Clack

Das Prinzessinnen-Syndrom

Catherine und Charlene: Nicht nur adelige Gefährtinnen, sondern ständig im Vergleich mit Ikonen.

Von Nina Toepfer

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Das Prinzessinnen-Syndrom hat uns wieder. Besser wohl: immer noch. Schaut man auf das «Newsweek»-Cover, von dem uns Diana, Königin der Herzen engegenblickt, auf fünfzig modelliert, denn so alt wäre sie heute, dann sieht das Syndrom geradezu unbewältigt aus. Ausgerechnet «Newsweek»-Chefredaktorin Tina Brown, Biografin der Prinzessin von Wales, lässt ihren streckenweise absurden, streckenweise anrührenden Artikel darüber, wie Dianas Leben heute aussehen könnte, so illustrieren. Oder ihr Magazin auf diese – wie man leicht finden kann: geschmacklose – Weise verkaufen.

Natürlich geht es beim Prinzessinnen-Syndrom um Glamour und grosse Geschichten. Grössere zumindest als der eigene Alltag so hervorbringt. Denn wenn Prinz William und seine Frau Catherine gerade zum Staatsbesuch nach Kanada aufbrechen, werden die Untertanen vor Ort zwar instruiert, dem Prinzen weder einen Hockeyschläger zu schenken (könnte als Waffe missverstanden werden), noch ihn nicht als Rockstar zu begrüssen (Kreischen unnötig). Aber ansonsten gibt es Drachenboot-Rennen für das royale Paar und einen Kochkurs – schliesslich wollen der Thronfolger in Wartestellung und seine Frau einst ohne Dienerschaft auskommen, so hiess es zumindest einmal, Erfindung vorbehalten. Das ist freundlich, irgendwie nachhaltig und sehr verhältnismässig: «Jugendlicher Aktivurlaub» überschrieb die «Süddeutsche» denn auch ihren Artikel über den Staatsbesuch. 

Vor der Hochzeit hatte man die Grössenverhältnisse befragt: Würde Kate die neue Diana? Derweil gerade jetzt auf einer anderen Hochzeitsbühne – Charlene Wittstock und Prinz Albert von Monaco – ähnliches geschieht, nur mit neuen Vergleichsgrössen. Auch hier kennen wir nun die Details um Kleid (Armani), Gäste (von Lagerfeld bis Desmond Tutu), Champagnermarke (Perrier Jouet). Auch hier, so bereichtet «The Daily Beast» – die übrigens mit der «Newsweek»-Website zusammengeschlossen ist –, von der «anderen königlichen Hochzeit», jene des Prinzen Albert und von seiner Braut Charlene, «die Garce Kellys Zurückhaltung und Glamour und Prinzessin Dianas Leidenschaft für wohltätige Arbeit mit Kate Middletons (vergleichwese) bescheidener Herkunft verbindet».

Modisch betachtet habe es die einstige Schwimmerin aus Südafrika geschafft, sich in eine moderne Grace Kelly zu verwandeln, heisst es weiter. Es klingt, als sei es die grössere Herausforderung gewesen als es die Französisch-Lektionen sind, die sie immer noch nimmt. «Vogue» soll Charlene erklärt haben: «Grace Kelly hat eine Verbindung zwischen Monaco und der Filmwelt geschaffen. Und ich möchte starke Bande zwischen Monaco und der Gemeinschaft der Mode knüpfen.»

Warum lesen wir das? Warum wollen wir das alles wissen? Geht es um Business, um Rollenbilder, um Märchenträume, um Klatsch und Voyeurismus? Ist adelige Gefährtin heute schlicht ein Beruf, den man heute ernster nimmt als eine Generation zuvor? Oder können wir ganz einfach von den Geschichten der perfekten und tragischen Mütter nicht lassen?

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