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Krieg zwischen den Zeilen

Die Sexismus-Debatte lässt grüssen! Der vortreffliche satirische Roman der Britin Annalena McAfee beleuchtet ein nicht so lustiges Thema: den Kampf zwischen jungen und alten Frauen.

Von Nina Toepfer

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«Zeilenkrieg» klingt zwar ein bisschen wie Zickenkrieg, aber das mag Absicht sein. In ihrem literarischen Debüt nimmt die britische Journalistin und Redakteurin Annalena McAfee («Financial Times», «Guardian») die Medien auf die Schippe. Dabei spielen zwei Frauen die charakterstarken Hauptrollen. McAfeees satirischer Blick gilt verschrobenen Redakteuren, verspielten Jungjournalisten, frohen Zeitschriftenmachern und den Klarsichtigen der unaufhaltbar aufkommenden, hoffnungslos unterschätzten ersten online-Ausgaben. Der Roman spielt Ende der 1990er Jahre.

Zwei Heldinnen treten sozusagen gegeneinander an. Sie verkörpern zwei Schulen: «Alter» Journalismus – Gedrucktes auf Papier, in Echtzeit recherchierte und vor Ort überprüfte, mit engagierter Ambition geschriebene Reportagen – versus «neuer» Journalismus – schnell und kostengünstig kompilierte Storys, die Vorliebe gilt personalisierten Geschichten, Leichtem und Lifestyle, alles präsentiert auf ständig neu alimentierten Informationsplattformen.

Gute Storys brauchen Glamour-Quotes

Zwei verschiedene Welten, die wenige Berührungspunkt haben. In «Zeilenkrieg» geraten sie so aneinander: Die junge Klatschreporterin Tamara Sim, üblicherweise unterwegs, um über Bad hair days am Fernsehen zu berichten und Konsumentenreports über Vibratoren zu liefern, soll ein Porträt der preisgekrönten 80-jährigen Kriegsreporterin Honor Tait schreiben, deren Reportagen aus Buchenwald, aus Korea, dem Nahen Osten sie berühmt gemacht haben. Es ist ein Auftrag aus heiterem Himmel und die Geschichte ihres Lebens: Gut geschrieben, so denkt Tamara, kommt endlich der Wendepunkt in einem hektischen Leben zwischen knappen Deadlines und noch knapperer Kasse, ernüchternder Perspektiven und schiffbrüchigem Liebesleben.

Honor Tait empfängt sie schon widerwillig zum ersten Gespräch. Aber ein Minimum an Pressearbeit muss sie leisten, um ihren neuen Band gesammelter Texte zu promoten (und damit die eine oder andere Rechnung zu bezahlen). Mit einer Mischung aus Misstrauen, Trotz und Herablassung bereitet sie sich vor. Das Interview endet im Desaster, es kommt sogar zu Tränen. Die Doyenne der Kriegsberichterstattung hat nur Verachtung übrig für die unbedarften Fragen des Mädchens. Diesem sind die überlangen Texte der Tait weder zugänglich, noch entsprechen sie ihrer Aufmerksamkeitsspanne. Vergeblich versucht Tamara, ein paar süffige Quotes aus der berühmten Reporterin zu quetschen – aus ihrem einst glamourösen Privatleben, in dem immerhin Frank Sinatra, Picasso und Marylin Monroe eine Rolle gespielt haben. Da würde sich Tamara auf sicherem Terrain bewegen, aber die Alte hat zugesperrt, da kommt nichts.

Nur: Ohne Retroschick, ohne Glamour-Quotes ist die gute Story in Tamaras Augen nicht zu machen. So greift sie zu unkonventionellen Mitteln, taucht unangemeldet bei der Grand Old Lady auf und stellt ihr nach. Was sich da zu offenbaren verspricht, scheint schon fast den Stoff zu liefern für die beste Geschicht überhaupt.

Nicht Geschlechter-, aber Altersgraben

Das ist Satire, also überzeichnet und amüsant zu lesen. Sie kippt natürlich ins Ernste und hat plötzlich mit uns zu tun. Die 80jährige, bestrebt, ihr Privatleben privat zu halten, macht es ihrer jungen Berufskollegin schwer. Zwar gibt es in der Schweiz offiziell keinen Generationenkonflikt. Aber zwischen den Zeilen doch ein paar gute Fragen. Blockieren die Babyboomer die Zukunft, fragte kürzlich die «Zeit». Im Dossier kamen da auch altersspezifische Argumente zur Sprache, etwa in der in der Sexismus-Debatte, die eine junge Journalistin in Deutschland losgetreten hat, als sie über die fragwürdigen Komplimente zu ihrer Körbchengrösse schrieb, die der deutsche FDP-Spitzenkandidat Brüderle ihr gemacht hat. Da habe sich, so die «Zeit», ein «neuer Graben» gezeigt: «Er verlief nicht zwischen den Geschlechtern oder den Parteien, er verlief zwischen Jung und Alt.»

Humorsache und Altherrenwitze standen damit also wieder zur Diskussion. Auch Kolumnist Harald Martenstein hat sich damit im «Zeit»-Magazin beschäftigt und stiess auf den Artikel einer jungen Journalistin in der in der «Emma» – darüber, wie man «feministisch flirtet»: Besser weniger auf ein bestimmtes Flirt-Objekt bezogen als darauf, möglichst eines der vielen Objekte zu ergattern – also wie das Klischee es eher Männern zuschreibt.

Dabei schien doch, dass sich alle von Alice Schwarzer (71, «Emma») bis zu Facebook-CEO Sheryl Sandberg (44, «Lean In», lesen Sie auch: «Das Pausenplatz-Syndrom») zumindest über eines klar sind: Frauen bauen auf den Errungenschaften ihrer Vorkämpferinnen auf. Die Errungenschaften der Mütter sind die Selbstverständlichkeiten der Töchter. Es ist auch keine Neuigkeit, an die Sandberg kürzlich in der «Sonntagszeitung» erinnerte: «In jeder Gruppe, die historisch diskriminiert wurde, tendieren die Ersten, die den Durchbruch schaffen, dazu, die Eigenschaften der Unterdrücker anzunehmen.»

Rat für Frauen? Derselbe wie für Männer!

Ein Roman muss sich ja nicht um gesellschaftliche Bestandsaufnahmen kümmern. In McAfees Geschichte sieht auch wenig nach Errungenschaften und Darauf-Bauen aus. Gesellschaftliches Engagement und historisches Basiswissen haben die 80jährige Pulitzer-Preisträgerin geprägt und sind der jungen Journalistin doch völlig fremd. Wenn sie im Roman einmal gefragt wird, welchen Rat sie heute für aufstrebenden Frauen im Journalismus mitgeben würde – gibt sie zur Antwort: Dasselbe wie jungen Männern im Journalismus. Was immer richtig klingt, aber man ihr nicht ganz abnimmt.

Aber dass das Leben nicht immer flott und politisch korrekt mitmacht, spielt auch im Roman mit. Tamara, die Junge, hat Witz, Talent und ein Medienstudium absolviert, aber sie muss sich mit kurzfristigen Engagements über Wasser halten, denn das Leben als «feste Freie» ist härter geworden. Honors Erfolge hingegen haben sie vor ihren Schwächen nicht geschützt.

Annalena McAfee hat in den Schriften von «vielen ausgezeichneten Journalistinnen» recherchiert, um ihre Figuren zu zeichnen. Dass sie die Satire für ihr literarisches Debüt gewählt hat, gleichzeitig ihre Heldinnen mit Sympathie zeichnet, ist vielleicht der grösste Gewinn. Satire muss beissen, heisst es zu Recht, das tut sie auch hier. Diese kann aber sogar mehr als das.

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Kommentare

  • Tomas

    m: da haben sie Recht, und es ist sicher auch nicht als Kompliment gedacht gewesen. Dennoch verstehe ich nicht, warum sie es auf sich beziehen. Ich habe – jetzt schon zum dritten mal – geschrieben, dass nur das Alter (“reife”) als entscheidend dafür zu machen greift wegen der vielen Ausnahmen nicht, bin selber mit einer befreundet und weiss genau was ich damit meine. Abgesehen davon, so wie ich sie kennengelernt habe sind sie alles andere als geschlechtslos, sie sind sich dessen bewusst, und sie sind sich dessen bewusst dass ich es mir bewusst bin.

    Also, warum in allen Gottesnamen wollen sie nur von der Tatsache dass es diesen Phänomen gibt unbedingt beleidigt sein, obwohl er sie nicht betrifft? Ich würde jetzt etwas vermuten, tu es aber nicht, da wären sie definitiv beleidigt grin

  • marie

    denken sie, es ist einfach, dem alltag so etwas wie würde abzuringen, wenn generationenkonflikte, die es schon immer gab und immer geben wird, mittlerweile sogar in einer buchrezension bei diesem thema zickenkrieg fällt? und es in den zusammenhang mit dem deutschen titel bringt? im original heisst das buch the spoiler, und da kann ich kaum irgendwie soetwas wie zickenkrieg entdecken – es geht im buch um journalismus von heute und gestern (moderne trifft auf antike soz.). und beim wort zickenkrieg, sind die herren ja immer gleich auf der matte und werden hämisch. …bei solchem kommt mir einfach nur die galle hoch. als ob der generationenkonflikt mit zickenkrieg zu tun hat.
    und ja, ich beziehe es auf mich: ich bin schliesslich auch nicht mehr jung, ich gehöre dem dritten geschlecht an, die ü40 (und es geht nicht ums aussehen! da bin ich sehr selbstbewusst.) usw und es gibt weitaus schlimmere unterstellungen…
    sie mögen es ja auch nicht, wenn sie permanent in den ü50 topf “alter sack kauft sich junges ding” geworfen werden. und auch sie haben keine lust, sich dauernd rechtfertigen zu müssen. sie mögen es ja auch nicht, wenn man ihnen vorschreibt wie sie sein müssen. sie mögen es auch nicht ständig der häme ausgesetzt zu sein.
    …menschlich halt, ganz menschlich.

  • Tomas

    m: ok.
    Das Problem ist nur, dass ich eigentlich nicht hämisch bin.
    Auch nicht, wenn ich über das, was ich “Zickenkrieg” bezeichne rede (und nein, ich werde jetzt nicht damit anfangen, um ihnen zu zeigen wie es ist, wenn ich es bin).
    Ich könnte jetzt noch etwas schreiben zu den mich betreffenden Beispielen die sie zum Schluss erwähnen aber vermutlich würde sie das auch nicht dazu bringen die Meinung zu ändern, also lassen wir es mal so stehen.

  • The Damned

    Die Frau ist der Frauen spinnefeind, soll Thomas Hobbes (Leviathan) einst gesagt haben. Oder so ähnlich wink

  • The Damned

    Ich halte unsere ganze Generation, also Männer und Frauen, für furchtbar lächerlich, verwöhnt und prätentiös, marie. Und was die Frauen anbelangt, da muss ich präzisieren: Es sind vor allem die zahlreichen Ü40-Xanthippen aus dem Medien-, Politik- und Kulturbetrieb, die mich mitunter huere verdammt hässig machen, also all die selbsternannten Frauenbefreierinnen vom Schlage einer Ines Pohl, Bascha Mika, Hanna Rosin, Silke Burmester, Ulrike Baureithel, Viviane Reding, Carmen Walker Späh oder Ursula von der Leyen! Mit den allermeisten Ü40-Damen aus meinem ganz persönlichen Umfeld kann ich ganz gut leben, gegen die habe ich eigentlich nix. Nur diese ‘alles Private ist politisch’-Trullas bereiten mir öppedie Kopfweh. Aber die sind ja zum Glück selten.

  • The Damned

    Vor unserer verqueren Generation (Golf, muahaha..!) warne ich sogar meine Tochter!

  • Tomas

    Frauen stellen für mich ab einem gewissen Alter sozusagen ein drittes, völlig unbegreiflich handelndes Geschlecht dar, das sich in fast allen Belangen völlig anders verhält als vor dem erreichen dieser magischen Grenze. Ich kann nicht sagen wann die Geschlechtsumwandlung genau eintritt, und auch nicht was die wesentlichen Umstände sind die es begünstigen, aufschieben oder verhindern. Ich bin erst dabei, meine eigene Theorie durch langfristig angelegte Versuchsanordnungen zu untermauern. Neulich habe ich aber in der Sendung “52 besten Bücher” auf DRS1 die Buchbesprechung zu “Quasikristalle” von Eva Menasse gehört, und es schien mir dass sie dem Phänomen dicht auf der Spur war.

    http://www.srf.ch/sendungen/52-beste-buecher/quasikristalle-von-eva-menasse

  • The Damned

    Das Phänomen nennt sich kurz und bündig Ü40 und lässt sich alle Tage immer wieder von Neuem bestaunen wink

  • marie

    ach jungs… könnte einiges dazu sagen, aber da ich eine ü40 bin, würdet ihr herren es ja nur kleinmachen, abkanzeln, den hormonen zuschrieben was weiss ich usw…
    *rolleyes*

  • marie

    vergessen anzufügen…
    könnte übrigens L O C K E R einiges über männer ü40 schreiben, was an und für sich auch nicht für euch sprechen würde wink …aber werft ruhig alles in den gleichen topf, ist zugegebenermassen am einfachsten und am überschaubarsten, das andere überfordert (achtung ironie).

  • The Damned

    Etwas anderes, als alle in einen Topf zu schmeissen, kommt uns auch gar nicht in den Sinn, marie, seien Sie unbesorgt: Der Topf ist schliesslich gross genug für alle wink

  • Tomas

    marie, lassen sie es mich so sagen: wir Männer, so scheint es mir zumindest,  wenn wir ein gewisses Alter erreichen, tendieren eher dazu die geschlechtsspezifischen Merkmale zu überakzentuieren. Auf Deutsch: wir machen den gleichen Seich wie die Jungen, nur mit etwas mehr Geld und weniger coolness. Dass dies belustigend wirken kann nehmen wir zur Kenntnis, ohne das es uns wirklich daran hindern würde weiterzumachen.

    Was ich mit meiner Bemerkung meinte war eher die Tatsache, dass die Frauen sich im Gegenzug zu uns Männern von der Mentalität der jungen Frauen eher zu entfernen scheinen, und zwar im Extremfall so gravierend dass ich eben von einem “dritten Geschlecht” rede. Was auch die Erklärung für die Zickenkriege zwischen jung und alt sein könnte, die aus männlicher Perspektive einfach nicht zu begreifen sind.

    Und schliesslich, es nur mit dem Alter generell zu erklären greift nicht, die Anzahl der Ausnahmen scheint mir dies zu widerlegen.

  • marie

    “es nur mit dem Alter generell zu erklären greift nicht,” …wie wahr, aber wie kurzsichtig von intelligenten männern, nicht mal im geringsten einen anflug von versuch, sich darüber gedanken zu machen, an was es liegen könnte!

    an euch beide: wenn ihr euch von ü40 frauen so abgestossen fühlt, dann ignoriert sie einfach! euer niedermachen empfinde ich als absolut zu tiefst verletzend und ihr wundert euch, dass wir wunderlich sind? unglaublich diese verbohrtheit.
    (sollten sie das buch gelesen haben, ich noch nicht, hab es aber mir nach der sendung, die ich auch gehört habe, vorgenommen, dann vermute ich SCHWER, dass sie tomas, wahrscheinlich nicht im geringsten den kern erfasst haben!)

  • Tomas

    m: ich glaube zu wissen, dass ich genau darüber geschrieben habe: dass ich mir Gedanken mache, was die Ursachen sein könnten. Ihre Meinung dazu wäre sicher interessant. Hingegen von “sich abgestossen fühlen” schrieb ich nichts.

    Wie ich schon an einer anderen Stelle schrieb, marie, bevor sie sich von einem Text verletzt fühlen, sollten sie ihn zuerst genau lesen. Ich vermute, dass sie in ihrer Antwort etwas verpackt haben, das vielleicht für jemanden anderen bestimmt war.

    Das Buch habe ich tatsächlich vor zu lesen grin

  • marie

    “dritten Geschlecht” …sie mögen klingonen?
    “reiferen” (oder älteren von mir aus) frauen das dritte geschlecht anzuheften, ist kein kompliment.

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