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#Aufschrei: Was genau ist Sexismus?

Wir schreiben das Jahr 2013 – und Frauen werden im Büro und auf der Strasse täglich dumm angemacht und begrapscht, wie die aktuelle, auf Twitter lancierte Sexismus-Debatte zeigt. Doch wem nützen die Zeugnisse tausender Frauen wirklich?

Von Seraina Kobler

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«Wenn mir ein Mann aus dem Bus auffordernd die wackelnde Zunge entgegenstreckt, als wolle er mich küssen. #Aufschrei»

Tausende von Frauen schildern ihre alltäglichen Erlebnisse mit Sexismus. Seit letztem Freitag verbreitet sich der digitale Aufstand unter dem Hashtag #Aufschrei im Netz. In den ersten zwei Tagen wurden über 25 000 Tweets zum Thema verfasst. Ein wichtiges gesellschaftliches Problem hat innert weniger Stunden die maximale Sichtbarkeit im Internet erreicht.

Fertig mit den Herrenwitzen

Den Anstoss zur Debatte gab das Verhalten des deutschen FPD-Politikers Rainer Brüderle gegenüber einer «Stern»-Journalistin (Clack berichtete). Kurz davor schrieb eine «Spiegel»-Journalistin über den unverhohlenen Sexismus, der ihr in den Reihen der Piratenpartei begegnete. Seit die Online-Kommunikatorin Anne Wizorek den Hashtag #Aufschrei vorgeschlagen hat, um sexistische Erlebnisse zu twittern, scheint eine Art Schweigekartell gebrochen zu sein:

«Im Klub werde ich im Gedränge von hinten am Arm gepackt. Jemand drückt mir seinen erigierten Penis in den Rücken. #Aufschrei»

«Der Typ, der mir im Vorbeigehen auf offener Strasse zwischen die Beine griff. Ich war 15 Jahre alt und im Urlaub in Nizza mit Mutter und Oma. #Aufschrei»

«Gemeinsame Umkleidekabine in der Grundschule. Die Jungen glotzen, grapschen und lachen. Mühsam versuche ich mich umzuziehen. #Aufschrei»

«Du bist lesbisch? Dann hast du einfach noch nicht den Richtigen getroffen. #Aufschrei» 

Wuchtige Debatte: Was ist Sexismus?

Der weissrussische Publizist Evgeny Morozov hat 2009 den umstrittenen Begriff «Twitter-Revolution» erfunden. Bisher wurde er mehrheitlich bei den Aufständen rund um den Arabischen Frühling verwendet. Nun zeigt sich, dass die Sozialen Medien auch im bei uns politische Aufstände auslösen könnten. Doch die aktuelle Debatte ist mit Vorsicht zu geniessen, weil teils Äpfeln mit Birnen vergleichen werden. Kindsmissbrauch und sexuelle Übergriffe sind nicht dasselbe wie Sexismus. Zudem: Wer was als sexistisch empfindet, ist subjektiv. Während sich die Eine über ein anzügliches Kompliment freut, fühlt sich die Nächste bedrängt. Dennoch: Wo es ein Machtgefälle gibt, dort gibt es Sexismus. Wo die Grenzen liegen, muss jeder für sich definieren. Die Wucht, mit der die Debatte geführt wird, zeigt, dass viele Frauen zulange, stillgehalten haben. Sei es aus Unsicherheit oder Resignation. Nicht die Entgleisungen der Politiker sind bemerkenswert, sondern die Frauen die sich trauen in grosser Zahl über Erlebtes zu sprechen: 

«Der Chef, der die Sitzung für beendet erklärt, nachdem die Männer zu Wort gekommen sind. #Aufschrei»

«Wie ich mit mal früh morgens in den Wald ging und meine Mutter danach entsetzt war, weil ich mich mutwillig in Gefahr bringe. #Aufschrei»

«Betrunkener Radfahrer, der mich nachts auf der Strasse anquatscht und ausfragt. #Aufschrei»

«Ich bekam den Job nicht, weil ich sowieso bald schwanger werden und die Firma im Stich lassen würde. Weil Frauen das so machen. #Aufschrei»

Ob der Aufschrei wie andere Social-Media-Debatten im Internet verhallt? Kann sein. Muss aber nicht. Frauen und Mädchen haben ihr Schweigen gebrochen, das verschafft Zusammengehörigkeit. Vielleicht auch den Mut beim nächsten Mal zurückzugeben. Lärm zu machen.

Blöde Sprüche, Hände auf den Oberschenkeln – sexistisch oder nicht? Diskutieren Sie mit!

Und hier die Übersicht von Clack zu den besten Denkanstösse aus dem Netz zur aktuellen Debatte

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Feminismus Sexismus Sexuelle Übergriffe


Kommentare

  • alettoria

    Es wurde Zeit!!! Nicht nur der ursächliche Sexismus ist überfällig, sondern auch die Sprüche der (nicht: aller) Männer, die den Missmus der Frauen dann abwiegeln, verächtlich machen, oder mit “uns geht es auch nicht besser!” kontern. Und sehr aggressiv sind.

  • Christine kohlenberg Ihr Name

    Ja wo fängt es an …. die maennlichen Vorgesetzten die sich über das sexy Aussehen von weiblichen Angestellten unterhalten und man sitzt dabei…. Ab einem gewissen alter wird man ausgeschlossen weil man schwanger werden kann oder man bekommt Aufforderungen noch länger an der Bar zu bleiben …. Es ist eine feine Linie, aber es ist ein Thema.

  • The Damned

    Hier der mit Abstand beste Beitrag zu diesem ganzen, Postman’schen Brüderle-Sexismus-Medienhype-Komplex:

    https://www.freitag.de/autoren/katharina-schmitz/endlich-eine-neue-affaere/@@view#1359248000280486

    Da spricht eine Realistin und Menschenkennerin!

  • marie

    ich habe kein facebook konto und will auch keines lösen. na ja, ich lebe damit.
    der clack-redaktion ebenso einen schönen sonntag.

  • Detlev Crusius

    na ja. Die ganze Debatte ist an Albernheit kaum noch zu überbieten. Und wenn diese Meinung, meine Meinung, jetzt auch sexistisch ist, dann soll es eben so sein. Ich mag weder die (jetzige) FDP, noch den Herrn Brüderle. Aber tatsächlich scheint es ja um etwas ganz anderes zu gehen.

  • The Damned

    Was der Brüderle denkt und fühlt, weiss niemand: Wir sollten von Unterstellungen absehen, die sind der ganzen Diskussion alles andere als zuträglich.

  • The Damned

    Ich bin auf dreierlei gespannt: a) ob dieser ganze Medienhype tatsächlich in der Lage ist, etwas zu bewirken und b) was er denn genau bewirken wird, weil c) der gesamte zwischenmenschliche Bereich staatlich und juristisch nie in seiner ganzen Komplexität erfasst werden kann.

  • The Damned

    Und eine Bemerkung noch zum Schluss: Offenbar erträgt die Politik keine Privatheit mehr- das halte ich für eine sehr bedenkliche Entwicklung. Was da alles im Namen des Guten geschieht, na ja: Das ist eben der Fluch der guten Tat!

  • The Damned

    Erst wenn unser gesamtes Leben verstaatlicht worden ist, wenn jede Geste, jeder Blick, jede auch noch so kleine Bewegung staatlich normiert und gesetzlich erfasst worden ist, werden wir bemerken, wie erträglich und angenehm unser heutiger Alltag doch einst gewesen ist.

  • marie

    1. mir geht es nicht um staat, denn der staat kann herzlich wenig dagegen tun. mir geht es um anstand. und ja, ein mensch, der in der öffentlichkeit steht, hat werte glaubhaft zu vertreten und diese als öffentlicher mensch ebenso zu leben. und das geht bei politikern bis ins private. das ist der preis der macht und das soll mann/frau sich gut überlegen, ob er wasser predigen und wein trinken will.

  • marie

    2. die debatte war schon lange nötig und sollte endlich angegangen werden. schonungslos! im falle von brüderele die rolle der medien übrigens ebenso.

  • The Damned

    “Ich gehe so weit, zu behaupten, dass dem surrealistischen Rahmen der Fernsehnachrichten [Medien] eine Theorie der Anti-Kommunikation zugrunde liegt, die einen Diskurstypus propagiert, der Logik, Vernunft, Folgerichtigkeit und Wiederspruchslosigkeit preisgegeben hat. In der Ästhetik bezeichnet man diese Erscheinung zumeist als Dadaismus, in der Philosphie als Nihilismus, in der Psychiatrie als Schizophrenie.Die Theatersprache kennt sie unter dem Namen Varietė.”

  • The Damned

    Anschliessend zu meinem vorangegangenen Kommentar: Was der US-amerikanische Medienwissenschaftler Neil Postman schon vor über 30 Jahren vorausgesehen hat, ist nun Wirklichkeit geworden. Sinkende Auflagenzahlen (in diesem Falle vom “Stern”, genau: Das ist dieselbe Postille, die einst die Hitler-Tagebücher gefunden haben will!) werden diesen Prozess noch beschleunigen. Soviel zum Thema Medien.

  • marie

    …und doch bloggen wir wink soviel zu den medien.
    mein abschluss zu dieser heutigen debatte: wir kommen nicht drumherum, uns vermehrt mit begriffen wie anstand, benehmen und gegenseitigen respekt in der öffentlichkeit zu diskutieren. da ist es am einfachsten anzufangen. gibt aber am meisten zu tun, aber dieser aufwand lohnt sich, schon nur der nachkommenden generation zuliebe, denn die muss sich noch eine weile mit uns alten auseinandersetzen und die die hat die schnauze von uns langsam voll, mit recht wink

  • The Damned

    Soviel zu den Medien bloggen: Weil wir von ihnen so gereizt werden? Informiert werden wir ja schon lange nicht mehr- und wenn, dann nur noch selektiv. Ich mache kein Geheimnis aus meiner Freude an der Medienkrise: Die Medien sind im 21. Jahrhundert zu reinen Informationhehlern geworden. Was sie produzieren, ist nur noch Lärm.

  • marie

    1. was frau himmelreich passiert ist und in der presse beschrieben wird, ist sexuelle belästigung. sexistisch daran ist, dass herr brüderle aus einer priviligierten position heraus, sich dies anmasste, frau himmelreich auf ihre biologischen merkmale zu reduzieren, um sich als mann/männlichkeit zu bestätigen (man könnte es auch aufgeilen nennen). nun das hätte funktionieren können, wenn frau himmelreich nichts dagegen gehabt und mitgemacht hätte. hat sie aber nicht, da sie sich als journalistin (dies ist ein beruf!!!) dadurch nicht ernst genommen fühlte – bei einem journalist wäre wohl herr brüderle nicht darauf gekommen, den busen oder den schritt zu fixieren.

  • marie

    2. die grundlage des sexismus sind nach wie vor stereotypen, die davon ausgehen, dass frauen sowie männer ihre vorgeschriebene geschlechternorm zu verkörpern haben. die da wären u.a. bei der frau das schöne geschlecht, das schwache geschlecht, die fürsorgliche mutter, „geringere“ intelligenz (niedriger sozialstatus) usw. bei männern sind das u.a. die ernährerrolle, die überlegene kraft, ausgeprägteren durchhaltewillen (höherer sozialstatus) usw. man geht davon aus, dass diese haltung kulturell bedingt, institutionell verankert und individuell verinnerlicht ist. Manifest ist aber, dass seit geraumer zeit diese stereotypen wieder vermehrt zum zuge kommen.

  • marie

    3. ich beobachte ebenso vermehrt, dass diese themen bei der jüngeren generation weniger eine rolle spielt. und das ist gut so. nur wir “alten” haben das gefühl immer noch, diese stereotypen aufrecht zu erhalten. ich wünschte mir mehr selbstwertgefühl und eigenleben. niemand wird gerne klein gemacht und reduziert, nur damit sich das gegenüber aufwerten kann. wir “alten” sollten versuchen offen und selbstkritisch daran zu arbeiten und dabei den humor nicht vergessen. aber das bleibt wunschdenken meinerseits.

  • Tomas

    sie brauchen kein Facebook um sich hier zu registrieren.

  • Tomas

    2. Ich bin ein hoffnungsloser Fall, weil wenn die sexistischen Gründe, eine Frau anzusprechen, wegfallen würden, habe ich keinen Grund mehr, mich für sie zu interessieren. Mich interessieren Frauen gerade deshalb, weil sie Frauen sind. Dumm gelaufen.
    Ja, ich bin ein Sexist, und alle Männer die es nicht sind tun mir Leid.

  • Tomas

    Hmm, registriert oder nicht, es klappt nicht mit ihrem filter. Man kann keinen zusammenhängenden Satz bringen.

  • marie

    oder aber wir versuchen endlich privates vom öffentlichen zu trennen und fangen an, in der arbeitswelt aufzuräumen. denn das ist m.e. möglich. das öffentliche ist ja schliesslich nicht das erweiterte schlaf- sowie wohnzimmer.

  • The Damned

    Ich will jetzt mal ganz provokativ sein, wenn schon wieder von ‘Geschlechterstereotypen’ und dergleichen mehr geschwafelt wird: Wären Frauen nach 40 Jahren Emanzipation endlich einmal in der Lage, auf dem Gebiet der Balz selber aktiv zu sein, und den Mann ihrer Begierden anzusprechen, anstatt Mauerblümchenmässig darauf zu warten, bis der Traumprinz auf dem schneeweissen Schimmel sie anspricht, gäbe es auch weniger sexuelle Belästigung.

  • marie

    the damned: das ist privat und ist am schwierigsten aufzuräumen. ich finde, solange in der arbeitswelt nicht angefangen wird aufzuräumen, dann läuft auch privat nix.
    und unter uns: sie würden es auch nicht mögen, wenn eine frau, die sie als unattraktiv, alt und hässlich einschätzen, bei ihnen die initiative ergreifen und sie auch physisch anmachen würde. oder nicht? ganz ehrlich! ich mag’s auch nicht, umgekehrt.

  • The Damned

    Und wie stehen Sie zur Tatsache, dass sich viele Paare am Arbeitsplatz kennen lernen? Ich habe mich Frauen ggü. im Rahmen der gegebenen, gesellschaftlichen Konventionen immer korrekt verhalten. Werde ich in Zukunft zuerst einen Rechtsanwalt beiziehen müssen, bevor ich mich einer Frau nähern möchte? Ich habe noch das Glück, attraktiv zu sein. Aber was machen all die Männer, die’s nicht sind? Wird deren Umwerben in Zukunft einfach unter den Begriff der sexuellen Belästigung fallen? Mein Gott, bin ich froh, nicht für immer in Europa leben zu müssen: Das westliche Zeitalter ist vorbei. Dieser ganze Gerechtigkeitswahn wir uns noch unsere Existenz kosten.

  • marie

    1. ich gehe mal davon aus, dass sie kein holzpflock sind. wenn sie sich korrekt benehmen, dann spricht das für sie. aber der fall brüderle/himmelreich beweist ja, dass es holzplöcke gibt. sie wollte ein interview mit brüderle führen und er wusste nichts anderes, als sich primitiv zu benehmen. oder würden sie an der arbeit eine frau anmachen, indem sie ihr schlüpferiges sagen und ihr dabei auf den busen starren würden? unter korrekt verstehe ich etwas anderes. sie wohl auch. das nennt man benehemen.

  • marie

    2. und diese holzpflöcke nutzen ihre idr priviligierte situation schamlos aus. frauen wehren sich in der regel nicht, da sie angst haben den job zu verlieren oder aber als prüde zu gelten. wer will das schon.

  • marie

    und meine frage “ie würden es auch nicht mögen, wenn eine frau, die sie als unattraktiv, alt und hässlich einschätzen, bei ihnen die initiative ergreifen und sie auch physisch anmachen würde. oder nicht?” haben sie nicht beantwortet. wink

  • The Damned

    Neulich habe ich mich mit einem Kollegen, der, genauso wie ich, eine, sagen wir mal, hohe Affinität zum weiblichen Geschlecht hat, darüber unterhalten, wie sich das Fehlverhalten unserer Geschlechtsgenossen auf uns Normale auswirkt: Wir waren uns einig, dass es offenbar viele Männer gibt, die nicht imstande sind, die wenigen Balzregeln, die es gibt, einzuhalten- und weibliches Interesse im richtigen Augen-Blick auch richtig zu interpretieren. Wir Normalen müssen immer die Suppe mit auslöffeln, die uns andere Männer eigebrockt haben- und das ist manchmal echt mühsam, vor allem, wenn wieder einmal, wie bei diesem Thema, von ‘den Männern’ gesprochen wird.

  • marie

    wink ergeht uns betroffene frauen ja ebenso. ich kritisiere die frauen, die sich nicht benehmen, in der hoffnung, dass sie sich selbstkritisch mit ihrem verhalten auseinandersetzen. und hoffe dass es die männer im umgekehrten falle auch tun. denn ganz einfach: männer, die sich schlecht benehmen, nehmen eben frauen wie uns nicht ernst. deshalb solltet ihr das untereinander ausmachen. das nenne ich selbstkritisches auseinandersetzen. oder finden sie brüderles verhalten korrekt?

  • The Damned

    Gut, die “might be spam”-Funktion verhindert wieder jede sinnvolle Kommunikation: Ich gehe dann wieder.

  • marie

    schade! ich finde den text hier im clack zum ersten mal eine sehr gute ausgangslage, für eine “zivilisierte” diskussion . ich wünsche ihnen einen schönen sonntag.

  • The Damned

    Was heisst da ‘untereinander ausmachen’? Stehen Sie in ständigem Kontakt zu all Ihren geschätzten 3,5 Milliarden Geschlechtsgenossinen? Eben. Das ist ja das Mühsame an dieser (vorwiegend medial) geführten Geschlechterdebatte: Beide Geschlechter als homogenen Block- anstatt aus individueller Perspektive wahrzunehmen. Und ja, ich werde und wurde schon von Frauen, die nimmer altern, angemacht. Ich konnte damit ohne Staatshilfe umgehen.

  • marie

    ich habe schon sehr früh vor jahrzenhten festgestellt, dass ich alleine die welt nicht ändern kann. aber ich kann mein umfeld beeinflussen. wenn das vermehrt auch andere tun würden… sie sehen, auf was ich hinaus will. denn diese stereotypen sind ja nicht erst vor 40 jahren entstanden wink
    ich zbsp. würde es begrüssen, wenn männer das verhalten brüderles abmahnen und kritische artikel darüber schreiben würden. denn auch hier schreibt eine frau darüber, die nicht ernst genommen wird von männern. qued. leider. (ist nicht als vorwurf gemeint, ist nur eine feststellung!)

  • marie

    sollte q.e.d. heissen und nicht qued. sorry!

  • marie

    bei der arbeit können regeln eingeführt werden, die die umgangskultur im betrieb beeinflussen können. wenn ein chef selbst das schmuddelige schätzt und auslebt, können sie davon ausgehen, dass dies in der umgangskultur gepflegt wird. wenn er das nicht schätzt, dann bleibt es eher eine ausnahme. dafür braucht es den staat nicht.

  • The Damned

    Ihnen ist schon bewusst, dass wir nur eine Seite dieser Geschichte kennen? Bislang schweigt sich Brüderle nämlich aus. Oder reicht es heute aus, wenn sich eine Frau nur schon belästigt-, bzw. vergewaltigt fühlt, um die ganze (Medien- und) Strafverfolgungsmaschinerie in Gang zu setzen? Das wäre das Ende jeder Vertrautheit- und der Privatsphäre schlechthin! Wieviel Politik verträgt das Private?

  • marie

    das schweigen im falle brüderles ist fürmich nur eine logische konsequenz. männer seiner generation haben frauen idr meistens so angemacht (es war damals normal) und niemand hat sich daran gestossen, weil u.a. die frauen seiner generation so erzogen wurden, es einfach zu akzeptieren unter dem motto “männer dürfen das, weil sie männer sind”. das meinte ich mit “dass frauen sowie männer ihre vorgeschriebene geschlechternorm zu verkörpern haben.”. und das hat sich geändert – gott sei dank (ich weiss wovon ich spreche, ich wurde auch so erzogen! es ist schrecklich.).

  • marie

    mit anderen worten: brüderle weiss gar nicht, worum es geht.

  • marie

    Wieviel Politik verträgt das Private?
    je mehr jemand mit macht in der öffentlichkeit ausgestattet ist/betraut wird, ums so mehr sollte er politisch handeln, auch im privaten. das ist der preis der macht. c’est à prendre ou à laisser.

  • Clack-Redaktion

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  • Tomas

    Ich habe noch nie auf die klare Frage, wie definiert man denn Sexismus, eine klare Antwort bekommen. Weil die einzige Definition die universale Gültigkeit hat lautet so, dass es dann Sexismus ist, wenn es die Frau so bezeichnet. Es ist also etwas undefinierbares, subjektives, von situativem Kontext abhängiges und für einen Mann nie restlos predizierbares, wenn man einmal innerhalb der gängigen Gesellschaftsnormen bleibt. Kein Wunder, nimmt es niemand ernst.

  • marie

    spam spam spam spam… vllt ein wink mit dem zaunpfahl…
    2. frauen wagen nicht am arbeitsplatz unliebsame avancen zu sanktionieren, weil dadurch für sie negative folgen entstehen (erlebe ich selber siet fast 30 jahren arbeiten). hier herrscht KEIN konsens und sie darf darüber nichts sagen. DAS darf nicht passieren.

  • marie

    und bloggen sehe ich durchaus als moderne form einer art pflege von zwischenmenschlicher beziehung. wollte lediglich wissen, ob sie darin auch eine ökonomie erkennen. wink

  • marie

    herr the damned, ist für mich umgekehrt ebenso. wenn ichzu hause eine sauordnung habe, dann räume ich auf.
    also, lassen sie uns vermehrt im eigenen umfeld diesbezüglich aufräumen indem wir fehlverhalten kritisieren. zugegeben – ist anstrengend, aber machbar. und positiver nebeneffekt: keine wundersame vermehrung der juristen!

  • The Damned

    Leider kann ich in unserem ökonomistischen Zeitalter nicht ganz so optimistisch in die Zukunft blicken. Wissen Sie, wie gross der Anteil der Scheidungsanwälte an allen spezialisierten Anwälten ist? Meines Wissens bei gut 50 Prozent. Und Scheidungen sind ein weit verbreitetes Phänomen, wie wir alle wissen. Das sich anbahnende Sexismus-Business dürfte aufgrund der vermuteten Häufigkeit um ein x-faches höher liegen- what a dream!

  • marie

    ich habe sie als phantasievoller eingeschätzt tomas. sie machen frauen an mit “dein busen könnte ein dirndl ausfüllen” an?
    ich schätze und mag sie tomas, aber sie müssen zugeben, der spruch ist sowas von deplatziert UND schlecht noch dazu. das können sie besser! grin

  • Tomas

    Marie, im Flirtbusiness ist, wie in der Kunst, eigentlich alles erlaubt, solange beide Spass daran haben. Die ganze peinliche Aktion mit dem “#aufschrei” ist eigentlich nur ein Protokoll der Fälle, wo solche Übereinstimmung nicht gelungen ist.
    Zu meiner Kleinigkeit: ich mag die Subversivität jeglicher Trachten sehr, und Dirndl sowieso. Ein solcher oder ähnlicher Spruch würde also, falls ich ihn in der Situation für angebracht halten würde, durchaus im Bereich des möglichen liegen.

  • marie

    oh, sie gehen regelmässig ans oktoberfest? dort könnte der spruch durchaus beeindrucken – unter alkoholeinfluss hat man/frau manchmal keine kontrolle mehr wink
    tomas, auch zu ihnen: was und wie männer PRIVAT frauen anbaggern (umgekehrt auch) geht zumindest mich nix an und ist mir einerlei, schliesslich herrscht artenvielfalt. aber ein solcher spruch hat am arbeitsplatz/während der arbeit nix zu suchen, ausser sie kennen die kollegin und deren reaktionen sehr gut.
    flirtBUSINESS? sie ökonomisieren sämtliches zwischenmenschliches verhalten?

  • Tomas

    Naja, Marie, flirten am Arbeitsplatz ist wohl ein Sonderfall, aber wenn der Grundsatz “beide haben Spass” stimmt, und wenn es mit Unverbindlichkeit geschieht, kann es nicht ganz falsch sein – gerade wenn es an einer Bar stattfindet.
    Ich war noch nie am Oktoberfest und habe es auch nicht vor.
    Menschliches Verhalten ist Ökonomie pur, die muss man nicht ökonomisieren. Man tauscht Streicheleinheiten oder böse Blicke, tun sie jetzt nicht so scheinheilig grin

  • marie

    okke, sollte ich mal “per zufall” mit ihnen in eine arbeitssituation geraten, werden sie mich am anbaggerspruch ” hey, dein gemächt würde aber eine lederhosn ausfüllen” erkennen und nota bene, vor versammelter mannschaft! wink
    zum ökonomisierten menschlichen verhalten: ich blogge sehr gerne mit ihnen (obwohl ich arbeiten müsste, aber ich finde den virtuellen austausch mit ihnen viiiel spannender). weshalb bloggen sie mit mir?
    (nach wie vor: ich finde das verhalten des politikers deplatziert und unprofessionell)

  • The Damned

    Abschliessend: Mir als Normalem, der durchaus fähig ist, sexuelle Belästigung (für Frauen) ernst zu nehmen- mir sind da einige ganz, ganz arge Beispiele geläufig- graut es vor den Massnahmen, die der Staat wieder ergreifen wird, um Gerechtigkeit herzustellen. Die sich wie Karnickel unkontrolliert vermehrenden Juristen haben schliesslich Lunte gerochen: Da erschliesst sich ihnen ein neuer, geradezu riesengrosser Markt! Die Kollateralschäden dieses in diesem Zusammenhang doch recht aufgesetzt wirkenden Gerechtigkeitswahnes werden wir alle in unserem täglichen Leben zu spüren bekommen.

  • marie

    mein lieber the damned. glauben sie mir, den staat braucht es dafür nicht. es reicht, wenn sich die herren anfangen anständig zu benehmen.

  • Tomas

    Marie, es sind immer noch die Frauen, die die Flughöhe beim flirten bestimmen. Sollten sie mit einem solchen Spruch kommen, würde ich ihren Mut schon noch zu belohnen wissen. Wissen sie, eine ältere, charmante Kollegin hat in regelmässigen Abständen meinen “Knackarsch getestet” bzw. im Gespräch beiläufig meine Schultern oder Arme abgetastet. Ich fand es lustig, wie alle Kollegen auch. Wenn es mich stören würde, würde sie es erfahren, aber darüber empört zu twittern käme mir hoffnungslos peinlich vor.

  • The Damned

    Das sehen die Juristen ganz bestimmt anders, liebe marie: So ein Business werden die sich von niemandem verderben lassen! Sexismus existiert, das sehe ich in meinem eigenen Umfeld sehr genau. Aber was ist mit uns Normalen? Richtig: Wir dürfen gottverdammt nochmals wieder einmal die Rechnung für die Verfehlungen und Grenzüberschreitungen jener Männer bezahlen, die ernsthaft Probleme mit Frauen haben!

  • Tomas

    Weshalb bloggen? Allgemein, hin und wieder die Konzentration zu unterbrechen finde ich hilfreich.

  • marie

    1. ein alter, wildfremder mann (ca 90) hat mir vor jahren einmal vor versammelter mannschaft an einer tagung im tessin vor meinen arbeitskollegen inkl. chef das allerallerschönste kompliment gemacht, das ich jemals gehört habe. ich habe den mann danach einfach mann geküsst vor versammelter mannschaft. der alte mann meinte, dass er nun glücklich sterben könne. in diesem und in ihrem bsp. herrscht KONSENS. um das geht es.

  • The Damned

    Und was mich als kritischen Zeitgenossen und Mann natürlich besonders freut: Diese ganze, völlig hysterisch geführte Sexismusdebatte entwickelt sich mehr und mehr zu einem Bumerang für den Feminismus: http://www.berliner-zeitung.de/sexismus/sexismus-debatte-in-zdfinfo-flirt-schlaegt-aufschrei,21553418,21582660.html

  • The Damned

    Und die Bild Zeitung- welch Wunder, liess diese doch einmal eine Praktikantin namens Alice Schwarzer für sich berichten: “Ich lasse mich als Mann nicht unter Generalverdacht stellen”
    Hier erfährt man mehr: http://www.bild.de/politik/inland/sexismus/ich-lasse-mich-als-mann-nicht-unter-generalverdacht-stellen-28293842.bild.html

  • The Damned

    “(…) Bei Spiegel online wurde gerade die Behauptung aufgestellt, du weißer Mann, du Schwein, du zu Recht aussterben. Wenn der Irrsinn den Diskurs übernimmt, dann wird es wirklich unerträglich für die echten Opfer sexueller Gewalt (…)”
    http://www.wiwo.de/politik/deutschland/bettina-roehl-direkt-sexismus-ist-bruederle-opfer-oder-taeter/7701200.html

  • Tomas

    Warum sollte bloggen eine Ausnahme sein?
    Es ist zwar eine etwas befriedigunsfreie Variante einer Kommunikation, aber sie folgt dennoch ähnlichen Konzepten.

  • marie

    tomas, auch cklack hat mich auf dem kieker – ich glaube die virtuelle welt will marie nicht, sie ist spam. vllt treffen wir uns mal im tram, who knows! nein, ich bin nicht die, der sie ein kompliment machen… auch nicht tragisch.
    ciao bello!

  • marie

    was? das ging durch?
    *facepalm*

  • Tomas

    m: Ich dachte immer, nur totalitäre Regime fürchten sich vor freien Meinungsäusserungen. Dem sei offenbar nicht so grin
    Bei MB krige ich, egal was ich schreibe, nur die Meldung “spam will be deleted” als Reaktion – das hat bereits eine beinahe kafkaesk künstlerische Qualität. Früher, unter Kommunismus, würde ich wohl das System umgehen, aber das ist es nicht Wert.

  • marie

    eine frage der zeit bis ich so aussehe und auch so werde, falls das mit dem spam deleted so weiter geht grin
    http://www.youtube.com/watch?v=1pw8m_NTJ_0
    …dafür braucht es weder ein totalitäres regime noch einen pol pot als informatiker, der mb und clack reichen wink

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