Clack

Das Bad-Boy-Syndrom

Der Quotenmann stellt sich die Frage, was durchschnittlich intelligente, attraktive Frauen immer wieder zu egozentrischen Idioten zieht. Und warum sie sich nette Männer wie asexuelle Kuscheltiere halten.

Von Réda Philippe El Arbi

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Eines hab ich nie wirklich verstanden: Wieso stehen so viele Frauen auf Bad Boys? Was macht die Anziehung von tendenziell gewalttätigen, kriminellen, egozentrischen oder einfach nur unreifen Männern aus? Männer, die sich nicht um die Bedürfnisse ihrer Partnerinnen kümmern, die mit Anderen schlafen, sich prügeln, zu viel saufen oder Drogen nehmen. Männer, deren Ego der Mittelpunkt ihrer Welt ist?

Und kaum haben hat sich eine attraktive, normalerweise intelligente Frau sich einen dieser Wölfe geangelt, versucht sie, ihn zu einem Schosshund zu erziehen – und verzweifelt dann daran, dass es nicht funktioniert. Zu Beginn erliegt sie seiner wilden Energie und wundert sich dann, dass er weder an der Partnerschaft arbeiten, noch sich in irgendeiner Weise verbindlich festlegen will. (Lesen Sie auch: «10 Warnsignale dafür, dass eine Partnerschaft bald Schiffbruch erleidet».)

Das betrifft übrigens nicht nur den Bad Boy, auch andere Männertypen – wie zum Beispiel Karrieristen – fallen in dieses Muster. Eine Frau sucht sich einen Mann, der beruflich sehr erfolgreich ist, seine Identität nur aus seiner Arbeit generiert und genug verdient, um gemeinsamen Wohlstand zu garantieren. Dieser Typ Mann ist aber oft egoistisch genug, um über Jahre alles in seine Karriere zu investieren, hält sich in seinem Job für ungeheuer wichtig und opfert Freizeit und oft Freundschaften, um seine berufliche Position auszubauen. Natürlich wird er das nicht bleiben lassen, um in der Familie präsenter zu sein, sich mit den Kindern abzugeben und an einem gemeinsamen Leben mitzuarbeiten.

Dann gibts noch die kreativen, dramatischen Typen. Künstler, die ihren Bauchnabel für das Zentrum des Universums halten und denken, die Welt habe auf ihren kreativen Output gewartet. Die werden dann von ihren Musen durchgefüttert und bemuttert. Aber auch die sind eigentlich nur egozentrisch und für eine Beziehung nicht zu gebrauchen.

Natürlich suchen sich die unglücklichen Damen einen netten Freund (der natürlich heimlich in sie verliebt ist), bei dem sie sich ausheulen können, mit dem sie aber nie ins Bett gehen würden. Einer der sie in den Arm nimmt und sie wieder aufbaut. Bis sie genug Energie getankt haben, um wieder zurück ins Bett ihres Bad Boys zu kriechen. Natürlich, um sich dort wieder Scheisse behandeln zu lassen. (Lesen Sie auch: «Die Pornstar-Falle»)

Liebe Damen, wieso suchen Sie sich nicht einen liebevollen, sozialen Mann, der Sie auch nach Jahren noch aufmerksam liebt, der sich nicht nur auf Facebook-Bildern mit den Kindern zeigt und der sich auch dann als Teil eines Teams versteht, wenn Sie ihn nicht dazu zwingen? Es gibt sie wirklich! Sie sehen vielleicht nicht aus wie Johnny Depp, haben keinen Managerlohn und wahrscheinlich werden Sie sich nicht hollywood-mässig in ihn verlieben. Aber nach ein paar Jahren würden Sie ihn gegen Nichts auf der Welt gegen einen egozentrischen Bad Boy oder einen anderen aufregenden, gefährlichen, erotischen Beziehungsspastiker eintauschen wollen.

Réda Philippe El Arbi ist Mitinhaber der Kommunikationsagentur SeinSchein, Autor, Geschichtenerzähler, Stadt-Blogger bei Züritipp/newsnet.ch, Haustiersitter und war kurze Zeit Herausgeber des Zürcher Satiremagazins «Hauptstadt».  Er schreibt, weil er nicht anders kann.

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Quotenmann


Kommentare

  • Sgt Klinger

    Bin immer gern am lesen von Dir, Reda, bitte weiter so. Sogar im clack… aber auch im Züritipp
    Nur zum Ästli…. “einer der letzten Auffäligen” wär korrekter, was am Flöru Bad Boy sein soll kommt bei mir nicht so rüber. Haben wir wirkliche Bad Boys? Wer? Sagt jetzt aber nicht Göla, der ist nur tapeziert und das macht noch laaaange kein Bad Boy

  • Stefan Keller

    Schöner Text, Reda! Ich frag mich ja manchmal als Mann, ob das Umgekehrte auch mal eine Überlegung wert wäre: Dass Männer eine Super-Zicke lieben, obwohl sie von der ständig aufs Dach bekommen.  Scheint mir noch häufiger verbreitet zu sein als das Bad-Boy-Syndrom – oder was meint ihr?

  • Birgit Dechmann

    wer ist denn der auf dem Photo? Der unbegabte Graffiti-Künstler, den man auch noch durchfüttern soll?

    Oder der nette, der Tiere und Frauen liebt und heimlich hofft, dass sie ihm seine Jeansjacke bügelt?

  • Nathalie

    Ich kenne beides. Und beides ist unverständlich. Schon deshalb, weil doch eigentlich niemand gerne aufs Dach kriegt, oder irre ich mich? Aber die Frage könnte man gleich weiterspinnen: Wieso erziehen Eltern ihre Kinder nicht und lassen sich von ihnen wie Dreck behandeln? Ich glaube, es ist ein Prinzip, dass sich durch’s Leben zieht. Als junge Frau darf man sich in einen Bad Boy verlieben, das sollte sich im Alter aber legen, finde ich. Heiraten tut man einen Bad Boy auf keinen Fall, Kinder haben mit ihm schon gar nicht. Sofern der IQ etwas höher als der eines Schluck Tees ist, sucht man sich eben den richtigen Partner. Den für’s Leben. Nicht den für den Versöhnungs-Sex.  Die grosse Leidenschaft mit krassen Höhen und Tiefen hat mit echter Liebe nämlich nicht viel zu tun.

  • Regine Götz

    Genau. Bloss: Wo sind die anzutreffen,  diese sozialen, netten Mannen, das ist doch die gute Frage. Scheinen äusserst rare Wesen zu sein. Und wenn frau dann mal einen antrifft, sich dann auch noch in ihn zu verlieben, das wäre dann wie der 6er im Lotto. Leider kann man die Verliebtheit, genau wie z.B. Hunger oder Verdauung so verdammt wenig beeinflussen. Warum die Natur uns aber so einrichtet, dass wir auf diese testosterongeschwängerten Idioten reinfallen, hell, das wüsste ich auch gerne….

  • Animaxima
  • Albert Baer

    Etwas evolutionsbiologisches Wissen:
    Die menschliche Spezies ist biologisch ein Zwitterwesen von “Tournament” und der “Pair Bonding” Spezies.
    Tournament Spezies:
    Grosse phänomenologische Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen. Die Weibchen kümmern sich alleine um den Nachwuchs. Männchen wollen Sex mit möglichst vielen Weibchen. Weibchen bevorzugen dominante Männchen.
    Pair-Bonding Spezies:
    Weibchen und Männchen sind sich sehr ähnlich. Männchen und Weibchen kümmern sich um den Nachwuchs. Weibchen bevorzugen Männchen mit guten Aufzuchtfähigkeiten (z.B. Futtersuche). Weibchen gehen öfters fremd und lassen den Vater mit den Kindern sitzen.

  • Albert Baer
  • sandra

    ja bitteschön wo sind sie denn, diese sozialen Männer, mir begegnet jedenfalls keiner!
    Im Gegenteil, ich steh nun gar nicht auf diese Bad-boys……..aber verdammt, ich kenne
    nur egoistische, selbstverliebte hoffnunglose Fremdgänger………

    schade…..

  • Marija N.

    Ich finde beide Männertypen attraktiv. Das einzige was ein Mann für mich nicht sein darf, ist dumm! Nur ist ein “Badboy bzw Badman” nicht umbedingt dumm, wenn wir hier nicht von 25 Jährigen Gangstern sprechen, die nicht gemerkt haben, dass die Sekundarschulzeit vorbei ist.
    Oft spricht man bei einem Frauenschwarm von einem Badboy, der vieleeee Affären hat und nichts an sich vorbei gehen lässt, dabei kann man bei einer solchen Person trotz den Frauen ja nicht auf einen schlechten Charakter schliessen.
    Ich kenne einen Mann, den man durch und durch als Badboy bezeichnen kann, die absolute Verkörperung eines Frauen verführenden, ziemlich selbstverliebten Players, trotzdem mag ich den über alles und falls ich ein gravierendes Probelm hätte, würde ich ihn um Hilfe bitten. Ich kann es keiner Frau verübeln, dass sie auf diesen Mann steht und ihm “verfällt”! Badboys werden vielleich nie treue Ehemänner sein, aber sie haben doch auch einige gute Züge. Was ich nicht verstehen kann, wieso man diese Leute ändern will, ich mag diesen Mann, weil er so angstlos wirkt und so viel Selbstbewusstsein hat, das pure Gegenteil von mir, wäre er nicht so, wäre er evt ein potentieller Partner, aber für mich bei weitem kein so spandender Freund (im Sinne von Kollege) und Psychologe mehr.

  • Evelyne

    Wo findet man diese netten Männer? Ich möchte nichts pauschalisieren, wage aber zu behaupten, dass die Chance auf einen Treffer an Ortschaften höher ist, wo Woody Allen bestimmt KEINEN Film drehen würde – also ab aufs Land! Als Städterin besass ich zu wenig Vorstellungskraft, um in einem ländlichen, bünzligen und eher konservativen Mann den perfekten Liebhaber und Lebenspartner zu vermuten. Seine Brusthaare sind heisser als Chuck Norris, und all diese Stadthipsters scheinen im Vergleich noch mitten im Entwicklungsprozess der erweiterten Adolesenz zu stecken.

  • Julia

    Würde so einem liebevollen, sozialen Mann gerne einen Platz in meinem Herzen einräumen,  bedauerlicherweise scheint aber genau diese Spezies Mann immer schon an die Superzicken vergeben zu sein…

  • miriam

    An alle Maenner:  “Natürlich suchen sich die unglücklichen Damen einen netten Freund (der natürlich heimlich in sie verliebt ist) <——- ist das wirklich so?!

  • Réda Philippe El Arbi

    Wenn sie es zugeben würden, öiefen sie Gefahr, nicht mehr so nahe an die Angebetete heranzukommen.

  • Sohn des Mars

    An alle Damen, die angeblich noch nie so einen Mann getroffen haben… überlegen Sie sich mal, ob es jemals einen Mann gegeben hat, dem Sie gesagt haben, sie hätten gerne einen Freund der so ist wie er – und den Sie unter gar keinen Umständen in Ihr Bett gelassen hätten. Wenn Sie sich an so jemanden erinnern können, dann ist Ihnen diese Sorte Mann schon begegnet.
    Ich jedenfalls kannte einige Frauen, die mir solche Sachen immer wieder sagten, nur um dann zu ihrem Arsch zurückzukehren, über den sie sich bei mir ausgeheult haben. Dass aus ihr und mir nichts werden konnte lag stets daran, dass “wir doch Freunde sind und es schade darum” wäre – als würden sich Freundschaft und Beziehung gegenseitig grundsätzlich ausschliessen.

  • Thomas

    Flöru ein Bad Boy? DER war gut 😀

  • Thomas

    beides gibt es wohl in etwa gleich oft. Davon leben dann die dating-plattformen …

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