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Arme schöne Frauen

Der Quotenmann geht dem Vorurteil der arroganten, kühlen City-Tussi auf den Grund. Doch gerade die schönsten Frauen sehen sich bei der Partnerwahl unerwarteten Problemen gegenüber.

Von Réda Philippe El Arbi

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Eine Bekannte, Schauspielerin und Model, eine Schönheit (ich meine atemtberaubend), beschwerte sich letzthin darüber, dass im Frühling zwar alle flirten, aber dass sich nie ein Mann getraue, sie anzusprechen. «Nie?», fragte ich nach. Sie erwiderte: «Auf jeden Fall keiner in meinem Alter. Entweder ältere Herren oder arrogante Schnösel. Kein normaler Mann.» Die attraktiven, brauchbaren fänden offenbar nicht den Mut, sie anzusprechen. (Lesen Sie auch: «Die 100 dümmsten Anmachsprüche»)

Meine Bekannte ist 26, 178 cm gross und dunkelblond. Wenn sie abends ausgeht, trägt sie eine teure Frisur, ein teures Kleid, teures Makeup und teuren Schmuck. Sie ist mit Freundinnen unterwegs, die den gleichen Stil tragen, aber etwas weniger schön sind. Auch attraktiv, aber neben ihr verblassen sie ein wenig. Ihre Freundinnen werden öfters angesprochen, sie nicht. 

Sie lacht laut, wenn sie unter sich sind, aber ihre Lippen kräuseln sich selten, wenn ein Mann sie anschaut. Ein Reflex, der aus einem wunderschönen Gesicht eine Art blasierte Maske macht. Sie sagt mir, sie merke das nicht. Es sei wahrscheinlich so, dass sie wohl angesprochen werden will, aber tief verinnerlicht habe, jede irgendgeartete Aufmerksamkeit cool an sich abgleiten zu lassen. Sie werde so oft angestarrt, dass ihr das bewusste Ignorieren in Fleisch und Blut übergegangen sei. Und wenn ihr Einer gefalle, seis noch schlimmer, dann setze sie gleich noch die Sonnenbrille auf.

Den Typ Frau gibts in jeder Stadt, in Mailand, London, Paris, New York und eben auch in Zürich. Sie haben den Ruf, Zicken zu sein, Eisblöcke, meist bei Männern, die sie nach der Marke ihrer Handtasche beurteilen. Ansprechen würden sie sie nicht.  Irgendwie verständlich: Wenn ich nun ein 30-jähriger Mann wär, im Ausgang mit Kumpels, würde ich mich umschauen und ich würde nicht sie ansprechen. (Lesen Sie auch: «Die Minirock-Lüge»)

«Arrogant», würde ich wohl denken, und «unnahbar». Und ich würde eher mit einer Frau flirten, die nicht so perfekt wirkt, bei der das Makeup nicht delikat ist und das Kleid vielleicht nicht wie angegossen sitzt. Sicher würde ich eher auf eine Frau zugehen, die einen freundlichen Blick erwidert, offen ist. So aber kommt es, dass sehr schöne Frauen oft nicht angesprochen werden. Man schaut sie an, man begehrt sie vielleicht, aber man zieht sie nicht mal in Erwägung.

Und natürlich werden jetzt einige Frauen bemerken, dass man nur genug Selbstbewusstsein braucht, um auch eine sehr attraktive Frau anzusprechen. Nun, oft sind die Männer, die dann wirklich den Schritt wagen, mit einem so grossen Ego ausgestattet, dass sie eine eigene Garage dafür brauchen. Weil diese Frauen arrogant wirken, ziehen sie Männer an, die das als Herausforderung für ihr Ego sehen. Und oft führt der Flirt sogar zum Ziel, weil sich nette Männer gar nicht erst in die Konkurrenz begeben.

Versteht mich nicht falsch, ich geb nicht diesem Typ Frau die Schuld. Wenn man seit seinem 14. Lebensjahr von seiner Umgebung hört, wie schön man ist, fällt es schwer, sich nicht nur über das Aussehen zu definieren. Man setzt seine Schönheit in ein perfektes Setting, wie einen teuren Diamanten in eine Fassung, man pflegt und zelebriert die eigene Wirkung. Und das kann dann noch mehr einschüchtern, als es die natürliche Schönheit eh schon tun würde.

Ich könnte meiner Bekannten jetzt Zurückhaltung predigen. Muss ich aber nicht mehr. Sie hat einen «normalen» Mann kennengelernt. Beim Joggen. In alten Turnhosen, stinkend verschwitzt und mit wirren Haaren. Er hat sie angesprochen, ohne Furcht, naja, wenigstens nicht mehr Furcht, als wir Männer uns in solchen Situationen eh schon stellen müssen. Als er sie aber beim darauffolgenden Date in ihrer «Diamantfassung» gesehen hat, war er einem Herzinfarkt schon ziemlich nahe. Zu spät, um Angst zu haben: Sie mag ihn bereits, obwohl er kein George Clooney oder Brad Pitt ist, sondern nur ein netter Kerl aus der Stadt. (Lesen Sie auch: «Was Frauen an Männern lieben»)

Und die Moral an der Geschichte? Keine Ahnung, ich fands nur eine irgendwie tröstliche Story.

Réda Philippe El Arbi ist Co-Chefredaktor bei clack.ch, Autor, Geschichtenerzähler, Stadt-Blogger bei Züritipp/newsnet.ch, Haustiersitter und war kurze Zeit Herausgeber des Zürcher Satiremagazins «Hauptstadt».

  

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Quotenmann


Kommentare

  • Réda Philippe El Arbi

    “Hässlichkeit liegt im Auge des Betrachters” oder so. Es gibt keine hässlichen Menschen, nur solche die mehr dem Mainstream-Geschmack entsprechen und solche, die das nicht tun

  • Jorge

    Schon klar, aber um eine “relative” Schönheit ging’s in Ihrem Beitrag ja nicht, sondern um ein elfengleiches Wesen weiblichen Geschlechts, die des Mainstream-Geschmacks entspricht… sonst wär sie ja wohl kaum ein Model.

    Drum weiterhin: Die Dame jammert(e) auf hohem Niveau…

  • Réda Philippe El Arbi

    Naja, die Qualität von Leiden, Unsicherheit und Einsamkeit ist irgendwie nicht vom Aussehen abhängig.

  • Jorge

    Dem ist nichts hinzuzufügen.

  • The Damned

    Sehr treffend analysiert!

  • Reto B.

    Tja, ich bin wohl von zuvielen wunderhübschen unnahbaren abgewatscht worden, als dass ich das Gefühl hatte, sowas nötig zu haben. Wenn kein Interesse sichtbar war, ging ich nicht hin, da es einige gab, die sich im Interesse der sie umgebenden Motten sonnten. Ich sagte mir, ich hätte es nicht nötig, “mich solchen Damen zu beweisen”, sah nicht ein, weshalb sie nicht auch auf mich zugehen können, wenn sie was wollen. Bis jetzt gibt mir das Leben recht… ich führe eine tolle Beziehung ohne Bringschuld.

  • Réda Philippe El Arbi

    Kann ich verstehen. Und gratuliere zur guten Beziehung, ist selten genug.

    Worauf ich hinweisen wollte, ist, dass schöne Frauen auch nichts dafür können, dass sie als schön wahrgenommen werden. Und dass sie genausowenig für ihre Unsicherheit können, die sie, wie andere auch, oft mit Arroganz und Ignoranz überdecken. Schöne Menschen sind auch nur Menschen.

    Lieber Gruss
    R.

  • Tomas

    Ich pflege meistens zu sagen “du bist zwar wunderschön, aber mach dir nichts draus, du kannst nichts dafür”.

  • Jorge

    Zum Glück lesen hier keine hässlichen Frauen mit…

  • marie

    oder die mit frisuren wie überfahrene seeotter wink
    die “hässlichen” wagen nichts zu schreiben, vermute ich mal.

  • Jorge

    Jetzt wo der Reda hier Tätschmeister ist, sehe ich meine Chancen für einen Otter-Beitrag zwar dahinschmelzen wie Schnee in der Aprilsonne (oh, Moment), aber ja… so in etwa wink

    Ausserdem: Dies ist ein Züriblogg – hier hat’s keine hässlichen Menschen!

  • marie

    …die leben ohnehin alle in der provinz, in züri west zoz. ich weiss das, ich lebe da wink
    spass beiseite: um die ohnehin schönen mache ich mir keine sorgen, sondern eher um die weniger schönen (die, die nicht den gängigen schönheitskriterien entsprechen), da sie laut populärwissenschaften kein anrecht auf vermehrung haben. in diesem zusammenhang würde ich gerne mal etwas näheres über “otter” erfahren. mal sehen.

  • Jorge

    Dann wink ich mal hipp von Züri-Nord rüber *rüberwink* … muss ich jetzt umziehen, weil ich zu heiss für diese Gegend bin?!

    Mjo, wenn sich Schöne drüber aufregen, was für Probleme sie mit ihrer Schönheit haben, stelle ich mir immer vor, wie ein Multimillionär vor einem Bettler sagt, er wisse nicht, welche Rolex er jetzt heute anziehen soll und er drum nicht schlafen könne ^^

    Der Otter hingegen ist Sinnbild für den inneren Schweinehund, nur aussen.

  • Margrit

    Die Story kommt mir aus weiblicher Sicht bekannt vor – einfach dass die “atemberaubend Schöne” ein Mann ist, der einen ja gaaaanz sicher niiiiiie im Leben ansprechen würde….

  • Oliver Burkardsmaier

    Wer kalt und unnahbar wirkt, wird eben kaum angeflirtet. Egal, ob frau schön ist oder nicht.
    Nichts ist attraktiver als ein bezauberndes Lächeln. Wer nicht lächelt, ist eben auch selten attraktiv.

  • balduin

    schöne frauen sind zu teuer im unterhalt. das weiss jeder mann.

  • PefferundSalz

    Wenn die Frau andere Männer nicht anlächelt und Spaß mit ihnen hat, dann braucht sie sich nicht zu wundern. Viele schöne Frauen verstecken sich hinter ihrer Schönheit wie hinter einem Schild. Ich spreche lieber Frauen an die mit mir auch im Schlamm rumhüpfen würden als solche die teure Frisuren haben und ich bin tatsächlich was Aussehen und Ausstahlung angeht eher die bessere Wahl und werde selbst oft angesprochen. Trotzdem – hübsche Frauen sind erschreckend häufig uninteressant.

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