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Barbie debattiert über Hornbrillen

Vier Figuren aus «Mad Men», so der Plan, sollen die Barbie-Kollektion bereichern. Das bringt uns auf ein paar Zahlenspiele und auf die Vorstellung, wie wir in vierzig Jahren wohl als TV-Serie aussehen würden.

Von Clack-Team

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«Mad Men» in Barbie- und Ken-Format: Mattel plant zumindest einige Figuren, womit die Kultserie nun auch auf Puppenstufe angekommen wäre und eine wohl irgendwie ironische popkulturelle Verkörperung erreicht hätte. Kinder spielen mit allem und würden bestimmt auch Joan Holloway, Roger Sterling, Don und Betty Draper aus der Puppenkiste in ihre Spiele verwickeln. Macht ja nichts, dass sie seltsam angezogen sind. Wie man Drinks zum Lunch mixt und  pausenlos raucht, das muss man ihnen ja nicht gleich alles weitererzählen.

Zu Barbie und «Mad Men» und der Faszination für die Serie um die Werber von Madison Avenue der Sechziger Jahre gibt es ein paar interessante Zahlenspiele. Barbie, wie uns die «New York Times» vorrechnet, stammt aus dem Jahr 1959, die erste «Mad Men»-Episode spielt 1960. So gesehen sagen wir: Passt schon.

Die Koinzidenz fällt wohl auch ins «Gesetz der Vierziger». So könnte man «The Forty-Year Itch» nennen, den uns im «New Yorker» Adam Gopnik überzeugend darstellt: An vielen Beispielen zeigt er auf, wie erfolgreiche Serien und Filme immer wieder etwa vierzig Jahre zurückblicken.

Das heisst auch, dass in den verschiedenen Dekaden Produzenten und TV-Macher, in der Regel alles Fortysomethings, auf die Zeit kurz vor ihrer Geburt fokussieren. Als ihre Eltern jung und verliebt waren – das war doch, nebenbei, auch der unschlagbare Charme des Renners «Back to the Future». Wie auch immer, so bekommt die immer mal gestellte Frage, ob sich «Mad Men» mit den Sechzigern oder mit heute befasse, eine gute Antwort: mit beidem.

Aber mehr noch ist die Serie, so zeichnet es auch Gopnik, der Beginn einer anderen wunderbaren Vorstellung. Folgt man dem Gesetz, werden wir in vierzig Jahren uns selbst in einer Serie und als Barbie und Ken wieder begegnen.

Wie sehen wir bloss etwas überzeichnet aus? Stressgeplagte, die auf Bildschirme und i-phones starren, erschöpft herumhetzen und Yoga üben? Männer und Frauen, die versuchen, die Kindererziehung als Teamwork zu betreiben, über Rollenbilder streiten und sich die Tür in die Hand geben, um zur Arbeit zu rennen? Die debattieren über Hornbrillen, Flanellhemden, sanfte Kerle, beruftsätige Frauen, Mütter daheim und – so nannte man das damals: Schlampenmärsche? Fliegen mit Kerosin-betriebenen Flugzeugen in der Gegend rum und arbeiten ihren ökologischen Fussabdruck in den Ferien als Walforscherhelfer ab?

War ja nur so eine Idee. Wenn wir bloss den einen riesigen Vorzug der «Mad Men» auch mit rüberretten könnten: In jeder Lebenslage stilsicher anzezogen zu sein und umwerfend auszusehen.

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