Clack

Der Stress mit den Business-Beziehungen

Netzwerke gelten als Schlüssel zum beruflichen Erfolg. Eifrige Online-Netzwerker können aber auch nerven und der professionelle Umgang ist eine echte Herausforderung. Clack hat dazu Tipps und einige Fragen.

Von Seraina Mohr

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Die Abendveranstaltung ist vorbei, die Visitenkarten getauscht und am nächsten Tag kündigt das Mail auch schon drei Anfragen an. Der Gesprächspartner, mit dem man sich einen halben Abend lang durch den beruflichen Small-Talk gekämpft hatte, will sich vernetzen, via Xing, via LinkedIn und auch noch auf Facebook. Als Tribut für einen Abend ist die volle Aufnahme ins Online-Netzwerk gefordert und das von einer Person, die eine Zufallsbekanntschaft ist, deren Name in einem Monat wohl ein grosses Fragezeichen provoziert und von der komplett ungewiss ist, ob sie je beruflich interessant sein könnte.

Ignorieren, ablehnen oder annehmen – das sind die Fragen, die sich im Zusammenhang mit sozialen Netzwerken stellen. Experten raten in dem Fall zum Vernetzen, denn schliesslich hat eine reale Begegnung in einem geschäftlichen Kontext stattgefunden und damit eines der wichtigsten Kriterien für die Aufnahme in ein soziales Netzwerk erfüllt. Andere nehmen ohnehin mal jede Anfrage an. Man weiss ja nie! Die Frage ist noch: In allen drei Netzwerken oder doch eher nur auf den beruflich relevanten Xing und LinkedIn? Das kleine Beispiel zeigt: Das Management der Online-Beziehungen ist mittlerweile zu einer wahren Herausforderung im Berufsleben geworden.

Einerseits wird gerade Frauen seit Jahren die Wichtigkeit von Netzwerken gepredigt und Online-Netzwerke scheinen gegenüber Businessclubs und Militär für sie besonderes geeignet. Die Vorteile, die liegen auf der Hand: Keine mühsame Suche nach aktuellen Adressen, keine peinlichen Anrufe mehr, weil die gesuchte Person längst die Stelle gewechselt hat und dann erst noch ein übersichtlicher Blick auf das Beziehungsgeflecht und damit Stoff für gezielte Gespräche über gemeinsame Bekannte. Ausserdem ist das Online-Vernetzen äusserst effizient. Im Gegensatz zu den Offline-Netzwerken entfallen Pflicht-Termine, die gerade berufstätige Mütter oft an den Rand des organisatorischen Kollapses bringen.

Virtuelle Beziehungspflege ist anstrengend 

Doch auch die schöne neue Netzwerkwelt kennt ihre Tücken. Insbesondere die zunehmende Vermischung von beruflichen und privaten Kontakten ist eine Herausforderung, der sich kaum jemand entziehen kann. Bis vor zwei, drei Jahren gestaltete sich das noch einigermassen einfach. Für das berufliche Netzwerken war Xing die klare Nummer eins in der Schweiz. LinkedIn ist in den letzten Jahren aber ebenfalls gross geworden und so ist die Präsenz in beiden Netzwerken längst der Normalfall. Das Vernetzen ersetzte vielfach einfach den Tausch der Visitenkarten und befriedigte in einem kleinen Land wie der Schweiz die Neugier, weil die aufgezeigten Verbindungen zu anderen Kontakten ziemlich aufschlussreich sind und zahlreiche Verknüpfungen offen legen. Online Netzwerke haben damit einen grossen Pluspunkt, da sie das sichtbare Netzwerk schnell vergrössern und transparenter machen (vgl. dazu auch den Artikel Richtig Netzwerken)

Freund, Kollege oder Bekannter 

Facebook markierte in den Anfängen die Gegenposition: die privaten Kontakte. Freunde waren dort gefragt und die Trennung zwischen beruflich und privat auch netzwerkmässig perfekt. Lange dauerte die Idylle jedoch nicht. Firmen gesellten sich dazu, die man mögen sollte, Facebook entwickelte sich zunehmend zum Hub für alle Internet-Aktivitäten und die Trennung zwischen beruflich und privat wurde trotz technischer Hilfe etwa so hoffnungslos wie der Versuch arbeitender Eltern, in Zeiten der Dauererreichbarkeit eine ausgeglichene Work-Lifebalance hinzubekommen. Google+ hat die offensichtlichen Mängel von Facebook im beruflichen Kontext schnell korrigiert und erlaubt eine Aufteilung in verschiedene Kreise je nach Grad der Bekanntschaft. Eine Einteilung, die mittlerweile auch von Facebook kopiert wurde. So weit so gut, in der Praxis macht dies das Leben nicht einfacher, denn die Frage stellt sich nun: Ist jemand ein Freund, ein Kollege oder ein Bekannter – und wo bitteschön ist die Grenze? Das Umteilen und Managen der Beziehungen kostet ausserdem Zeit, die besser in persönliche Kontakte gesteckt wird.

Digitale Knigge helfen weiter 

Die Problematik ist anerkannt und die ersten digitalen Knigges sind in den letzten Jahren entstanden. Publiziert wurden sie mit Vorliebe von Unternehmen, die selber in hohem Masse vernetzt sind und ein Interesse daran haben, dass sich ihre Mitglieder und Mitarbeitenden einigermassen korrekt verhalten.

Zu den ersten die ausführlichen Rat publizierten gehörte die deutsche Telecom mit der eigenen Website eetiquette.de. 101 Leitlinie wurden in den hauseigenen Labs und mit Hilfe von zahlreichen Nutzern erarbeitet und Online aber auch in Buchform publiziert. Mit Tipps wartet auch der Deutsche Knigge Rat auf , mit einigen Extra-Anmerkungen für den beruflichen Kontext: Er spricht sich gegen aufdringliche Werbung und für geistreiche Empfehlungen aus. Zudem mahnt er zu Weitblick und appelliert daran, nur Dinge zu posten, die auch in Zukunft noch gut für die Reputation sind. 

Die wichtigsten Erkenntnisse für den beruflichen Kontext hier auf einen Blick:

Sie dürfen Anfragen ablehnen. Am besten mit einer sauberen Begründung, die höflich die eigenen Kriterien für ein Netzwerk definiert, etwa nur Personen, denen man schon persönlich begegnet ist. Auf Xing gibt es dazu sogar Mustertexte in Deutsch und Englisch.

Sich mit den Arbeitskollegen auf Facebook vernetzen soll sein  – auch wenn Ihnen einige publizierte Bilder auf Facebook peinlich sind. Firmen, in denen die Mitarbeiter mehr voneinander wissen sind innovativer, wie das Magazin «Wired» festhält – das gilt es zu nutzen und den Peinlichkeiten zu trotzen.

Lieber Ablehnen als später explizit aus dem Netzwerk schmeissen. Das sogenannte «Defrienden» ist insbesondere auf Facebook nach wie vor ein unangenehmer Akt. Deshalb gilt es, lieber von Beginn weg wählerisch zu sein, als im Nachhinein zu büssen.

Ignorieren geht auch, respektive Aussitzen. Ignorieren ist eine feste Währung beim Netzwerken und als Button auch vorhanden. Eine Absage ist ehrlicher, ignorieren menschlicher.

Duzen oder Siezen – das ist speziell bei Facebook keine Frage. Das ist eine Herausforderung für Unternehmen, eine Herausforderung im Berufsalltag wird es dann, wenn man den eigenen Chef, der eher formell unterwegs ist, nicht zu ignorieren wagte. Bei den explizit beruflichen Netzwerken wie Xing wird eine adäquate Anrede erwartet. 

Löschen erlaubt. Visitenkarten kann man wegwerfen, Kontakte löschen. Ergibt sich aus einem losen Kontakt keine nähere Bekanntschaft oder hat man schlicht vergessen, wieso der eine oder die andere sich ins Netzwerk verirrt hat, darf man einen Kontakt auch löschen. Denn eine gewisse Qualität geht selbst in sozialen Netzwerken vor Quantität – es sei denn, Sie sind in der Politik aktiv.

Es ist möglich, rein virtuelle Kontakte zu pflegen – allerdings nur dann, wenn es ein Geben und Nehmen ist. Gegenseitiges Vorstellen, Schreiben von spannenden Posts oder auch ein Treffen im realen Leben, das reichert die Beziehung an. Reale Treffen werden von Xing längst in vielen Untergruppen sehr erfolgreich lanciert. Am Tag danach sind die Vernetzungsaktivitäten in den einzelnen Gruppen jeweils hoch.

Ob im Netzwerk nur Leute Platz haben, denen man schon einmal persönlich begegnet ist, das entscheidet jeder selbst. Die Qualität des Netzwerks bestimmt sich nicht aus der schieren Menge, doch der persönliche Kontakt sagt auch nicht immer viel über die Qualität aus. Dennoch sollte der Nutzen von sogenannten «weak ties» nicht unterschätzt werden. Manchmal erweisen sie sich als unerwartet wertvoll und die Spielplatz-Bekanntschaft wird im Berufsleben plötzlich wichtig. Da wäre es schade gewesen, auf einer Trennung zu beharren. 

Einige offene Fragen bleiben und da sind wir dankbar um die Intelligenz der Masse, respektive ihr moralisches Gewissen. Wie machen Sie das?

  • Was genau ist der Unterschied zwischen Freunden, Bekannten und Kollegen? Wie wird das definiert und wann kann ich mit gutem Grund beleidigt sein?
  • Ist es sinnvoll, sich mit ehemaligen Arbeitskolleginnen und –kollegen zu vernetzen, auch wenn man diese am liebsten aus dem Lebenslauf tilgen möchte? Ist das ähnlich wie bei Ex-Freunden, dass die einfach zum digitalen Lebensarchiv gehören?
  • Ist es unanständig, auf Anfragen schlicht nicht zu reagieren, weil man spürt, dass massenhaft ähnlich lautende Anfragen versandt wurden?
  • Sollen Bekannte, die einen zweifelhaften Ruf geniessen, im Netzwerk Platz finden oder schadet das der eigenen Reputation?
  • Wieviele Kontakte sind zuviel?

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Kommentare

  • arséne

    yeah, bussiness-beziehungen managen, jetzt brauchen Sie uns nur noch zu erklären, wie ich meine career-opportunities challenge..

  • Marco

    Hach   die Zeit vergeht. Ich habe es mir inzewschin abgew hnt, jede Stadtratssitzung mitzumachen.Zumal au er Ank ndigungen nicht wirklich viel passiert. Auf Ver ffentlichungen wartet man vergebens. Es wird einfach nicht gemacht.

  • Valter

    Anne-Sophie sagt:Bitte! Bitte! Savon de marseille fioitunnnkert ohne Problem mit Duft habe ich nie probiert aber es sollte kein Problem sein. Ich mache immer kleine Menge. Die doppelte Menge habe ich noch nie probiert aber warum nicht! Mach und sag mir bescheid wie es gelaufen ist!