Clack

Das Jahrzehnt der Implantate

Während heute weniger Fett abgesaugt wird, bleibt der Trend zur Brustvergrösserung ungebrochen.

Von Annett Altvater

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Plastische Chirurgie hat inzwischen fast den Stellenwert eines Friseurbesuchs. Früher undenkbar, darf man inzwischen sogar drüber reden. Doch nach den Boomjahren, in denen sich halb St. Moritz mit Gummireifen-Lippen ausstatten liess, scheint die Lust am Schnippeln und Spritzen abzunehmen, zumindest in den USA : In den letzten zehn Jahren wurde 43 Prozent weniger Fett abgesaugt als zuvor, Nasenkorrekturen gingen um 35 Prozent zurück, Augenlidstraffungen um 36 Prozent. Beim Face Lifting betrug der Rückgang 16 Prozent.

Die Arbeit geht den Schönheitschirurgen dennoch nicht aus, zumal immer mehr nicht invasive Eingriffe wie Botox oder Haarentfernung durch Laser die Hemmschwelle deutlich reduziert haben.

Das Gemetzel auf dem OP-Tisch mag also weniger geworden sein. Wir müssen uns nicht mehr unters Messer legen, um ein paar Falten loszuwerden. Doch für unsere Brüste nehmen wir Narkose, Skalpell und Verband nur zu gern in Kauf, womit die Plastische Chirurgie weiter Boden gut macht: Allein in den USA liessen sich im vergangenen Jahr 300’000 Frauen die Brüste vergrössern. Die Nachfrage nach Implantaten stieg im letzten Jahrzehnt um 40 Prozent.

Wenn knochige Models einerseits für magersüchtige Teenager verantwortlich gemacht werden, die flache Brust als neues Stilideal ausgerufen wird, andererseits trotzdem fleissig Melonen an Frauenkörper geschraubt werden, dann lässt uns das in einem Dilemma zurück: Wir können niemanden für unseren Wunsch nach mehr verantwortlich machen.

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