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«Meine Seele brauche ich noch»

Anne Walser ist mit 34 eine der erfolgreichsten Filmproduzenten der Schweiz – und die Frau hinter dem «Teufel von Mailand».

Von Christian Nill

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In der Reihe «Ein Drink an der Bar mit…» treffen ein erfahrener Journalist und ein Fotograf regelmässig auf sogenannte VIPs, trinken mit ihnen etwas an einer Bar und plaudern ungezwungen über Gott, die Welt und andere persönliche Dinge. Die Gespräche – samt stimmungsvollen Fotos – sowie weitere spannende Storys werden wöchentlich auf Bar-Storys.ch veröffentlicht.


Abends in einem schlossähnlichen Hotel im Oberengadin. Anne Walser kommt eben von den Dreharbeiten zurück. Die ganze Zeit gehen Crew-Mitglieder ein und aus. Anne Walser beobachtet aus einem Auge permanent, was um sie herum geschieht.

In welcher Bar befinden wir uns?

Wir sind in der Bar des Hotel «Castell» in Zuoz. Genau gesagt in der Roten Bar von Pipilotti Rist. Das hier ist der abendliche Treffpunkt der Filmcrew.

Warum sind Sie hier?

Wir drehen zurzeit den «Teufel von Mailand». Eine Martin-Suter-Verfilmung für das Schweizer Fernsehen und das ZDF. Es ging darum, das perfekte Hotel zu finden für diese Geschichte. Wir entschieden uns nach langer Suche für das Castell, weil es vom Gebäudetyp her am stärksten dem entsprach, was wir uns vorgestellt hatten. Es ist ein spezielles Hotel, das auf einem Hügel über dem Dorf thront.

Sie trinken Tee. Ist das Ihr Standardgetränk?

Ja, ich bin eine Teetante.

Und wenn Sie abends in eine Bar gehen?

Dann trinke ich Weisswein. Wir haben sogar einen lokalen Weinsponsor, Dani Matter Weine, der wahnsinnig gute Weine liefert. Auch meinen Lieblingswein – extra für mich.

Was für ein Wein ist das?

Eine Chardonnay-Sorte. Man scheint diesen Wein nur in Samedan zu bekommen.

Trinken Sie nie Cocktails?

Nein.

Wenn man Ihnen also an einer Bar einmal einen Cocktail spendiert, ist man dann eigentlich schon unten durch?

Dann kann man gleich wieder gehen… Nein, das nicht. Mit sind einfach so Schirmchen-Kirschen-Cocktails ein Gräuel.

Es gibt ja auch solche mit beispielsweise Whisky drin.

Ja, so einen Whisky Soda nehme ich schon mal zu später Stunde. Oder einen Vodka Tonic.

Sie stecken mitten in den Dreharbeiten von «Der Teufel von Mailand». Wie läuft es?

Bis jetzt läufts optimal, so wie es sich eine Produzentin nur wünschen kann. Wir haben ein wahnsinnig gutes Team und das Hotel unterstützt uns, wo immer möglich. Wenns sein muss, bereiten die uns schon morgens um fünf Uhr das Frühstück zu. Und das Essen ist fein, die Unterkünfte schön – das hat den Vorteil, dass die Crew schnell arbeitet, um möglichst rasch wieder ins Hotel zurückkehren zu können. Das ist gut für mich… 

Wie heisst denn das Hotel in Ihrem Film?

Es heisst wie es heisst: «Castell»

Das nenne ich mal ein Product Placement!

Es gibt hier so viele Requisiten, die wir verwenden: Speisekarte, Hotel-Schriftzug und so weiter. Das hätten wir alles neu produzieren müssen. Dieses Geld wollte ich gerne sparen. Ausserdem: Dieses Hotel ist wirklich eine Art Kastell. Man sieht es schon von weit unten im Tal, wie es hier oben thront.

Erzählen Sie doch kurz, worum es in der Geschichte geht.

Sonja, die Hauptfigur, hat eine ganz schlimme Ehe hinter sich mit einem gewalttätigen Mann, der sie umbringen wollte. Nun sitzt er in Verwahrung in einer psychiatrischen Klinik. Sonja versucht derweil, einen Neuanfang zu wagen. Deshalb heuert sie im Hotel als Physiotherapeutin an und versucht damit, ihre Probleme im Unterland in der Stadt zurückzulassen.

Aber…

Aber das klappt natürlich nicht ganz, die Vergangenheit holt sie ein und Sonja muss feststellen, dass ihr das Böse bis in die Berge gefolgt ist.

Was hat Sie an diesem Stoff gereizt?

Es ist eine sinnliche Geschichte. Es geht um Wahrnehmungen und Ängste. Mir gefällt das Thema des Neuanfangs: Wie viel Mut muss man aufbringen, um einen solchen zu wagen? Das finde ich spannend, zu beobachten, ob es klappt oder nicht. Ausserdem ist es auch visuell eine wunderbare Geschichte. Es ist sehr spannend, im Engadin einen Film zu drehen.

Das waren die Gründe?

Nicht zuletzt halte ich Martin Suter, der die Romanvorlage schrieb, für einen sehr guten Autor. Mittlerweile ist er ein wichtiger europäischer Autor. Das hat man natürlich im Hinterkopf, dass da schon ein Markt vorhanden ist für so einen Film. Ich möchte ja nicht irgendwelche Filme drehen, die dann niemand sehen will.

Suter als Erfolgsgarant.

Ja. Das hoffe ich zumindest.

Im Roman wird die Hauptfigur Sonja als Synästhetikerin beschrieben. Das sind Menschen, die beispielsweise Farben riechen und Geräusche sehen können. Welchen Stellenwert messen Sie dieser besonderen Wahrnehmung im Film bei?

So detailliert wie im Roman können wir das natürlich im Film nicht zeigen und darstellen. Allerdings wird Sonjas Sinneswelt eine sehr spezielle visuelle Kameraführung erhalten, welche ihre sensiblen Reize unterstreicht. Vielfach arbeiten wir auch mit Makroaufnahmen, die eben Sinnbild dafür sein sollen, dass Sonja anders und sensibler funktioniert als andere Menschen.. Wir zeigen eine Sonja, die sehr empfindlich ist: Sie spürt schneller als andere die Nähe eines andern Menschen und sie hört vielleicht etwas mehr. Das hängt damit zusammen, dass sie sehr schlechte Erfahrungen gemacht hat und deswegen ständig auf der Hut ist. Sie ist ständig angespannt, aus Angst, es könnte wieder etwas passieren.

Haben Sie synästhetische Wahrnehmungen?

Ich sehe jetzt nicht gerade Gerüche. Aber ich würde auf jeden Fall sagen, dass ich sehr sensible Reize habe. Deshalb mache ich auch diesen Job. Man muss Menschen gut spüren können; man muss wissen, wie weit man mit dem einzelnen gehen kann. Filmen bedeutet eigentlich immer, dass man sehr viel von anderen verlangt und sie Dinge tun lässt, die sie eigentlich gar nicht tun würden. Man ist stark auf den Goodwill der Leute angewiesen. Man trägt die Verantwortung für die Crew und für die Schauspieler, die sich täglich offenbaren. Es ist ein sinnlicher Job, obwohl es schlussendlich um Geld geht.

Haben Sie eine besondere Zahlenwahrnehmung?

Ja, vor allem, wenn sie tief sind nehme ich sie speziell schnell wahr… Ich bin jemand, der schon an der Schule Mathematik sehr mochte. Ich mag das Logische. Neben allem Sinnlichen, das der Job mit sich bringt, geht es natürlich auch um Kontrolle. Letztendlich resultiert alles in Zahlen. Alles, was hier im Salon und in der Bar herumsteht, kostet Geld.

Müssen Sie oft eingreifen und die Bremse ziehen?

Nein. Man wäre ein schlechter Produzent, wenn man während den Dreharbeiten eingreifen müsste. Dann hätte man in der Vorbereitung etwas falsch gemacht. Ziel ist, dass vor Drehbeginn alles durchgesprochen ist. Dass der Regisseur klar kommuniziert hat, was möglich ist und was nicht. Wenn der Dreh erst einmal begonnen hat, habe ich praktisch nichts mehr zu tun. Dann geniesse ich es, wie die Geschichte zu Bildern wird.

Wie sieht Ihre Arbeit aus, bevor Sie sie geniessen können?

Am Anfang eines Projekts gibt es oftmals nur mich. Sich für eine Geschichte zu entscheiden ist ein grosses Risiko und oftmals eine Gratwanderung. Gemeinsam mit dem Drehbuchautoren wird dann die Geschichte gesponnen, bis sie irgendwann zu einem Drehbuch wird. Später kommt dann der Regisseur hinzu, den ich aussuche und meinen Partnern, den Fernsehstationen, vorschlage. Es muss jemand sein, bei dem ich das Gefühl habe, mit dieser Person sowohl professionell wie menschlich arbeiten zu können. Ausserdem muss ich dieser Person auch eine ganze Crew anvertrauen können. Zuletzt stelle ich die Crew zusammen. Das sind natürlich oftmals Leute, die ich schon von anderen Filmen her kenne. Filmer sind schon fast eine Familie.

Besteht da nicht die Gefahr der Langeweile, wenn man immer mit den gleichen arbeitet? Fehlt da nicht die künstlerische Reibung?

Ja, es geht schon um ein Gleichgewicht aus Personen, die ich schon kenne, denen ich vertrauen kann und neuen Leuten. Ich gebe gerne jungen Menschen, die noch keine Erfahrung haben, eine Chance. Das gibt bisweilen schöne Überraschungen, wenn man die wachsen sieht. Zuerst waren es vielleicht Runner, dann beim nächsten Film Produktionsassistenten und irgendwann wird ein Produktionsleiter oder Kameramann daraus. Dennoch: Es braucht beides – unerfahrene und erfahrene Crew-Mitglieder. Erfahrung ist sehr wichtig, weil man schlicht keine Zeit hat. Und jede Minute kostet Geld.

Was kostet ein Drehtag bei dieser Produktion?

Rund 25’000 bis 30’000 Franken.

Und wie lange drehen Sie?

Wir haben 25 Drehtage geplant. Trotzdem kann man das jetzt nicht einfach hochrechnen. Es gibt ja noch die einmaligen Kosten, die machen den grössten Posten aus. Mit dem erwähnten Betrag sind vor allem die Löhne und das Essen gedeckt.

Wie gross ist das Budget für «Der Teufel von Mailand»?

Rund zweieinhalb Millionen Franken. Aufwärts.

Können Sie dieses Budget einordnen?

Für eine Fernsehproduktion ist das ein schönes Budget. Es handelt sich ja auch um eine Ko-Produktion mit dem ZDF. Alleine aus der Schweiz wäre das nicht finanzierbar. Fernsehfilme kosten meistens um die zwei Millionen Franken.

Ganz schön viel Verantwortung, die Sie da herumtragen. Werden Sie auch mal laut auf dem Set, wenn etwas nicht funktioniert?

Ja.

Und was passiert dann?

Ich glaube, das macht dann schon Eindruck… Allerdings werde ich wirklich sehr selten laut. Ich würde behaupten, ich bin eine besonnene, kommunikative Produzentin. Ich verstehe mich mit den Leuten sehr gut und glaube nicht ans Herumschreien. Aber es ist natürlich in meiner 14-jährigen Karriere auch schon vorgekommen.

Wie, Sie begannen bereits als 20-jährige, Filme zu produzieren?

Nein, damals hatte ich natürlich noch nicht produziert. Ich begann ganz klassisch und dann gings weiter, Stufe um Stufe.

Also zuerst Runner?

Nein. Ich habe einige Stufen übersprungen. Ich stieg direkt als Assistentin ein. Dann ging es schnell und ich wurde Produktionsleiterin. Seit rund sieben Jahren produziere ich.

Kommen Sie aus einer Filmfamilie, dass Sie so schnell so weit oben einsteigen konnten?

Nein, gar nicht. Ich bin in der Familie eher vom Karren gefallen.

Von welchem Karren?

Wir sind eher eine Akademikerfamilie. Und meine Mutter ist ein bisschen künstlerisch angehaucht.

Inwiefern?

Schreiben und Theater.

Schreiben Sie auch?

Ich schreibe auch. Ich arbeite zurzeit sogar an einem Drehbuch.

Worum geht es?

Es geht um eine junge Frau, die sich selber kennen lernt.

Um Sie?

Nein, gar nicht.

Sie waren ja auch mal jung.

Und bin es noch! Es wird eine ziemlich schräge Komödie.

Was ist der Produktionsstand?

Das sollte ich wirklich nicht sagen. Das ist peinlich, wenn dann nichts daraus wird. Das können Sie gleich wieder streichen.

Sie verfilmen nicht zum ersten Mal Stoff von Martin Suter. Wie wäre es mit seinem letzten Roman «Der Koch»?

Das mache ich bereits.

Davon weiss ich nichts.

Tja. Ist auch noch nicht offiziell.

Deswegen steht nichts auf der C-Films-Homepage…

Genau. Quasi druckfrisch die Tinte auf dem Vertrag. Wir produzieren die Geschichte gemeinsam mit Senator Film und Network Movies in Deutschland, mit denen wir auch den «Teufel von Mailand» machen.

Das sind ja interessante Neuigkeiten.

Das wird allerdings ein Kinofilm.

Welche Schweizer Geschichten müssten auch einmal verfilmt werden?

Der «Schellen-Ursli».

Das machen Sie ja bereits mit Ihrer Firma C-Films.

Ja. Wir sind eben ziemlich gut unterwegs… Versuchen frühzeitig zu spüren, was der Schweizer Markt braucht. Die Geschichte des Grüninger machen wir auch. (Der St. Galler Polizist Paul Grüninger rettete z. Zt. des Zweiten Weltkrieges zahlreiche Juden vor den Nazis und wurde dafür unehrenhaft aus dem Dienst entlassen)

Mich interessieren die Geschichten, die Sie noch nicht projektiert haben.

Wir sind natürlich immer auf der Suche nach speziellen Geschichten aus der Schweiz, aber wir haben schon sehr viel abgedeckt. Wenn es eine spannende Geschichte gäbe, die wir noch nicht machen, dann würde ich jetzt sofort aufspringen und damit beginnen…

Wie sieht es aus mit politischen Geschichten? Den Fall des Amokläufers Tschanun haben Sie im Film «180» adaptiert.

Ich finde, es gibt viele spannende Leute in der Schweiz. Oder berühmte Leute, die in der Schweiz lebten. Zum Beispiel ein Richard Wagner. Das fände ich sehr spannend, daraus einen Film zu machen. Oder ein Alfred Escher. Der hat eine sehr spannende Lebensgeschichte. Das Problem bei diesen Figuren aus der Vergangenheit ist, dass das sehr teure Filme werden. Man kann sie kaum nur aus der Schweiz finanzieren. Also braucht man Partner aus dem Ausland. Und das Ausland interessiert sich weniger für Escher. Für Wagner hingegen schon.

Weitere Persönlichkeiten, die Sie interessant finden?

Natürlich auch Lydia Welti-Escher fände ich sehr spannend!

Die unglücklich verheiratete Bundesratstochter, die mit dem Künstler Stauffer nach Rom floh und von ihrem Vater und ihrem Mann in einer psychiatrischen Klinik entsorgt wurde.

Da haben wir auch bereits erste Schritte unternommen. Oder dann die Schwarzenbach-Familie, die ist auch spannend.

Annemarie Schwarzenbach, die Schriftstellerin, die in den 1930er-Jahren durch Afghanistan reiste?

Walser: Ich dachte eher an ihre Mutter – eine wahnsinnige Frau, fast spannender als Annemarie. Ausserdem gibt es Dinge, wie das Rote Kreuz beispielsweise, über das man wirklich einmal einen Film machen sollte.

Das gäbe dann schöne Schlachtszenen.

Eben, das ist genau das Problem: diese Schlachtszenen.

Sie arbeiten zurzeit wie erwähnt am «Schellen-Ursli». Was für ein Film wird das?

Das ist eines unserer ganz grossen Projekte. Das wird ein Film mit realen Figuren. Mit sehr vielen Special Effects! Schnee, Lawinen und Ziegen, die herumfliegen. Wir stecken in der Finanzierung und wissen noch nicht genau, wohin die Reise gehen wird. Aber wir haben sehr grosse Ambitionen und die Türen sind überall, wo wir hinkommen, weit offen.

Wann wird gedreht?

Im nächsten Winter. Auch wieder hier oben. Voraussichtlich in der Gegend um Bergün und Scuol.

Ein weiteres Projekt, das Sie mit C-Films vorantreiben, ist die Verfilmung des Romans «Nachtzug nach Lissabon».

Ja, Nachtzug ist sogar noch das grössere Glamourprojekt als Schellen-Ursli. Hier ist C-Films allerdings nur minoritär beteiligt. Der Roman wurde ebenfalls von einem Schweizer Schriftsteller geschrieben (Pascal Mercier), und es ist ebenfalls ein Bestseller. Wenn man so etwas als Grundlage hat, hat man wirklich grosse Chancen, das Interesse spannender Namen zu gewinnen. Deshalb hatten wir auch Glück, dass wir Bille August («Das Geisterhaus»; «Pelle der Eroberer») als Regisseur gewinnen konnten. Dann wird alles andere fast zu einem Selbstläufer. So einen tollen Cast, wie wir dafür haben, hat man nicht jeden Tag!

Jeremy Irons, Bruno Ganz, Vanessa Redgrave. Und Christopher Lee!

Genau.

Ist es das erste Mal, dass Sie mit solchen internationalen Stars arbeiten?

Nein, bei «Die Manns» arbeitete ich zum Beispiel mit Armin Müller-Stahl. Ich habe auch schon in anderen Funktionen mit solchen Bekanntheiten gearbeitet. Aber wenn man mit solchen Stars den Alltag teilt, ist es etwas Anderes. Dann wird aus Jeremy Irons schlicht Jeremy.

Aha.

Als Produzent ist man natürlich auch Filmliebhaber. Und wenn man dann plötzlich sieht, dass man an seine Lieblingsschauspieler herankommt, dann schlägt das Herz schon höher.

Ist Jeremy Irons so ein Ladykiller, wie man gemeinhin annimmt?

Also ich finde ihn super! Ich werde garantiert oft auf dem Set anzutreffen sein. Allerdings spielt vielleicht auch der deutsche Schauspieler August Diehl mit, den finde ich fast noch besser.

Was halten Sie von Bruno Ganz?

Walser: Das ist natürlich ein grossartiger Schauspieler. Wir haben uns leider schon oft knapp verpasst… Er ist ja sehr beschäftigt.

Mit welchen Schauspielern würden Sie gerne arbeiten?

August Diehl gehört sicher dazu. Und, ich gestehe es, Benicio del Toro.

Das ist doch nicht schlimm.

Da würde ich wahnsinnig viel dafür geben, mit ihm drehen zu können.

Das liegt ja in Ihrer Hand.

Ja. Ich warte einfach noch auf das passende Projekt, wo es ihn braucht.

Was für ein Projekt müsste das sein?

Der kann ja ziemlich viel spielen. Irgendwas mit Mafia wäre lässig. Das würde mir sowieso sehr gut gefallen, einen Mafiafilm zu produzieren! Das würde zu del Toro passen. Auf jeden Fall müsste es ein Thriller sein, keine Komödie.

Jetzt sprachen wir nur über Männer. Welche Schauspielerinnen gefallen Ihnen?

Ich halte Cate Blanchett für eine ganz tolle Schauspielerin. Und Naomi Watts.

Wie weit würden Sie gehen für einen Oscar?

Ich gehe weit, um gute Filme zu machen. Ich denke, jeder träumt davon, einen Oscar oder eine Goldene Palme zu gewinnen. Aber ich denke, es geht nicht um den Preis, sondern darum, Filme zu machen, die in die Herzen der Zuschauer eindringen. Dafür gebe ich einfach jeden Tag mein Bestes.

In der Sage im Roman «Der Teufel in Mailand» geht es um ein armes Mädchen, das seine Seele dem Teufel verkauft. Wofür würden Sie Ihre Seele dem Teufel verkaufen?

Da habe ich zu grossen Respekt vor dem Teufel! Ausserdem habe ich gerne die Kontrolle. Meine Seele brauche ich noch und ich wüsste nicht, was der Teufel damit soll. Ich habe schon oft genug beobachtet, was passiert, wenn man sich dem Teufel verkauft.

Was denn?

Das sind Leute, die krank werden und sterben. Sie verraten sich selber und verlieren ihre Freunde. Das ist es für mich nicht wert.

In «The Devil’s Advocate» spielt Al Pacino den Teufel. Zum Schluss des Films stellt er triumphierend fest, dass er die Menschen immer bei deren Eitelkeit erwische. Sie erwähnten vorhin gegenüber Fotograf Scherrer, welches Ihre Schokoladenseite sei. Sind Sie eitel?

Ja, natürlich. Ich kenne keinen Menschen, der nicht eitel ist. Der nicht möchte, dass er in der Öffentlichkeit gut rüberkommt. Aber ich denke, meine Eitelkeit bewegt sich in einem gesunden, normalen Rahmen.

Sie würden jedoch nie ungepflegt aus dem Haus gehen.

Nein. Ich bezeichne mich schon als gepflegte Person. Ich habe auch Spass daran, mich den Umständen entsprechend richtig anzuziehen. Aber es muss bequem sein!

Deshalb sind Sie eher der Jeans-Typ?

Ja, ich bin eher der Jeans-Typ. In Cocktail-Kleidern beispielsweise fühle ich mich nicht sonderlich wohl.

Die kurzen oder die langen?

Kurz und lang. Vor allem die langen finde ich blöd. Da stolpere ich immer drüber… Ich bin eher zackig.

• Anne Walser, geboren am 7. April 1977 in Paris, arbeitet im Filmbusiness, seit sie 20 ist. Sie ist Produzentin und Mitinhaberin von C-Films.
C-Films ging aus Condor Films hervor, gegründet von Peter-Christian Fueter, Peter Reichenbach, Edi Hubschmid. Zu den Filmen, die Anne Walser produziert oder mitproduziert hat, gehören: «Marcello Marcello», «Der Verdingbub» (erfolgreichster Schweizer Film 2011), «Grounding», «Mein Name ist Eugen», «Der letzte Weynfeldt».

© www.bar-storys.ch, Dezember 2011

Wie sich Anne Walser im Filmquiz schlägt, sehen Sie auf «Bar-Storys.ch»


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Barstories

Christian Nill

Initiant von Bar-Storys.ch, Journalist und Inhaber der Agentur Storyline – Die Content-Redaktion. Er zeichnet für den gesamten Content auf Bar-Storys.ch verantwortlich, schreibt, redigiert und organisiert.