellrechnungen erstellt werden. Sie sind die eigentlichen Initiatorinnen der wachsenden Ökonomisierung sämtlicher Lebensbereiche: Aufwand und Ertrag, Kosten und Nutzen, mehr kennen diese Frauen offenbar nicht. Aber das ist dann wahrscheinlich die gute Ökonomie. Und die Männliche natürlich die Schlechte, was denn sonst..? Ich bin für die Ökonomisierung: Ich will die Kostenwahrheit sehen. Alles andere ist weibisches Geschwätz.

  • The Damned

    Freiwillig bin ich allerdings nicht für die radikale Ökonomisierung: Aber die derzeitige Scheidungsgesetzgebung zwingt uns Männer geradezu, uns neu zu orientieren. Dumm können nur die dastehen, die sich nie ernsthaft darüber Gedanken machen. Vor dem Scheidungsrichter zählen nur noch Zahlen, Franken und Rappen. Alles andere ist Beilage. Dieser Realität muss Mann sich stellen: Die Vaterrolle ist zu einem der risikoreichsten, männlichen Lebensentwürfe überhaupt geworden. So wie bisher kann es nicht mehr weitergehen, vor allem auch unter dem Aspekt, dass in der Geschlechterdebatte mit z. T. gänzlich realitätsfernen Konzepten und Prämissen gearbeitet wird, woran nicht zuletzt auch die Männer schuld sind, die sich, zumindest bis dato, vor allem durch ihr unerklärliches Schweigen bemerkbar machen. Schlimmstenfalls haben wir es bei der aktuellen Scheidungsgesetzgebung mit social engeenering zu tun, wie Katharina einmal angemerkt hat. Gut, dann braucht es eben auch hier Korrekturen!

  • marie

    @the damned
    was sie hier beschreiben, sind ökonomische verhältnisse, die manN und frau gemeinsam klären müssen. ich gehe davon aus, dass solche themen in festen beziehungen besprochen und immer wieder thematisiert werden. das sollte zumindest die regel sein.
    ich bin mit ihnen sogar in den meisten punkten einig. ich rate frauen auch immer eigenes geld zu verdienen und möglichst im job zu bleiben. und wer grips hat soll sich ausbilden und entsprechend verdienen, um eine familie selbständig ernähren zu können, sollte irgendetwas passieren. es braucht nicht einmal eine scheidung zu sein. es kann auch eine schlimme krankheit oder ein schwerer unfall sein; daran denkt nämlich niemand. tomas meint aber eine andere art der ökonomisierung. im volksmund spricht man noch gerne vom “geben und nehmen”.
    @tomas
    dieses geben und nehmen funktioniert aber nur, wenn grundlegendstes absolut genuin vorhanden ist, interesse und neugierde. man könnte sogar von altruismus sprechen. und ich weiss, das sprechen sie frauen ja noch gerne ab. ein anlächeln ist nach ihrer vorstellung nur mit einer gegenleistung verbunden. da gehen bei mir die alarmglocken los!  und genau aus diesem grund habe ich mich von diesem beziehungsmarkt vor jahren verabschiedet. weil ich schon damals wusste, dass ich spätestens mit 40 das verfallsdatum (ihr stichwort: attraktivitätstauschhandel ) überschreiten würde. rein prophylaktisch sozusagen, da ich nicht mehr mithalten kann. und plan b und/oder einfach eine schlechte alternative für irgend so einen typen will ich nicht sein. ich lebe gut damit und fehlen tut mir auch nichts. und verpassen tue ich auch nichts, ausser eben einen indifferenten mann und ich habe keine musse mehr irgendeine show abzuziehen, um das interesse eines solchen zu wecken, bin schliesslich kein teenager mehr, wie sie wissen.

  • The Damned

    Danke, dass Sie mit mir in den meisten Punkten einig sind, marie. Was mein Buch anbelangt: Es ist praktisch fertig geschrieben. Ein Verlag hat sich bereits lobend geäussert. Ich glaube, es ist dringend an der Zeit, den gesamten Geschlechterdiskurs auf komplett neue Beine zu stellen, und zwar einen, der nicht nur Geschlechtsteile zum Thema hat, sondern die übergeordneten Entwicklungen, als da wären der tiefgreifende Strukturwandel unserer Volkswirtschaften, der Wandel auf dem Arbeitsmarkt und die jeweiligen Lebenswirklichkeiten, in denen die Menschen jeweils stecken. Klar ist für mich, dass zur Zeit eine Perspektive dominiert, die überwiegend von gut bis sehr gut ausgebildeten- und verdienenden Frauen aus der Mittelklasse vertreten wird. Nur so zur Information: Hierzulande verfügen gerade mal 15 Prozent der Bevölkerung über einen tertiären Bildungsabschluss. Es kann nicht sein, dass Familien / Paare mit einem Haushaltseinkommen von 200’000+ Franken Familien und Paaren, die nur 80’000 Franken verdienen, vorschreiben, was gut für sie ist! Wünschen Sie mir Glück bei der Verlagssuche wink

  • marie

    klar drücke ich ihnen die daumen. und ich bin sehr gespannt – lassen sie es irgendwie durchblicken, wie das buch dann heisst… sie müssen sich ja nicht outen, wenn sie nicht wollen.

  • The Damned

    Ich bin etwas erstaunt über ihre Aussage zum ökonomischen Aspekt einer Beziehung, marie: Die Partnerwahl vieler Frauen basiert nicht zuletzt auch auf ökonomischen Kriterien (verdient er genug, hat er Status?). Nun wo Männer langsam ebenfalls langsam damit beginnen, ökonomischer zu denken, geht die Rechnung plötzlich nicht mehr auf. Fühlen sich viele Frauen ertappt? Ich möchte jetzt nicht auf all die Studien hinweisen, die beweisen, dass Geld bei der weiblichen Partnerwahl eine nicht gerade untergeordnete Rolle spielt.

  • marie

    hab kurz pause, deshalb kurz und knapp:
    wenn sie ihr leben auf studien oder gegenstudien ausrichten, dann sind sie selber schuld. mir gehen solche studien ehrlich gesagt am arsch vorbei, denn da mitzumachen hinterlässt nur verbrannte erde. hier noch einmal deutsch und deutlich:
    beziehungen sind nicht selbstverständlich. heute ist jeder selbst verantwortlich für sein unglück. oder verpflichtet zum glück. wenn früher jemand keinen partner gefunden hat, war das schicksal, so sah man es selbst und die umwelt auch. heute versagt man im lebens- oder liebesmanagement. …die theorie der ökonomie, die selbst nicht vor beziehungen halt macht, gibt sich perfekt und vergisst dabei, dass der faktor mensch, aufgrund der eigentlichen bedürfnissen, nicht berechenbar ist, nicht perfekt wie eine mathematische formel. deshalb gibt es keine allgemeingültige studie, schon gar nicht in beziehungsfragen. nur für ökonomisten, denn eines ist ganz sicher und verdammt praktisch in der ökonomie: wenn gerät kaputt, alt, ausrangiert (usw) gibt es ein neues.
    und ich bin keine prostiuierte, sonst würde ich nicht um den mindestlohn kämpfen! dann wäre ich eine domina, die ausschliesslich klassisch dominiert – ein zweig in der prostitution übrigens, der floriert und preislich gegen oben offen ist.
    wenn es aber bei euch funktioniert, dann gratuliere ich von herzen. bei mir hat es sich nicht bewährt.

  • marie

    und ach ja, je mehr ich solche posts in beziehungsfragen lese, desto mehr bin ich von meinem entschied überzeugt, single zu bleiben.
    …so itze wieder a d seck… schönä sunntig!

  • Reto B.

    Hmmm, der Discountervergleich ist irgendwie reizend. Ich hab mir noch nie überlegt, dass die Abneigung einer Frau den Prostituierten gegenüber ist, dass sie etwas anbieten, was ihren Lebensunterhalt angreift, respektive ihr wichtigstes Druckmittel gegenüber ihrem Mann untergräbt. Ist man auch sauer auf den Psychologen oder den Pfarrer, wenn der Partner oder die Partnerin dort seine Seele ausschüttet und nicht mehr bei der grossen Liebe. Der grosse Unterschied ist doch, dass eine Beziehung meisten einvernehmliche sexuelle Monogamität voraussetzt. Die Antworten einer Prostituierten finde ich weniger schockierend als die Aussage eines Mannes (insbesondere eines Mannes in Beziehung), dass er eine solche frequentiert. Das ist für mich irgendwie immer ein Zeichen von “Schwäche”, dass er eine Beziehung nicht ordentlich auf die Reihe bekommt. Mir hat schon eine Bekannte berichtet, dass sie als Prostituierte gearbeitet hat. Der obligate “Schock” kam zwar, allerdings habe ich danach einige gute Antworten auf Fragen bekommen, die mich schon ein Weilchen interessiert haben. Ich bin nicht der Meinung, dass sie eine “schlechte” Frau ist und denke auch nicht schlecht von ihr. Es war ihr Weg, für den sie sich auch nicht schämt.

  • Reto B.

    Bis ins frühe Mittelalter gab es verschiedene Eheformen. Eines dieser geregelten Eheverhältnisse war die Muntehe(Munt = Schutz). Dabei ging die Frau aus der schützenden Gemeinschaft ihrer Sippe in die ihres Mannes über. Der Mann zahlte dafür den Muntschatz, eine vorher festgelegte Ehegabe die sich nicht jeder leisten konnte. Somit war diese Form der Ehe in erster Linie höheren Bevölkerungsschichten vorbehalten. Über eine solche Verbindung entschieden die Sippen. Dabei standen wirtschaftliche, machtpolitische und soziale Gründe im Vordergrund.

    Eine weiter verbreitete Eheform war die Friedelehe. Diese Art der Ehe war weniger bindend und bat der Braut weniger Schutz. Sie war nicht standesrechtlich, es gab keine Verlobung und auch keine Trauung. Sie wurde lediglich durch die Heimführung der Braut und die Hochzeitsnacht besiegelt, bei der Zeugen anwesend sein mussten. In der neueren Forschung wird allerdings gezweifelt, ob es diese Eheform wirklich gab.

    Am wenigsten verbindlich war die sog. Kebsehe. Das Wort leitet sich ab von „Kebse“ (Nebenfrau). Diese „Eheform“ bestand zwischen einem Freien und seiner Sklavin oder Magd. Der Freie hatte dabei die absolute Verfügungsgewalt über seine Sklavin. Er konnte sie jederzeit zum Geschlechtsverkehr zwingen oder heiraten.

  • Reto B.

    Und zum eigentlichen Usprungspost. Die Welt, wie ich sie sehe: irgendwo, tief im Mann schlummert der Wille und der Drang, seinen Samen weiterzugeben. Darwinistisch gesehen ist er genetisch verankert, da diese Männchen sich am ehesten fortpflanzten. Wille und Einverständnis des Weibchens war dabei eher zweitrangig. Nun, Woyzeckmässig sind wir ja nicht alle wilde Tiere, der entwickelte Geist ist stärker als der Trieb, man(n) tut (zumindest meistens) was richtig ist, und nicht, worauf er eben gerade Lust hat. Nun ist aber nicht eben jeder Mann damit gesegnet, so zu sein, dass er eine tolle Frau findet, die mit ihm in die Kiste hüpfen will. Wer nun davon ausgeht, dass all diese Männer diesen Fakt einfach hinnehmen, der unterschätzt die “kranke Gesellschaft” gewaltig. Es ist in meinen Augen eine Wohltat für diese Männer, dass es Frauen gibt, die ihnen über den Umweg – harte Arbeit – Geld – die Möglichkeit geben, trotzdem Sex zu haben. Ich will mir nicht vorstellen, was die Alternativen wären, gäbe es diese Möglichkeit nicht. Das mag in gewissen Augen verwerflich sein, es gibt Nutzniesser, die sowohl als auch konsumieren, aber diese Frauen tun in meinen Augen viel für den sozialen Frieden. Gewiss – viele Männer würden auch ohne je Sex zu haben friedlich bleiben. Aber die “kranke Gesellschaft” würde seine Ventile finden, und von denen ist eine geordnete Prostitution in meinen Augen nicht das schlimmste.

    Also es gilt nicht die Prostitution generell zu bekämpfen, sondern, den Zwang, den Menschenhandel, die Stigmatisierung und die rechtliche und soziale Absicherung.

  • Tomas

    marie, ich versuche generell niemandem etwas abzusprechen. Wenn es dennoch so rüberkommt, spielen da wohl gewisse empirische Vorgaben im Hintergrund mit.
    In einem haben sie aber Recht: mit der Zeit ist sowohl Mann wie Frau immer weniger bereit an der eigenen Lebensart etwas zu ändern. Und das führt zwangsweise dazu – weil die Beziehungsökonomie halt trotzdem die Spielregeln vorgibt – dass man sich eher dreimal als zweimal überlegt, ob die interessante Dame gegenüber es wirklich Wert ist, Platz in meinem Leben einzunehmen. Ich weiss schon lange, dass ich null Bock darauf habe nur wegen einer Partnerschaft mich grundsätzlich an fremde Lebensweise anzupassen, und so geht es wohl den meisten auch. Man hat inzwischen erkannt, dass die Nähe zwar etwas wunderbares sein kann, sie aber nur dann funktioniert, wenn man sich praktisch ohne Abstriche gegenseitig toll findet, wenn nicht nur Persönlichkeiten, sondern auch die Lebensgewohnheiten, Lebensprioritäten, Familiensituation und vieles mehr sich absolut wiederstandslos ergänzt. Und ja, dann kommt noch das körperliche dazu – es ist ein Unterschied, ob ich eine Bekanntschaft für die angebrochene Nacht suche, oder für die nächsten zwanzig Jahre. Je mehr ich darüber nachdenke, desto unglaublicher scheint es mir, wenn dann doch noch auf einmal alles stimmt. Ich glaube, ich muss mal wieder Blumen für meine Freundin kaufen gehen.

    Es gibt da aber neben dem Hund/Nutte Konzept noch ein anderes, das ich erwähnenswert finde. Mein Vater hat vor Paar Jahren als über siebzigjährig nochmals – zum dritten mal – geheiratet. Dazwischen gab es noch einige Lebensabschnittspartnerinnen, aber nun, sagt er, könnte es ziemlich definitiv werden. Seine Frau ist eine um ca 15 Jahre jüngere Elitejournalistin, und sie leben in einem Haus, aber in zwei verschiedenen übereinanderliegenden Wohnungen zusammen. Sie treffen sich zum Essen – mein Vater kocht, sie putzt dann die Küche. Sie schauen gemeinsam Fern – jeder in seiner Wohnung, weil er die Lautstärke lieber etwas mehr aufdreht – aber währenddessen diskutieren sie telefonisch über das gesehene. Es ist für mich faszinierend diesem Modell zuzuschauen, gerade weil sie einen so zufriedenen Eindruck machen grin

  • Tomas

    Habe gerade einen interessanten Artikel gelesen, das sich mit der Theorie von Professor Gavrilets aus Knoxville beschäftigt, die das entstehen der Monogamie untersucht – ein Thema das mit dem hier direkt zusammenhängt grin

    Demnach haben irgendwann Frauen erkannt, dass nicht der Testosteron- vollgepumpte Super- Alfamännchen die beste Wahl für sie ist – der wird sie nämlich im Handumdrehen verlassen um die nächste flachzulegen – sondern die eher auf den zweiten Blick interessanten Männchen das Rennen machen sollten. Sie sind dankbar für die Aufmerksamkeit und kümmern sich besser um das Nachkommen grin Ausserdem, Muskeln kann man sich antrainieren, IQ aber nicht, daher die Vorliebe für kluge Köpfe.

    http://www.stylist.co.uk/life/sergey-gavrilets-human-sexual-evolution-monogamy-and-pair-bonding-study-results#image-rotator-1

  • Carolina

    Falls Sie es noch ertragen können: heute abend ist das Thema bei Maischberger in der ARD, inklusive Auftritt von Alice Schwarzer…. Eingeladen sind auch (ehemalige) Prostituierte.

  • Tomas

    http://www.derbund.ch/kultur/diverses/Ein-Verbot-untergraebt-die-Autonomie-der-Sexarbeiterinnen/story/27949140

    Ich mag es, wenn man etwas derart unaufgeregt und sachlich besprechen kann.

  • Karla

    reda, sehr verdienstvoll, Dein Einsatz auf der Emma-Seite, aber da wird man weggesperrt oder als Maskulist oder als Frau als hörige Idiotin gebranntmarkt, wenn man gegen den Irrsinn des Prostitutionsverbots ist. Dein Kommentar ist in spätestens 12 Stunden weg. Wobei ich Prostitution nicht für einen supercoolen Job halte und genug unterschichtig sozialisiert bin, um zu wissen, welchen Status man auch als “Sexarbeiterin” in bildungsfernen Schichten hat. Aber das ist nicht der Punkt. Legalisierung ist wichtig. Wobei mir die zunehmende Kommerzialisierung von Sexualität allerortens wahnsinnig auf die Nerven geht.

  • HaWeHa-KLÉÉNEX3000

    Prostitution zu verbieten ist lebensfremd bzw verlogen (FREIWILLIGES Angebot ist IMMER da, vordergründigstes Motiv: GELDGIER)
    Es ist das Selbstbestimmungs-RECHT jedes erwachsenen Mernschen, deren eigenen Körper auf diese oder jene Weise ANZUBIETEN.
    Hätte ich das Sagen, ich wäre geneigt, drakonische Strafen für Zuhälterei (= FREMD-Bestimmung über Person = Sklavenhaltung) zu verordnen, würde dieses Ansinnen aber zuvor noch mit Experten besprechen.

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