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233 Millionen ohne Verhütung

Die Anti-Baby-Pille gibt weltweit zu reden. Wenn auch nicht überall aus denselben Gründen.

Von Nathalie Sassine-Hauptmann

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Über 50 Jahre nach ihrer Einführung gibt die Anti-Baby-Pille immer noch zu reden. So wurde letzte Woche in Amerika nach langjährigem Widerstand des weissen Hausses und vieler – meist religiösen – Gruppierungen die rezeptfreie «Pille danach» für Amerikanerinnen freigegeben, um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Als Vergleich: In der Schweiz erhalten Frauen diese bereits seit 2002 ohne vorher den Arzt besucht zu haben. Soweit zum Thema in der «zivilisierten» Welt.

Denn, während wir in Europa und vor allem in der Schweiz die mangelnden Geburten beklagen, veröffentlichte das medizinische Fachmagazin «The Lancet» eine alarmierende Studie: Demnach würden 2015 233 Millionen Frauen keinen Zugang zu modernen Empfängnisverhütungsmethoden haben, obwohl sie sich dies wünschten. Dies die Eintschätzung der Forscher vom «Department of Economic and Social Affairs» der Vereinten Nationen und der «National University of Singapore». Sie werteten die Daten über die Häufigkeit von Verhütungsmethoden und den ungedeckten Bedarf bei Kontrazeptiva in 194 Ländern weltweit zwischen 1990 und 2010 aus.

Afrika 2050
Die Wissenschaftler untersuchten die Verwendung von Verhütungsmitteln bei verheirateten Frauen im gebärfähigen Alter und stellten fest, dass diese von 55 Prozent 1990 auf 63 Prozent 2010 gestiegen ist. Indes sank der ungedeckte Bedarf der Pille und anderen empfängnisverhütenden Mitteln im selben Zeitraum von 15 auf zwölf Prozent. Das Bevölkerungswachstum und der weltweit zunehmende Wunsch nach moderner Familienplanung ergeben diese erhöhte Diskrepanz und gleichzeitig eine steigende Nachfrage nach Verhütungsmitteln.

Bereits vor drei Jahren wurde die Frage untersucht und festgestellt, dass 20 Prozent der verheirateten Frauen in Ost-, Zentral- und Westafrika gerne Verhütungsmittel angewendet hätten. Das Fehlen ebendieser hat gerade auf dem afrikanische Kontinent Konsequenzen: Die Wissenschaftler befürchten eine Verdreifachung der Bevölkerung in der Sahelzone bis 2050 und warnen vor den ökologischen Konsequenzen dieses ohnehin sehr fragilen Systems. Nun hoffen die Autoren, mit ihrer Studie die bessere Verteilung von Verhütungsmitteln zu forcieren.

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Kommentare

  • marie

    und die anzahl frauen steigt, die keinen zugang zu frei verfügbaren verhütungsmethoden wie der pille haben…
    eine umfangreiche analyse sowie diskussion bei diesem thema wäre an der zeit und begrüssenswert.

  • Nico

    Entweder ist die Studie falsch zusammengefasst oder falsch verstanden. Wenn der ungedeckte Bedarf sinkt, der Anteil von Frauen steigt, die Verhütungsmittel verwenden, was ist dann an dieser Studie “alarmierend”? Die Zahl 233 Millionen sagt doch überhaupt nichts aus, wenn man ihr nicht die Zahlen der Vorjahre gegenüberstellt. Da ist von “erhöhter Diskrepanz” die Rede, aber Diskrepanz zwischen was? Aus dem Text ist das nicht zu entnehmen.

  • Katharina

    Der Anstieg war im Vergleich zu 1990, aber seit dem Jahr 2000 hat er sich verlangsamt bzw. ist schon wieder leicht rückläufig, insbesondere in den Ländern der sog. 3. Welt, wo die Bevölkerungsexplosion am stärksten ist. (siehe Originalartikel bei The Lancet)

  • Katharina

    Die Studie wurde hier falsch zusammengefasst oder interpretiert.

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